Ich bin der Einzige

von Danny Fröse am 10. September 2014

Ich vergesse oft, dass der Tod zum Leben dazugehört. Doch heute steht mir der Tod wieder vor Augen. Ich gehe auf eine Beerdigung. Es ist ein trauriger Anlass, aber ich gehe gerne hin. Schon der Prediger sagte:

Besser, ins Haus der Trauer zu gehen, als ins Haus des Gastmahls zu gehen; denn jenes ist das Ende aller Menschen, und der Lebende nimmt es sich zu Herzen. Prediger 7,3

Der Trauerzug

An der Beerdigung nehmen nur die Männer der Stadt teil. Ich weiß nicht, wo die Gedächtnisfeier stattfindet. So warte ich im Zentrum. Irgendwann erblicke ich den Trauerzug. Voran fährt der Leichenwagen mit dem Verstorbenen. Die nahen Familienangehörigen folgen dem Wagen mit gesenktem Blick. Dahinter reihen sich alle anderen Männer ein. Viele sind still. Einige reden in leisem Ton miteinander. Nachdem die Prozession zur Hälfte an mir vorübergezogen ist, reihe ich mich ein, in die bedächtig dahin schreitenden Männer.

Es sind noch 300 Meter bis zum Friedhof. Die letzten Tage hat es viel geregnet. Der Weg führt uns über eine schlammige, lehmgelbe Straße, die übersät ist mit Pfützen. Mein Blick geht nur nach unten, um den richtigen Schritt zu gehen.

Die Tür durch die wir alle schreiten

Als wir am Friedhof ankommen, werden die Schritte der Männer langsamer. Wir müssen alle durch ein schmales Tor, um auf den Friedhof zu kommen. Während sich die Männer einordnen, um durch das Tor zu gelangen, habe ich Zeit nachzudenken.

Ich denke an all die Männer, die ohne Hoffnung mit mir durch diese Friedhofstür gehen. Ich denke an den Moment, an dem jeder dieser Männer mal durch eine Tür gehen wird, die Tür zu Gottes Gericht. Ich werde traurig. Die Grausamkeit des Todes drückt mich nieder. Niemand kann diesem Schicksal entfliehen.

Wer ich bin

Doch dann wird mir bewusst, wer ich bin und was ich hier tue. Erschüttert stelle ich fest: Ich bin der Einzige unter tausenden von Männern. Ich bin der Einzige, der den kennt, der von sich sagte, "ICH BIN DIE TÜR". Ich bin der Einzige, der Männer vor dem endgültigen Schicksal des ewigen Gerichts bewahren kann. Ich bin der Einzige, der Männern den Weg zum Leben zeigen kann. Ich bin der Einzige, der mit Hoffnung lebt und mit Hoffnung sterben kann.

Nachdem ich auch durch Tor gegangen bin, sehe ich zum ersten Mal den aufgebahrten Sarg. Der Hodscha aus der Moschee betet noch einmal ein paar Worte. Dann wird der Sarg zum Grab getragen. Totengräber haben das Grab mit Schaufeln gegraben. Von nun an gibt es keine Worte mehr. Der Sarg wird heruntergelassen. Als letztes Ritual nehmen die Männer der Familie eine Schaufel und beginnen das Grab mit eigenen Händen zuzuschaufeln. Andere Männer stehen drum herum und schauen zu. Manche sind traurig. Doch keiner vergiesst eine Träne.

Meine Tränen

Doch ich kann nicht anders. Im Anblick dieser Hoffnungslosigkeit vergiesse ich Tränen.

Mir ist egal, was die anderen Männer denken. Ich weine um sie. Ich weine nicht um den Verstorbenen. Ich weine, weil Jesus weint um all diese Männer. Und ich weine, weil ich der Einzige bin.

Ich spüre die Last der Verantwortung. Wenn ich nicht hier bin, dann ist niemand da, der den Männern von Jesus erzählt. Wenn ich meinen Mund nicht aufmache, werden sie die Botschaft des Lebens nicht hören. Wenn ich nicht in Beziehungen zu den Männern lebe, werde ich nicht in ihr Leben sprechen können.

Am Ende schweifen meine Gedanken nochmal zur Sinnfrage unseres Dienstes hier. Während ich den Männern zuschaue, die das Grab des Verstrobenen zuschaufeln, wird mir bewusst, wie niemals zuvor, welchen Sinn es macht, dass wir hier sind.

Jestzt weiß ich, warum ich in dieser hässlichen, kleinen Stadt im Norden von Albanien lebe. Es geht um Männer, die verloren sind und um einen Gott, der sie retten will.

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