Jesus begegnen an einem ganz normalen Mama-Chaos-Tag

von Rahel Fröse am 11. März 2020

Heute Morgen bin ich aufgewacht und wollte am liebsten die Decke über mich ziehen und einfach abtauchen. Ich spürte in mir keine Kraft und ehrlich gesagt auch keine Lust auf diesen Tag. Die Nacht war richtig schlecht. Die Uhr zeigte noch nicht 1 Uhr und wir waren sicher schon 6x ins Kinderzimmer gelaufen, weil entweder Jemima oder Henry etwas hatten. Um halb sechs war die Nacht dann vorbei. 

Wenig später hörte ich die Stimmen der beiden großen. Nach einer Weile kamen sie zu uns und beschwerten sich über den jeweils anderen. Das will ich wirklich nicht um kurz vor sechs hören…

Ich stehe auf, es wird laut, Henry stellt alles mögliche an, Gideon fährt mit lautem Motorengeräusch als Bugatti durch unsere kleine Wohnung. Ahhh!!!! 

Ich sehe dreckige Schuhe und Jacken, einen Wäschekorb der irgendwie, soviel ich auch wasche, immer voll ist. Alle Spiegel sind voll getapst, obwohl ich sie doch erst geputzt hatte. Naja, eins kommt aufs andere. Ich sehne mich plötzlich nach Ruhe. Ich will doch einfach ruhig und friedlich in den Tag starten. Will meine Bibel lesen. Will ruhig beten. Will dann gelassen und mit viel Liebe und Geduld meinen vier lebendigen Kindern begegnen. Und meinem Mann natürlich auch…

Ich merke, wie sich in mir eine trübe Stimmung anschleicht. Obwohl der Tag wunderschön zu werde scheint, der Himmel blau und wolkenlos, in mir bahnt sich ein Sturm an. Ein Sturm von negativen Gedanken, von Undankbarkeit und Unfrieden über meine momentane Situation, Unzufriedenheit mit meinen Kindern, Zweifel, ob ich hier richtig bin. Naja, das ganze Programm eben. 

Ich werfe die erste Waschmaschine an. Dann kommt Jemima und hat es nicht mehr rechtzeitig zur Toilette geschafft. Wäsche über Wäsche. Dann klettert Henry zum 10 x die Küche hoch und macht den CD Player aus. Die beiden Großen habe ich mittlerweile erfolgreich zum Unterricht verabschiedet. (Da seit Montag Corona auch offiziell in Albanien gelandet ist, wurden gleich darauf alle Schulen und sonstige Einrichtungen bis 23.3. geschlossen. Wir machen nun deutsch und Mathe Unterricht zuhause weiter…)

Ich setze mich an den vollen Frühstückstisch, viel Geschirr, das gespült werden will. Ich schaue raus in den blauen Himmel. Ich bin entmutigt. Irgendwie antriebslos heute. Es fällt mir heute einfach echt schwer, eine Mama von vier Kindern zu sein und in Albanien zu leben. Meine Gedanken gehen zu meinen albanischen Freundinnen. Immer bin ich diejenige, die anruft, besucht, schreibt. Da ist so wenig Initiative von ihnen. Kaum eine kommt mich besuchen. Irgendwie bin ich es heute müde, immer die Initiatorin zu sein. Ich bin es müde, immer wieder in Umstände zu kommen, die mich bedrücken, die depressiv und menschlich hoffnungslos aussehen. Wo ist Gott in all der Not? Wie kann ich ihn immer wieder dorthin bringen, wo die Dunkelheit herrscht?

Ich weiß, dass Ich heute Ruhe brauche. Sobald Henry im Bett liegt und Mima ruhig spielt, hole ich mein Bibel und mein Tagebuch. Ich schreibe mir erstmal, meine ganzen Emotionen von der Seele. Das tut gut und macht mich frei. Und ich bringe sie Gott. Er kennt und durchforscht mein Herz. Und er liebt mich trotzdem!

