Warum, oh Gott? - Wie ich in meinem Glauben an meine Grenzen kam

von Rahel Fröse am 10. Juli 2014

 

Ehrlich gesagt habe ich mir bisher in meinem Leben noch nicht allzu oft die Frage nach dem Warum gestellt. Ich wusste tief und fest in meinem Herzen, dass Gott allmächtig ist und habe das immer eher als tröstlich empfunden in allen auf und abs meines Lebens.

Doch der Sonntag vor zwei Wochen hat mich so einiges gelehrt. Ich habe mir an diesem Tag in meinem Inneren so oft diese Frage gestellt. Nicht etwa, weil etwas sehr schlimmes, lebensveränderndes passiert wäre. Nein, es waren eher die vielen kleinen Dinge, die an diesem Tag „schief“ gingen und die dennoch in meinem Inneren eine große Lawine ausgelöst haben.

An diesem besagten Tag traten wir unsere Reise in die Türkei an. In folgendem Artikel berichte ich über unsere 24 Stunden Reise und was Gott dann tat:

Wie der Tag begann...

Der Tag begann schon mit nicht wenig Stress. Wir hatten noch viel zu packen und zu erledigen, die Kinder waren nicht so gut drauf und ich hatte schon zwei Tage vorher seltsame, für mich sehr ungewöhnliche Bauchschmerzen. Ja, ich hatte Angst vor dem Flug nach Istanbul, dem Umsteigen mit wenig Zeit, dem Anschlussflug zu unserem Zielort, Izmir und dann dem Shuttle um ca. 23 Uhr in unser Hotel (ca. 45 min). Schon der letzte Flug nach Deutschland ohne Umsteigen empfand ich mit zwei kleinen, sehr mobilen Kindern als sehr anstrengend. Nun, ich hatte Bauchschmerzen davor.

Müde und auch etwas genervt packten wir alles in den Sharan unseres Nachbarn, dessen Dienste wir als Taxifahrer nutzten. (V.a., um mit ihm ins Gespräch zu kommen und auch seine Familie zu unterstützen.) Allerdings fuhr uns nicht der Nachbar, sondern ein Freund von ihm, auch ein Nachbar, ein strenger Muslim mit Bart (den tragen hier nur wenige…). Wir fuhren etwas verspätet los. Beim  ersten Stopp sprang das Auto nicht mehr an. Mit etwas anschieben allerdings tat der gute VW doch wieder seine Dienste. Ich betete nur, dass Gott uns keine Panne über den Weg schickt…

Der erste Schock

Nein, das tat er vorerst nicht. Wir kamen wohlbehalten in Pristina am Flughafen an. Unser Fahrer fuhr direkt weiter. Mit all unserem Gepäck und zwei noch verschlafenen Kindern schleppten wir uns in das neue Flughafengebäude. Unser erster Blick ging auf die Anzeigetafel. Doch wo war nur unser Flug nach Istanbul? Da stand nichts. Oder doch? Ganz unten, 19:25 Uhr - Istanbul. Aber nein, unser Flug sollte doch um 15:30 Uhr gehen. Jetzt war kurz nach 14 Uhr. Hilflos liefen wir zum Schalter, keiner konnte uns Auskunft geben. Aber uns war sehr schnell klar, dass wir diese Tatsache einfach hinnehmen mussten. Das taten wir auch. Am Schalter buchte man uns einen neuen Flug nach Izmir, um 23:50 Uhr. Nun, meine Stimmung sank sehr den Berg herunter. Ich war müde, ich wollte nur schnell diesen Tag hinter mich bringen. Und nun das…
Nach scheinbar endlosen Fahrten mit der Rolltreppe, hoch und runter, hoch und runter, und dem Gepäckwagen - der Gideon und Livia und auch die anderen wartenden Fluggäste bei Laune hielt, checkten wir ein und es ging etwas vorwärts.

Das ohnmächtige Warten

kinder-3Dann saßen wir an unserem Gate. Doch weit und breit war kein Flugzeug in Sicht. Es war doch schon 19 Uhr. Die Kinder wurden unruhig, Livia fand nicht in den Schlaf. Die Sonne stand schon sehr tief. Der Tag verabschiedete sich, Gideon freute sich an dem Mond „da oben“. An der Anzeigetafel stand jetzt auch eine neue Uhrzeit 20:50 Uhr Abflug. das darf doch wohl nicht wahr sein, dachte ich. So machtlos und so tatenlos mussten wir diesen Tag hier verstreichen lassen. Alle anderen schienen es gelassen zu nehmen. Ob das Flugzeug überhaupt kommt sei fraglich, meinte ein erfahrener Fluggast.

Spätestens jetzt wollte ich wieder nach Hause. Ich wollte gar nicht mehr fliegen. Im Geiste sah ich uns schon die ganze Nacht auf dem harten Flughafenboden verbringen. Die Kinder taten mir leid. Was taten wir ihnen da an. Und ich konnte nicht verstehen, wie Gott das einer sowieso schon gestressten Mutter zumuten konnte. - Aber es kam noch schlimmer…

Um 21:30 Uhr konnten wir Pristina endlich via Flugzeug hinter uns lassen. Die Kinder fanden in einen kurzen, ruhigen Schlaf. Ich sah immer wieder etwas verzweifelt auf die Uhr. Ob wir unserem Flug noch bekommen? Einen späteren würde es nicht mehr geben, erst am nächsten morgen wieder.

