Gedanken zu 5 Jahren Leben mit einer MS-Diagnose

von Danny Fröse am 6. März 2017

An diesem Wochenende vor fünf Jahren erhielt ich die Diagnose MS. Für viele Betroffene bedeutet solch eine Diagnose den Sturz ins Bodenlose. Wir dagegen haben in unserem Glauben Halt gefunden und sind in die Arme eines liebenden Gottes gefallen.

Doch wie es dazu kam und was die Diagnose und die letzten fünf Jahre mit mir gemacht haben, will ich in diesem Artikel kurz ausführen.

Die Vorgeschichte

Natürlich bin ich nicht erst seit fünf Jahren an MS erkrankt. Seit fünf Jahren lebe ich mit dem Befund und der Realität von regelmäßigen Arztbesuchen und dem täglichen Einnehmen von Medikamenten. Aber ich glaube, dass mich die MS seit dem Jahr 1999 begleitet. Damals hatte ich meinen ersten Schub. Mein ganzer Körper war taub. Ich war für einige Tage in der neurologischen Station der Uniklinik. Doch die Ärzte haben nichts festgestellt. Die Taubheitsgefühle verschwanden wieder. Das nächste Mal trat im Jahr 2003 eine neurologische Fehlreaktion auf. Ich war erst kurz vorher zum Glauben gekommen, da machte sich ein komisches Kribbeln im Bereich meines linken Schlüsselbeins bemerkbar. Dieses Kribbeln war am Anfang unerträglich. Wieder konnten die Ärzte nichts feststellen. Bis heute bin ich empfindlich an der Stelle. Deswegen fällt es mir schwer, mich im Auto anzuschnallen, weil der Gurt genau an der Stelle entlangläuft.

Danach hatte ich viele Jahre Ruhe. Andere Geschichten, wie zwei Kreuzbandrisse, machten mir zu schaffen. Doch im Mai 2011 fühlte ich mich an einem Sonntag schwach auf den Beinen. Diese Schwachheit hielt nur kurz an. Aber der Schreck war zu groß. Ab dem Moment war mir klar: Ich habe auch MS. Andere Symptome wie eine Blasenschwäche, eine Beinhebeschwäche sowie eine erhöhte Müdigkeit waren für mich Anlass genug, mir sicher zu sein.

Wenn ich Leuten davon erzählte, dann versuchten alle, mir dies auszureden, aber ich war mir sicher. Doch ich lebte mein Leben weiter und ging nicht zum Arzt. Erst neun Monate später brachte ich es fertig, einen Termin beim Neurologen zu machen. Diesen besuchte ich Anfang Februar 2012. Als ich ihm die Symptome schilderte, nickte er nur mit dem Kopf. Doch die übliche Prozedur verlangte, dass ein MRT von Kopf und Hals gemacht werden muss. Die erste Untersuchung beim Radiologen, der den Hals untersuchte, war sehr ernüchternd. Er fand einen Entzündungsherd, wobei er uns riet, die Sache doch nicht so schwer zu nehmen. Er sagte, „Es leben so viele Leute mit MS, ohne es zu wissen. Auch Sie werden schon damit zurechtkommen.“ Einfühlsam war das nicht gerade.

Die Diagnose

Entscheidend war für mich dann der Besuch beim Radiologen an einem Freitag. Wir hatten vor, von Freiburg aus in die Heimat, ins Rheinland zu fahren. Unser Sohn Gideon war gerade fünf Monate alt. Und so nahmen wir diesen Termin wahr, während wir auf der Heimreise waren. Nach der üblichen Prozedur einer MRT-Untersuchung rief der Radiologe uns in sein Sprechzimmer. Auf zwei großen Bildschirmen hatte er die Schichtaufnahmen meines Gehirns abgebildet. Er zögerte, es war ihm sichtlich unwohl, sehr gerne hätte er diesen Moment vermieden, aber er musste die Sache beim Namen nennen. Er sagte: „Es tut mir leid, aber die weißen Flecken in Ihrem Gehirn deuten eindeutig auf MS hin.“

Und so war das, was ich schon lange wusste, nun offiziell vom Radiologen bestätigt. Als ich das Sprechzimmer verließ, tat ich das, was mich vorher immer an Hiob beindruckt hatte. Ich hob meine Hände und betete an. Ich wusste, ich bin in Gottes Hand, und seiner souveränen Kontrolle entgleitet nichts. Ja, es tat weh, diese Diagnose zu bekommen. Und sie hat uns auch zutiefst erschüttert. Aber an unserem Glauben an einen souveränen und liebenden Gott hat diese Diagnose nichts geändert. Die vier Stunden lange Heimreise war schmerzhaft. Doch die Predigten von John Piper zum Thema: „Treasuring Christ and the Call to Suffer“ haben mir sehr viel Halt gegeben während dieser Fahrt.

Das Leben mit MS

Die Zeit ist schnell vergangen seit der Diagnose vor fünf Jahren. Statt einem Kind haben wir nun drei Kinder. Statt in Deutschland leben wir nun in Albanien. Und es ließen sich noch viele andere Dinge aufzählen. Aber jetzt will ich kurz beschreiben, wie es mir gesundheitlich die letzten fünf Jahre ergangen ist.

