Eine von Ihnen

von Rahel Fröse am 31. August 2019

Vor ein paar Tagen habe ich mit einer lieben Freundin telefoniert. Sie war selbst vier Jahre in Krume und ein halbes Jahr hatten wir noch gemeinsam hier. Als ich so auf dem Balkon saß, konnte man im Hintergrund die für den Sommer übliche laute Musik hören, die zu Verlobungen oder Hochzeiten gespielt wird. (In unseren Ohren klingt sie bissle Türkisch, also komplett anders als unser Ohr normal gewöhnt ist.)

Uli meinte dann, dass sie das in Deutschland ja schon vermisst, diese Feststimmung im Sommer in Krume. Oh, das man das mal vermissen wird, daran hatte ich noch gar nicht gedacht. Uns nervt es eher manchmal, die immer gleichen Lieder, von 7-12 Uhr und dann wieder am Abend ab 19 Uhr. Aber wie mit den meisten Dingen, die man manchmal gar nicht schätzt, wenn man sie nicht mehr hat, dann vermisst man sie.

Während ich das hier schreibe läuft auch wieder laute Musik. Gute Bekannte verheiraten ihren Sohn. Am Sonntag ist die offizielle Hochzeit mit Bankett etc. Aber seit Mittwoch Abend treffen sich alle Verwandte und Freunde und Nachbarn am Abend und sitzen zusammen und tanzen. Unterhalten kann man sich bei dieser ohrenbetäubenden Musik nicht viel. 

Gestern Abend war ich mit meinen beiden großen Kids dort. Sie wollten so gerne gehen, da auch ihre Freunde gingen. Das war sehr besonders für sie, um 20:30 Uhr nochmal raus zu gehen. Viele Kinder waren da und es war echt eine schöne Atmosphäre. Männer und Frauen sitzen natürlich getrennt voneinander. Die Männer trinken ihr Bier und rauchen und die Frauen Vergnügen sich beim Tanzen. 

Das schöne an dieser Hochzeit ist, dass ich aus dieser Familie sehr viele kenne. Meine Nachbarinnen, meine engen gläubigen Freundinnen, alle sind aus diesem Clan. Gestern saß ich in dem kleinen Garten, der hübsch albanisch dekoriert war, dicht gedrängt mit den anderen, immer wieder trafen mich freundliche Blicke, ich zwinkerte vertraut einer Freundin zu, ein wissendes Lächeln. Ich bin eine von ihnen. Ich gehöre irgendwie dazu. Das war so ein schönes Gefühl. Wenn ich mich in den Gruppentanz einreihte und im fremden Rhythmus, der gar nicht mehr ganz so fremd ist, zu wirklich ohrenbetäubend lauter Musik mich bewege. Das ist Albanien. Das ist auch das Leben hier. Zutiefst Kultur. Ich dachte: wenn das hier für mich „normal“ und schön ist, dann bin ich wirklich angekommen. Und das war es. Ich bin angekommen. Ich liebe es.

Und es war so schön so geballt zu sehen, wieviele Menschen ich hier kenne und auch liebend wertschätze. Und wie sie mich lieben und küssen und gar nicht mehr loslassen. Das tat mir gut. Menschen, mit denen ich die letzten sechs Jahre meines Lebens Leben geteilt habe. Menschen, die irgendwie zu mir gehören und die mir ans Herz gewachsen sind. Obwohl doch alles so anders ist und sich manchmal auch anfühlt. 

Doch an diesem Abend, im schwachen Licht der aufgehängten Glühbirnen, in der abendlichen Wärme, bei diesen vertrauten Klängen, da gehöre ich einfach dazu. Da bin ich nicht die Deutsche. Da bin ich eine von ihnen. Und ich genieße dieses Gefühl.

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