Durch meine Risse scheint dein Licht

Als ich auf der Seite von Gerth Medien stöberte, stieß ich zufällig auf dieses Buch, von dem ich mir schon dachte, dass es bald übersetzt werden würde. Ich hatte hier und hier von diesem Buch von Ann Voskamp geschrieben und gehofft, dass es bald in deutsch erhältlich sein wird. 

Und tatsächlich: Nur ein Jahr nach Erscheinung in Amerika kam „The Broken Way“ nun auch im Februar auf deutsch heraus. Es trägt den Titel: "Durch meine Risse scheint dein Licht."*

Ich habe es mir bestellt und werde es in den nächsten Tagen bekommen. Ich freue mich darauf und bin gespannt, wie die Übersetzung der poetischen Sprache der Ann Voskamp gelungen sein wird. Auch finde ich schön, dass ich das Buch auch endlich denen ans Herz legen kann, die nicht so gut Englisch können.

Folgendes steht auf der Seite von Gerth Medien zu diesem Buch:

„Dieses Buch der New York Times-Bestsellerautorin Ann Voskamp ist für alle, die erleben mussten, wie ihre Träume und Hoffnungen enttäuscht wurden. Deren Herz gebrochen wurde. Für alle, die sich eingeengt fühlen und glauben, "nicht gut genug" zu sein. Ann Voskamp zeigt, dass Zerbrochenheit der Weg zu einem Leben in seiner ganzen Fülle und zu echter Gemeinschaft mit anderen ist. Es braucht Mut, diesen Weg zu betreten, doch es lohnt sich, ihn zu gehen.“

Leider hat das Buch auch einen stolzen Preis. 17 € für ein Buch ist in meinen Augen schon nicht wenig. Aber es lohnt sich. Und es lohnt sich, dieses Buch möglichst vielen in deinem Freundes-und Familienkreis weiter zu verleihen.

*Der Link ist ein Affiliate Link. Wenn du das Buch über den Link kaufst, bekommen wir einen Betrag gutgeschrieben, aber dich kostet es nicht mehr. 

Empfehlung: Die beste deutsche Kinderbibel

Hier möchte ich dir ein Meisterwerk und einfach ein geniales Buch vorstellen und warm aus Herz legen, ob du Kinder hast oder auch nicht:

Es ist eine Kinderbibel, genauer gesagt "Die Gott hat dich lieb Bibel"* (auf englisch "The Jesus Storybook Bible" von Sally Lloyd-Jones und Illustrationen von Jago). [Der Link ist ein Affiliate Link. Wenn du über diesen Link bestellst, bekommen wir einen kleinen Betrag gutgeschrieben, aber dich kostet es nicht mehr dadurch.]

Wir hatten sie zuerst in der Originalversion in unserem Schrank und freuten uns, dass sie dann ins deutsche übersetzt wurde. Noch mehr freuten wir uns, dass wir sie ganz am Anfang unserer Zeit in Albanien auch auf albanisch fanden und sie war das erste albanische Buch, das wir hier kauften. Seither haben wir sie immer wieder in größeren Mengen gekauft und sie schon an viele Kinder hier weitergegeben.

Warum sind wir gerade von dieser Bibel so angetan? Das hat einen einfachen Grund.

Die Bibel erzählt eine große Geschichte

Wohl keine andere Kinderbibel schafft es, das Heilshandeln Gottes durch jede Geschichte so gut hervorzuheben, wie diese. "Jede Geschichte flüstert den Namen Jesus" so lautet der Untertitel der englischen Version und das ist Programm. Jede der 22 Geschichten aus dem alten Testament bleibt nicht einfach so für sich allein stehen, sonderbar am Ende werden sie auf natürliche und augenöffnende Weise in Bezug zu Jesus und Gottes Plan mit der Welt und seiner Rettungsaktion gebracht.

"...eigentlich erzählen sie alle zusammen eine ganz große Geschichte. Sie handelt von Gottes wunderbarem Rettungsplan für seine Kinder. Und dieser Plan dreht sich von vorne bis hinten um Jesus. Jede Geschichte flüstert seinen Namen. ..."

So steht es im Klappentext der deutschen Ausgabe.

Wir haben diese Bibel schon mehrmals mit unseren Kindern im Rahmen unserer Familienandacht gemeinsam durchgelesen und immer wieder bin ich gerührt und manchmal sogar zu Tränen, wenn auch ich mehr und mehr begreifen darf, wie Gott seine Geschichte geschrieben hat und ich Teil davon sein darf. Daher empfehle ich diese Bibel auch absolut jedem Erwachsenen.

Die Aufmachung

Neben den herausragend einfach und doch so tief gehenden Texten ist die Illustration ein Meisterwerk. Sicher, wie bei jeder Art von Kunst, auch Geschmacksache, aber die klaren ausdrucksstarken Bilder sind eine Wohltat für meine Augen. Beim Umblättern jeder Seite erwartet mich ein anderes "Erlebnis", eine neue Art der Interpretation von so bekannten Geschichten. Ich liebe diese Aufmachung einfach!

Ein Lehrstück

Für mich ist sie darüber hinaus ein Lehrstück. Sie lehrt mich, wie ich Geschichten aus dem alten Testament in Verbindung bringe mit dem großen Heilshandeln Gottes und gibt mir einen neuen Blick auf deren Interpretation. Jesus selbst sagte, dass es die ganze Schrift ist, die von ihm zeugt. (Johannes 5,39) So ist es völlig angebracht, das, was in der Vergangenheit passiert ist, immer wieder auf Jesus und sein Kommen und die Erfüllung, die er in so vielem gebracht hat, zu deuten. Ich habe so gelernt, auch das alte Testament christuszentriert zu lesen. Ich denke, dass sie für viele wirklich einen ganz neuen Blick auf so bekannte Geschichten bringt.

Ein kurzes Beispiel

Am Ende der Geschichte vom Turmbau zu Babel steht Folgendes:

"Gott hatte natürlich gewusst, dass die Menschen nicht von sich aus in den Himmel kommen könnten, und wenn sie sich noch so sehr bemühten. Sie brauchten keine Himmelsleiter, sondern einen Retter! Der Weg in den Himmel bestand nicht aus Treppenstufen, sondern aus einer Person!
Die Menschen konnten sich nicht bis zum Himmel strecken. Also würde der Himmel zu den Menschen kommen müssen. Und eines Tages würde genau das passieren."

Diese Hinweise auf diesen besonderen Moment, wenn das ganz besondere passieren würde, kommen immer wieder. Und in zurückhaltender und doch so schöner Art weisen sie immer wieder von unterschiedlichen Seiten auf das Evangelium hin. Das Sehnen der ganzen Schöpfung und das Schreien nach Erlösung - erfüllt im Kommen Jesu.

"Doch die Erde hielt die Luft an. So leise wie Schneefall kam er zur Welt. Gerade als niemand hinsah, in der Dunkelheit der Nacht."

Wie ich sie persönlich nutze

Ich nutze die Bibel auch in der Jüngerschaft zweier einfacher Hausfrauen hier in unserer Stadt. Es waren so schöne und kostbare Momente, ihr Strahlen auf den Gesichtern zu sehen, wenn diese Hinweise auf den Tag, den Mann, den Moment  kamen und sie verstanden: Jesus!  Jesus ist die Antwort!

Er wird die Schlange besiegen und auf ihren Kopf treten.
Er ist die Himmelsleiter,
er ist das verheißene Baby, das der ganzen Welt das Lachen zurückgeben wird,
er ist das bessere Lamm, das an unserer Stelle geschlachtet wird,
er ist der, der sein Volk für immer in die Freiheit führen wird,
der wahre und ewige König der in Bethlehem geboren wird lange nach David.
Er ist der größere Held, der den schwersten Kampf kämpfen wird,
er ist der beste Hirte, der bessere David, der bessere Daniel, der bessere Jona.

Falls du nun dieses Buch noch nicht hast, zögere nicht! Deine Kinder werden es lieben und du ebenso. Und wenn du keine Kinder hast: Hol es dir trotzdem!

Und Gott wird es gebrauchen, um zu deinem Herzen zu sprechen und dir ganz neue Sichtweisen aufzutun. Es wird dich in Staunen versetzen, zu Tränen rühren und dein Herz in die Anbetung führen. Sein ganzer Plan, so unglaublich und so wundervoll...

Warum es sich lohnt hier zu sein

Es sind diese besonderen, unerwarteten Momente. Momente, die Gott schenkt wie aus dem nichts. Ungeplant. Und doch so erbeten.
Es sind diese Momente, die mir zeigen, warum ich eigentlich hier bin und dieses verrückte Leben lebe, das ich lebe.

Einer dieser Momente war gestern.

