Ein heidnisches Volksfest und was wir dort erlebt haben

von Rahel Fröse am 6. Mai 2017

Heute wurde bei uns ein heidnisches Fest gefeiert. Den genauen Sinn dahinter haben wir immer noch nicht ganz verstanden.

Jedenfalls wurden gestern Zweige und Blumen in den Bergen gesammelt und damit dann Autos und Häuser geschmückt. Ich, als absolute Blumen- und Pflanzenliebhaberin, finde das eigentlich schön. Der Sinn dahinter gefällt mir jedoch gar nicht: dieser Schmuck soll vor dem bösen Blick und vor Geistern schützen.

Die Menschen hier sind sehr im Aberglaube gefangen. Das kommt immer wieder durch, auch wenn viele dann behaupten, sie glauben da nicht wirklich dran. Machen tun es fast alle.

Eine schöne Tradition hat das Fest aber für viele: viele Familien fahren in den Kosovo, um dort auf einer großen Wiese ein Picknick zu machen, Karussell zu fahren und zu spielen. Unsere Nachbarskinder freuen sich schon seit langem darauf und wollten unbedingt, dass wir uns das auch mal anschauen und mitkommen. Und das haben wir gemacht.

Heute um neun Uhr sind wir losgefahren. Nach einer guten Stunde Fahrt kamen wir dann über eine kleine, einspurige Straße zu dem Platz, an dem der "Rummel" stattfand.

Es waren schon viele Menschen da, viele Autos, die durcheinander auf der Wiese standen. Da war kein Ordner oder ähnliches, wie wir es gewöhnt sind bei solchen Großveranstaltungen. Nun, wir fanden auch ein nettes Plätzchen und breiteten unsere Decken neben dem Auto aus. Das Wetter war sehr schön, in der Sonne schon sommerlich heiß.

Etwas weiter entfernt standen ungefähr sieben Kettenkarusselle, so wie wir sie vielmehr in den 70ern hatten. Aber die jungen Leute hatten ihren Spaß neben der ohrenbetäubenden Musik sich umherschwingen zu lassen. 50 Cent die Fahrt ist für sie nicht wenig.

Unsere Kinder staunten. Wir waren mit ihnen noch nie auf einem Rummel gewesen. Etwas weiter oben stand dann neben anderen kleinen Ständen mit Grill und Billigschuhen ein Mann, der Zuckerwatte herstellte. Unsere Kinder kannten das nur aus einem Pippi Langstrumpf Film und Gideon war total glücklich, endlich auch mal sowas in der Hand zu haben. Ausnahmsweise freute auch ich mich, dass er fast puren Zucker essen konnte. 🙂

Mit Jemima drehte ich meine Runden mit dem Buggy, der es mir schwer machte, da die Wiese doch recht uneben war. Bei der ganzen Aufregung dachte Jemima nicht daran, zu schlafen. Überall flogen Bälle durch die Luft, die Stimmung war ausgelassen und fröhlich. Im Schatten der Bäume saßen Familien zusammen, aßen und kochten sich türkischen Kaffee mit ihren kleinen Bunsenbrennern. Auch hatten die meisten Menschen  mit Kleinkindern ihre Djep dabei. Das ist eine Wiege aus Holz, in der das Baby angebunden und dann tüchtig geschaukelt wird. Die Kinder sind es nur so gewöhnt zu schlafen.

Nach unserem Picknick mit Gemüse, Brot, Käse, Hühnchen etc. gingen wir Frauen zu einer Pilgerstätte etwas weiter oben. Diese besteht aus einer Grabstätte, zu der die Menschen in Scharen gehen, um das Grab eines "guten Menschen"  zu küssen. Dort werden auch Bändchen verkauft, die man in ein Kleidungsstück einnäht, wahrscheinlich zum Schutz.

Eine Tradition ist es auch, Schafe zu schlachten. Ich habe noch nie so viele geschlachtete Schafe gesehen. Es waren Hunderte. An dem heiligen Schrein wurde das Blut an die Wand gesprengt. Die Felle lagen auf der Wiese ausgebreitet. Ein paar Schritte weiter sitzen dann wieder Leute beim Picknick. Ganz in der Nähe war auch das Gehege der noch zur Schlachtung ausstehenden Schafe. Dort fand ich es wesentlich schöner. Dieses Blutbad zu sehen geht schon an die Nieren. Für die Menschen dort scheint es jedoch ganz normal zu sein. Es ist mir unverständlich, wie man einen ganzen Tag lang Schafe schlachten kann... Dennoch musste ich ans alte Testament denken und daran, was damals in Israel alles geschlachtet wurde. Das möchte ich mir gar nicht vorstellen.

Als wir dann so bei den Schafen standen, kamen wir mit meiner Nachbarin ins Gespräch. Es freute mich zu hören, dass sie meinte, sie hätte schon einiges von mir gelernt. Zum Beispiel hat sie früher immer Kaffeesatz in kleinen Tassen gelesen. Das macht sie gar nicht mehr und alles läuft irgendwie besser. Ich denke sie wollte damit sagen, dass sie sich von manchen okkulten Praktiken abgewandt hat. Wir sprachen auch über Jesus, unser Lamm, das geschlachtet wurde für uns und darüber, dass wir Schafe von Jesus, unserem guten Hirten sind.

Unsere Kinder hatten jedenfalls viel Spaß. Wie alle anderen Kinder spielten sie, rannten, und rauften miteinander. Eine Freude für uns zu sehen, wie sie sich freuen.

Auf dem Heimweg gab es dann einen großen Stau. Kein Wunder, wenn hunderte Autos auf einmal auf einer kleinen Straße wieder nach hause wollen. Und dann wurde noch eine Kuh angefahren und nichts ging mehr. Durch Zufall gerieten wir an ein Auto, in dem ein deutschsprechender Kosovare saß. Dem fuhren wir auf einer alten Straße hinterher, zwar abenteuerlich eng, aber wir kamen doch schnell aus dem Verkehrschaos hinaus. Gott sei Dank!

Wir sind sehr dankbar für diese weitere Erfahrung im Kennenlernen der Kultur. Auf dem Fest haben wir viele aus unserer Stadt getroffen. Irgendwie waren wir einfach ein Teil von ihnen. Das ist schön zu spüren und zu erleben.

Unten findest du weitere Bilder von diesem Tag.

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