Geliebtes Haiti

von Rahel Fröse am 9. Oktober 2016

haiti

Wenn ich die Nachrichten lese, die Worte, die versuchen zu ergreifen, was geschehen ist, dann weint mein Herz.

Hurrikan Matthew, der genau dort wütete, wo ich vor gut 10 Jahren für neun Monate lebte. Ich lese die Namen der verwüsteten Städte und in meinem Gedächtnis kommen die Bilder, die Begegnungen, es kommen liebevolle Gefühle für ein Land, das immer wieder geschlagen wird von der Natur. Orte, an denen ich war, Menschen traf, an denen ich glücklich war, zu dem ich eine klare Berufung hatte.

Haiti ist für mich viel mehr als das ärmste Land der Welt.
Haiti ist meine erste Liebe.
Haiti hat mir eine Heimat geschenkt, ein Zuhause.
Haiti hat mich angelacht und geliebt.
Und wie ich es geliebt habe und immer noch liebe...

Die Menschen, die man auf den wackligen Bildern sehen kann, zerlumpt und schmutzig jetzt, sie sind für mich viel mehr als nur arme Menschen, die alles verloren haben.
Diese Menschen habe ich geliebt. Diesen Menschen habe ich mein Herz geschenkt, diese Menschen haben mich aufgenommen und sie haben mich erleben lassen, was Gastfreundschaft bedeutet. In ihren Augen sehe ich meine Freunde, meine geliebten Freunde, die ich so hoch schätzen gelernt habe. Menschen, die oft schon vor dem Erdbeben und dem Hurrikan in Armut lebten und doch Gott vertrauen.

Die Kinder sind für mich nicht einfach nur arme, mitleidserregende Kreaturen.
Diese Augen, die verzweifelt in die Kamera starren, Augen, die schon zu viel Leid sehen mussten, deren Leben ein Kampf ums Überleben ist.
Diese Kinder haben mein Herz gestohlen. Diese Kinder haben mir mehr gegeben, als ich je geben konnte. Jedes dieser Kinder ist so einzigartig und kostbar. Ich höre noch die Stimmen, wie sich mich schon von ferne rufen: Sè Rachelle!

Die Kinder, die ich damals kannte, sind nun schon groß. Vielleicht haben manche schon selber Kinder. Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, welches meiner geliebten Kinder noch lebt, welches glücklich ist, welches unsere Einladung, mit Jesus zu leben, angenommen hat. Ich weiß so wenig. Die Jahre sind vergangen, das Leben ist unaufhaltsam weitergegangen. Ich habe viel erlebt, viel ist geschehen.
Aber eines hat sich nicht geändert: Haiti ist und bleibt meine erste Liebe!

Das Land ist geschunden, es ist verwüstet, es ist in sich zusammengefallen.
Als ich 2004 im September mit dem Flugzeug auf den Weg nach Haiti war und in Miami eine Nacht zwischen landen musste, da erreichten mich fast gleiche Bilder im Fernsehen. Damals war es der Hurrikan Jeanne. Er hatte den Norden des Landes um die vom Voodoo Kult stark beherrschte Stadt Gonaive getroffen. Ich weiß noch, dass die Gemeinden im Süden es als eine Strafe von Gott ansahen.
Doch jetzt? Jetzt ist der Teil Haitis am meisten betroffen, in dem wohl die meisten Christen leben. Unzählige Kirchengebäude sind jetzt zerstört oder stark beschädigt. Warum?

Ist Haiti ein Land ohne Hoffnung? Ein Land ohne Zukunft?

Nein, das glaube ich nicht. Ich glaube zutiefst, dass Gott diese Nation nicht vergessen hat. Er kennt jeden einzelnen Menschen dort. Er kennt sie mit Namen.

Haiti ist ein Land voller Leben - so habe ich es kennengelernt.
Kein leichtes Leben, aber Leben.
Und wo Leben ist, da ist Zukunft.
Wo Jesus ist, da ist Hoffnung!
Und ich weiß, dass es in Haiti viele, viele Menschen gibt, die Jesus lieben und in denen Jesus lebt. Wunderbare Menschen!

Ich lese die Nachrichten, sehe die kurzen Videos der Zerstörung. Und mein Herz schmerzt. Mein Herz trauert. Mein Herz leidet mit diesen Menschen, mit meinem geliebten Haiti.

Ich weiß noch, als ich in Port-au-Prince ins Flugzeug stieg und Haiti verließ.
"Au revoir, mon cherie, Haiti!" Habe ich laut gesagt.
Dann erhob sich das Flugzeug und immer kleiner wurden die Häuser und die Slums, die Straßen übervölkert mit Menschen.

Betet für dieses Land! Betet für die Gemeinden! Betet für neue Hoffnung!

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