Wir waren gerade dabei, die Nachmittagsbesuche zu planen. Es sind die Tage nach Neujahr, an denen man hier gewöhnlich viele Besuche macht. Wir nutzen diese Zeit auch und ziehen uns einem regelrechten Besuchsmarathon unter. Jemand zu besuchen ist für diese Person ein Zeichen für Respekt. Für uns willkommene Gelegenheiten, viele Menschen in ihren Häusern anzutreffen und auch mal als ganze Familie loszuziehen.
Nun, unser geplanter Besuch war noch nicht zu Hause. So wollte ich noch schnell bei den Nachbarn vorbei schauen. Die Frau lädt mich oft ein und zeigt auch eine Offenheit für das Evangelium.

Als ich das Tor aufmachte, wusste ich nicht, ob ich kehrtmachen soll. Vor der Tür standen sehr viele Paar Schuhe, was auf sehr viele Besucher schließen lässt.
Doch dann kam mich die Nachbarin auch schon begrüßen. Ein zurück gab es nicht mehr. Nun, ich hatte gedacht, mit ihr in Ruhe reden zu können. Doch nicht jetzt.

Ich trat in den kleinen, dunkeln, wohlbeheizten Raum. Hier saßen 12 Leute auf Sofa und Stühlen. Alle standen auf und jedem gab ich die Hand und wünschte ein frohes neues Jahr. "Das ist die Deutsche." Hörte ich in einer Ecke tuscheln. Ich kannte kaum einen in dem Raum. Nach der Reihe wurde ich von jedem nach meinem Wohlbefinden, dem meiner Familie und meiner Familie in Deutschland gefragt. Ich stellte alle Fragen natürlich höflich zurück. (An dieses Prozedere muss man sich am Anfang hier sehr wohl gewöhnen.)

Nach einigem hin und her, was wir hier machen etc. kam dann auch die Sprache auf Gott. Wie so oft hörte ich auch hier den Satz: "Es gibt nur einen Gott. Es ist doch alles das gleiche. Wir in Albanien kommen mit den anderen Religionen sehr gut zurecht." Einer der Männer ergriff das Wort. Es war ihm nicht peinlich, mit mir zu reden. In der Öffentlichkeit wäre es undenkbar. Doch in dem geschützten Haus konnte er und ich ganz offen und frei reden.

Ich sagte: "Es stimmt wohl, dass es nur einen Gott gibt. Aber die wichtigste Frage ist wohl, wie wir zu diesem heiligen Gott gelangen können." Zustimmung bei den Zuhörern.
Ich ging erst auf ihren Glauben ein. Der Weg der Muslime, gefallen vor Gott zu finden. Auch sie glauben daran, dass Blut fließen muss zur Vergebung der Sünden.

Nach einer Weile erzählte ich von dem Gott, der selbst auf diese Erde kam, was wir auch an Weihnachten gefeiert haben. Ein Gott, der weiß, dass wir von uns aus nicht in seine Nähe kommen können, kommt zu uns. In Jesus!

Er hat ein für alle mal mit seinem Blut die Sühnung geschaffen für unsere Sünden. Daher müssen wir nicht immer wieder opfern. Jesus hat dieses Opfer gebracht. Sein Blut wurde vergossen, um mich rein zu waschen und Gott wohlgefällig zu machen.

Es ist Stille im Raum. Alle Augen schauen mich an. Einer der Männer schaut ungläubig aber doch aufmerksam und fragt den anderen, der engagiert im Gespräch ist. Dieser erklärt in seinen eigenen Worten nochmal das, was ich gerade gesagt hatte und meinte, ich habe es doch sehr gut erklärt. Es kann nichts besseres passieren, als dass Hörer in eigenen Worten das Evangelium erklären und es direkt anderen weitergeben, obwohl sie es selber ja noch gar nicht glauben.

Es ist eine kleine Goldstunde. Eine besondere. Eine Gelegenheit, Menschen, die es noch nie gehört haben zu erzählen.  Ihnen von dem vollkommenen Werk Jesu zu erzählen. Viele große Augen, Stille und Interesse - das kommt nicht so oft alles auf einmal vor.

Je mehr ich über diesen kurzen "Zwischenbesuch" nachdenke, desto mehr staune ich über Gottes Wirken. Er wollte, dass ich genau zu diesem Zeitpunkt in dieses Haus gehe. Mir war seine Führung am Anfang nicht bewusst. Ich dachte eher, es ist unangebracht. Aber er hat daraus eine Lichtstunde gemacht. Das Evangelium kam in diesen Minuten in diesen dunklen Raum und sprach zu all diesen Menschen, jung und alt. Mein Gebet ist, dass es auch in den Herzen dieser Menschen hell wird.

Solche Momente meine ich. Solche Momente, die mir zeigen, dass es sich lohnt, hier zu sein. Sie sagen mir: Rahel, es ist gut, dass du hier bist. Wer sonst bringt diesen Menschen die beste Botschaft der Welt?

20 Zitate aus dem Buch "The Broken Way"

Als ich heute in Rückschau auf das Jahr 2017 mein Tagebuch durchgeblättert habe, da habe ich wieder viele Sätze aus dem Buch "The Broken Way" von Ann Voskamp gelesen, welches ich zu Anfang des Jahres gelesen habe. Wieder wurde ich davon gesegnet und berührt. Es war das beste Buch, das ich in diesem Jahr gelesen habe. Und so will ich in unserer kleinen Reihe der Zitate aus Büchern, die uns bewegt und geprägt haben fortfahren und hoffe, du wirst dadurch ermutigt für das neue Jahr 2018. Da es das Buch bisher nur in englisch gibt, (leider) auch die Zitate in englisch.

This is how you live with your one broken heart: you give it away.  (41)

You have only one decision every day: how will you use your time? (59)

No one can measure the length of your life, but you can always determine that your life has meaning. (61)

Time isn't something you seize, it's something you sacrifice. It's not something to grab, it's something to give. (62)

Live every day like you're terminal. Because you are. Live every day like your soul's eternal. Because it is. (70)

What if instead of waiting for good enough things to happen to us, we could be the good thing to happen to someone else who's waiting. (87)

You are where you are for such a time as this - not to make an impression but to make a difference. ... No change of circumstances can change your life like meaning and purpose can. No certain place can give you abundant life like a certain purpose can. Like purpose and meaning and connection can.  (91)

You do something great with your life when you do all the small things with His great love.

The only way to live a truly remarkable life is not to get everyone to notice you, but to leave noticeable marks of His love everywhere you go. (109)

I am what I love and I will love you like Jesus, because of Jesus, through the strength of Jesus. I will love when I'm not loved back. I will love when I'm hurt and disappointed and betrayed and inconvenienced and rejected. I simply will love, no expectations, no conditions, no demands. Love is not always agreement with someone, but it is always sacrifice for someone. ... For what is faith, what is love, if it is not practiced? (120)

There are very few men who realize what God would make of them if they abandoned themselves into His hands and let themselves be formed by His Grace. - Ignatius (126)

Maybe it is better to give than to receive because it's only when we give that we receive what we truly need. (129)

Your heart is beautiful - especially the broken edges where you let the love get in. (153)

Accept the tension of feeling yourself led to the edge of yourself.

In the raw experience of 'I cannot do this', you experience how He remakes you into someone who can. And our broken hearts are called to that impossible, because that is who He, He who is in us, makes us: the impossables. (160)

It definitely gets harder before it gets easier. But it will definitely get better- if you don't give up when it's hardest. So let's not allow ourselves to get fatigued doing good. At the right time we will harvest a crop if we don't give up, or quit. (162)

You don't jugde your feelings, you feel feelings - and then give them to God. (170)

Do the next thing. When nothing feels simple, simply do the next thing.

Never be afraid of broken things - because Christ is redeeming everything. 

A passionate life is a sacrificial life. A life that wants to embrace Christ is a life that must embrace suffering. A life of giving is ultimately the most live-giving. (242)

Faith is confidence in the kindness of God, no matter the confusion of circumstances. (247)

It`s always the broken heart that breaks broken hearts free. (257)

Welche Bücher ich in 2017 gelesen habe

Ich habe im letzten Jahr nicht viele Bücher gelesen. Aber doch bin ich froh darüber, dass ich das eine oder andere Buch gelesen habe. Darunter war keins, von dem ich sagen würde, dass es nicht lesenswert wäre.

Ich dachte, es wäre für dich vielleicht interessant zu sehen, was ich so gelesen habe. Ich profitiere sehr von den Buchlisten anderer Blogautoren und freue mich schon immer darauf zu lesen, welche Bücher Tony Reinke, Trevin Wax, Jared Wilson und andere in ihre Top-Auswahl holen.

Hier ist meine Buchliste. Es tut mir leid, dass darunter nur englisch-sprachige Werke sind. Ich lese meistens englischsprachige Autoren.