Ich lese Psalm 42. Er ist heute dran. Und wie so oft, passt er genau!

„Was bist du so aufgelöst, meine Seele, und stöhnst in mir? Harre auf Gott! - denn ich werde ihn noch preisen für das Heil seines Angesichts. Mein Gott, aufgelöst in mir ist meine Seele; darum denke ich an dich…“

Ich finde mich nur zu gut wieder in diesen mir so bekannten Versen. Ja, auf Gott schauen, sein Angesicht suchen und an ihn denken, das brauchst du jetzt, meine Seele!

Ich komme dann zum Philipperbrief. Ich weiß, dass genau dieser nur so vor Freude trotz schwieriger Umstände strotzt. Mhmm, ob ich das jetzt vertrage? 

Aber ich lese los. In Kapitel 2 bleibe ich stehen. Diese Worte leuchten heraus und stupsen meine Seele freundlich an:

Tut alles ohne Murren und Zweifel, damit ihr tadellos und lauter seid, unbescholtene Kinder Gottes, inmitten eines verkehrten Geschlechts, unter dem ihr leuchtet wie Himmelslichter in der Welt. (Vers 15)

Tut alles! Alles. Wirklich alles. Alles beinhaltet auch mein normales Tag zu Tag leben und überleben. Ohne Murren, auch innerlichem Murren. Und zweifeln. Wow! 

Wie ist das möglich?

In dem Vers heißt es weiter: „indem ihr das Wort des Lebens festhaltet.“

Man könnte wohl auch sagen: indem ihr Jesus festhaltet. Oder vielleicht könnte man auch sagen: indem ihr von Jesus festgehalten werdet (das ist nämlich die Tatsache, das Fundament, damit wir festhalten können). Seine Gnade ist da, sein Blick ruht auf mir. Seine Liebe ist immer gleich. 

Ich glaube, es ist nur menschlich, dass wir verleitet werden durch verschiedene Umstände (oder auch einfach nur durch unser trotzig und verzagt Ding, das Herz heißt), uns in einen Strudel des Murrens, des Zweifelns, des unzufrieden seins gezogen zu werden. Doch was mache ich dann damit? 

Oh Herr, vergib mir.

Du hast mich so reich beschenkt mit allen guten Dingen. 

Ich bin so gesegnet von dir.

Und doch geht mein Blick so oft nur auf die Dinge,

Die nicht so funktionieren,

Wie ich es gerne möchte. 

Eigentlich will ich es nicht, 

Aber plötzlich wird alles so grau und kalt in mir.

Meine Nerven sind dünn

Und mein Herz wird hart,

Meine inneren Augen für die Schönheit

Sind geschlossen,

Ich kann dich nicht sehen in all dem Chaos.

Oh Herr,

Öffne meine Augen wieder für dich,

Für dein Wort, für deine Wahrheit, 

Für deine Schönheit und die Schönheit,

Die du in mein Leben gelegt hast, 

Auch wenn es noch so chaotisch und laut ist.

Öffne mein Herz. Mache es weit.

Führe mich in die Weite und stelle mich auf festen Grund.

Jetzt, mitten in allem Gewühl. 

Lass mich die Augen schließen und dich sehen!

Wie du mich liebst und hältst,

Wie du mich begnadigst und mir hilfst.

Wie du mich durch und durch kennst,

Wie du mich verstehst und mich ermutigst:

„Fasse Mut, und mache weiter. 

Tu es in meiner Kraft ohne Murren und Zweifel.

Du bist dadurch ein Licht in dieser dunklen Welt um dich herum.

Ein leuchtender Stern.“

Oh Herr, so fühle ich mich oft nicht. Ich, ein Stern?

Leuchtend, wenn ich doch alles so trist empfinde?

Ich verstehe, Jesus,

nicht ich leuchte, 

sondern immer, 

immer nur du durch mich!

Nur du, nur du in allem!

Photo by Yuris Alhumaydy on Unsplash

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