Dieser Artikel stammt von unserer Teamkollegin Alex. Sie schreibt auf dem Blog Alex4Alb.

Man bekommt viele Infos durch die Medien über Flüchtlinge, ihre Situation, ihr Leben. Was davon stimmt überhaupt oder wo werden wir von den Medien manipuliert? Dann sitzt vielleicht einer von ihnen eines Tages vor dir. Du verstehst seine Sprache nicht, denkst dir, dass er ja gar nicht so arm aussieht, wie die Kinder in Afrika, die du immer innerlich vor Augen  hast, mit aufgeblähten Bäuchen vor Hunger. Und dann ist da der Hintergedanke, dass du nachher mal nach schauen musst, ob dein Portemonnaie noch in deiner Tasche ist.

Ich möchte dir einen realistischen Eindruck geben, wie die Situation vor Ort ist, wo einige dieser Menschen her kommen, wo also die Quelle der Probleme liegt.

Die Geschichte von Agim

Ich erzähle dir die Geschichte von Agim (Name fiktiv). Jeden Tag wächst er damit auf, dass sein Vater keine Arbeit findet, dass das Geld immer knapp ist. Einen Tag kann er mal hier helfen, den anderen da. Dann wird ein neues Gebäude gebaut, dort bekommt er etwas mehr Geld. Aber davon müssen zuerst mal die Medikamente für die Oma bezahlt werden, die Schulbücher und Hefte für die Kinder, dann das Holz für den Winter, jeden Monat Strom, Wasser und Miete und dann noch das Milchpulver für den kleinen Bruder, der jetzt 2 Monate alt ist und keine Muttermilch bekommen kann.

Alle mühen sich ab

Er sieht, wie auch die Menschen, die einen normalen Job haben, sich finanziell abmühen. Alle sind immer am Limit. Sowohl die Leute, die auf dem Dorf leben und mit Obst, Gemüse, Milch, Eiern und Fleisch über die Runden kommen, als auch die Lehrerin, die eigentlich gut verdient, aber 10 Jahre lang den Kredit von ihrer Hüft-Op abbezahlen muss, weil sie ohne diese Op nicht mehr hätte laufen können. Manche schaffen es so gerade eben ihren Kindern eine Ausbildung zu finanzieren – was nützt diese, wenn sie danach keinen Job finden? Der Staat ist dabei auch keine Hilfe, eine gute Arbeit bekommst du nur, wenn du in der entsprechenden Partei bist.

Der Ausweg ins Ausland

Die einzigen, denen es gut geht, die eine gute Ausbildung machen können und die sich auch Autos oder OPs leisten können, sind die Familien, die viele Kinder im Ausland haben. In England, Deutschland, Schweiz, Frankreich, Belgien, Italien. Von dort wird alles bezahlt.

In dieser Umgebung und mit diesen Eindrücken wächst Agim auf. Als er älter wird hat er nur noch einen einzigen Wunsch: Möglichst schnell ins Ausland, um dort Geld zu verdienen, für sich und für die Familie, die hier lebt, für seine Eltern, die so hart kämpfen, für seine Geschwister, denen er ein besseres Leben wünscht.

Als ältester Sohn fühlt er diese Verantwortung auf sich. Und auch für sich selbst wünscht er sich einfach hier weg zu kommen, raus aus der depressiven Stimmung, ein besseres, einfacheres und schöneres Leben haben zu können. Das scheint der einzige Ausweg. Also verläßt er auf illegalem Wege das Land. Ca. 500-1000 Euro kostet es, um illegal nach Deutschland zu kommen. Nach England ist es teurer. Er ist eigentlich noch ein Kind und trägt eine höhere Verantwortung als viele Erwachsene.

Dort angekommen fühlt er sich sehr alleine. Der Start ist nicht einfach. Eine neue Sprache, neue Menschen, eine völlig andere Kultur. Aber einige kümmern sich wenigstens um ihn. Und besorgen ihm Geld, das er dann z.B. schon mal der Familie schicken kann. Mit ihnen dreht er ein paar harmlose Dinge, er will ja dazu gehören und das Geld ist lebensnotwendig. Und schließlich läßt man ja bei ihm zuhause auch mal 5 gerade sein, wenn man gute Kontakte hat. Irgendwann kommt er aus dieser Spirale nicht mehr raus. Dabei hatte er doch so auf ein besseres Leben gehofft.

Es muss nicht immer so sein, aber wir erleben hier, dass Zahlen, von denen man gehört hat und hört nicht nur Zahlen sind, sondern Menschen sind, mit einer individuellen Geschichte, die oft traurig macht und hoffnungslos ist.

Bitte betet für Albanien!

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