[Die Links zu den Büchern sind Affiliate Links. Kaufst du die Bücher direkt über diesen Link, dann bekommen wir einen kleinen Betrag gutgeschrieben, aber für dich wird es nicht teurer.]

1. God Is: A Devotional Guide to the Attributes of God - Mark Jones

Nachdem ich letztes Jahr "Knowing Christ" von Mark Jones gelesen habe, war klar, dass ich alles von diesem Mann lesen will. Mark Jones schreibt sehr tiefgehend, indem er in seinen Ausführungen immer wieder die Puritaner zitiert. In diesem Buch erklärt Jones die Eigenschaften Gottes, setzt sie in Beziehung zum Werk Jesu und wendet all das dann auf den Leser an. Ich meine, jeder Prediger sollte dieses Buch lesen und es bei Bedarf in der Predigtvorbereitung gebrauchen, um die Eigenschaften Gottes zu erklären.

2.Devoted to God: Blueprints for Sanctification - Sinclair B. Ferguson

Dieses Buch ist in meinen Augen ein modernes Standardwerk zum Thema Heiligung. Ferguson geht in diesem Buch auf 10 zentrale Bibeltexte zum Thema Heiligung ein. Die meisten Texte entstammen den Briefen von Paulus. In einfachen Worten erklärt Ferguson teils schwierige theologische Konzepte. Jeder Bibelausleger wird sehr von den Ausführungen in diesem Buch profitieren, vor allem bei der Vorbereitung einer Predigt oder Bibelarbeit zu diesen besagten Texten.

3. Imperfect Disciple: Grace For People Who Can´t Get Their Act Together - Jared C. Wilson

Wilson schreibt Bücher wie am Fließband. Und das ist gut so, denn er ist ein ausgesprochen begabter Autor. In seiner unnachahmlich lockeren Art schafft er es, seinen Leser die Inhalte unseres Glaubens auf ansprechende Weise näher zu bringen. Man sagt, dass alles, was Wilson schreibt, lesenswert ist. Ich habe noch nicht so viel von ihm gelesen. Aber dieses Buch über Jüngerschaft ist auf jeden Fall sehr, sehr lesenswert. Während die meisten Bücher über Jüngerschaft einen hohen Anspruch beschreiben, dem es nachzueifern gilt, richtet Wilson seinen Blick auf die Gnade in Jesus. Das ist sehr befreiend.

4. You Are What You Love: The Spiritual Power of Habit - James K.A. Smith

Eigentlich hatte ich mir unter diesem Buch etwas ganz anderes vorgestellt. Doch was ich dann las, waren völlig neue Ansätze und Gedanken, die ich so noch nie gelesen hatte. In dem Buch plädiert Smith dafür, dass unsere Liebe zu Gott geprägt wird von Gewohnheiten. Dabei geht es ihm vor allem um die Formierung unserer Gefühle durch den Sonntaggottesdienst. Dieses Buch ist vor allem für alle Pastoren und Gottesdienstleiter sehr empfehlenswert. Diese sollten sich der großen Aufgabe bewusst sein, dass sie durch die Art der Gottesdienstgestaltung entscheidenden Einfluss auf die geistlichen Prägung der Gemeindeglieder haben.

5. 12 Ways Your Phone Is Changing You - Tony Reinke

Man merkt, dass der Autor Tony Reinke die Thematik "Umgang mit Sozialen Medien und Smartphones" umfassend recherchiert hat. Die Prägung, die wir durch den Gebrauch unseres Smartphones und unseren Umgang mit Social Media erhalten, beschreibt Reinke auf unterschiedliche aber sehr treffende Weise. Jeder, der ein Smartphone besitzt und in der Gefahr steht, dieses zu oft in der Hand zu haben, wird von der Lektüre dieses Buches sehr profitieren.

6. Gospel Fluency: Speaking the Truths of Jesus Into the Everyday Stuff of Life - Jeff Vanderstelt

Der Dienst von Jeff Vanderstelt beeindruckt mich schon seit vielen Jahren. Ich bin froh, dass er sein Wissen nun auch in Buchform an Leute weitergibt. Dieses Buch beschreibt, wie wichtig es ist, dass wir die Wahrheit von Jesus und seinem Werk in das Leben anderer Menschen hineinsprechen. Die Wahrheiten von Jesus und das Evangelium sind relevant für Gläubige und Ungläubige. Ich sehe bei mir hier noch einen Wachstumsbereich und bin froh, dass dieses Buch mir wertvolle Hilfestellungen gegeben hat.

7. Recapturing the Wonder: Transcendent Faith in a Disenchanted World - Mike Cosper

Dieses Buch ist interessant geschrieben. Cosper deckt die Nöte unserer Zeit auf, indem er die Kultur und die dahinterliegende Philosophie beleuchtet. Jedem seiner Kapitel fügt er gewisse praktische Umsetzungstips an, die ich sehr hilfreich fand. Wie soll man beten? Wie soll man die Bibel lesen? Wie kann man die Gewohnheit des Fastens einüben? Wie kann man großzügig leben? usw. Diese Gedanken muss ich mir auf jeden Fall nochmal vertieft zum Beginn des Jahres vornehmen.

8. Keine Kompromisse: Jesus nachfolgen um jeden Preis - David Platt 

Von diesem Buch habe ich schon mehrfach geschrieben auf diesem Blog. Es war vor einigen Jahre ein NYT-Beststeller. Ich finde, jeder Nachfolger Jesu sollte dieses Buch gelesen haben. Obwohl ich es schon vor fünf Jahren gelesen hatte, habe ich es jetzt nochmal auf deutsch gelesen. Es lohnt sich wirklich.

9. What Is Biblical Theology?: A Guide to the Bible's Story, Symbolism, and Patterns - James M. Hamilton Jr.

Dieses Buch ist kurz, aber sehr aufschlussreich. Jeder Prediger und Bibelausleger sollte ein Verständnis von Biblischer Theologie haben. Das bedeutet, er sollte die große Geschichte der Bibel verstehen und erkennen, wie die Autoren der Bibel immer wieder durch Symbolik und Erzählmuster auf diese große Geschichte verweisen. Deswegen ist dieses Buch eine Pflichtlektüre für jeden, der mehr über die Zusammenhänge der Bibel erfahren will.

Andere Bücher, die ich gelesen habe, sind:

10. Singing the Songs of Jesus: Revisiting the Psalms - Michael Lefebvre

11. A Heavenly Conference - Richard Sibbes

12. A Habitual Sight of Him - The Christ-centred Piety of Thomas Goodwin - Joel Beeke & Mark Jones

Neben diesen 12 Büchern habe ich in viele Bücher reingelesen oder bin noch dabei diese fertig zu lesen.

Der Sinn hinter unserem Heimweh

Vor einigen Tagen schrieb Rahel einen für mich bewegenden Text, der beschreibt, wie es ihr gerade innerlich geht. Der Artikel war überschrieben mit dem einfachen Wort "Heimweh". In diesem Begriff ist der ganze Schmerz zusammengefasst, den wir empfinden, wenn wir nun das fünfte Jahr zur Advents- und Weihnachtszeit nicht in Deutschland sein können.

Wie dieser Schmerz im Einzelnen zu erklären ist, hat Rahel gut beschrieben. Und ich stimme dem voll zu, auch wenn ich wahrscheinlich nicht den gleichen tiefen Schmerz empfinde. Wobei ich natürlich auch sehr gerne dabei gewesen wäre, wenn meine Mutter, wie am letzten Wochenende, groß ihren 60.Geburtstag feiert.

Aber trotz dieses großen Schmerzes, fern von der eigenen Familie und Gemeinde zu leben, macht es Sinn, diesen Schmerz des Heimwehs auszuhalten und in Kauf zu nehmen.

Worin der Sinn liegt, will ich kurz beschreiben.

1. Wir empfinden Heimweh, damit Menschen in Jesus ein neues zu Hause finden.

Dieser zeitliche, kurze Schmerz des Heimwehs ist nicht zu vergleichen mit dem Schmerz, den Menschen empfinden, die für immer getrennt sind von Gott. Wir sind hier und wir bleiben gerade an Weihnachten hier, um Menschen zu zeigen, dass sie uns wichtig sind. Wir lieben sie und verkündigen ihnen das Evangelium von Jesus dem Retter, der gekommen ist, um Menschen in Gottes Familie zu holen.

2. Wir empfinden Heimweh, weil wir uns eins machen mit dem Leiden Jesu.

Mit jedem Schmerz, jeder Entbehrung und jedem Opfer im Dienst für Jesus, veranschaulichen wir das Leiden Jesu. So hat Paulus zumindest sein eigenes Leiden erklärt als er sagte: Jetzt freue ich mich in den Leiden für euch und ergänze in meinem Fleisch, was noch aussteht von den Bedrängnissen des Christus für seinen Leib, das ist die Gemeinde. (Kol 1,24) Wir hoffen, dass Menschen irgendwann begreifen, dass unser Dienst mit allem was dazugehört ein Hinweis ist auf Jesus und sein Leiden.

