Emotional müde

von Alexandra Winter am 9. März 2021

Der folgende Artikel stammt von Alex, unserer Teamkollegin. Sie schreibt auch auf ihrem eigenen Blog. alex4alb.wordpress.com. Schau doch mal rein.


Es ist Freitag Abend und ich bin einfach müde von der Woche. Körperlich und emotional müde. Diese Woche war wieder sehr viel los. Am Montag war ich dran mit Vorbereiten für unser Teamtreffen. Wir waren bei Philipper 4. Darüber habe ich mich gefreut. Besonders über 4,4: „Freut euch im Herrn.“ Dann bekam ich die Nachricht, dass eine meiner engen Freundinnen hier Darmkrebs hat. Zwar noch ohne Metastasen, aber ich bin mir nicht sicher, ob die Medizin, die es in Albanien gibt ausreichen wird, dass sie es schafft. Der Satz „Freut euch im Herrn“ hat an diesem Tag eine andere Bedeutung für mich bekommen. Dass meine Freude nicht ein Gefühl in bestimmten Umständen ist, sondern sie vom Heiligen Geist kommt, der mich über meinen großen und guten Gott staunen lässt. 

In der Praxis hatten wir diese Woche einige neue Patienten. Unter anderem ein 3-jähriges Mädchen, das ein genetisches Syndrom hat und schwerst behindert ist. Wir werden ab jetzt mehrmals die Woche Therapie mit ihr machen. Ob wir dabei Fortschritte sehen werden oder nicht liegt in Gottes Hand. Dann wurde ich zu einer Schlaganfallpatientin nach Hause gerufen. Sie ist sehr aggressiv, schlägt nach uns, beschimpft uns als kriminell. Auf mein Drängen hin verschreibt der Arzt endlich entsprechende Medikamente, die hoffentlich das Leben für die Verwandten, die sie Tag und Nacht pflegen, leichter machen. Auch bei dieser Patientin weiß ich nicht, wie viele Fortschritte wir mit der Therapie erreichen werden. Nach längerer Zeit fuhren wir wieder zu meiner MS-Patientin ins Dorf. Sie hat in den letzten Wochen weiter abgenommen und sieht sehr schlecht aus. Beim letzten Besuch konnte sie noch „mire“, das bedeutet „gut“ sagen, aber dieses Mal ist das einzige, was sie kann zu lachen und den Kopf zu drehen. Ich werde weiter für sie um ganzheitliche Heilung beten, egal, wie es menschlich und medizinisch gesehen aussieht.

Dann machten wir dieses Woche einen Trauerbesuch. Die Mutter einer Bekannten war im recht jungen Alter innerhalb von 4 Monaten gestorben. Sie hatte Bauchprobleme, wurde dann an der Galle operiert und dabei war aufgefallen, dass der ganze Bauch voller Krebs war. Und es war zu spät. Was kann man dieser Frau sagen, die immer noch täglich betet, dass Gott ihrer Mutter doch bitte gnädig ist und sie annimmt? 

Diese Woche hat Danny das Bad bei der alten armen Frau installiert. Darüber habe ich mich so gefreut. Aber Kommentare von den Nachbarn, wieso wir das denn machen, weil sie ja eh schon so alt ist, machen mich traurig und wütend. Besonders weil diese Nachbarn ein Bad direkt nebenan haben, es aber nicht mit der alten Frau teilen wollen. Wie kann ein Mensch denken, dass alte Menschen weniger wert sind? 

Im Frauentreffen erzählte uns eine Freundin, dass ihr Mann am vorherigen Abend ihre Kinder so sehr geschlagen hat, dass sie mit ihnen zur Polizei gegangen ist. Vor dem Präsidium hat sie dann aber der Mut verlassen, weil sie weiß, dass die Polizei hier eh nichts machen kann. Eine andere Freundin darf nicht mit auf unseren geplanten Ausflug, weil ihr Mann es ihr nicht erlaubt. Im letzten Jahr war ihr Sohn noch zuhause und hatte sich für sie eingesetzt, aber der lebt inzwischen illegal in England. Sie hat sich entschieden, dass sie sich lieber duckt und Opfer bringt, damit es zuhause friedlich ist, sagt sie uns unter Tränen. Gestern hatte ihr Mann getrunken und sie ist ihm aus dem Weg gegangen, bis er geschlafen hat, damit es keinen Stress gibt zuhause. „Hier ist es normal, dass der Großteil der Männer ihre Frauen schlagen.“ erklären die Frauen mir. Ja, das weiß ich. Aber trotzdem ist es nicht normal und falsch. 

Und trotz all dieser Dingen: Ich liebe es hier zu sein und weiß, dass genau das grad richtig für mich ist. Aber auch ich bin nur ein Mensch. Ich bin Gott so dankbar, dass ich alles auf ihn werfen kann und er mir die Lasten abnimmt. Das erlebe ich und ohne ihn würde ich manchmal „untergehen“. Aber trotzdem gibt es auch Tage an denen mir einfach all diese Dinge zu viel sind. Und ich das alles einfach nicht mehr hören kann und möchte. Gerade dann fühle ich, wie abhängig ich von Gott bin und wie sehr ich das übernatürliche Wirken von seinem guten Geist brauche. 

Gott sagt in 2.Korinther 12,9: „Meine Gnade ist alles, was du brauchst, denn meine Kraft kommt gerade in der Schwachheit zur vollen Auswirkung.“ Ja, Vater, ich brauche deine Gnade. Wir brauchen sie alle. Jeden Tag neu.

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