Wenn alle deine Träume platzen...

von Danny Fröse am 25. April 2014

 

Stell dir vor du investierst 30.000 Euro, um illegal in ein anderes Land zu kommen. Es ist vielleicht mehr, als du in einem Jahr verdienen würdest. Doch du versprichst dir von der illegalen Einreise ein viel besseres Leben.

Du setzt alles auf eine Karte. Es geht um alles oder nichts.
Doch am Ende stehst du mit leeren Händen da. Du hast es nicht geschafft. Noch bevor du das "gelobte Land" betreten konntest, wurdest du geschnappt.

Wieder ist einer gescheitert

Genau so erging es Florit, den ich gerade getroffen habe. Ich hatte mich schon gewundert, wo der junge Mann (Mitte-Ende Zwanzig) wohl sei. Als wir zuletzt frische Forellen aus seinem Forellenteich holen wollten, war er nicht anzutreffen.

Wir hörten dann, dass er nach England gegangen sei, wie so viele der jungen Männer in unserer Stadt. (Ich schrieb schon hier über die hoffnungslose Situation in unserer Stadt.)

Vor ein paar Tagen sah ich ihn wieder in der Stadt. Ich dachte mir nichts dabei, außer dass sein Besuch in England wohl wieder zu Ende sei.

An der Grenze geschnappt

Aber als ich ihn jetzt traf, erfuhr ich den Grund seiner Abwesenheit und seiner Rückkehr. Ich fragte ihn noch ganz unbedarft, wie es denn in England gewesen sei. Er lächelte nur verlegen und legte beide Hände aufeinander. Mir war schnell klar, dass er bei seinem Versuch illegal nach England einzureisen geschnappt worden war.

Er erklärte mir dann den Hintergrund seiner Reise. Versteckt in einem LKW wollte er mit vier anderen jungen Männern über Belgien durch den Tunnel nach England einreisen. Am Eingang des Tunnels in Calais, wurde der Lastwagen aber von von der Polizei geprüft. Deren Spürhunde haben die vier versteckten Männer natürlich gewittert und damit waren sie aufgeflogen.

Abgeführt in Handschellen kamen Florit und seine Kollegen für 20 Tage ins "Lager".

Mehr als ein Jahresgehalt

Ich fragte ihn, wieviel ihn das gekostet hat. Er nannte mir die unglaubliche Summe von 6000 britischen Pfund. Das sind umgerechnet 7287 Euro.

Möglicherweise hatte Florit Jahre gespart, um sich diesen Traum zu erfüllen. Doch nun war alles umsonst. Das Geld ist weg. Zurück bleibt ein junger Mann, dessen Traum geplatzt ist.

Jetzt arbeitet er wieder an seinem Forellenteich und lebt bei seinen Eltern.

Die unendliche Hoffnungslosigkeit

Diese Begegnung heute nachmittag hat mir noch einmal gezeigt, wie unendlich hoffnungslos die jungen Männer hier sind. Ja, es stimmt, viele schaffen es tatsächlich nach England zu kommen und jahrelang unentdeckt schwarz zu arbeiten. Doch viele werden auch geschnappt und müssen zurück kommen.

Wie verzweifelt muss man sein, um so viel Geld zu riskieren.

Ich konnte nichts anderes als mein tiefes Bedauern zum Ausdruck zu bringen. Nicht über den gescheiterten Versuch einer illegalen Einreise, aber über gescheiterte Hoffnungen und geplatzte Träume.

Mein Gebet ist, dass ich diesem Mann helfen kann, in Jesus Hoffnung zu finden.

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