3. Wir empfinden Heimweh, weil wir noch nicht zu Hause sind.

Wir freuen uns sehr, eine irdische Familie zu haben, die wir lieben und vermissen. Und von ihnen getrennt zu sein bedeutet, Heimweh zu haben. Aber unsere christliche Hoffnung geht über diesen Trennungsschmerz hinaus. Eines Tages werden wir endgültig zu Hause sein, bei Gott unserem Vater. So lesen wir auch in Hebräer 13,14:

"Denn hier auf der Erde gibt es keinen Ort, der wirklich unsere Heimat wäre und wo wir für immer bleiben könnten. Unsere ganze Sehnsucht gilt jener zukünftigen Stadt, ´zu der wir unterwegs sind`."

Weil wir unterwegs sind zu unserem ewigen zu Hause, empfinden wir Heimweh. Hör dir hier die Predigt zur entsprechenden Jahreslosung 2013 an.

4. Wir empfinden Heimweh, weil wir wissen, dass es sich lohnt.

Petrus fragte Jesus einmal, was er davon hat, Opfer zu bringen und alles zu verlassen, um Jesus nachzufolgen. Wahrscheinlich gehörte auch das Heimweh zu dem Opfer, dass er zur Sprache brachte, den Jesus bezieht sich in seiner Antwort auf die Trennung von der Familie, indem er sagt:

Jeder, der um meinetwillen und um des Evangeliums willen Haus, Brüder, Schwestern, Mutter, Vater, Kinder oder Äcker zurücklässt, bekommt alles hundertfach wieder: jetzt, in dieser Zeit, Häuser, Brüder, Schwestern, Mütter, Kinder und Äcker – wenn auch unter Verfolgungen – und in der kommenden Welt das ewige Leben.

So wollen wir trauern in diesem Schmerz des Heimwehs, wissend, dass es einen größeren Sinn hat. Diesen Sinn habe ich in vierfacher Weise erklärt. Und wir hoffen so sehr, dass andere unter unseren Lesern bereit sind, diesen Schmerz des Heimwehs in Kauf zu nehmen, in dem sie alles verlassen, um Jesus nachzufolgen und zu Menschen zu gehen, die getrennt sind von Gott.

Wir leiden Heimweh damit,
  1. Menschen ein neues zu Hause in Jesus finden.
  2. Menschen das Leiden Jesu veranschaulicht sehen.
  3. Menschen verstehen, wir sind noch nicht zu Hause.
  4. wir am Ende belohnt werden.

Heimweh

Nun ist nicht mal mehr eine Woche bis Weihnachten. Wie die Zeit nur so schnell vergeht. Heute schneit es. Kleine weiße Flocken tanzen zu Boden.
Ich sitze wie jeden Montag morgen nach getaner Hausarbeit am Tisch und nehme mir besonders viel Zeit für Gott. So jedenfalls ist der Plan. Ich will in der Bibel lesen, auf ihn hören, die kommende Woche planen, hören, was er will...

Doch das ist gar nicht so einfach. So viele Gedanken gehen mir durch den Kopf. Was muss ich noch alles tun in dieser Woche? Wie wird die Weihnachtsfeier mit diesen vielen lauten Kindern und ihren Eltern? Wird es gut oder eine Blamage?
Und wie feiern wir Weihnachten? Was kochen wir? Was könnte ich den Kindern noch kleines schenken?

Und dann ist da noch dieses Heimweh. Ich blicke aus dem Fenster, sehe den großen Berg direkt neben unserem Haus, sehe den großen Baum mit den Vögeln darin und ich wünschte mir, zuhause zu sein. Also da zu sein, wo unsere Familien sind. Auch hier ist unser Zuhause, sicher, aber gerade bei diesem Fest, da zieht es mich dieses Jahr mehr denn je innerlich zurück.

Ich möchte mitfeiern. Ich möchte in die Gemeinde gehen. Ich möchte alle meine lieben Freunde treffen, sie umarmen, ihnen frohe Weihnachten wünschen. Ich möchte die schönen Lieder in feierlicher Stimmung singen, die Kerzen und Lichter sehen, die Freude und Vorfreude der Kinder spüren, und mich an meine eigene Kindheit zurückerinnern. Ich möchte etwas besonderes essen, möchte mich hübsch machen, möchte lachen und mich freuen, möchte bei meiner Familie sein.

Wir haben hier unseren wichtigen Auftrag, ich weiß. Dennoch scheint es mir manchmal auch wie eine Last, dass wir die einzigen sind, die Weihnachten feiern. Wenn wir es nicht tun, dann tut es keiner. Und dennoch ist da dieser menschliche Wunsch dort zu sein, wo man so viel Jahre seines Lebens verbracht hat und wo einen die Erinnerungen immer wieder hintragen.

Ich lese in dem Andachtsbuch von Joni Eareckson Tada. Ihre Worte und ihr Gebet berühren mich. Der Vers aus Römer 8,32 spricht laut zu mir und ich will es fest glauben, was da steht:

Er, der doch seinen eigenen Sohn nicht verschont,
sondern ihn für uns alle hingegeben hat-
Wie wird es uns mit ihm nicht auch alles schenken?

In Jesus ist mir alles geschenkt. Alles was ich brauche, habe ich in ihm! Das ist ein Geheimnis, das ist ein Versprechen, das ist eine Zusage. Das will in mein Herz sprechen und es ruhig machen. Will es trösten und neu ausrichten.

Das Gebet am Ende möchte ich heute zu dem meinen machen:

Lieber Gott, du bist der Vater des Lichts. Alle gute Gabe kommt von dir.
Danke für deine Güte und Großzügigkeit mir gegenüber,
Die du mir auf 10 000 verschiedenen Wegen heute zeigst.
Heute will ich meine Segnungen zählen und
Oft an dich denken und dir Danke sagen.

Unsere Weihnachtspost ist raus

Weil wir unseren Unterstützern wenigstens einmal im Jahr Danke sagen wollen, für ihren treuen Dienst an uns, schicken wir Ihnen zu Weihnachten eine kleine Aufmerksamkeit. In der Vergangenheit haben wir uns dazu schon verschiedene Dinge überlegt.

Dieses Jahr war mal wieder eine Bastelaktion dran, weil Rahel eine leidenschaftliche "Stemplerin" ist. So heißen Frauen, die mit den Bastelsachen von StampinUp Karten oder Bücher basteln. Das Stanzen und das Stempeln sind neben dem Schneiden die wesentlichsten Arten Karten zu erstellen.  Leider hat Rahel durch unsere drei Kinder und die engen Wohnverhältnisse nicht all zuviel Zeit und Möglichkeiten um ihrem Hobby nachzugehen.

Aber um unseren Unterstützern eine kleine Aufmerksamkeit zu schenken, hat Rahel sich hingesetzt und ihrer Kreativität freien Lauf gelassen. Dabei sind 80-90 Lesezeichen entstanden, die fast alle irgendwie anders aussehen. Auf der Rückseite des Lesezeichens haben wir einen Liedtext abgedruckt.

Zudem hat Rahel noch einige Karten gebastelt, die wir hier und da auch noch verschicken.

Alles in allem kann ich sagen, wie stolz ich bin auf meine Frau. Sie hat so viel Arbeit reingesteckt und gestern konnte ich das Paket mit den 100 Briefen dann zur Post bringen. Meine Eltern werden den Versand innerhalb Deutschlands vornehmen.

Hier ist nochmal eine kleine Auswahl der Arbeit.

Der Besuch in einer Familie die trauert

Es ist schon dunkel draußen. Ich setze mich nach hinten ins Auto nach einem kleinen Kampf mit Shaban, der mir aus Respekt den vorderen Platz geben möchte. Doch ich kenne die Kultur nun so gut, dass ich weiß, dass Männer hier immer vorne sitzen.
Wir fahren los. In der Stadt ist fast nichts mehr los. Einzelne Leute laufen über die Straßen. In den Cafés sitzen hier und da noch Männer. Seit ein paar Tagen ist auch der große Baum in der Mitte der Stadt aufgestellt. Was für uns ein Weihnachtsbaum ist, ist für die Menschen hier der Neujahrsbaum, weil sie kein Weihnachten kennen. Tausende Kugeln schmücken ihn. Aber es fehlen noch die Lichter. Er ist noch dunkel und nicht erleuchtet.

Alles scheint so normal, so alltäglich hier. Aber in meinem Herzen fühle ich mich alles andere als "alltäglich". Ich bin auf dem Weg in ein Haus, in dem vor einer Stunde ein Mensch seinen letzten Atemzug getan hat.

