Loslassen und Empfangen - Die Kunst des Lebens

von Rahel Fröse am 5. Mai 2020

Seit einiger Zeit habe ich tatsächlich meinen eigenen kleinen Schreibplatz.

Da es bei uns sehr eng ist, wir nur ein Kinderzimmer, eine Küche und ein Schlafzimmer haben, hatte ich bisher keinen eigenen Platz für mich gehabt. Der Schreibtisch, der im Schlafzimmer steht und über dem unsere Bücherregale hängen, ist meistens mit Stapeln von Büchern und anderen Sachen überhäuft und nur in sehr seltenen Fällen habe ich mich mal dorthin gesetzt. An einem Tag wurde mir bewusst, wie mir so ein „das ist mein Platz und mein Ort und mein Rückzug“ fehlt. 

So suchte ich eine kleine Lösung, die in das eine Eck unseres Schlafzimmers passen würde. Und ich fand tatsächlich einen kleinen Schminktisch, den ich zum Schreibtisch umfunktionierte. Und so hab ich jetzt tatsächlich einen, wie ich finde, wunderschönen Platz, an den ich mich immer gerne setze, wenn auch klein. Aber die Bibel und mein Tagebuch passen drauf und in den kleinen Schubladen finden meine Karten und allerhand anderes Platz. 

Wenn ich dort nun sitze, dann schaue ich zwei Figuren an. Es sind diese wundervollen willow tree Figuren. Sie heißen „blessings“ und „soar“. 

Das eine Mädchen hält ihre beiden Arme vor sich geöffnet, ihre Handflächen nach oben, den Kopf geneigt. Das andere Mädchen hält ihr Handflächen zusammen nach oben und in ihnen sitzt ein kleiner Vogel. Seine Flügel sind schon ausgebreitet, bereit, zum Abflug. Das Mädchen schaut auf ihn, willig, ihn fliegen zu lassen.

Ich habe mir diese beiden Figuren ausgesucht, damit sie mich begleiten, weil sie für mich das Geheimnis eines glücklichen und erfüllten Lebens ausdrücken. 

Peter Dyckhoff drückt es wunderbar aus in diesem Gebet:

„Mein Herr und Heiland, 

Lehre mich das vertrauensvolle Loslassen 

und das bereitwillige Empfangen dessen,

Was du für mich vorgesehen hast.

Gib mir Mut und Entschiedenheit

Zu diesem heilbringenden Wagnis 

Meiner Existenz vor dir.“

Loslassen und Empfangen können, das ist die Kunst eines glücklichen Lebens. 

Meine Hände offen halten für dieses Leben, für das, was Gott mir schenkt. Blessings, Segnungen- das ist alles, was Er mir gibt, auch wenn es meinem menschlichen Auge und Herz oft so schwer fällt, das so zu sehen. Ich will mich an jedem Tag im Geist so wie dieses Mädchen vor Gott stellen. Die Handflächen nach oben, verletzlich, geöffnet. Mein Herz öffnen für Gott! Bereit sein, es füllen zu lassen. Bereit sein, weiterzugeben. Bereit sein, in seinem Dienst zu stehen. Hier bin ich, es geschehe mit mir, wie du es willst - das hat schon ein anderes, ganz besonderes Mädchen zweitausend Jahre vor mir gesagt. 

Und ich will die Kunst des loslassens lernen. Ich will nicht krampfhaft festhalten an dem, was war, an meinen Kindern, an der Gesundheit, an dem Leben hier. Ich will leise dastehen und den Vogel fliegen lassen. Ich will mein Streben nach Kontrolle gehen lassen. Ich will meine Ängste und Sorgen loslassen. Ich will vertrauensvoll loslassen in dem festen Wissen, dass Gott mir nichts Gutes vorenthält, dass er die Last nehmen will und mich frei machen will. In dem Wissen, dass er viel mehr gibt, als ich träumen kann, wenn ich nur bereit bin, loszulassen, was mich jetzt noch  gefangen hält. 

Diese beiden Mädchen auf meinem geliebten Schreibtisch reden zu immer. Immer, wenn ich mich endlich setze und zur Ruhe komme, dann flüstern sie mir diese Worte zu. Dann erinnern sie mich an die Kunst des Lebens. 

An die Schönheit meiner Existenz vor meinem liebenden Gott:

Empfange mit weiten Armen und offenen Händen!

Lass los im tiefen Vertrauen. Lass los!

„Herr,

Du sprichst in mein Dunkel hinein,

Dass die Finsternis vergeht

Und dein Licht hervorbricht.

Ich danke dir,

Dass ich alle ungelösten Dinge,

Alles Notvolle

In deine allmächtigen Hände

Legen darf.

Weil du so gut bist,

Wirst du alles für mich lösen.

Ich bringe zu dir 

Alles bruchstückhafte Dienen,

Meine Hilflosigkeit,

Mein großes Versagen

Und meine Armut.

Ich danke dir,

Dass du alles birgst

Und zu deiner Stunde hervorbrechen wirst

In der Herrlichkeit deines Sieges

Und deiner allesüberwindenden Liebe.

Als Beschenkter stehe ich vor dir

In Anbetung und Freude.

Ehre sei dir, ewiger Gott,

Ewige Liebe, ewiger Geist. 

(Hanna Hümmer) 

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