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Vor einigen Tagen habe ich einen Vortrag von Johannes Hart zum Thema Leid gehört. Ein Teammitglied schickte mir den Link, weil sie den Vortrag gut fand. Die Aussagen Hartls widersprachen so sehr meinem Glauben an Gott und warum es Leid in dieser Welt gibt. Vielleicht gehörst du auch zu denen, die wie Hartl daran glauben, dass nicht alles was in dieser Welt passiert Gottes Wille ist.  Denkst du auch Gott will immer heilen? Ich leide an einer medizinisch unheilbaren Krankheit, von der ich noch nicht geheilt wurde. Aber ich stehe nicht mit ungelösten Fragen, vor einem großen Rätsel. Was mich hält, erzähle ich dir in folgendem Artikel.

Was tust du, wenn dein Kind geboren wird, mit schwersten Behinderungen? Wie beständig ist dein Glaube in solch einer Situation?

Wie erträgst du es, wenn Jahre später bei deiner Frau und Mutter von 8 Kindern Krebs diagnostiziert wird und du sie nach einem langen Kampf zu Grabe tragen musst? Und hättest du nicht endgültig genug, wenn Monate später auch noch dein geliebtes behindertes Kind von Gott abberufen wird?

So erging es R.C.Sproul Junior, selbst Theologe und Sohn eines sehr bekannten Theologen in Amerika. In der Lehre dieses Mannes gehört der Glaube an die Souveränität Gottes zu den zentralen Themen.

Doch dieser Glaube an Gottes Allmacht und an seine Güte und dass er alles unter Kontrolle habe, wurde im Anblick solch eines Leides, schwer auf die Probe gestellt.

Leid ist leider eine Realität in dieser Welt, die niemand leugnen kann. Kinder sterben im Mutterleib oder werden geboren mit Behinderungen. Krankheiten treten auf vielfältige Weise in unser Leben. Menschen leiden und Menschen sterben.

Und in all diesen Leidsituationen sind wir versucht zu fragen: Gott wo bist du?

Und hinzu kommt die kritische Frage: Wie kann ein guter Gott dieses Leid zu lassen?

Kritiker des christlichen Glaubens würden sagen: "Gott ist gut oder allmächtig. Beides zugleich kann er nicht sein. Entweder ist Gott gut und er will dieses ganze Leid nicht, aber er ist nicht allmächtig, sonst würde es etwas unternehmen. Oder er ist allmächtig und lässt dies alles geschehen, weil er nicht gut ist."

Aber so können wir als Glaubende nicht an dieses Thema herangehen. Wir wollen an Gottes Güte und an seine Allmacht glauben.

In Anbetracht des Leides sind wir dennoch versucht zu fragen:

Ist Gott wirklich gut? Hat Gott wirklich die Kontrolle? Ist Gott wirklich souverän?

Die Frage nach der Souveränität Gottes ist also mit der Frage des Leides verknüpft, wie keine andere.

Wie bringen zusammen, dass ein souveräner Gott all dieses Leid zulässt.

Der falsche Ansatz

Wir könnten sagen: Gott will dieses Leid nicht. Er will keine Missbildungen und Krankheiten. Gott will immer heilen. Wenn Menschen leiden, dann liegt das nicht an Gott. Er will, dass es uns gut geht. Für alles Leid in dieser Welt ist Satan, der Feind Gottes verantwortlich.

Aber dem möchte ich eine Gegenfrage gegenüberstellen: Ist Gott also ein ohnmächtiger Gott, dessen Hände gebunden sind? Er würde gerne etwas unternehmen gegen all dieses Leid, aber er ist machtlos gegen das Treiben Satans.

Ärgert Gott sich darüber, dass er die Natur nicht unter Kontrolle hat, weil mal wieder irgendwo eine Naturkatastrophe auf dieser Erde unsägliches Leid verursacht? Ist Gott entsetzt über Unfälle und andere Unglücke die passieren?

Viele Menschen haben ihren Frieden damit gefunden, an solch einen Gott zu glauben. Dadurch können sie das Böse in dieser Welt mit dem guten Gott vereinen.