Vor vier Tagen hatte unsere albanische Oma, die Mutter von unserer geliebten Rrushe, mit der wir gemeinsam in einem Haus leben, einen Schlaganfall. Seitdem lag sie ohne Bewusstsein in der kleinen, ärmlichen Stube des Sohnes. Das schlechte Sofa ausgeklappt und mit einer Matratze verstärkt.
Ihre Augen sind geschlossen, sie kann nicht mehr reden, nicht mehr trinken oder essen. Anfangs bewegte sie noch die linke Hand. Einmal beobachtet ich, wie ihr Sohn (sie hat drei Söhne und zwei Töchter) sich hinter sie setzte, und ihre Hand mit seiner liebevoll bewegte. Was für kostbare kleine und letzte Zeichen der Zuneigung und Liebe.

Rrushe war die ganze Zeit bei ihr. Sie tat in diesen vier Tagen und vier Nächten kaum ein Auge zu.
Ich fuhr jeden Tag hin, einfach um ihr beizustehen, zu trösten und Worte des Lebens weiterzugeben. Innerlich betete ich zu Jesus und um sein Eingreifen. Dass er sich über die liebe Nena Aishe kümmert. Und um alle andern in der Familie.

Vor einer halben Stunde hatte ich nun die Nachricht von ihrem Tod bekommen. Mitten im Plätzchen backen mache ich mich mit Shaban und unserem Nachbarn auf den Weg in das Haus der Trauer.
Mir war immer klar gewesen, dass wenn der Tag kommt, an dem Rrushes Mama geht, dann ist mein Platz an Rrushes Seite. Da sie selbst keine eigenen Kinder hat, bin ich ihre Tochter geworden. Mein Herz ist voller Liebe für diese Frau.

Die Lichter unserer Stadt verschwinden langsam. Wir sind auf dem Weg ins Dorf, 20 Minuten entfernt, in die Berge, auf einer kurvigen Straße. Wir schweigen. Keinem ist nach reden zumute. Mein Blick geht aus dem Fenster. Hier in der Dunkelheit, die keine Straßenlaterne erhellt, fällt mein Blick zu dem klaren Sternenhimmel. Wie schön, denke ich. Wie wunderschön.

Als wir ankommen, müssen wir erstmal noch einen kleinen Marsch hinter uns legen, bis wir zu dem Haus gelangen. Es ist still. Die Angehörigen, die für mich zu einer Familie geworden sind, begrüßen mich. Mit Tränen in den Augen nehme ich die Söhne in den Arm. Dass mich Männer in den Arm nehmen ist unüblich hier und ist ein Zeichen, dass ich ihnen wie eine Schwester oder Tochter bin. Ein Zeichen von: du gehörst zu uns.

Ich gebe die Kerze und das eingerahmte Bild von Nena Aishe ab und geh in die kleine, ärmliche Stube. Da stehen nur alte Sofas und ein Ofen, der die letzten Tage und Nächte durcharbeiten musste. Nena Aishes Gesicht ist mit ihrem weißen Kopftuch bedeckt. Sie ist mit einer schönen Decke zugedeckt. Ich gehe zuerst zu Rrushe. Meine geliebte Rrushe. Bei dem Gedanken, wie sehr ihr Herz jetzt schmerzt, bekomme auch ich Tränen in die Augen. Sie hatte immer eine sehr besondere und liebevolle Beziehung zu ihrer Mutter gehabt. Und obwohl sie ein gutes Alter hatte und auch einen Tod ohne große Schmerzen, trotzdem schmerzt der Abschied sehr.

Nacheinander nehme ich auch die anderen in den Arm und drücke mein Beileid aus. Die Stimmung ist schwer und doch nicht zu drückend. Shaban und der Nachbar waren nur ganz kurz in dem Raum und sind dann in den Nebenraum, der extra für die Männer vorbereitet wurde. Wie schlimm, dachte ich, dass man sich hier als Eheleute in solch einer Situation nicht beistehen kann... Mein Mann wäre für mich doch der erste, der mich trösten und im Arm halten würde, wenn meine Mutter stirbt.

Dann kommen einige Enkeltöchter rein. Eine von ihnen weint bitterlich, laut und ohne Hemmungen. Sie reißt das weiße Tuch weg und küsst das Gesicht der toten Oma. "Sei leise!" Hör ich von hier und da. "Nehmt sie da weg." Von einer anderen Seite. Doch Emotionen lassen sich nicht so leicht weg-befehlen.
Immer mehr Angehörige kommen und weinen und klagen. Ich sitze dabei. Still. Mein Blick geht immer wieder zu Rrushe. "Ich muss jetzt stark sein wie ein Mann." Hatte sie mir vorher gesagt.

Als sie sich dann zu ihrer Mutter kniet, komme ich zu ihr. Ich lege meinen Arm um sie.
Sie möchte ihre Mama berühren. Das Gesicht, das sie so oft gesehen hat, gewaschen hat, geküsst hat. Sie will es sehen und berühren und ich verstehe es so gut. Als wieder jemand kommt und sagt, "Lass das." Da sage ich: "Lass sie doch. Sie braucht die Zeit zum Abschiednehmen." Nur zu schnell wird der tote Körper nicht mehr hier sein. Innerhalb von 24 Stunden muss beerdigt werden und es ist allen klar, dass am nächsten Tag um 12 Uhr wie üblich die Beerdigung sein wird. Sie hat noch 16 Stunden.

Ich nehme meinen Mut zusammen und bete mit Rrushe. Ich bete zu Jesus. Und mein innerer Schrei ist, dass Er durchbricht und sie Ihn erkennen darf.

Nach ein einhalb Stunden gehen wir wieder. Die Familie im Haus hat nun viel vorzubereiten für die Beerdigung am nächsten Tag. Sie müssen das Bestattungsunternehmen rufen, einen Sarg besorgen, ein Grab ausschaufeln, ein Essen für alle, die kommen werden, organisieren, Nena Aishe waschen und herrichten und die ganze Nacht Totenwache halten. Sicher gibt es noch viel mehr Dinge, die nun getan werden müssen, und von denen ich keine Ahnung habe.

Ich sitze wieder im Auto. Der Nachbar möchte mit mir über eine Arbeit in Deutschland reden. Nach einer Weile sage ich ihm, dass meine Gedanken gerade wo anders sind. Shaban sagt nur: Gott segne dich.

Der Sternenhimmel ist schöner denn je. Klar und strahlend in dieser Dunkelheit.

Vom Leben und Sterben in Albanien

Diesen Artikel hat Rahel vorgestern geschrieben. Heute Nachmittag ist unsere liebe Nena Aishe gestorben.

Seit zwei Tagen liegt die Mutter meiner albanischen Mutter im Sterben. Sie hatte am Sonntag Abend ganz plötzlich einen Schlaganfall und liegt seither im Koma. Es geht dem Ende entgegen…

Ich kenne und liebe diese alte Frau sehr. Gerade in der Anfangszeit war sie häufiger bei uns im Haus, auch für mehrere Wochen. Unsere Rrushe ist ihre geliebte älteste Tochter, die sie mit 16 Jahren bekommen hat. Rrushe sagte mir öfter, dass ihre Mutter ihr eher wie eine Schwester ist, als wie eine Mutter.

Seit einiger Zeit nun war sie zunehmend dement. Körperlich aber doch noch sehr fit, trotz ihren 84 Jahren und einem unvorstellbar hartem Leben.
Sie hat mit 15 Jahren geheiratet und mit 16 Jahren ihr erstes Kind bekommen. Es folgten acht weitere Schwangerschaften, wobei nur vier der acht Kinder ihre Kindheit überlebten. Zu dieser Zeit war es noch so normal, dass in fast jeder Familie ein Kind an einer heute vermeidbaren Krankheit starb. Wenn Rrushe mir erzählt von den Geburten im Kuhstall, weil das im Winter der wärmste und geschützteste Ort war, dann wird mir ganz anders. Was für ein hartes Leben. Immer wieder stehe ich voller Respekt vor diesen alten Frauen, schau mir ihre Hände und ihren abgenutzten Körper an und kann nur erahnen, was sie in ihrem Leben alles körperlich leisten mussten.

Und so liegt da nun diese dünne Frau. Sie atmet schwer. Sie liegt nicht weit von dem Haus entfernt, in dem sie die meiste Zeit ihres Lebens verbracht hat. Die Frauen im Raum, Verwandte und Nachbarn, glauben, dass sie noch alles mitbekommt und weisen die zurecht, die weinen und ihrer Traurigkeit freien Lauf lassen wollen. Das wird strikt unterbunden. Seit heute sind Männer und Frauen getrennt in zwei Räumen. Die Frauen halten die „Wache“ bei der Sterbenden.

