Von Enttäuschung und Vergebung

von Rahel Fröse am 20. Februar 2015

Als ich heute Morgen gebetet und Gott diesen Tag hingegeben habe, da hätte ich nicht gedacht, dass ich heute Abend hier sitze und diesen Artikel schreibe. Aber ich denke, er enthält eine wichtige Botschaft und Gott will mir und auch dir dadurch etwas sagen.

Also, dann erzähle ich euch mal die spannende Begebenheit dieses Tages:

Unser Stammgast

Schon ziemlich am Anfang unserer Zeit hier in Albanien kam uns regelmäßig ein achtjähriges Nachbarsmädchen besuchen. Sie mag unsere Kinder sehr gerne und sicher auch die andere, für sie besondere Atmosphäre in unserem Haus. Ihre Mutter arbeitet den ganzen Tag an sieben Tagen in der Woche und daher ist Anika (Name geändert) meistens hier in der Nachbarschaft unterwegs.

Heute kam sie auch kurz vor dem Mittagessen. Mir kam das ganz gelegen, denn so konnte sie etwas auf die Kinder aufpassen und ich konnte, mehr oder weniger, in Ruhe kochen. Sie isst verständlicherweise auch immer gerne mit bei uns und nimmt jede Einladung gerne an. Und ich staune immer, was sie alles essen kann. Sicher viermal so viel wie Gideon. 🙂

Nach dem Essen verabschiedete sie sich dann von selbst, was schon eher ungewöhnlich ist. Normalerweise erinnere ich sie daran, dass es Zeit ist zu gehen. Ich war gerade am abspülen und brachte sie daher nicht wie gewohnt bis zur Tür. Warum auch, sie ist ja Stammgast hier.

Der Schock

Nachdem ich etwas Mittagsruhe gemacht hatte, kam mir der Gedanke, meine Mutter anzurufen. So ging ich in den Flur und wollte mein Handy holen, doch es lag nicht an der üblichen Stelle. Ich fragte Danny, ob er mich nicht mal anklingeln könne. Doch in der ganzen Wohnung kein Laut. Ich dachte schon, der Akku wäre leer, aber nach zweimaligem Klingeln wurde immer plötzlich aufgelegt.

Da kam mir das erste Mal der Gedanke, dass Anika das Handy mitgenommen haben könnte. Aber ich wollte nicht vorschnell Verdächtigungen aussprechen und so suchte ich die ganze Wohnung ab. Doch nirgends war das Ding.

Da ich den Vormittag über in der Wohnung gewesen war und außer Anika niemand zu Besuch war, konnte es nur sie gewesen sein. Ich muss zugeben, dieser Gedanke machte mich sehr traurig. Gerade gestern noch waren ihre Eltern das erste Mal bei uns zu Besuch und sie schwärmten, wie wohl sich Anika hier fühle und wie lieb sie mich hätte.

Die Suche

So ging ich runter und beriet mich mit unserer Hausgenossin, Rrushe. Ich nahm mir vor, Anika zu suchen und sie zu fragen, ob sie wüsste, wo mein Handy ist. Zuhause traf ich keinen an, bei der Nachbarin, wo sie auch oft zu Besuch ist, war sie auch nicht. So sah ich keinen anderen Weg, als ihre Mutter auf ihrer Arbeit aufzusuchen. Vielleicht war sie dort.

Etwas schweren Herzens, aber doch entschiedenen Schrittes, ging ich los. Ich betete noch zu Gott, dass er es doch gut mache und mir Weisheit gebe. Als ich gerade auf die Hauptstraße gehen wollte, sah ich etwas weiter unten gerade Anika um die Ecke laufen. Ich rief sie, nahm sie an die Hand und sagte ihr, ich hätte was mit ihr zu besprechen. Ich was sehr froh, sie nun persönlich sprechen zu können und ich ihrer Mutter Peinlichkeiten ersparen konnte.

Die Befragung

Als wir in unserem Garten angekommen waren, setzte ich sie auf die Treppe und fragte sie.
Sogleich liefen die Tränen. Sie sah fertig aus und beteuerte mir aus vollem Herzen, dass sie das Handy nicht gesehen hat und nicht genommen hat. Sie tat mir leid. Und einen kurzen Augenblick dachte ich, was wäre, wenn ich sie nun fälschlicherweise in so eine beklemmende Situation gebracht hatte. Kurzes Innehalten, kurzer Blick zu Danny und dann ging es weiter.

Ich bin ungern hart, aber ich wusste, hier muss ich es sein. Es tat mir im Herzen weh, aber ich musste dieses Kind bis zum Fall bringen, sonst würde sie sich noch mehr verstricken.Ich redete nun so, als wüsste ich ganz sicher, dass sie das Handy hat. Wenn Sie es mir jetzt bringe, dann würde ich nicht mit ihren Eltern darüber reden (ich möchte nicht wissen, was für eine Trachtprügel sie bekommen hätte…).

Falls sie es nicht sagt, könne sie nicht mehr zu uns kommen und ich würde jetzt zu ihren Eltern gehen. Und es half. Kleinlaut und flüsternd sagte sie mir, dass das Handy bei ihrem Onkel sei.

Es durchstach mein Herz dennoch, obwohl ich es wusste. Warum um alles in der Welt hat sie das gemacht? Ich schickte sie sofort los, es zu holen. Nach einiger Zeit (Danny hatte das Handy auch mit dem Ortungssystem ausfindig gemacht) kam sie und holte mein Handy aus ihrer Westentasche.

Das verlorene Schaf

Ich nahm sie unter vier Augen in einen Raum. Warum hast du das gemacht? Warum?
Sie konnte nicht viel sagen. Anscheinend wollte sie es zum Spielen mitnehmen und mir auch wieder geben.

Ich weiß es nicht. Es schien mir jedenfalls nicht so, als hätte sie jemand angestiftet. Ich hielt einige stille Momente mit ihr aus. Ich fragte sie, was wir jetzt machen sollen. Mein Vertrauen ist erst mal beschädigt, verständlicher Weise.

Aber dann erzählte ich ihr von meinem Gott, der gerne vergibt. Ich sagte ihr, dass ich auch Fehler mache und Vergebung brauche, so wie sie jetzt. Und ich sprach ihr Vergebung zu und nahm sie in den Arm. Ich verspürte keinen Ärger, sondern Liebe.

Jetzt, wo ich das schreibe, muss ich an das Thema denken, das wir in dem Kindertreffen die letzten Male hatten. Da ging es um das verlorene Schaf. Sie kam mir vor, wie dieses dumme Schaf, das weggerannt ist, obwohl es ihm so gut gegangen war.

Sie entschuldigte sich dann auch. Dann ließ ich sie gehen. Bevor sie ging, umarmte sie mich nochmals, wie um sicher zu gehen, dass ihr immer noch vergeben ist.

Ich sprach hinterher noch mit Rrushe, die das auch sichtlich mitgenommen hatte.
Und auch ihr gegenüber konnte ich erzählen, dass es Gott viel gekostet hat, um uns diese Vergebung schenken zu können: Jesus Tod.

Ja, das ist eine wichtige Lektion zu lernen und ich bete sehr, dass Gott dadurch in Rrushes Herzen wirkt und Gott diese eigentlich schlechte Situation zum Guten wendet, vor allem für auch für Anika.

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