Der Tod von Nena Rafije

von Rahel Fröse am 21. Februar 2018

Vor einigen Tagen ist Nena Rafije gestorben. Sie war eine arme, kinderlose Witwe. Sie lebte nicht weit von unserem Fondationshaus entfernt. Sie hatte kaum noch Zähne im Mund und lief meist eher verwahrlost und ungepflegt herum. Das war sicher nicht ihr Fehler. Sie lebte nach dem Tod ihres Mannes allein in einem ärmlichen Zimmer. Wir brachten ihr immer wieder Essen und auch Kleidung vorbei. Wenn wir sie auf der Straße trafen, grüßten wir sie freundlich und hielten einen kleinen Plausch mit ihr. Gut verstehen konnten wir sie nicht immer, aber Freundlichkeit spricht ja ihre eigene Sprache.

Sie kam auch öfter zu uns ins Haus und hat unsere Nachbarin besucht. Auf der Straße wurde sie von manchen gemieden, manche machten einen Bogen um sie, manche hatten Mitleid und flüsterten das berühmte Wort hier für so etwas wie „Schande“, ein zutiefst kultureller Begriff, den ich von seiner ganzen Bedeutung nicht ins Deutsche übersetzen kann. Da schwingt Mitleid mit, manchmal Ekel, manchmal Ärger. Sie hatte sonst keinen, der sich um sie kümmerte. Sie war einsam und allein.

Wir als Teamfrauen hatten uns dann vor einiger Zeit entschlossen, dieser Frau auch praktisch zu helfen und wollten ihr gerne beim putzen und aufräumen ihrer Wohnung helfen. Doch wir fanden ihre Tür verschlossen. Dann hörten wir, dass sie krank ist und zu ihrer Schwester in die Nachbarstadt gegangen ist. Sie ist die einzige nahe Verwandte, die sie noch hatte.
Einige Tage später hörten wir, dass sie nach Tirana ins Krankenhaus gekommen ist und in einem sehr kritischen Zustand ist, ja, im Koma läge.
Wieder ein zwei Tage später bekamen wir die Nachricht, dass sie gestorben ist.

Noch am gleichen Tag wurde sie in unsere Stadt überführt. Ihr kleines Zimmer konnten wir nun nicht mehr aufräumen und putzen. Das taten andere. Alles wurde ausgeräumt und geputzt und in dem leeren Zimmer stand dann nur noch ihr Sarg.

An dem Abend dieses Tages ging ich mit unserer Nachbarin dort hin. Hinter dem Sarg saßen einige Frauen, am Kopfende die Schwester. Da war kein lauter Trauergesang wie sonst oft üblich. Wer wollte konnte das weiße Tuch über dem Gesicht der Verstorbenen heben und sie noch einmal ansehen. Ich sah sie nur von weitem. Aber ihr Anblick war friedlich.

Innerlich kämpfte ich mit meinen Tränen. Als Schwangere ist man ja sowieso näher am Wasser gebaut. Dieser Raum, ihn wollten wir für sie putzen und aufräumen und nun steht hier ihr Sarg. So schnell. So schnell kann es gehen. In mir kam ein Gefühl hoch, etwas verpasst zu haben. Ich hätte mich doch mehr um sie kümmern sollen. Ihr mehr von Jesus erzählen sollen.

In den letzten Wochen hatten wir immer wieder mit Tod und Sterbenden zu tun.
Einmal war ich bei einer Nachbarin, die auch ohne Kinder ist und wohl auch dem Ende zugeht. Auch sie hatte ein schweres Leben. Ihre Schwägerin flüstert, dass es schade ist, dass sie stirbt und keiner mehr an sie denken wird (da sie keine Nachkommen hat).
Ich sagte ihr nur, dass auch unsere Namen in 100 Jahren vergessen sein werden, obwohl wir Kinder haben. Wichtig ist, dass unsere Namen bei Gott bekannt sind und wir in seinem Buch des Lebens geschrieben stehen. Und schon konnte ich in aller Klarheit das Evangelium erklären.

Es ist nicht leicht, Menschen sterben zu sehen in einer Gegend, wo man weiß, dass man der einzige ist, der den Weg zum Vater kennt. Natürlich hat Gott auch andere Wege, um Menschen zu sich zu führen, dennoch liegt darüber eine Last und auch eine Trauer und ein Ärger darüber, dass so viele Menschen hier noch immer Sklaven der Sünde sind und nicht Kinder Gottes. Doch darum sind wir ja hier.

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