Als ich gestern das erste Mal dorthin kam, war ich überrascht so viele Menschen zu sehen. Die verbliebenen zwei Geschwister waren schon angereist und auch alle möglichen anderen Verwandten. Ich hatte viele sehr unterschiedliche Gedanken.
In Deutschland läge diese Frau jetzt auf der Intensivstation, würde beatmet und mit einer Sonde ernährt werden. Und man wüsste ganz genau, was in ihrem Körper eigentlich passiert ist. Hier wissen wir nichts so wirklich. Die Menschen nehmen an und sicher haben sie auch Erfahrung. Dennoch, die Ungewissheit und die Spannung: sollen wir noch in ein Krankenhaus gehen, oder nicht? Machen wir noch alles menschenmögliche für den geliebten Menschen? In welches Krankenhaus kann man gehen? Das in unserer Stadt kann man vergessen. Alle anderen sind weit und will man das der alten Frau noch zumuten?
Es ist schwierig und es tut mir so leid, dass sie nicht bessere Hilfe zur Seite haben.

Auf der anderen Seite denke ich auch, dass es für diese Frau doch besser ist, jetzt gehen zu dürfen und nicht noch künstlich am Leben erhalten zu werden.

Eine Krankenschwester, die in dem Dorf lebt, kommt immer wieder vorbei, um Blutdruck, Temperatur und den Puls zu messen. Die Menschen hier haben oft schon so viele sterben sehen, sodass sie sehr gut auch die Anzeichen kennen, die das fortschreitende Abscheiden des Sterbenden begleiten. Darum werden immer wieder die Füße der alten Frau betastet. Werden sie schon kälter?
In einem letzten verzweifelten Versuch, probiert die Krankenschwester eine Infusion zu geben. Doch die schwachen Venen platzen immer wieder nach kurzer Zeit. Dann geben sie es noch viermaligem Probieren auf. Ein gewisser Hoffnungsschimmer schwindet…

Als ich mich in dem Raum umschaute, sah ich alte und junge, Frauen und Männer, wahrscheinlich alle haben noch nie wirklich von Jesus gehört. Von dem Licht, das er gebracht hat, von der Hoffnung auf ein ewiges Leben mit ihm, von dem Weg, den er durch sein Sterben und seine Auferstehung geöffnet hat zum Vater. Es macht mich traurig. Und ich spüre innerlich einen Antrieb zu reden. Aber was sagen?
Ich möchte nicht taktlos sein. Eigentlich spricht eine junge Frau nicht vor so vielen Männern. Aber das soll mich nicht abhalten.

Kurz bevor wir gehen, nehme ich nochmal meinen Mut zusammen und frage um Erlaubnis, etwas aus der Bibel lesen zu dürfen. Ich lese Psalm 23 und sage noch etwas dazu. Manche schauen nachdenklich, einer lächelt mich immer nur an. Aber gerade die Söhne der Sterbenden, zu denen ich eine sehr gute Beziehung habe, hören zu und wollen etwas hören. Als ob sie die ganze Zeit darauf gewartet hätten.

Wie Verdurstende, die nach Wasser rufen.

Hier ein Foto von Rahel und der lieben Nena Aishe.

 

Behold the Lamb of God - Das beste Weihnachtsalbum ever


Es sind nur noch 4 Wochen bis Weihnachten. Gestern hat Rahel unsere Wohnung adventlich geschmückt. Es ist so schön, dass ich eine Frau habe, die darin unheimlich begabt ist. Ich wünschte du könntest mal bei uns vorbei schauen um unsere adventlich dekorierte Wohnung zu sehen.  Zur stimmungsvollen Adventszeit gehört für uns auch immer stimmungsvolle Advents oder Weihnachtsmusik.

Deswegen möchten wir dir heute unser absolutes Lieblingsalbum vorstellen. Die CD heißt "Behold the Lamb of God". Andrew Peterson hat dieses Album im Jahr 2004 herausgebracht. Das besondere an dieser CD ist, dass hier nicht nur einfach irgendwelche Weihnachtslieder neu interpretiert werden. Nein, Andrew Peterson hat sich die Mühe gemacht, einzelne Lieder zu schreiben, in denen er die große Geschichte Gottes erzählt. Jedes Jahr zu Weihnachten veranstaltet er eine Konzert-Tournee, wo er diese alte Geschichte neu erzählt.

Uns begleitet diese CD seit mehreren Jahren und gehört für uns zu Weihnachten dazu, wie kaum etwas anderes. Im folgenden beschreiben wir kurz worum es in den wunderschön gedichteten Liedern geht.

Das erste Lied Gather Round, Ye Children Come lädt den Hörer ein, dieser alten Geschichte zu lauschen, die handelt von dem tapferen Jungen, der Gott war und sich selbst zu nichts machte und seinen Stolz aufgab und kam um zu sterben.

Im zweiten Lied Passover Us erzählt Peterson die Geschichte von Mose und der Rettung für das Volk durch das Passahlamm. Das nächste Lied Deliver us beschreibt den Schrei des Volkes Israels, die zu Gott schrien in ihrer Not, dass er sie doch retten möge.

Das Lied O Come, O Come, Emmanuel ist eines der wenigen klassischen Weihnachtslieder. Es ist ein schön gespieltes Instrumentalstück, das uns aber erinnert an die Verheißung aus Jesaja.

Mit dem Lied Matthews Begats kommt Peterson dann ins Neue Testament indem er den ganzen Stammbaum Jesu in einem Lied heruntersingt. Das hört sich erstmal komisch an, aber wenn du es hörst, wirst du nicht anders können als zu lächeln.

In It Came To Pass erzählt Peterson die ganze Weihnachtsgeschichte von der Volkszählung, der Ankündigung der Engel,  und der langen Reise bis zur Ankunft in Bethlehem.

Labor of Love ist eines der besten Lieder auf der CD. Die erste Zeile allein spricht für sich. "It was not a silent night, there was blood on the ground, you could hear a woman cry, in the alleyways of night."  Es war keine Stille Nacht, da war Blut auf dem Boden, du konntest eine Frau schreien hören, in den dunklen Gassen der Nacht.  Aber auch der Rest des Liedes ist einfach nur schön.

The Holly and the Ivy ist ein weiteres Instrumentalstück.

In dem Lied While Shepherds watched their sheep hören wir dann von den Hirten und was ihnen verkündet wird. Halleluja, Christ is born.

Das vorletzte Lied Behold the Lamb of God ist dann eine klare Proklamation des Evangeliums. Jesus ist das Lamm Gottes, das gekommen ist, um unsere Sünde wegzunehmen.

Mit The Theme of My Song beendet Peterson dann seine Erzählung. Es ist ein letztes triumphierendes Loblied auf Jesus.

Möchtest du mal durch ein Album mit genommen werden auf eine Reise? Möchtest du neu staunen über das Wunder von Weihnachten, dann legen wir dir diese CD ganz stark ans Herz.

Leider gibt es das Album nicht bei Spotify. Man kann es auch nicht bei Amazon kaufen.

Aber bei iTunes gibt es die 10 jährige Jubiläumsausgabe für 11,99 Euro. Sie ist schöner und kraftvoller als die ältere Aufnahme und es gibt zur Studioaufnahme zusätzlich noch den Livemitschnitt eines Konzertes.

Damit du dennoch in diese CD reinhören kannst, habe ich eine Youtube-Playlist mit den Liedern der älteren Albumversion erstellt. Ich habe die Lieder in die richtige Reihenfolge gebracht. Achte deshalb darauf, dass du die Lieder im Schleifenmodus anhörst.

 

Bruder, lass mich deine Zuflucht sein - Vom Wert einer Männerfreundschaft

Meistens komme ich gut damit zurecht. Doch hin und wieder wird mir der Mangel bewusst. Ich habe hier keinen christlichen Freund, keinen Bruder im Herrn. Mir fehlt ein Gegenüber, mit dem ich beten und über die Herausforderungen des Dienstes reden kann. Mir fehlt ein guter Freund, den ich in der Nacht anrufen kann und der immer für mich da ist, in guten und schlechten Zeiten.

Vielleicht wendest du jetzt ein: Aber hast du denn keine albanischen Freunde? Doch das habe ich. Und die kann ich auch anrufen, wann immer ich will, aber die Basis einer Freundschaft in Jesus und der eigenen Sprache ist einfach nicht da.

Vielleicht sagst du aber auch: Ja, kannst du denn nicht mit jemandem skypen und so deinen Austausch haben? Dann sage ich: Doch, das kann ich und das mache ich auch mit verschiedenen Freunden. Du wirst mir dann wohl zustimmen, dass ein Freund in der Nähe etwas anderes ist, wie jemand, mit dem man einen Skype-Termin hat.