Der Verlauf

Ich will vor allem dankbar sein, dass es mir heute so geht, wie es mir geht. Es könnte auch anders sein. Mein Onkel, der auch an MS erkrankt war, saß innerhalb von fünf Jahren im Rollstuhl. Sein Verlauf war aggressiv und so ist es bei vielen anderen auch. Ich will die nicht beneiden, die einen milden Verlauf haben, sondern ich will dankbar sein, dass ich das Vorrecht genießen darf, im Missionsdienst zu stehen und den Menschen hier Jesus zu bringen.

Ich bin dankbar, dass ich hier in meinen Gaben leben darf und so manches praktische Projekt auf die Beine stellen konnte. Ich bin dankbar für weitere zwei Kinder, für die wir uns entschieden haben. Es sind die süßesten Töchter, die es gibt. Ich bin dankbar für alle Kraft, die ich heute habe. Freunde fragen immer wieder, ob ich auch irgendwelche Schübe habe, aber von Schüben kann ich nicht viel erzählen. Ich weiß nicht, wo die Schübe sind. Was ich weiß: Es geht sehr schleichend bergab, wie das nun mal so ist.

Aktuelle Symptome

Es sind nicht viele Dinge, mit denen ich zu tun habe. Da ist eine Blasenschwäche, die sehr gut mit Medikamenten eingestellt ist. Da ist eine erhöhte Muskelspannung in den Beinen, die unangenehm ist, aber mit der ich gut leben kann, und da ist dann diese Müdigkeit, die die Lebensqualität einschränkt.

Ich tue meinen Dienst hier mit aller Kraft, die ich habe, aber manchmal bin ich müde, und besonders am Abend wird dann im Kopf alles ein wenig schwammig. Aber jeder neue Tag ist eine neue Gelegenheit, das Beste draus zu machen. Leider gibt es keine effektiven Medikamente gegen die Müdigkeit. Die Frühlings- und Sommerzeit bringen jedoch immer wieder ziemliche Erleichterung.

Gebet um Heilung

Für mich wurde schon unzählige Male gebetet. Doch bis zum heutigen Tag bin ich nicht geheilt. Ich glaube fest daran, dass Gott mich heilen kann. Aber aus Gründen, die nur er in seiner Weisheit kennt, hat er sich noch nicht entschieden, mich zu heilen.

Natürlich begegne ich auch immer wieder Menschen, die es gut mit mir meinen und die für sich erkannt haben, dass Jesus am Kreuz körperliche Heilung für uns erworben hat. Sprich: Gott will immer heilen. In diesem Glauben erwarten die Beter dann tatsächlich eine spontane Heilung. Wenn ich dann nach dem Gebet gefragt werde, wie ich mich fühle und ob es schon besser geht, fühle ich mich immer irgendwie ein wenig unwohl, weil ich genau dies nicht bezeugen kann.

Ich wünsche mir so sehr, geheilt zu werden. Aber vielleicht muss ich damit leben, nicht geheilt zu werden, so wie viele andere Menschen, die an unheilbaren Krankheiten leiden und schon gestorben sind.

Eines weiß ich: Es kommt der Tag, da werde ich geheilt. Es wird der Moment sein, an dem ich vor Jesus stehe. In dem Moment wird er mir alle Tränen abwischen, jede Schwachheit und jeder Schmerz wird dann von mir genommen sein. Ich werde meinen Onkel sehen, der schon 2001 an MS verstorben ist. Und wir werden zusammen unseren Retter anbeten. Er hat uns nicht bewahrt vor körperlichem Leid, aber er war da, in jedem Moment unseres Wegs ist er mitgegangen. Und hat uns geführt bis ans Ziel.

Mein Wunsch

Ich will in meiner MS-Erkrankung nur eines. Jesus Christus soll dadurch verherrlicht werden. Ob er mich heilt oder nicht. Ich will, dass er in meinem Leid groß rauskommt.

Deswegen habe ich offen über meine Erkrankung geredet und sie auch in vielen meiner Predigten genannt. Nur wenn die Menschen wissen, dass ich krank bin, können sie auch sehen, wie ich Christus dadurch groß mache. Unsere Ausreise mit dieser Diagnose sollte ein Zeugnis sein und unser weiteres Leben als Familie soll ein Zeugnis sein für die Gnade Gottes, mit der er uns durchträgt.

Auch hier vor Ort bemühe ich mich, den Leuten von meiner Erkrankung zu erzählen. Natürlich nur dort, wo der Anlass sich bietet. Ich will den Menschen zeigen, dass meine Liebe zu Christus und meine Liebe zu den Menschen so groß ist, dass ich mich trotz dieser Erkrankung auf den Weg gemacht habe, um hier in Albanien mit ihnen zu leben. Und ich will ihnen zeigen, wie groß mein Gott ist, dem ich mein Leben und meinen weiteren Weg anvertraue.

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Ich danke dir, dass du den Artikel bis zum Ende gelesen hast. Danke dir für deine Anteilnahme und Gebete.

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