Von Tränen, Hoffnungslosigkeit und dem Trost unseres Glaubens

von Rahel Fröse am 10. Januar 2019

Ich weiß auch nicht warum, aber seit dieses Jahr angefangen hat, und das ist ja noch gar nicht so lange her, haben meine Augen schon in so einige Augen geschaut, die sich mit Tränen gefüllt haben. Ich war aufmerksam und bei manchen meiner Freundinnen war es kaum zu bemerken. Aber ich sah es. Ich sah den Schmerz in ihren Herzen und das Wasser, das sich in ihren Augen sammelte. Bei manchen verschwand es einfach wieder, ohne als Träne ihr Auge zu verlassen. Es verschwand, so wie auch der innere Schmerz wieder fest in das eigene Herz zurückgeschoben wurde.

Wir leben in einer Kultur, in der weinen nicht „erlaubt“ ist. Nicht einmal bei schweren Schicksalsschlägen, wie beim Tod eines nahen Verwandten. Da wird dem Trauernden gesagt, doch mit dem weinen aufzuhören. Das sei beschämend. Das ändert doch nichts. Das macht es nur noch schlimmer. Es ändert nichts an Gottes Bestimmung.
Innerlich macht es mich wütend. Ich komme nicht mit bei so viel Hartherzigkeit, wie es mir scheint.

Vielleicht weinen diese Frauen deshalb vor mir, weil sie wissen, dass ich sie nicht verurteile deshalb. Dass mein Herz mit ihnen und ihrem Leid, wie auch immer es aussehen mag, fühlt und mitweint. Dass ich gerne in den Arm nehme, einfach nur mal festhalte und den Schmerz aushalte. Weil ich ihnen sage, dass es der Seele so gut tut, einfach mal nur zu weinen.

Heute habe ich Psalm 107 gelesen. Vers 10 beschreibt so passend die Situation der Menschen hier:

„Die Bewohner des Dunkels und der Finsternis lagen gefesselt in Elend und Eisen.“

Diese Beschreibung trifft nicht nur auf unsere Menschen hier zu, sondern eigentlich trifft sie auf alle zu, die fernab von der frohen Nachricht des Evangeliums leben. Viele davon nicht nur in seelischen, sondern auch in äußerlichen Nöten.
Unsere Freunde hier sind oft in beidem.

Die Dunkelheit ist vielschichtig hier. Klar, die Menschen leben ohne Hoffnung, ohne Perspektive auf ein besseres Leben, eine gute Veränderung, ohne Hoffnung, dass es ihre Kinder einmal besser haben werden. Kannst du dir vorstellen, wie das ist?

Oft ist da die große Armut, nicht zu wissen, was man am nächsten Tag zum Essen hat. Da sind die Männer, die ihre innere Leere mit Alkohol bekämpfen wollen und ihre Familien in noch größeres Elend stürzen. Da sind unfruchtbare Frauen, die ihren einzigen Wert darin sehen, Kinder zu gebären. Da sind Mütter, die ihre Kinder schon seit Jahren nicht mehr gesehen haben, weil sie illegal in England leben. Sie können sie nicht besuchen, sie können sie nicht hier empfangen. Sie haben oft Angst um sie, viele sind gerade mal 16 oder 17 Jahre alt.

Kannst du dir vorstellen, wie es sich als Mutter anfühlen muss, machtlos zu sein. Dein Kind in der Fremde zu wissen, oft ohne irgendeinen Angehörigen in der Nähe? Wie es ist, mitzubekommen, wie es ihnen schlecht geht und du kannst rein gar nichts tun?
Mein Mutterherz leidet mit diesen Müttern.
Da sind ihre flügge werdenden Jungs, und sie wissen, früher oder später kommt der Tag, an dem sie plötzlich weg sein werden.

Ja, das Dunkel und die Finsternis sind vielfältiger Art. Und es kommt mir wirklich so vor, dass die Menschen hier wie in Fesseln liegen. Gelähmt, dem Schicksal ergeben, ohne Ausweg. Gefesselt in ihrem eigenen Elend.

Welchen Ausweg kann es da geben?

Das ist die große Frage. Sie ist nicht immer leicht zu beantworten. Aber eine Antwort ist in jeder Situation die richtige: Gott!

„Da schrien sie zum Herrn um Hilfe in ihrer Not: aus ihren Bedrängnissen rettete ER sie. ER führte sie heraus aus dem Dunkel und Finsternis, ER zerriss ihre Fesseln.“ (V.13f)

Gott ist immer die Antwort! Auch wenn das für manch einen vielleicht platt klingt. Aber in diesem Psalm kommt die Hilfe immer von Ihm! Ja, Gott gebraucht uns auch, aber aus der Dunkelheit und dem Elend, da kann nur Gott befreien.

„Denn Er hat die dürstende Seele gesättigt, die hungernde Seele mit Gutem erfüllt.“ (V.9)
„Er sandte sein Wort und heilte sie, Er rettete sie aus ihren Gruben.“ (V.20)

Der Psalm ist voll von Gottes wunderbarem Eingreifen, wenn die Menschen nur nach ihm riefen in ihrer Not. Ach, wenn sich die Menschen auch hier doch wieder erwartungsvoller an Gott wenden würden. Wenn sie wieder mehr nach ihm fragen würden. Wenn sie ihre Hilfe nicht bei Menschen, sondern bei ihm suchen würden.

Unser Dienst hier besteht in einem ganz großen und wichtigen Teil darin, den Menschen zu helfen, wieder ihr Herz Gott zu öffnen. Mit ihm zu rechnen. Erlösung zu erfahren durch Jesus, Hoffnung und Friede.

Ich sitze nun diesen Frauen gegenüber. Tränen in den Augen, oft auch in meinen eigenen. Und ich kann nicht anders, ich muss von Ihm reden. Von dem, der die Fesseln zerreißen kann! Welch hoffnungsvolles Bild!

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