Und wie ich oben schrieb, komme ich damit meistens ganz gut zurecht. Vielleicht besser als viele andere, die mit solch einer Situation nicht leben könnten. Und so will ich mich auch nicht beklagen. Ich will nicht in Selbstmitleid verfallen und der ganzen Welt mitteilen, was für ein bemitleidenswerter Missionar ich bin.

Was ich will, ist Männern Mut machen, den Wert der Freundschaft zu pflegen und hochzuhalten. Nicht alle haben dieses Vorrecht einen guten Freund in der Nähe zu haben.

Einen “Bruder” zu haben, der für dich da ist, wenn du ihn anrufst, ist etwas besonderes. Einen Freund zu haben, der für dich wie ein Zufluchtsort ist, wie eine Burg, die dir Schutz bietet, das ist ein echtes Geschenk.

Männer leben oft so isolierte Leben und sind beschäftigt mit Arbeit und Familie, dass oftmals keine Zeit mehr bleibt für die Pflege einer tiefgehenden Männerfreundschaft. Aber ich mache dir Mut, bleib da nicht stehen. Wir Männer brauchen einander, um in dieser Welt unseren Auftrag wahrzunehmen. Wir brauchen einen Freund, der uns ermutigt, hinterfragt und herausfordert. Wir brauchen einen “Bruder”, der uns hilft unseren Blick auf den “Großen Bruder”, unseren Herrn Jesus, zu richten.

Der Wert der Freundschaft und den Mangel, den ich empfinde, der wurde mir heute morgen deutlich, als ich ein Lied von NEEDTOBREATHE hörte. Der Text handelt nämlich genau davon, von der Einladung eines christlichen Mannes, einem anderen Mann ein Freund zu sein. Im Refrain heißt es:

Brother, let me be your shelter
Never leave you all alone
I can be the one you call
When you’re low
Brother, let me be your fortress
When the night winds are driving on
Be the one to light the way
Bring you home

Bruder, lass mich deine Zuflucht sein
Ich lass dich niemals allein
Ich kann der sein, den du anrufst,
wenn du niedergeschlagen bist.
Bruder, lass mich deine Festung sein,
Wenn die Nachtwinde wehen,
dann will ich deinen Weg erleuchten,
und dich nach Hause bringen.

Besonders folgende Zeile hat mich heute morgen bewegt, weil ich halt keinen Freund in der Nähe habe.

And when you call and need me near
Sayin' where'd you go?
Brother, I'm right here
And on those days when the sky begins to fall
You're the blood of my blood
We can get through it all

Und wenn du mich anrufst
und mich in der Nähe brauchst
Sag mir wohin es geht
Bruder, dann bin ich da für dich.
An diesen Tagen, wenn der Himmel über dir hereinbricht
Du bist Blut von meinem Blut
Wir gehen da gemeinsam durch.

Wenn du dieses Lied als Mann anhörst und dich der Text (lies den ganzen Liedtext am Ende des Artikels) anspricht, könntest du dieses Lied, doch deinem Freund schicken. Sage ihm, was dir die Freundschaft zu ihm bedeutet. Oder du könntest ihm deine Freundschaft erneut anbieten.

Wenn du als Frau dieses Lied hörst, kannst du es deinem Mann zeigen und ihm Mut machen, eine vertiefte Männerfreundschaft zu pflegen.

Brüder, lasst uns Brüder füreinander sein. Lasst uns Freude sein, die für ihre Freunde da sind. 

Das schreibt einer, der gerade diesen Mangel empfindet.

Ramblers in the wilderness we can’t find what we need
We get a little restless from the searching
Get a little worn down in between
Like a bull chasing the matador is the man left to his own schemes
Everybody needs someone beside em’ shining like a lighthouse from the sea

Brother, let me be your shelter
Never leave you all alone
I can be the one you call
When you’re low
Brother, let me be your fortress
When the night winds are driving on
Be the one to light the way
Bring you home

Face down in the desert now there’s a cage locked around my heart
I found a way to drop the keys where my failures were
Now my hands can’t reach that far
I ain’t made for a rivalry I could never take the world alone
I know that in my weakness I am strong, but
It’s your love that brings me home

Brother, let me be your shelter
Never leave you all alone
I can be the one you call
When you’re low
Brother, let me be your fortress
When the night winds are driving on
Be the one to light the way
Bring you home

And when you call and need me near
Sayin' where'd you go?
Brother, I'm right here
And on those days when the sky begins to fall
You're the blood of my blood
We can get through it all

Brother, let me be your shelter
Never leave you all alone
I can be the one you call
When you’re feelin' low
Brother, let me be your fortress
When the night winds are driving on
Be the one to light the way
Bring you home

Brother, let me be your shelter
Never leave you all alone
I can be the one you call
When you’re low
Brother, let me be your fortress
When the night winds are driving on
Be the one to light the way
Bring you home
Be the one to light the way
Bring you home

Mein Jesus, ich lieb dich

Heute hatte ich die Aufgabe, ein paar Lieder für den Gottesdienst rauszusuchen. Mit der Gitarre wollte ich mich auf den Tag einstimmen. Bevor ich die albanischen Lieder probte, sang ich einige Lieder aus dem Liederbuch “Seht unser Gott” und da kam ich auch zu einem Lied, dessen Text mich ansprach.

Mein Jesus, ich lieb dich, ich weiß, du bist mein. Ich will dir gehören, nur dir ganz allein. Du bist mein Erretter. Mein Dank sucht dein Ohr. Ich liebe dich heute, wie niemals zuvor.

So lautet die erste Strophe des Liedes. Ich hielt inne und fragte mich ernsthaft: Danny, ist das wahr? Liebst du Jesus und gehörst du nur ihm allein. Willst du ihn heute lieben, wie niemals zuvor?

Ehrlich gesagt, kamen Zweifel in mir auf. Und wieder einmal war ich mit der Frage konfrontiert, die Jesus auch schon dem Petrus stellte. Liebe ich Jesus von Herzen?

Eigentlich will ich das von ganzem Herzen und doch ist da so viel Widerspruch in meinen Gefühlen, meinem Verlangen und meinem Begehren. Ich will Jesus von ganzem Herzen lieben. Er ist es wert, das weiß ich ganz genau. Und ihn vor allem anderen zu lieben würde mich zutiefst zufrieden stellen. Ich würde die größte Freude und Erfüllung finden, in dieser Liebe zu Jesus.

Und trotz allem, bin ich nicht so von Liebe erfüllt, wie ich es mir wünschen würde. Ich weiß, manche sagen: Liebe sei eine Entscheidung. Ich glaube, das habe ich früher auch gesagt, aber so sehr ich mich auch entscheide: Die Liebe wächst nicht und ich verlange nicht nach mehr.

In mir klingen die Verse, die ich schon so oft gehört habe: das große Liebesgebot.

Du sollst den Herrn deinen Gott lieb haben von ganzen Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft. (5.Mose 6)

Andere Verse wie dieser jagen mir sogar einen Schrecken ein:

Wenn jemand den HERRN nicht lieb hat, der sei verflucht. (1.Kor 16)

Besser umgehen kann ich mit diesem Vers:

Die Gnade sei mit all denen, die unseren HERRN Jesus Christus lieben in Unvergänglichkeit. (Eph 6,24)

Und besonders viel Ermutigung finde ich in folgenden Versen:

Bisher habt ihr Jesus nicht mit eigenen Augen gesehen, und trotzdem liebt ihr ihn; ihr vertraut ihm, auch wenn ihr ihn vorläufig noch nicht sehen könnt. Daher erfüllt euch ´schon jetzt` eine überwältigende, jubelnde Freude, eine Freude, die die künftige Herrlichkeit widerspiegelt; 1.Petr 1,8

Dies schrieb der Apostel Petrus an eine Gemeinde, die Jesus nur durch die Erzählungen der Apostel kannten. Und obwohl sie Jesus nicht mit ihren Augen gesehen hatten, hatten sie doch eine lobenswerte tiefe Liebe zu Ihm. Und als Folge dieser Liebe waren sie erfüllt von einer überwältigenden, jubelnden Freude.

Mir wird klar. Das was die Christen damals empfanden, ist das was auch ich empfinden kann. Obwohl ich Jesus nicht sehen kann, kann ich ihn doch lieben und eine überwältigende Freude erleben.

Und so fasse ich neuen Mut. Ich nehme mir Jesu mahnende Worte zu Herzen. Er schrieb der Gemeinde in Ephesus, dass sie ihre erste Liebe verlassen hatten und dass sie ihren Zustand bedenken, Buße tun und umkehren sollten.

Ich will nicht zurück zur ersten Liebe, auch wenn die Anfangszeit meiner Beziehung mit Jesus kostbar war. Nein, ich will eine noch viel tiefere, und beständigere Liebe und ich will diese Freude, die die Christen damals hatten. Überwältigt und jubelnd vor Freude will ich an meinen Herrn Jesus denken.