Allerdings hat dieser Gott nichts mit dem Gott der Bibel zu tun. In der Bibel sehen wir einen Gott beschrieben, der absolut souverän ist. Doch was bedeutet das?

Die Souveränität Gottes erklärt

Zuerst halten wir fest: Gott ist allwissend. Das heißt, er weiß schon vorher, dass Dinge geschehen, bevor sie geschehen. Gott weiß also auch um Leid, das Menschen erleben werden. Und obwohl er die Macht hat, das Leid zu verhindern, tut er es doch nicht. Damit ist es letztendlich Gott, der das Leid geschehen lässt.

Weil wir an die Allmacht Gottes glauben, sollten wir auch daran glauben, dass Gott die absolute Kontrolle hat, über alles was hier auf Erden geschieht. Diese Tatsache wird beschrieben als die Souveränität Gottes.

Nichts, aber auch wirklich gar nichts geschieht, wenn Gott es nicht will.

Diese Macht Gottes erstreckt sich über alle Bereiche der geschaffenen Welt.

Gott herrscht souverän über alle Ereignisse der Geschichte. Gott lenkt und führt alles nach seinem souveränen Plan. Dies können wir besonders an der Geschichte mit dem Volk Israel erkennen.

Gott ist auch souverän über die Natur. Er kontrolliert das Wetter und die Auswirkungen von Naturkatastrophen unter liegen seiner souveränen Kontrolle.(Hiob 38) Auch die Tierwelt wird von Gott beherrscht. Kein Vogel fällt vom Himmel, ohne dass Gott es will.(Mt 10,29)

Gott herrscht auch über den Menschen. Er bestimmt wann ein Mensch geboren wird und er ist es, der das Leben wieder beendet.(Ps 104,29) Über alle Details des menschlichen Lebens hat Gott die Kontrolle. Selbst die Zahl der Haare auf dem Kopf des Menschen sind ihm bekannt und keines fällt heraus, ohne dass Gott es will.(Mt 10,30)

Gott hat auch die Kontrolle über alle Prozesse im menschlichen Körper, denn er ist der Schöpfer. Die Organe funktionieren weil Gott es so will, und wenn Zellen mutieren und zu Krebszellen werden, unterliegt das ebenso Gottes Kontrolle. Wenn sich Entzündungsherde in meinem Gehirn bilden, geschieht das, weil Gott es so will.

Gott ist ebenso souverän über die Erfindung und die Wirkung von Medikamenten gegen eben diese Krankheiten, die seiner Kontrolle unterliegen.

Gott ist auch souverän über den Willen des Menschen. Er kontrolliert Kaiser und Könige. Diktatoren und Politiker und alle handeln nur so, wie Gott es will.(2.Mose 4,21; Spr 16,9, Spr 21,1; Röm 13,1)

Zuletzt hat Gott sogar Macht über den Teufel. Der Teufel hat nur so viel Macht, wie sie ihm von Gott gegeben ist. Niemals handelt der Teufel gegen Gottes Willen.(Lk 22,31; 2.Kor 12,7; Hiob 2,6.7)

Die Souveränität Gottes erlebt

Das Buch Hiob stellt uns am deutlichsten die Souveränität Gottes vor Augen. In diesem Buch lesen wir von dem Mann Hiob, der bitter leiden muss. Wir bekommen vom Autor einen Blick hinter die Kulissen gewährt. Dort sehen wir wie Gott mit dem Teufel in einem Wettstreit liegen. Gott gibt Satan die Erlaubnis Hiob anzutasten und Leiden zu lassen.

Nachdem Hiob alles genommen wurde, seine 10 Kinder und all seine Viehherden, kommt er in seiner Trauer dahin zu sagen:

Der HERR hat gegeben, der Herr hat genommen. Der Name des Herrn sei gelobt.(1,21)

Obwohl diese Aussage scheinbar an Gotteslästerung grenzt, sagt der Autor des Hiobbuches. Hiob sündigte nicht, als er Gott für sein Leid verantwortlich gemacht hat. Nachdem Hiob auch körperlich schwer zu leiden hatte und seine Frau ihn auffordert Gott zu fluchen, kommt Hiob wieder zu dem Bekenntnis.

