Wie ich einen Polizisten ärgerte und was ich davon hatte

von Danny Fröse am 22. Juli 2014

Wenn es etwas gibt, das ich in Albanien nicht leiden kann, dann ist es der Straßenverkehr. Jeder fährt auf den Straßen wie er will. Die Polizei schaut tatenlos zu. So war bislang mein Eindruck.

Letzten Freitag allerdings wurde ich auf dem Rückweg von unserem Kurzurlaub in Montenegro eines Besseren belehrt. Ich wurde nämlich wegen einer Verkehrswidrigkeit angehalten. Dabei bemerkte ich vor allem, was man davon hat, wenn man sich nicht dem albanischen System anpasst.

Wir waren unterwegs auf einer Landstraße. Hinter uns präsentierte sich ein herrlicher Sonnenuntergang. Im Auto machten die Kinder ein richtiges Theater und ich bemühte mich, die anstrengende Reise möglichst schnell hinter mich zu bringen.

Leider gehörte auch dazu, dass ich auf einer Landstraße, auf der nur 50 km/h erlaubt waren, zu schnell fuhr. Dies bemerkte ich, als ich am Straßenrand einen Polizeiwagen mit einem Polizisten daneben sah, der mich freundlich heraus winkte.

Ich folgte seiner Einladung und hielt an. Zuerst versuchte ich so zu tun, als wenn ich nur deutsch spräche. Mir wurde schnell klar, wie blöd das war. Ich händigte dem Polizisten meine Papiere aus und stieg dann aus dem Auto, weil mich der andere Polizist rief. Dieser fand nämlich schnell heraus, dass ich auch albanisch sprach.

Sie wiesen mich darauf hin, dass ich laut ihrer Messung 87 km/h gefahren bin. Die Strafe dafür hätte ich nun zu tragen. Ich machte deutlich, dass ich bereit bin zu kooperieren. Für den Polizisten bedeutet dies jedoch, dass ich bares Geld auf die Hutablage lege. Zum ersten Mal war ich nun direkt konfrontiert mit dem Thema "Korruption".

In stolzem albanisch machte ich dem Mann klar, dass ich nicht bereit sei, Schmiergeld zu zahlen.

Als der Polizist bemerkte, dass er mit mir kein Geschäft machen konnte, wurde er sehr ärgerlich. Wütend füllte er einen Zettel aus und steckte meine Papiere(Führerschein und Fahrzeugschein) in seine Jackentasche. Die Strafe von 10000 Lekë (70 Euro) sollte ich am Montag in der nächstgelegenen Polizeistation(150 km entfernt von Krume) bezahlen, dann bekäme ich die Papiere wieder.

Eilig packten die Polizisten danach ihre Sachen und fuhren davon.

Wir waren entsetzt. Wie konnte der Mann nur so handeln? Aber ich war bereit die Kosten für meine Prinzipientreue zu zahlen.

Wir haben leider in den vergangenen Monaten in Bezug auf das Thema "Korruption" folgendes gelernt: Das Schmieren von korrupten Beamten, gehört für die Menschen in Albanien zum Leben, wie das Aufstehen am Morgen. Es ist normal und selbstverständlich und jeder tut es.

Doch ich habe für mich beschlossen:

Ich werde niemals Geld bezahlen, um Recht zu beugen.

Auch die Bibel findet hierzu deutliche Worte. Gott sprach schon durch Mose zu seinem Volk , als er sagte:

"Du sollst das Recht nicht beugen, du sollst die Person nicht ansehen und kein Bestechungsgeschenk nehmen. Denn das Bestechungsgeschenk macht die Augen der Weisen blind und verdreht die Sache der Gerechten." 5. Mose 19,6

Weil ich Gott gehorsam sein will und weil mir der gesunde Menschenverstand sagt, wie schädlich Korruption ist, werde ich die Konsequenzen für meine Haltung mit der größten Tapferkeit ertragen. Koste es, was es wolle.

Wir machten uns also auf den Heimweg, ohne Führerschein und Fahrzeugschein. Doch 30 min später wurden wir wieder von der Polizei angehalten. Mittlerweile war es dunkel geworden. Es waren die gleichen Polizisten, wie wir schnell bemerkten.

Scheinbar konnte der freundliche Polizist, den ärgerlichen zur Besinnung rufen. Denn sie teilten mir mit, dass ich meine Strafe auch in unserer Stadt bezahlen kann. Die Papiere würden sie hier hochschicken.

Morgen werde ich versuchen meine Papiere wieder zu bekommen. Ich werde 70 Euro Strafe zahlen und hoffen, dass der Herr meine Treue in diesem Fall in irgendeiner Weise belohnen wird.

Frage: Wie hättest du gehandelt? Was denkst du über das Thema Korruption?

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