Der Winter- unser Lehrmeister in Sachen Dankbarkeit

von Rahel Fröse am 14. Januar 2017

Viele Dinge (und natürlich auch Personen) lernt man erst zu schätzen, wenn man sie nicht mehr hat. So ist es doch, oder?

Wann hast du das letzte mal etwas entbehren müssen, was sonst völlig normal ist, du gar nicht mehr wahrnimmst? Wann hast du das letzte mal nach einer gewissen Zeit der Entbehrung ein Gefühl der Dankbarkeit empfunden für eine Sache, die sonst einfach nur selbstverständlich ist?

Der diesjährige harte Winter hier in Albanien ist uns persönlich ein guter Lehrmeister geworden was das anbelangt.

Wärme

Zwar leben wir schon den vierten Winter hier, aber noch nie war er so kalt, wie dieses Jahr. Vorhin erzählte mit ein alter Mann, der in Tirana lebt, dass es schon seit über 40 Jahren keinen Schnee mehr in Tirana gab.

Wir waren es gewöhnt, mal zwei Wochen im wärmeren Wohnzimmer zu schlafen (im Schlafzimmer haben wir keinen Ofen). In diesem Winter schlafen wir jetzt schon seit sechs Wochen in der Küche. Die ist kleiner, aber der wärmste Raum, da unter uns auch geheizt wird.

Die Fenster waren von innen gefroren, sie ließen die Zugluft und kalte Luft durch, unter den Türen zog die Kälte rein und erzählte von einer anderen Wirklichkeit außerhalb des geheizten Raumes. Es war echt kalt. Der Hauch vor deinem Angesicht zu sehen, Minusgrade sogar im Wohnzimmer. Als es einmal plötzlich etwas wärmer wurde, war es drin plötzlich kälter wie draußen.

Als wir letztes Jahr im Februar nach Deutschland kamen, da war es eine echte Umstellung und was für ein Luxus: das ganze Haus ist warm. Sogar der Keller. Unglaublich. Es war, bis wir hierher kamen, auch normal für uns. Man denkt gar nicht darüber nach. Doch jetzt ist es uns mehr als bewusst: eine warme Wohnung ist ein Segen! Ist Luxus! Dabei denke ich nicht nur an uns. Wir haben es noch gut, im Vergleich zu so vielen anderen Menschen auf der Welt. Ich denke dabei besonders an die vielen Flüchtlinge, die immer noch auf dem Balkan festsitzen.

Strom

Gerade habe ich begonnen, den Artikel zu schreiben, nachdem wir 12 Stunden keinen Strom hatten. Ich habe mir schöne laute Musik angemacht und es genossen. Jetzt ist er, Klick, wieder weg. Und wann er kommt, das weiß man nicht. Vielleicht in 5 Minuten, vielleicht erst um 21 Uhr. Gerade jetzt im Winter, wo es schon so früh dunkel wird und ich jetzt, um 16:30 Uhr schon kaum noch was klar sehe in der Wohnung, da ist es manchmal schon einschränkend. Meistens sind auch gerade die Akkus der Handys leer, wenn ein längerer Stromausfall kommt. Auch damit haben wir gelernt zu leben.

Ein spannendes Fußballspiel mit fünfmaliger Unterbrechung, man sitzt auf der Toilette und plötzlich wird alles dunkel, die Kinder liegen noch wach im Bett und erschrecken, weil es doch so dunkel wird. Der Gang zur nächsten Kerze muss dann gut eingeübt sein.

Wir haben hier oft Zeiten, in denen der Strom stabil ist, aber auch Zeiten, wie die, in der wir gerade leben, in der es schon das selbstverständlichste ist, immer wieder keinen Strom zu haben.

Kontinuierlicher Strom ist Luxus! Ist ein Segen und auf dieser Welt nicht selbstverständlich!

Wasser

Dieser Winter lehrte uns, auf noch etwas anders verzichten zu lernen: Wasser!

Die Nachbarin meinte: da doch lieber ohne Strom als ohne Wasser. Und ich kann es nachvollziehen. Weißt du, was es bedeutet, über längere Zeit kein Wasser zu haben? Du machst den Wasserhahn auf und es kommt nichts. Kein Tropfen. Nichts.

Unsere Nachbarn sind schon runter zum Fluss mit Kanistern um Wasser zu holen. Das wäre bei uns dann auch bald dran gewesen.

Das "lustige" ist, es dauert echt lang, um sich daran zu gewöhnen. Zu sehr sind die Abläufe automatisch: Toilettenspülung, Händewaschen, Abspülen vom Schaum beim Geschirrspülen etc.

Fast eine Woche nicht duschen können, das ist gewöhnungsbedürftig. Alles machbar, dennoch, wie schön, wenn man diesen Luxus einer warmen Dusche (wenn auch in einem kalten Bad) genießen kann!

Wir haben eine ganz neue Dankbarkeit gelernt. Dankbar sein für die scheinbar selbstverständlichen Dinge. Ja, wir müssen es hier ab und zu entbehren, aber wir wissen dennoch, dass es uns so viel besser geht, als den allermeisten Menschen auf der Erde.

Dir möchte ich Mut machen:

Danke Gott jetzt im Winter für deine warme Wohnung! Vielleicht ist sie nicht so groß, so schön, so gut gelegen wie du es gerne hättest. Aber sie ist warm!

Danke Gott, dass dein Licht nicht plötzlich ausgeht, die Waschmaschine stillsteht, dein Handyakku nicht geladen werden kann, dein Internet nicht funktioniert. Mache das Licht an und sage: Danke lieber Gott für... Licht!

Danke Gott dafür, dass sauberes, frisches Wasser aus dem Hahn kommt, die Toilettenspülung funktioniert, du Wasser hast - das Lebenselement!

Wir wollen das auch tun!

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