Vom Mut, andere in dein unperfektes Leben zu lassen

von Rahel Fröse am 27. Februar 2015

Ich bin davon überzeugt, das es wenig gibt, was mehr Zeugniskraft hat, als der Blick in dein Wohnzimmer, in deine Küche, in dein Leben. Dein ganz normales, manchmal chaotisches Leben. Doch dort lebst du eben und dort lebst du mit Jesus. So sollte es jedenfalls sein.

Wie geht es dir damit?

Wir offen bist du in diesem Bereich? Lässt du andere in dein Leben blicken? Oder verschließt du lieber die Tür vor anderen. Vielleicht vor ungebeten Gästen? Öffnest du dein Haus vielleicht einen Spalt breit und lässt die Gäste nur dann rein, wenn alles sauber und geputzt ist, wenn die Kinder ordentlich gekleidet sind und nicht mit einem Milchbart herumlaufen? Dann, wenn du innerlich voll und ganz auf: “Jetzt bin ich bereit für Besuch!” geschaltet bist?
Ich weiß nicht, wie es dir damit geht.

In meinem Fall

Ich bin schon so ein Mensch, der sehr gerne Besuch empfängt. Aber gerade hier in der fremden Kultur möchte ich doch alles richtig machen. Ich möchte es sauber und ordentlich haben, weil es bei allen anderen auch so ist. (Vielleicht liegt es auch daran, dass die Menschen hier einfach sehr viel weniger Dinge haben…).

Jemand sagte mir mal, dass sogar die Schränke innen ordentlich sein sollen, da es Leute gibt, die doch tatsächlich mit einem Blick in deinen Schrank bewerten, ob du eine gute Hausfrau bist. Und das wollen alle hier in Albanien sein.

Meine Besuchsgeschichte

Ich muss schmunzeln, wenn ich an meine Geschichte mit Besuchen hier denke.
Ich war oft bereit. Aber dann kam nie jemand.
Und ich war oft völlig unvorbereitet, und dann kamen sie.

Typisches Beispiel zu Neujahr. Ich bereite mich auf Besuch vor und ich warte. Keiner kommt. Dann ist Mittagsruhe um 13 Uhr. Ich lege mich mit den Kindern hin, die Küche ist noch nicht ganz fertig aufgeräumt. Dann sehe ich eine Horde von Nachbarsleuten durch unser Tor laufen. Und klar, die wollen zu uns. Ich schrecke hoch und tue, was ich in den drei Minuten noch tun kann.
Aber so kommen sie in mein unperfektes Leben hinein und es ist doch gut so!

Ich bin doch nicht perfekt und das will ich Ihnen doch auch vermitteln. Ich will Ich sein und all meine Aufmerksamkeit und Liebe meinem Besuch schenken.

Oder dann, als wir von einem langen Tag mit vielen Besuchen nach Hause kommen, es ist schon sieben Uhr, die Kinder haben das Wohnzimmer in ihrem abendlichen Drang, nochmal alle ihre Energie zu präsentieren in ein völliges Chaos verwandelt. Da klopft es an der Tür. Albaner lassen sich in der Regel nicht lange bitten und kaum versieht man sich, stehen sie schon im Wohnzimmer. Da steh ich wieder und denke: jetzt kann ich nur noch mit meiner Freundlichkeit trumpfen. Und glaubt mir, das ist gut so.

Mit Freude mitten im Chaos

Oder gerade gestern. Ich hatte ein doch eher anstrengendes Kindertreffen mit 25 Leuten in unserer kleinen Küche, inklusive meiner Kinder. Mir dröhnte noch etwas der Kopf, als ich alle mit jeweils mindestens zwei, wenn nicht sogar vier Küsschen verabschiedet hatte. Meine Küche war noch wie ein Schlachtfeld, meine Kinder hatten sich die letzten Stückchen Kuchen geschnappt und sie genüsslich gegessen nicht ohne die übliche Spur an Krümeln zu hinterlassen.

Naja, staubsauge ich halt zum dritten Mal heute (manchmal wünschte ich mir unsere Hühner eine Etage höher…). In der Spüle türmten sich noch die Geschirrberge von unserem Fest, das wir zum Abschied unserer “das verlorene Schaf” Lektion gefeiert hatte.
Danny war noch weg und die Kinder aufgedreht.

Doch dann kommt meine liebe Nachbarin freudestrahlend in den Flur gelaufen. Erstmal durchzuckt es mich: oh, das passt mir jetzt aber gar nicht. Doch dann hat mein Sinn für Gastfreundschaft wieder die Oberhand. Und ich freue mich. Inmitten meiner krümeligen, unordentlichen und überdrehten Kinder Welt.

Nahe beieinander

Wir sitzen im Wohnzimmer, nahe beieinander und sie erzählt mir von ihrer neuen Arbeit und ihren Ängsten, bald in eine ihr völlig fremden Familie einzuheiraten und von hier weg zumüssen. Sie sagt mir, wie sie mich zum ersten Mal gesehen hat, mit Livia noch im Tragetuch als kleines Baby und sie nimmt meine Hände und sagt mir, wie froh sie über eine Freundin wie mich ist.

Ich erzähle ihr noch von meinem Gott, der für mich in jeder Fremde wie ein sicheres Zuhause ist. Das bewegt sie. Und ich verspreche ihr, für sie zu beten.
Dabei werden meine aufgedrehten Kinder Nebensache. Sie sind ohnehin längst zu Rrushe gegangen.

Überrascht von Liebe

Wisst ihr, das sind oft die kostbarsten Momente. Du planst sie nicht, manchmal scheinen sie dir sogar ungelegen. Du wirst innerlich gedemütigt, weil deine Wohnung nicht so aussieht, wie du sie am liebsten allen präsentieren würdest. Aber das ist gut so.

Denn wisst ihr was: den Menschen ist doch unser Haus oder unsere Wohnung egal (vielleicht freuen sie sich eher, weil sie sehen, dass es anderen auch so geht wie ihnen).
Selbst falls es welche gibt, die kommen, nur um zu sehen, wie es bei dir aussieht (und das gibt es hier bei uns durchaus) - überrasche sie mit einem Herz voller Liebe, voller Zuwendung, voller Demut.

Schenke den Menschen, die dich besuchen dein ganzes Herz, deine ganze Liebe, deine ganze Aufmerksamkeit! Es lohnt sich!

Es lohnt sich, Arbeit liegen zu lassen und sie später zu machen (ich habe mit einem freudigen Herz meine 25 Becher und Teller gespült).
Nimm dir Zeit.
Lass dich von Gott gebrauchen, diesen Menschen, der neben dir sitzt, zu segnen!
Das ist unser Auftrag!
Das will Jesus von uns!
Von jedem von uns!

Ich lerne da immer weiter und bin Gott so dankbar, dass er mich dadurch lehrt und mir sagt: Rahel, schenke den Menschen dein Herz und deine Liebe und rede von mir!

Ich wünsche euch allen ganz viel Mut und Offenheit, Menschen willkommen zu heißen, gerade dann, wenn ihr unvorbereitet seid. Ja vielmehr: streckt euch danach aus. Denn das ist oft der Weg, durch den ihr und die Menschen, die euch besuchen, am meisten gesegnet werden.

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