Plötzlich verlobt

von Rahel Fröse am 26. Januar 2015

Stell dir vor du bist 25 Jahre alt und lebst zusammen mit Verwandten in einem Haus. Ihr seid sehr viele und die zwei Männer, die arbeiten können verdienen gerade genug, um alle im Haus lebenden über die Runden zu bringen.

Dein Leben

Du hast keine Arbeit. Tag ein Tag aus erledigst du deine Arbeiten und dann sitzt du auf dem durchgesessenen Sofa. Du strickst oder schaust einfach in die den ganzen Tag laufende Flimmerkiste.
Ans heiraten denkst du in diesem Alter natürlich schon ab und zu.

Dein Vater ist schon viele Jahre tot und deine Mutter lebt bei deiner Schwester weiter weg. Die Mutter ist ab und zu in der Psychiatrie, weil sie mit dem harten Leben nicht mehr klar kommt.

Aber da ist ein gewisses Handicap: seit deiner Geburt hast du eine schräge Hüfte. Es wurde nie operiert und nun läufst du etwas hinkend.

Wer will schon eine Frau, die nicht richtig laufen kann? Wer wird da für mich übrig bleiben?
Aber du träumst von dem Traumprinzen, der kommt, dich bedingungslos liebt und dich in sein Haus mitnimmt. Wird er jemals kommen?

Der Besuch

Dann wird dein gewohntes Leben plötzlich unterbrochen.

Da steht ein älterer Mann mit seinem 24. jährigen Sohn vor der Tür. Noch nie in deinem Leben hast du sie gesehen. Sie treten ein und ihr sitzt zusammen im Empfangszimmer. Zigarettengeruch erfüllt den Raum. Ihr tauscht die üblichen Floskeln aus und dann geht es auch schnell zur Sache. Der junge Mann hat über seine Großmutter von dir erfahren und nun ist er mit seinem Vater da, um die Formalitäten für eine Ehe abzusprechen.

Es ist ein guter Mann und er kann arbeiten, sagt dein Onkel dir nur immer, als die zwei Männer gegangen sind und du plötzlich verlobt bist.

Er ist ein Arbeiter. Er ist gut. Er wird gut für mich sorgen. Diese Sätze gehen dir immer wieder durch den Kopf, während du dich krampfhaft versuchst zu erinnern, ob dein zukünftiger Mann nun braune oder blonde Haare hatte. Vor lauter Scham hast du ihn nicht ein einziges Mal angeschaut.

In vielleicht fünf Monaten wird er dein Mann sein. Vorher wirst du ihn nicht mehr oft sehen. Aber er ist ein Arbeiter. Er ist gut. Er wird für dich sorgen. Das erhoffst du dir jedenfalls von diesem Unbekannten.

Hundertfach

Diese Geschichte bekam ich heute erzählt, als ich meine liebe Nachbarin besuchte und ihr zu ihrer Verlobung gratulierte. Und diese Geschichte wiederholt sich hier in Nordalbanien ständig. Aus Liebe zu heiraten ist hier sehr sehr selten. Für uns klingt das alles so unvorstellbar.

Stellt euch vor, ihr kennt den Mann, den ihr heiraten sollt gar nicht, habt ihn einmal gesehen, als er um eure Hand angehalten hat.

Ich weiß nicht, ob dieser Mann der Prinz ist für Adelina. Ich weiß nicht, welches Handicap er hat, aber normalerweise heiratet ein gesunder Mann nicht eine leicht behinderte Frau. Sicher hat er auch irgendetwas an sich, was ihn hier nicht befähigt, eine "gesunde" Frau zu bekommen.

Der Hirte

Mir lag es auf dem Herzen, zu Adelina zu gehen. Ich hatte schon öfter gute Gespräche mit ihr. Ich bastelte ihr eine Karte mit drei Herzen und schrieb innen rein den Psalm 23. Sie freute sich sehr darüber. Jeder, der im Raum war (bestimmt insgesamt 12 Leute, alt und jung), nahm die Karte in die Hand und las sie.

Toll war, dass ihr zukünftiger Mann ein Hirte ist. So konnte ich ihr gleich von meinem Hirten erzählen, der sich um uns sorgt. Ich hoffe, der Psalm begleitet sie, gerade durch schwere Tage und Zeiten, wenn sie einsam in einer fremden Familie sitzt.

Und ich hoffe sehr, dass sie den kennenlernt, der sie bedingungslos liebt und sie mit in sein Haus nehmen will - Jesus!

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