Die enttäuschte Hoffnung

Als das Flugzeug landete konnten wir es gar nicht erwarten schnell rauszukommen. Mit unseren Kindern auf dem Arm marschierten wir sehr eilig zur Passkontrolle. Kurz davor erwartete uns schon ein Mann mit unseren Flugtickets nach Izmir. Wie gut, dachten wir, wir können es also noch schaffen. "Schnell, schnell", rief uns der Mann noch zu. Bei der Passkontrolle wurden wir vorgelassen und mit allem was wir hatten rannten wir durch den halben Flughafen in Istanbul. Livia im Manduka und Gideon müde an der Hand. Wir rannten, mal in die falsche Richtung, die Rolltreppe runter und immer weiter. Unglaublich wo man diese Energie herbekommt, wenn man etwas unbedingt möchte. Und da sahen wir den Schalter. Izmir, stand da. Ich atmete durch. Doch warum brachte man uns nicht schnell zum Flugzeug. Es wartet doch nur auf uns...

Als der Angestellte unsere Tickets einscannte, piepte es nur. Hier stimmte etwas nicht. Auf dem kleinen Display war zu lesen. "Tickets are corrupted." Nach einigen Minuten war klar, was das bedeutet. Man teilte uns mit, dass der Flug überbucht sei und für uns kein Platz mehr ist. Ich verstand die Welt nicht mehr. Da standen wir um Mitternacht mit unseren zwei kleinen Kindern, völlig durchgeschwitzt und müde und wir mussten den ganzen Weg wieder zurücklaufen. Spätestens jetzt kam wieder die Frage: Warum, oh Gott?!

Das schlimmste Szenario wird wahr

Wieder warten. Warten. Warten. Dann, um halb zwei ging es mit einem völlig überfüllten bis ins Hotel. Um zwei waren wir da, etwas später im Bett. Endlich schlafen. Dachte ich. Doch unsere Kinder waren so aufgezogen, dass sie eine Stunde lang nicht schliefen. Ich lief ins Bad und weinte einfach nur. Um halb sechs mussten wir aufstehen und unseren Shuttle nehmen. Ein Kaugummi verlieh einem wenigstens etwas das Gefühl von Sauberkeit. All unsere Waschsachen, Zahnbürste etc. Waren in unserem eingecheckten Gepäck.

Der Flug um acht Uhr verlief, oh Wunder, ohne große Zwischenfälle. Wir nahmen ein Taxi (der günstige Shuttle fuhr am Montag morgen nicht mehr).

Endlich angekommen

Um halb zwölf kamen wir an. Völlig müde, völlig ausgelaugt.

kinder-4Das schwimmen im Meer weckte in mir wieder so manche Lebensgeister.
"Macht jetzt, was euch erstmal gut tut." Dieser liebe Rat einer Mitarbeiterin war Balsam für meine Seele.

Ich weiß nicht, warum Gott all das so geführt hat oder zugelassen hat. Ich war wohl selten so an meinen emotionalen und körperlichen Grenzen. Mein Herz war wie versteinert. Doch mein lieber Vater im Himmel, der er immer noch ist, auch nach solchen Erfahrungen, wusste es gut, seine Tochter wieder aufzubauen. Durch sein Wort, durch das Reden mit ihm, durch andere Menschen, durch Tränen und Fragen - er half mir und stellte mich wieder auf einen festen Felsen. Ich bin ihm so dankbar!

Mein Tagebuch ist mir ein teurer, wichtiger Begleiter gewesen und ich bin so dankbar, wenn ich die Seiten lese, v.a. Die Bibelverse, die ich aufgeschrieben habe.

Am letzten Tag las ich Psalm 40.

"Ich harrte des Herrn und er neigte sich zu mir und hörte mein Schreien.
Er zog mich aus der grausigen Grube aus lauter Schmutz und Schlamm und stellte meine Füße auf einen Fels, dass ich sicher treten kann. ... Er hat mir ein neues Lied in meinen Mund gegeben (ich habe tatsächlich eines geschrieben 🙂 zu loben unsern Gott.
Das werden viele sehen und sich fürchten und auf den Herrn hoffen.
Wohl dem, der seine Hoffnung setzt auf den Herrn. ...
Lass deine Güte und Treue mich allewege behüten....
Lass deiner sich freuen und fröhlich sein alle, die nach dir fragen...

Denn ich bin arm und elend:
Der Herr aber sorgt für mich!"

Diese Worte haben für mich nochmal meine ganze Erfahrung zusammengefasst.
Und ich möchte es euch allen erzählen Gott zum Lob!
Auch wenn das "warum" in unser Leben tritt und wir manches nicht verstehen, Gott ist immer noch größer, soviel größer! Wohl dem, der auf ihn trauet. Er wird nie enttäuscht werden.

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