„Dass Ich wäre wie in den früheren Monaten…“

von Rahel Fröse am 28. März 2020

Dieser Satz könnte wohl von fast jedem Bewohner dieser Erde in dieser Zeit stammen. Ach, wenn ich doch wieder da wäre, wo ich vor Corona war. Was war mein Leben da noch geordnet und geplant und gesichert und …

Seit einigen Wochen ist alles anders. Und ich ertappe mich, dass ich das auch manchmal denke.

Hiobs Sehnen

Dieser Satzanfang stammt aber nicht von mir, sondern von einem Mann, der vor einigen tausend Jahren gelebt hat: Hiob. Als ich das Buch Hiob in diesen Tagen gelesen habe, da fiel mir dieser Satz besonders auf. (Wahrscheinlich wäre er mir in normalen Zeiten nicht so aufgefallen…) 

„Dass ich wäre wie in den früheren Monaten, wie in den Tagen, da Gott mich behütete!“ (Hiob 29,2)

Dann benennt Hiob eine ganze Liste an Dingen, die sein Leben vor den Tagen, in denen er sich befand, ausmachten:

Er war geehrt, hatte Einfluss und Reichtum. Jeder holte sich gerne Rat bei ihm. Er war ein Helfer der Armen, der Witwen und Waisen, er machte den Mutlosen Mut und war bekannt für sein Gerechtigkeit, die ihn bekleidete. Wenn man Hiobs Beschreibung seiner selbst so liest, dann staunt man nur über so einen scheinbar  tadellosen Mann. 

Kapitel 30 jedoch bringt den Bruch. Da kommt das große Seufzen: 

„Jetzt aber lachen sie über mich, die jünger sind als ich an Jahren…“

Das ist bitter und es ist wirklich kein Wunder, bei all dem, was man dann liest, dass Hiob sich die früheren Zeiten zurückwünscht.

Und unser Sehnen?

In diesen Tagen geht es mir auch immer wieder so. 

Wie war es doch noch alles einfach, in den Tagen vor Corona. Was hatte man da doch für Freiheiten. Und wie schienen die Sorgen klein im Vergleich zu den gegenwärtigen. Wie unbekümmert konnte man noch planen und reisen und leben.

Wir konnte man doch noch Besuche machen und Gemeinschaft genießen. Zur Gemeinde gehen (das können wir schon seit 6 Jahren nicht mehr, da es hier keine Gemeinde gibt). Ach, wie war doch alles noch gut, in früheren Zeiten. Was waren die Probleme doch noch klein und kaum bemerkenswert im Vergleich zu den Nachrichten, die uns täglich mit viel Schrecken und Angst bombardieren. 

Was hatten wir doch für ein schönes Leben. … so denkst du vielleicht auch manchmal?

Mein Leben hier und jetzt

Heute haben wir wieder neue Anweisungen von unserem Präsidenten bekommen. Sonntags darf man nun gar nicht mehr raus. Alle sollen und müssen zuhause bleiben. Ab Montag darf nur noch einer aus der Familie zum einkaufen gehen. Und  das seit neustem nun nur mit einer Genehmigung, die man sich per Mail oder telefonisch einholen muss. (Wo und wie das alles funktionieren soll, das verstehe ich nicht. Naja, es wird sich schon zeigen.)

Ich merke, wie ich innerlich etwas aufbegehre gegen diese strengen Regeln. 

In früheren Zeiten, als ich noch alle Freiheit hatte mich zu bewegen, selbst da habe ich mich hier des Öfteren eingesperrt gefühlt. Wir leben in so einem kleinen Ort, es gibt hier kaum etwas, was man unternehmen könnte, außer in die Natur zu gehen, oder mal in den Kosovo zu fahren, um etwas anderes zu sehen und freiere Luft zu schnuppern. 

Jetzt ist alles dicht. Jetzt könnte man von gefangen sein sprechen. Der Kosovo ist dicht. Aus dem Ort darf man nur mit Genehmigung fahren und kommt kaum mehr rein. Die Ausgänge und Eingänge sind von der Polizei gesichert. Nun darf man eigentlich auch gar nicht mehr raus. Ich kann nicht nach Deutschland fliegen und keine Post oder Päckchen erhalten (wie es aussieht…) Wir leben fast in einer absoluten Quarantäne.

Wie gut ging es uns da doch vorher. Wie konnte ich mich nur gefangen fühlen, wenn ich doch so viel Freiheit hatte, im Vergleich zu unserer momentanen Situation. 

Mein Leitvers in diesen Tagen 

Heute las ich im Philipperbrief Verse, die mich sehr herausgefordert haben und die ich mir groß in mein Herz schreiben möchte in den nächsten Wochen (wer weiß schon, was die noch mit sich bringen werden):

“Denn ich habe gelernt, in jeder Lebenslage zufrieden zu sein.

Ich weiß, was es heißt, sich einschränken zu müssen, und ich weiß, wie es ist, wenn     alles im Überfluss zur Verfügung steht. Mit allem bin ich voll und ganz vertraut:

satt zu sein und zu hungern, Überfluss zu haben und Entbehrungen zu ertragen.

Nichts ist mir unmöglich, weil der, der bei mir ist, mich stark macht.“

 (Philipper 4,11-13)

Paulus hat es gelernt. Das finde ich ermutigend. Er konnte es nicht von Anfang an, sonst hätte er es nicht lernen müssen. Ich will mich nicht, wie Hiob, in die früheren Zeiten zurücksehnen, sondern ich möchte mit dem, der alles in mir zu tun vermag, Jesus, lernen, was es heißt, hier und in dieser Situation zu leben und das in Zufriedenheit! Dazu brauche ich Seine Kraft, ganz sicher! Aber die stellt er mir ja gerne bereit.  

Lasst uns gemeinsam lernen, was die Worte Paulus bedeuten. 

Ich habe es gelernt, frei zu sein und ich habe gelernt, isoliert zu sein. 

Ich habe gelernt, in der Weite zu leben und ich habe gelernt in der Enge zu leben. 

Alles aber vermag ich durch den, der mich kräftigt: Jesus! Welche wunderbare Chance, das gerade jetzt lernen zu dürfen. Bist du dabei?

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