Gebe ich mich viel zu schnell mit viel zu wenig zufrieden?

von Rahel Fröse am 24. August 2020

Als ich hier in meiner Unterkunft im Valbona Tal ankam, wurde ich herzlich von der deutschen Inhaberin begrüßt. Sie ist mit einem Albaner verheiratet und seit 12 Jahren in Albanien. Seit acht Jahren führen sie dieses nette Hotel ganz am Ende des Tals. 

Ich muss mich wundern 

Sie erzählte mir gleich von all den unterschiedlichen Wanderungen, die hier möglich sind. Zum Wasserfall und zu der Hochebene und hier und da hin. Ich wusste noch gar nicht recht, ob ich überhaupt so viel Wandern wollte. (Doch die Schönheit der Natur überredete mich dann doch schnell.) Als ich hier und da etwas genauer fragte, bekam ich mit, dass sie selbst das allermeiste noch gar nicht selbst gesehen und erwandert hat. 

Ich war verblüfft. Da lebt sie schon so lange an diesem Ort, von dem aus schon hunderte, ja sicher schon tausende Naturfreunde in die wunderschönen Berge zogen, und sie hat noch das wenigste selbst gesehen. Dennoch erzählte sie voller Freude und Begeisterung davon. 

Das kenne ich ja eigentlich 

Es ist ein bekanntes Phänomen. Ich lebe nun auch schon seit sieben Jahren in Albanien und hab, ehrlich gesagt, auch noch recht wenig von diesem Land gesehen. Jeder Tourist, der zwei Wochen hierher kommt, hat mehr gesehen, als ich (damit meine ich Sehenswürdigkeiten etc). Das ging mir auch damals in Haiti so. Da kamen Gruppen für 10 Tage und sie sahen diese und jene Sehenswürdigkeit, die ich in den 10 Monaten nie zu Gesicht bekam. (Dafür, so sagte ich mir, hab ich viel mehr vom wahren Haiti gesehen: den Menschen und ihrem Leben.)

Gebe ich mich viel zu schnell zufrieden?

Mir ging diese Sache dennoch nach. Und mir kam unweigerlich ein Bild vor Augen:

Geht es mir in meinem Glauben auch so? Hab ich einen angenehmen Ort gefunden, an dem ich mich niedergelassen habe und von dem ich mich kaum weg wage? Bin ich stehen geblieben und habe ich mich zufrieden gegeben mit dem, was ich schon gesehen und erlebt habe? Strecke ich mich noch aus nach neuen Wegen? Bin ich bestrebt, weiterzukommen? Oder erzähle ich andere von der Schönheit, die ich selbst noch gar nicht mit eigenen Augen gesehen und erlebt habe? Ist „da draußen“ nicht noch so viel mehr zu sehen und zu erleben und zu begreifen, von der Schönheit eines Gottes, der sich mir mehr und mehr offenbaren will?

Habe ich mich auch schon zufrieden gegeben - viel zu schnell und mit viel zu wenig?

Die unüberbietbare Schönheit 

Paulus schreibt im Philipperbrief hierzu sehr passende Worte, die mich wieder einmal sehr getroffen haben (noch dazu in einer anderen, der NGÜ Bibel):

„Jesus Christus, meinen Herrn, zu kennen ist etwas so unüberbietbar Großes, dass ich, wenn ich mich auf irgend etwas anderes verlassen würde, nur verlieren könnte. … Denn der Gewinn, nach dem ich strebe, ist Christus.  … 

Ja, ich möchte Christus immer besser kennen lernen; ich möchte die Kraft, mit der Gott ihn von den Toten auferweckt hat, an mir selbst erfahren und möchte an seinem Leiden teilhaben…

Es ist also nicht etwa so, dass ich das alles schon erreicht hätte und schon am Ziel wäre. Aber ich setze alles daran, ans Ziel zu kommen und von diesen Dingen Besitz zu ergreifen, nachdem Jesus Christus von mir Besitz ergriffen hat.“  (3,8+10+12)

Der große Paulus sagt, dass er noch lang nicht alles gesehen und erlebt hat, was in Jesus möglich ist. Da sind noch so viele Dinge zu entdecken. So viel noch kennenzulernen. Aber es ist so faszinierend, wie er sich mit allem, was er hat, ausstreckt, um so viel wie möglich zu erfassen, Jesus so gut er kann, kennenzulernen. Dabei ist das nicht irgendein frommer Druck dahinter. Paulus weiß, dass in Jesus absolute Schönheit und Größe und Macht und Weisheit verborgen ist. Nichts scheint ihm wichtiger zu sein, als dass zu erforschen. Alles andere erklärt er im Vergleich dazu als nichts und nichtig. Jesus ist sein Leben! Sein ein uns alles! 

Ihn nicht immer besser kennenlernen zu wollen scheint ihm reine Dummheit zu sein. Irgendetwas höher als Jesus zu schätzen nur Vergeudung.

Sich verwurzeln und nachjagen 

Als ich dann so wandern war und immer wieder große Bäume mit weitverzweigten Wurzeln sah, da fragte ich mich: wie ist es möglich, zufrieden zu leben, verwurzelt zu sein in Jesus und in meiner Identität fest zu stehen, und dennoch nicht stehen zu bleiben, sondern nachzujagen, nicht „zufrieden“ zu sein, mit dem, was ich schon kenne von Jesus. Ja, vielleicht, so kommt mir gerade, ist es der Baum:

Er verwurzelt sich nach unten, aber wenn er gesund ist, hört er nicht auf, zu wachsen und sich dem Himmel entgegenzustrecken. Hier würde ich nicht das Wort „jagen“ verwenden, aber doch ein zielgerichtetes und stetiges vorwärtsschreiten. 

Das wünsche ich mir für mein Leben. Ich will Jesus, seine Macht und Schönheit, immer mehr kennenlernen und von Herzen sagen: Jesus zu kennen ist das unüberbietbar größte, was das Leben auf dieser Welt mir zu bieten hat. 

Jesus, ich will in das Sehnen von Mose einstimmen: 

„Lass mich doch deine Herrlichkeit sehen.“ (2. Mose 33,18)

Ich habe noch so wenig von Deiner Herrlichkeit gesehen und verstanden. Von deiner Gnade und Güte, deiner Liebe und deinem Plan mit mir und mit der Menschheit. Ich will nicht den Menschen von etwas erzählen, was ich selbst noch nicht gesehen habe. Bitte, lass mich noch so viel mehr sehen von dir und deiner Herrlichkeit. 

Ich will nicht müde werden, mich immer wieder aufzumachen, um dich zu suchen und dich zu erleben, wie ich es noch nie getan habe...

Photo by trevor pye on Unsplash

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