Gottes rebellische Kinder

von Rahel Fröse am 6. Februar 2020

In meiner Bibellese bin ich bei den kleinen Propheten angekommen. (Trotz einiger Wochen Ausnahmezustand, da in Deutschland, bin ich immer noch gut bei meiner bible reading challenge dabei - Halleluja!)

Meistens höre ich die Texte aus dem alten Testament, während ich meine morgendliche Routine fahre (Tisch abräumen, abspülen, Saubermachen…). Vieles prägt sich mir echt besser ein, wenn ich es höre. Ich weiß noch ganz genau, wo Ich was sauber gemacht habe, als dieses und jenes Gemetzel war… 😉

So bin ich nun also bei dem Propheten Hosea. Hosea ist in vielerlei Hinsicht echt ein besonderer Prophet, von dem Gott auch besonderes gefordert hat. Während Jeremia z.B. nie heiraten durfte, sollte Hosea eine Hure heiraten, von der er wusste, dass sie ihm untreu werden wird (Hosea 1,2). Und dann soll er seine hurerische Frau sogar ein zweites Mal heiraten (Hosea 3,1). Warum? Um dem Volk Israel ganz bildlich zu zeigen, was sie mit ihrem Gott tun. Die Worte in Hosea sind hart. Das Gericht, das angekündigt wird, grausam.

Soviel ich jetzt im alten Testament gelesen habe, von der Geschichte der Menschheit hin zur Geschichte des Volkes Israel, immer wieder frage ich mich, warum der Mensch immer (oder fast immer) den Weg weg von Gott wählt. Warum verlassen sie immer wieder den Weg, der zum Leben führt? Warum wählen sie Tod und Zerstörung, Krieg und Elend? Warum bleiben sie nicht bei ihrem Gott, der sie liebt und schützt, der sie rettet und ernährt?

In Hosea Kapitel 11 musste ich beim Hören plötzlich innehalten. Es hat mich so betroffen gemacht, was ich da hörte:

Der Herr sagt:

 »Als Israel jung war, habe ich es ins Herz geschlossen und als meinen Sohn angenommen. Ich habe meinen Sohn aus Ägypten gerufen und zurück in die Freiheit geführt. Doch wenn ich dann nach meinem Volk rief, liefen die Israeliten mir bloß davon. Sie opferten den Götzen und brachten ihren Götterfiguren Räucheropfer dar. Dabei habe ich Ephraim doch das Laufen gelehrt und ihn immer wieder auf meine Arme genommen, wenn er fiel. Aber die Menschen in Israel haben nicht erkannt, dass ich es war, der ihnen Gutes tat und sie heil machte. Mit Freundlichkeit und Liebe wollte ich sie ihren Weg führen. Ich habe ihnen ihre Last leicht gemacht – wie ein Bauer, der seinem Ochsen das Joch hochhebt, damit er besser fressen kann, ja, der sich bückt, um ihn selbst zu füttern. Trotzdem weigern sie sich, zu mir umzukehren. […] Mein Volk ist mir untreu, und davon lässt es sich nicht abbringen! Sie rufen zu ihren Götzen, doch die können ihnen nicht helfen. Ach, wie könnte ich dich im Stich lassen, Ephraim? Wie könnte ich dich aufgeben, Israel? Sollte ich dich vernichten wie die Städte Adma und Zebojim? Nein, es bricht mir das Herz, ich kann es nicht; ich habe Mitleid mit dir!

Hier spricht Gott als ein liebevoller Vater zu seinem Kind. Der heilige Gott hat dieses Volk als sein Kind angenommen und er liebt es über alles. Er hat sein Kind in die Freiheit geführt. Er hat ihm das laufen gelehrt und hat es ernährt. Er hat es mit Liebe und Freundlichkeit umgeben und alles getan, um ihm die Last leicht zu machen. Wo findet sich ein besserer Vater? Und wo gäbe es ein glücklicheres Kind als dieses?

Doch die Liebe des Vaters stößt nicht auf Gegenliebe. Die Freundlichkeit und Zuwendung des Vaters findet keine Erwiderung. Keine Dankbarkeit. Keine heile, friedvolle, zufriedene Beziehung. 

Stattdessen: Rebellion. 

„Sooft ich sie rief, gingen sie von meinem Angesicht weg.“

Ich weiß, wie ich mich fühle, wenn mich meine Kinder ignorieren und nicht auf meine Stimme hören. Wenn sie in eine andere Richtung laufen, obwohl ich sie aus Liebe zu mir gerufen habe. Wenn sie bewusst meine Anweisung nicht befolgen. 

Die Kinder laufen weg und wollen ihr Glück woanders finden. Fern von dem Vater, der ihnen das laufen beibrachte, der stolz und glücklich war, wie jeder Vater, der seinen Sohn zum ersten Mal laufen sieht. Liebevoll nahm Gott sie immer wieder auf die Arme, wenn sie fielen, tröstete und heilte sie. Aber sie?

 „Sie erkannten nicht, dass ich sie heilte.“

Gott erzieht seinen Sohn. Er lässt ihn durch schwere Zeiten gehen. Und doch?

„Aber mein Volk bleibt verstrickt in die Abkehr von mir.“

Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einer lieben Freunden. Es ging mal wieder um unsere Kinder und die Erziehung. Ihre vier Kinder sind schon alle aus dem Haus und nicht jedes von ihnen geht den Weg, den die Eltern gerne sehen würden. 

Ich war an einem Punkt, an dem ich echt niedergeschlagen war, wegen einer schweren Sache, die vorgefallen war. Irgendwie war ich ernüchtert und enttäuscht und fragte mich, welchen Unterschied meine Erziehung macht. Ich versuche das beste, ich will wirklich eine gute und liebevolle Mutter sein, Ich bilde mich weiter, lese Bücher und bete für meine Kinder. Und trotzdem stehen sie da und lügen dir ins Gesicht. Ich war entmutigt. Wir geben unser bestes und doch kommt es oft so anders, wie wir wollen.

Meine Freundin erzählte mir eben von diesem Vater, der oben beschrieben ist. Der perfekte Vater, weil Gott nicht weniger als perfekt sein kann. Und was geschieht? Selbst seine Kinder wenden sich von ihm ab. Er hat alles richtig gemacht (was ich von mir nun wirklich nicht behaupten kann…) und doch wählen seine Kinder den Weg des Todes, des Leides, der Zerstörung ihrer selbst und der Beziehung zu ihrem Vater. Es ist traurig. - Aber es zeigt die Natur des Menschen seit dem Sündenfall. Weg von Gott, weg vom Schöpfer, hin zu selbstgemachten Götzen. 

Mich lehrt dieser Text so einiges: meine Kinder werden eines Tages ihren Weg wählen. Ich kann für sie beten, ich kann sie den Weg Gottes lehren und ihnen so gut ich kann das Evangelium vorleben, aber sie selbst entscheiden für ihr Leben. 

Auch will ich mich nicht erheben und mit dem Finger auf das Volk Israel zeigen. Wie oft laufe ich weg von Gott? Wie oft will auch ich mich seiner liebenden Hand entziehen, weil es woanders besser erscheint? Wie oft vergesse ich seine Freundlichkeit und seine Stricke der Liebe, mit denen er mein Leben durchwebt?

Rebellion liegt im Wesen des Menschen. Wie gut, dass ein Gott und Vater über uns wacht, der voll Mitleid ist und uns immer wieder zu sich zurückzieht. Jesus sei dank!

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