Wie mich das Buch Jeremia erschlagen hat und welche anderen Gedanken mir kamen

von Rahel Fröse am 13. April 2020

Gerade habe ich das Buch des Propheten Jeremia fertig gelesen. Ich sitze nun in der Sonne auf unserem Balkon und bin irgendwie erschlagen. 

Erschlagen 

Erschlagen von den vielen Erschlagenen, von denen in diesem Buch die Rede ist.

Erschlagen von der völlig unverständlichen Gnade Gottes.

Erschlagen von seiner rigorosen Treue zu seinem Volk.

Erschlagen aber auch von seinem Zorn und seiner Rache, die sich über Nationen ergießt.

Erschlagen zu sehen, wie der größte König der damaligen Welt als  „Knecht“ Gottes bezeichnet wird. 

Wieder einmal völlig hin und weg von der Größe und Souveränität Gottes (wenn es dir schwerfällt, daran voll und ganz zu glauben, dann lies Jeremia!)

völlig hin und weg von seiner Geduld und Güte,

seinem Erbarmen und seiner Vergebungsbereitschaft. 

Immer wieder

Wie er immer und immer wieder sich „früh aufmachend und sendend und redend“ (diese Wendung kommt 10x vor) seinem untreuen Volk zuwendet.

Wie er immer wieder Worte des Heils inmitten völliger Gottlosigkeit spricht, 

Worte des Friedens und der guten Zukunft, 

wie er redet von all dem Guten, das er seinem Volk zuteilwerden lassen möchte. 

Seine absolut „unmenschliche“ Liebe, die man nur so erklären kann: 

Er selbst ist die Liebe! 

Dieses Volk 

Da ist ein Volk, das eigentlich immer nein zu seinen Worten sagt. 

Das ihm eigentlich immer den Rücken zukehrt.

Das eigentlich immer nicht hört und das Gegenteil von dem tut, was geboten wird.

Das eigentlich immer den Weg des Ungehorsams und des Untergangs geht.

Das Lüge zur Wahrheit erklärt und Wahrheit verdreht und mit Lüge tauscht.

Das einfach nicht versteht. Nicht begreift, dass da ein Gott ist, ihr Gott, der sich ausstreckt nach ihnen aus reiner Liebe!

Dieser Gott 

Ein Gott, der sie aus dem Sklavenhaus geführt hat und ihr Retter ist!

Ein Gott, der die Quelle lebendigen Wassers ist und den sie ablehnen.

Ein Gott, der allmächtiger Schöpfer aller Dinge ist und der ihnen nachgeht.

Ein Gott, der sich nicht spotten lässt und der der einzige Gott sein will.

Warum?

Ich lese diese Worte Jeremias und frage mich, wie dieses Volk nur so dermaßen verstockt sein konnte. 

Warum, warum hören sie nicht? 

Warum machen sie nicht ihre Augen auf und sehen, dass Jeremia Wahrheit spricht? Warum kehren sie nicht um? 

Warum wählen sie den Tod? 

Warum lästern sie Gott ins Gesicht? 

Warum lassen sie sich blenden von Lügen?

Warum, warum, warum?

Und heute?

Wenn ich so darüber nachdenke, dann könnte man sich eigentlich genau diese Fragen auch heute stellen. Auch heute handeln die Menschen nicht anders. Wir laufen weg von Gott. Wir glauben Lügen mehr, wie unserem Schöpfer, beten Geschaffenes an und machen uns abhängig von irdischen Dingen anstatt von unserem Gott.

Wir vertrauen auf unsere eigene Stärke, sind hochmütig und stolz (das sind genau die Anklagepunkte, die Gott gegen die verschiedenen Völker hat, die am Ende des Jeremia Buches gerichtet werden). Vielleicht hat uns Gott deshalb diesen Virus geschickt, um uns genau an diesen Punkten die Realität vor Augen zu malen?

Traurige Geschichte 

Am Ende des Buches steht sehr eindrücklich, wie alles, was Jeremia vorhergesagt hat, eingetroffen ist. Das schreckliche Gericht über den gottlosen König Zefanja wird sogar zweimal fast wortgleich beschrieben. Jerusalem wird komplett zerstört und alles was Rang und Namen oder Fähigkeit hat, entweder getötet oder gefangen weggeführt. Der andere Rest findet sein Ende wieder wegen seines Ungehorsams im „Sklavenhaus“ Ägypten. Traurige Geschichte.

Armer Jeremia 

Traurig vor allem auch für Jeremia. Was hat er nur für einen frustrierenden Dienst gehabt. So oft im Namen des Herrn geredet und eigentlich immer abgewiesen. Oft sogar in Lebensgefahr oder im Gefängnis oder in Gewahrsam, einmal sogar in einer mit Schlamm gefüllten Zisterne, in der er fast stirbt. 

