Mein Frust und wie mich Gottes Gnade fand

von Rahel Fröse am 5. Oktober 2019

Ich lebe nun ziemlich genau 6 Jahre hier in Albanien. Vieles ist normal geworden. Das fällt mir gar nicht mehr auf. Über anderes habe ich gelernt, hinwegzusehen. Anderes kann ich nur aushalten, weil ich es mit Humor nehme. Und das allermeiste schaffe ich nur, weil Gottes Gnade mich dazu befähigt. Mir Liebe schenkt und Geduld und Nachsicht und Freude. Ja, ohne seine Gnade würden wir hier sicher nicht mehr in Freude leben.

Dennoch gibt es auch immer mal wieder Momente, in denen mich der Frust überkommt. Vielleicht sind es auch späte Kulturschocks. Man könnte auch einfach sagen: manchmal bekomme ich den Koller! Da schreit alles in mir. Da kommen mir die Tränen und die Wut zugleich hoch. Ich weiß, dass alle, die ebenso wie ich im Ausland leben, sehr gut verstehen, was ich meine...

Gestern war so ein Moment. Ich bin dabei, Jemima in dem städtischen Kindergarten einzugewöhnen. Diese Aufgabe hatte ich vor drei Jahren mit Gideon und Livia schon einmal. Sie gingen nach einer gewissen Zeit dann auch gerne hin und ich brachte sie hin und war dann wieder weg. Ehrlich gesagt hielt ich mich, glaub ich, absichtlich etwas fern von einem tieferen Eintauchen in dieser Zeit, da ich weiß, wie es mich schon damals echt umgetrieben hat, die Zustände dort zu sehen.

Aber jetzt bin ich wieder damit konfrontiert. Ich dachte, meine Seele ist schon abgehärtet. Ich hab hier schon so viel gesehen. Ich weiß ja, wie es hier läuft. Bin abgeklärt, könnte man sagen. Hab mich abgefunden, dass meine Kinder nun mal nicht den toll ausgestatteten deutschen Kindergarten genießen können. Aber gestern traf es mich wieder. Es stach mich mitten ins Herz. Und ich hätte weinen können. Vielleicht bin ich doch nicht so abgeklärt, wie ich dachte, gleichgültig und: so ist es halt, die anderen haben es auch gut überlebt. Und vielleicht ist das gut so. Wahrscheinlich ist es einfach die große Liebe zu meinem Kind, die ihm das allerbeste wünscht.

Von was rede ich eigentlich? Kindergarten läuft hier ganz anders ab. Es gibt kaum Spielsachen. Obwohl wir vor einigen Jahren jeden Kindergarten mit mehreren Bananenkisten Spielsachen versorgt hatten, ist davon nicht allzu viel übrig. Und das, was da noch ist (auf meine Anfrage hin) ist vermischt mit anderen Sachen, mit Müll und kaputten Teilen in einer Kiste. Da blutet mein Ordnungsherz. Wo ist nur die schöne große Kiste mit Duplo Steinen hin?
Dann ist die Erzieherin allein mit bis zu dreißig Kindern. Ich ziehe echt meinen Hut vor ihr. Aber es gibt ständig Ablenkung während des Programmes. Das Handy klingelt mitten im Stuhlkreis, eine Mutter steht vor der Tür, ein Kind muss auf Toilette, ein Papa möchte sein Kind abholen etc. ...

Als ich nachhause ging, da war ich innerlich aufgewühlt und unruhig. Ich fragte Jesus um Rat und bat auch um Vergebung, wo ich in meinem Herzen schlecht über die „Albaner“ und ihre Kindergärten dachte. Aber es fällt mir einfach so schwer, manches hier einfach mit Freude anzunehmen, wenn es doch so sichtlich nicht optimal ist.

Später las ich meine Texte für diesen Tag aus meinem Bibelleseplan. Es war der 1. Petrusbrief dran. Dort geht es viel um das Leiden um Jesu Willen. Ich möchte mein Erlebnis vom Vormittag nicht als großes Leiden darstellen, aber für mich war es das. Es ist ein Leiden um Jesu Willen, das ich in Kauf nehme, weil ich hier lebe und ihm hier diene. Ohne Jesus wären wir ganz sicher nicht hier!

Ein Vers sprach mich dann besonders an. Da werden eigentlich Sklaven angesprochen, die einem schlechten Herrn dienen müssen. Es heißt da:

„Wenn ihr aber ausharrt, indem ihr Gutes tut und leidet, das ist Gnade bei Gott. Denn hierzu seid ihr berufen worden; denn auch Christus hat für euch gelitten und euch ein Beispiel hinterlassen, damit ihr seinen Fußspuren nachfolgt.“ (1.Petrus 2,20-21)

Ausharren, Gutes tun und Leiden. Das gehört alles zusammen für einen Christen, der Jesus nachfolgt. Es war gut für mich, mir das ins Gedächtnis zu rufen. Auch die Umstände im Kiga (und der Schule hier) bedeuten für mein Mutterherz ein Leiden. Aber es ist Gnade bei Gott, wenn es so ist. Gnade bei Gott. Was kann es besseres geben.
Plötzlich wurde aus meinem Frust Dankbarkeit. Und Annahme und Bereitschaft, dieses Leiden auf mich zu nehmen. Denn es ist Gnade bei Gott.

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