Mein Jesus, ich lieb dich, und ich will dich lieben immer mehr. Mein Jesus ich brauch dich, ohne dich kann ich nicht. Bitte vergib mir, wenn ich dich nicht geliebt habe, wie ich sollte und erwecke du eine Liebe in mir, die niemals vergeht, niemals aufhört und immer tiefer und tiefer wird.

Eine geistliche Höhenerfahrung und mein Weg zurück ins Gewühl

Am Ende dieser vollen Woche (Leiterschaftsschulung) stehe ich auf einem Berg und schaue aufs Meer und auf die Stadt. Es dringen verschiedene Geräusche an mein Ohr. Da sind Sirenen, ein Stadionsprecher, der die Zuhörer aufheizt. Klatschen. Motorengeräusche verschiedenster Art. Hupen. Das Meer dagegen  erscheint wie eine glasklare Platte, leise, kaum wahrnehmbare Schwingungen.

Ich sitze nun da, im Schatten eines Baumes und denke über die vergangene Woche nach.
Ich habe viel gehört. Tolles, exzellentes Werkzeug in der Hand eines Leiters mitbekommen.
Ich habe mehr von Gott gehört, seinem Herz und seiner Liebe zu uns und meinem Herz und dem Geist Jesu, der in mir lebt.
Wir haben viel gelacht und geweint, gebetet und einander stärkend die Hände auf den Rücken gelegt.
Ich habe viele neue und beeindruckende Kinder Gottes kennen gelernt, die sich überall auf dieser Welt einsetzen, damit Menschen von Jesus hören. Wir alle zusammen haben mehr als 400 Jahre auf dem "Feld" verbracht. Geballte Erfahrung. Geballte Weisheit. Geballte Liebe und Fürsorge und Verständnis füreinander.

Geballte Gegenwart Gottes in der Zeit der Anbetung, im Brot Brechen, im Beten.
So schön, so gesegnet, so bereichernd.
Am liebsten sollte es nicht enden...

So stehe ich auf dem Berg. Hier oben ist es ruhig. Es ist schön. Natur umgibt mich. Mein Blick geht in die Weite, streift über das endlose Meer in die Endlosigkeit.

Da kommt mir eine ganze Geschichte in den Sinn. War nicht auch Jesus mit seinen drei Freunden auf einem Berg? In der Abgeschiedenheit durften seine drei engsten Mitarbeiter seine Herrlichkeit sehen. Kleider, weißer wie alles, was es auf dieser Welt gibt, Jesus verherrlicht in mitten der zwei großen Propheten Mose und Elia.
Petrus kann nicht anders. Am liebsten möchte er dort, auf dem Berg der Verklärung bleiben. So herrlich, so friedlich, so, wie es sein soll ist es dort.
Er möchte gerne Hütten bauen. Dabei weiß er nicht, was er sagt. Dennoch. Es ist sein spontaner Impuls. Hier ist es gut. Hier ist alles so, wie es sein sollte. Hier berührt der Himmel im wahrsten Sinne des Wortes die Erde.

Ich muss an mich denken und meine Empfindungen. Ja, manchmal würde ich an solch guten und "heiligen" Orten auch am liebsten bleiben. Würde mich der Welt und deren Anforderungen entziehen und mit lieben Geschwistern für immer Gott anbeten.

Doch der Traum ist schnell ausgeträumt. Da kommt die Wolke und umhüllt die Jünger und eine Stimme sagt: "Das ist mein lieber Sohn. Hört auf ihn!"
Und Jesus weiß genau, was zu tun ist. Er nimmt seine Jünger und verlässt den ruhigen, heiligen Ort. Schritt für Schritt geht er den Berg hinunter. Die Stimmen werden lauter, die Geräusche deutlicher, die Menschen sichtbarer.
Die Menschen, ständig um Jesus herum, mit ihren Fragen, Herausforderungen und Forderungen, Erwartungen und Provokationen. Die Menschen mir ihren Lasten, ihren Krankheiten, ihrem Unglauben.
Jesus steht wieder mittendrin. Im Gewühl. Stechender Geruch, permanente Fragen, drängende Bitten.  Und immer wieder dieser Unglaube!

Doch es ist Jesu Auftrag. Genau dort soll er sein. Diese Zeit der Verherrlichung auf dem Berg hatte seinen Platz. Aber es geht wieder runter. Runter zum Lärm und zum Gestank.

"Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben als Lösegeld für viele hinzugeben." (Markus 10,45)

Ich bin eine Nachfolgerin Jesu. Darum folge ich ihm und steige den Berg Schritt für Schritt hinunter - neu gestärkt für den Auftrag, den Jesus mir gegeben hat - mitten ins Gewühl!

Mein Traum von einem Leben für Gott in Haiti und was draus geworden ist

Im Moment lese ich ein Buch (Kisses From Katie) über eine junge Frau, Katie, die nach ihrer Schule nach Uganda ging. Ihre Liebe zu dem Land und den Leuten war so groß, dass sie blieb und mittlerweile Mutter von 14 Kindern ist. (Davon ein leibliches).
Wenn ich diese Worte lese, dann sehe ich mich zurückversetzt in meine Zeit in Haiti. Es kommt mir vor wie ein Spiegel meiner Zeit dort. So gut kann ich all ihre Gefühle nachvollziehen, die Liebe und Freude, die das Herz zum übersprudeln bringen, trotz großer Armut und Not.

Ich sehe die 19 jährige Soeur Rachelle (so würde ich in Haiti genannt) inmitten der vielen kleinen, schmutzigen, strahlenden Kindern. Immer sofort umringt, angefasst, geküsst, geliebt.
Ein unbeschreiblich schönes Gefühl. Ich kenne es nur zu gut. Ich habe noch den Geruch in der Nase, höre die Geräusche aus dem Dorf, wenn sich früh am Morgen das Leben regte. Ich spüre meine tiefe Zufriedenheit und Freude, die ich in diesem Land empfand.

Ich sehe die 19 jährige junge Frau. Eine Frau, ebenso wie Katie, mit großen Träumen. Sogar ein Gelände hatte ich schon im Blick für das Kinderdorf. Eine altes, stillgelegtes Fabrikgelände der ehemaligen Diktatur. Ich sehe mich noch mit einem Freund über den Zaun klettern und ich höre uns träumen über das, was wir für Haitis arme, elternlose Kinder machen wollen. Im Traum sind die alten Gebäude fröhlich bunte Häuser aus denen Kinderlachen dringt. Ich, Mutter von Hunderten Kindern.

Ich weiß, dass ich mich damals auch hätte anders entscheiden können. Ich könnte jetzt in Haiti leben. Und ich bin sicher, Gott hätte es gesegnet.
Doch ich habe mich anders entschieden. Und es war gut so. Es war richtig. Ich bin sehr glücklich mit einem tollen Mann verheiratet, habe drei super süße Kinder und darf in einem erfüllenden Dienst für Jesus in Albanien stehen. Ich bin sehr dankbar.

Dennoch ruft Katie und ihre Geschichte etwas in mir wach, was einst sehr lebendig und mein Traum in mir war. Katie verkörpert und lebt das, was ich ebenso empfinde und spüre und wovon ich zutiefst überzeugt bin: Ich kann nicht die ganze Welt verändern, aber ich kann die Welt einzelner Menschen verändern. Wir haben nur den Auftrag zu lieben. Gottes Liebe zu empfangen und verschwenderisch weiterzugeben.

Ich habe in den letzten Jahren gelernt, dass Gott mir diese Liebe für alle Menschen geben kann. Ich dachte, die Haitianer seien die Menschen, die Gott für mich ausgesucht hat, sie zu lieben. Meine Liebe zu ihnen war aus vollem Herzen, voller Leidenschaft, ohne Unterschiede.
Doch so eine Liebe hat er mir auch für unsere Menschen in Albanien gegeben.

Liebe die Menschen, die Gott um dich stellt, leidenschaftlich und verschwenderisch. Sie sind dir anvertraut. Bete um Liebe und ich verspreche dir: Gott gibt kein Geschenk lieber als dieses. Liebe, Liebe, Liebe! Nichts verändert mehr wie das. Und vor allem verändert es dich selbst.

Haiti, meine Kinder dort, mein Traum, die 19-jährige Rachelle. Es ist Vergangenheit, 13 Jahre her. Damals kamen die Blauhelme in ein von Diktatur gebeuteltes Land. 2004. Entführungen, Morde, Überfälle waren an der Tagesordnung. Heute lese ich in der Zeitung, dass die Blauhelme abziehen. Es hat sich viel verändert seit damals. In Haiti und in mir. Gott segne dieses Land. Gott segne Menschen wie Katie. Und Gott berufe mehr junge Menschen, die sich voll und ganz hingeben für den Gott, der die Welt so liebte, dass er seinen einzigen Sohn gab. Aus Liebe!