Haben wir das Gute von Gott angenommen, sollen wir da nicht auch das Böse von ihm annehmen.(2,10)

In weiteren Verlauf der Geschichte sehen wir einen Mann, der nicht versteht, warum er so leiden muss. Aber Hiob zweifelt niemals an der souveränen Herrschaft Gottes über sein Leid. Am Ende des Buches lesen wir von der Begegnung zwischen Gott und Hiob. Hiob bekommt keine Erklärung für sein Leid. Sondern Gott tritt ihm entgegen und stellt ihm unzählige Fragen. All diese Fragen haben nur ein Ziel: Hiob und alle nachfolgenden Generationen von Menschen sollen begreifen, dass Gott absolut souverän ist.

Am Ende des Buches lesen wir dann noch einmal, dass das Leid, von Gott gekommen ist.

Sie bezeigten ihm ihr Mitleid und trösteten ihn wegen all des Unglücks, das der Herr über ihn gebracht hatte.(42,11)

Das Buch Hiob ist geschrieben, damit wir Vertrauen haben in Gottes souveräne Herrschaft. Er ist Gott. Er regiert. Und er ist uns keiner Rechenschaft schuldig. In der Geschichte von Hiob sehen wir, wie Gott das Schicksal von Hiob wendet. Dies bedeutet aber nicht, dass Gott bei jedem seiner Kinder so handeln muss. Gott ist Gott und er entscheidet, wieviel und wie lange der Mensch zu leiden hat.

und deswegen finde ich Halt, denn...

1. Ich weiß: Nichts passiert ohne dass Gott es will. Ich bin nicht ein Opfer von Satans bösen Plänen gegen mich. Ich bin auch nicht den Naturgesetzen oder sonstigen Zufällen ausgeliefert, wenn mir schlechte Dinge passieren. Alles was um mich herum geschieht, weil Gottes souveräner Plan es so vorgesehen hat. Das schafft in mir einen tiefen Frieden.

2. Ich kann vertrauen. Wenn der Schmerz groß ist, muss ich mir nicht einreden: "Gott will das Leid nicht. Er will, dass es mir gut geht." Ich vertraue auf Gottes Güte, die so viel weiter geht, als ich es mir vorstellen kann. Selbst das Leid, dass Gott in meinem Leben zulässt, sind ein Zeichen dieser Güte.

3. Ich brauche keine Erklärungen. - Weil ich der unendlichen Weisheit und Güte Gottes vertraue, brauche ich auch keine Erklärungen für mein Leid. Ich ordne mich unter und ertrage die Bitterkeit des Leides, weil es aus der gütigen Hand Gottes kommt.

4. Ich weiß Gott meint es gut. - Gott hat für mich immer nur das Beste im Sinn. Daran ändert auch das Leid nichts, das in mein Leben tritt. Daran halte ich fest.

Abschließend füge ich ein Zitat von John Piper ein. Er hat mir wie kein anderer die Lehre der Souveränität Gottes nahe gebracht.

Die wichtigste Sache die ein sich neigendes Schiff in einem Sturm braucht, ist der Ballast von Gottes guter Souveränität, nicht die Entlastung dieser tiefen und kostbaren Wahrheit. Was das Hereinbrechen von Katastrophen erträglich macht ist nicht die Tatsache, dass Gott unseren Schock teilt, sondern dass seine bitteren Vorsehungen beladen sind mit dem Geschenk der Liebe.

Lieber Leser, manche Gedanken über Gott, die ich gerade ausgebreitet haben, mögen dir schrecklich erscheinen, wenn du sie zum ersten Mal hörst. Aber ich mache dir Mut, dich in der Bibel diesem Gott zu nähern, der alles unter Kontrolle hat. Wenn das Leid über dich kommt, brauchst dieses robustes Verständnis von Gottes Souveränität.

Frage: Kannst du verstehen, warum ich Halt finde in solch einem Gott? Teilst du meine Meinung oder siehst du in der Bibel einen anderen Gott beschrieben? Ich würde mich freuen von dir zu hören.

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