Aber all das ist nichts gegen seine inneren Kämpfe. 

Seine innere Zerrissenheit und Trauer. 

Seine Depression und Todessehnsucht. 

Er verwünscht den Tag seiner Geburt, er fühlt sich von Gott betrogen und verlassen. Er will seiner Aufgabe entfliehen, aber es ist unmöglich, weil Gottes Wort wie ein brennendes Feuer in ihm ist. 

Er darf nicht heiraten und nur einmal liest man davon, dass er eine Familie hat, die er sehen wollte und bei diesem Versuch wird er beschuldigt, sein Volk zu verraten.

Armer Jeremia. Geschundener Prophet. 

Aber ein goldenes Werkzeug in Gottes allmächtiger Hand. 

Wie oft werden die Worte Gottes in seinem Herzen nachgeklungen haben, die er zu Beginn seines Dienstes mit auf den Weg bekommen hat: 

„Fürchte dich nicht vor ihnen!

Denn ich bin mit dir, um dich zu retten.“ (Jeremia 1,8)

Hoffnungsvolle Geschichte 

Jeremia muss viel und oft Gericht ankündigen. Die meisten Kapitel enthalten eine Gerichtsandrohung Gottes. Da ist viel von Zerstörung und Schwert und Hunger und Pest die Rede. Von Wegführung und Zerstreuung. 

Aber immer wieder lässt Gott durch die dunklen und dichten Wolken, die den Himmel verfinstern, Lichtstrahlen leuchten, Hoffnungsstrahlen, die all die Finsternis wie aus dem nichts in helles Licht verwandeln. 

Jeremia verkündet mehrfach Gottes Erbarmen nach dem Gericht, er segnet den Mann, der sich auf den Herrn verlässt und vergleicht ihn mit einem Baum, der am Wasser gepflanzt ist. Plötzlich, nach unschönen Weherufen, kommt die Verheißung des Messias, Jesus wird mehrmals angekündigt als „Herr der Gerechtigkeit“, als „Spross Davids“.

Dann wird verheißen, dass das Volk ein neues Herz bekommt, um Gott zu erkennen, dass sie eine Umkehr zu Gott mit ganzem Herzen vollziehen werden.

Den Menschen im babylonischen Exil schreibt Jeremia im Namen Gottes: 

Es sieht zwar im Moment überhaupt nicht so aus, aber ich habe Gedanken des Friedens für euch und ich gebe euch Zukunft und Hoffnung. Ich höre euch, wenn ihr ruft und ich lasse mich finden, wenn ihr sucht. Ich bringe euch in euer Land zurück. 

Die Wunden scheinen unheilbar, aber Gott wird sie heilen und Genesung bringen.

Mit ewiger Liebe liebt Gott sein Volk und zieht es zu sich aus lauter Güte.

Und ja, der neue Bund, Gottes Gesetz im Herzen der Menschen geschrieben, dass jeder ihn erkennen kann. Und die Vergebung der Schuld: 

„Denn ich werde ihre Schuld vergeben

Und an ihre Sünde nicht mehr denken.“ (Jeremia 31,34)

Lies Jeremia

Ich will dich ermutigen, dieses mit seinen 52 Kapiteln doch eher lange biblische Buch zu lesen. Bewusst habe ich nicht überall Versangaben gemacht. Ich wünsche mir, dass du dich selber ran machst und all diese Dinge (und noch so viel mehr,) in diesem so eindrücklichen Buch findest.

Lass dich dadurch neu begeistern von Gottes Liebe und Treue, aber auch von seiner Heiligkeit, seinem gerechten Zorn und seiner absoluten Souveränität, die das Weltgeschehen lenkt. Gerade das finde ich in unserer heutigen Zeit von unglaublicher Kraft. Mir gibt es Ruhe und Frieden zu wissen, Gott hat das Heer der Babylonier gebraucht, wie er es wollte, und er gebraucht den Corona Virus, wie er es will. 

Ich möchte hier enden mit diesem wunderbaren Lobpreis auf Gottes Größe:

„Er ist es, der die Erde gemacht hat durch seine Kraft,

Der den Erdkreis gegründet hat durch seine Weisheit 

Und den Himmel ausgespannt hat durch seine Einsicht,

Auf dessen Befehl sich die Menge des Wassers am Himmel ergießt,

Der Wolken aufsteigen lässt vom Ende der Erde,

Blitze macht für den Regen 

und den Wind aus seinen Kammern herauslässt!

Dumm steht da jeder Mensch, ohne Erkenntnis.“   (Jeremia 51,15-17)

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