Was mich „Die Säulen der Erde“ und unsere Schildkröten gelehrt haben

von Rahel Fröse am 4. August 2020

Der Roman 

Ich bin kein großer Romanleser. Nicht, dass ich nicht gerne lese, gerne gefesselt werde oder in fremde Welten abtauche. Es liegt mehr daran, dass ich nicht viel Zeit habe zum lesen und wenn ich sie dann mal habe, dann lese ich meine Bibel oder auch mal ein gutes geistliches Buch. 

Als ich zuletzt mit Danny eine längere Autofahrt hatte, da begannen wir damit, den Klassiker „Die Säulen der Erde“ als Hörbuch zu hören. Bis dahin hatte ich, ehrlich gesagt, auch noch nie ein Hörbuch angehört, aber es fesselte mich und machte mir Freude. Letzte Woche wurde ich dann fertig damit. Über 500 Hörbuch-Kapitel möchten Zeit finden, gehört zu werden und die fand ich nicht allzu oft. V.a. im Urlaub am Strand und an gemütlichen Bastelabenden (hatte ein großes Bastelprojekt am laufen für unsere Unterstützer, was mir sehr gelegen kam… 🙂 tauchte ich in die Welt des Mittelalters ein. 

Was mir in dieser langen epischen Geschichte besonders in Erinnerung geblieben ist, sind nicht die Intrigen und Liebesgeschichten, die brutale Bosheit mancher Charaktere, sondern vielmehr die Tatsache, dass, egal, wie schlimm eine Situation aussah, wie hoffnungslos und zum Himmel schreiend ungerecht sie war - es ging immer weiter, es gab immer einen neuen Weg. 

Zentrum des Romans ist der Bau einer Kathedrale, die die schönste und größte werden sollte. Doch genau dieses Unternehmen ist immer wieder in Gefahr, mit Rückschlägen und Anfeindungen konfrontiert. Da sind viele, die es verhindern wollen aus unterschiedlichen Gründen, immer wieder mal kommt der Bau ins Stocken, aus Geldnot, Angriff, Zerstörung, schlechter Bausubstanz, Streiks der Arbeiter.... Doch immer und immer wieder werden neue Wege gefunden, an Geld zu kommen, Motivation aufgebracht, kaputtes wieder aufzubauen, mit Unrecht umzugehen und nicht zu resignieren.

Das ist das, was mir hauptsächlich von diesem Roman in Erinnerung bleibt und durch das Gott mich auch ermutigt hat. (Das kann er in seiner Allmacht ja auch durch einen weltlichen Roman 😉 Wir sind ja auch am Bau eines großen Projektes, Gottes Reichs, beteiligt. Auch hier haben wir mit allen möglichen Problemen und Rückschlägen zu tun. Aber Gott ist der Baumeister und er bringt seinen Bau auf jeden Fall zu Ende! Wir dürfen beteiligt sein und uns von ihm immer wieder zurufen lassen: Mach weiter, gib nicht auf! Es wird herrlich werden!

Die Schildkröte 

Dann war ich begeistert von einem wunderschönen Tier: einer Schildkröte. Es gibt hier sehr viele von ihnen überall rumlaufen und zuletzt hatten wir uns eine nach Hause geholt und in ein selbstgebautes Gehege gesetzt. Mir war schon irgendwie klar gewesen, dass Schildkröten wahre Meister sind im sich irgendwo durchzwängen, aber dass sie es so gut können, hätte ich nie gedacht. Hier hat Danny mal ein kleines Video erstellt.

So hatten wir die zwei in dem Gehege sitzen, versorgten sie fleißig mit allem, was sie brauchten (und noch mehr, dank der Kinder). Wir beobachteten schon, wie sie das Gatter abliefen, immer wieder versuchten, hier und da sich durchzuzwängen, aber dennoch dachte ich, alle eventuellen Fluchtmöglichkeiten beseitigt zu haben. 

Jedoch fehlte am nächsten Tag die erste Schildkröte. Ich fand sie hinter dem Zaun, unter einer Spinatpflanze eingegraben, am schlafen. Ich machte auch die wahrscheinliche Schwachstelle des Zauns aus und dichtete sie ab. 

Doch am Nachmittag fehlte wieder eine und dann wieder und wieder. Um es kurz zu machen: eigentlich immer, wenn ich ins Gehege ging, um nach ihnen zu sehen (und das war nicht zu selten), fehlte eine. Einmal hatte sie sich so gut im Gehege versteckt, dass ich nach langer vergeblicher Suche außerhalb die Freudenrufe von Gideon vernahm, der sie unter einem Stein wiederfand...

Zwar war das suchen immer wieder zeitaufwendig, aber ich hatte Freude daran. Ich freute mich über diese Geschöpfe Gottes, die so dermaßen geschickt waren, Auswege zu finden. Sie machten sich auf die Suche, liefen immer wieder die gleichen Strecken ab, drückten hier und da, und irgendwann fanden sie das Loch oder den Spalt und weg waren sie. Sie waren eingesperrt und wussten nicht wo sie waren. Aber sie resignierten nicht, sondern waren aktiv und auf scheinbar wunderbare Art entkamen sie dem Gefängnis. 

Da wir selber gerade in einer Zeit stecken, in der der Feind einen zum aufgeben bringen möchte, entmutigen und „einsperren“ will, wenn auch nur in den Gedanken, sprachen diese Schildkröten eine laute Sprache in mein Herz. Es gibt immer einen Weg bei Gott! Manchmal müssen wir warten und eifrig suchen, hier und da etwas anstoßen und manche Stellen von allen Seiten betrachten und immer wieder bewegen. Manchmal erleben wir Rückschläge und Entmutigung. Zwar konnte die Schildkröte das nicht ausdrücken, aber dennoch tat es mir schon leid, sie nach erfolgreicher Flucht immer wieder zurückzubringen. Aber sie hat weiter gemacht und wieder einen neuen Weg gefunden. 

Wir sind aufgerufen, nicht müde zu werden. Nicht müde werden, aus Gottes Gnade zu leben. Nicht müde werden, den Willen Gottes zu suchen. Nicht müde werden, Gutes zu tun. Nicht müde werden, das Evangelium zu verkünden. Nicht müde werden, in Treue den unteren und unbeachteten Weg zu gehen. Nicht müde werden, den Weg in die Freiheit zu suchen und zu finden und ihn zu gehen. Das haben mich unsere Schildkröten gelehrt. Nach drei Tagen bei uns durften sie dann wieder in die große weite Welt ziehen. Ob sie uns vermissen?

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