Ich will nicht, aber Jesus

Ich will eigentlich nicht hin. 
Ich will mich eigentlich nicht wieder diesem Elend stellen. 
Ich möchte lieber in meiner sauberen und ordentlichen und „wir haben alles, was wir brauchen“ Welt sein, als dort. 
Ich will nicht in diese hoffnungslosen Gesichter schauen.
Ich will nicht diese Armut sehen.
Ich will nicht wieder sprachlos sein im Angesicht des Leides. 
Ich will nicht. Ich will nicht. 

Ich will es ausblenden.
Ich will in Ruhe gelassen werden.
Ich will mich dem nicht aussetzen. 
Ich will nicht wieder innerlich so durchgeschüttelt werden.
Ich will nicht. Ich will nicht.

Mein Ich redet laut. Es will mich fernhaften. 
Will mich in meiner „heilen“ Welt leben lassen. 

Doch da redet noch etwas anderes in mir. 
Da redet Gottes Wort in mein Herz hinein. 
Der Auftrag Jesu. 
Ungerechte Fesseln zu lösen.
Die Knoten des Joches zu öffnen.
Gewalttätig Behandelte als Freie zu entlassen.
Und dass ihr jedes Joch zerbrecht. 
Mein Brot dem Hungrigen teilen. 
Heimatlose Elende in mein Haus führen.
Einen Nackten bekleiden. 
Mich meinem Nächsten nicht entziehen. 

Ich will nicht, aber ich weiß, Jesus will. 
Jesus will, dass ich gehe. 
Er will, dass ich aus meiner Komfortzone gehe.
Er will, dass ich mit seiner Liebe in die hoffnungslosen Gesichter blicke.
Er will, dass ich seine gute Botschaft in das Elend hinein spreche. 
Er will, dass ich sein Bote bin.
Er will durch meine Sprachlosigkeit reden. 
Er will mich in meiner Schwachheit gebrauchen. 

Ich weiß, ich gehe. 
Was habe ich zu bringen? Was kann ich schon ausrichten? 

All das überlasse ich Jesus. 
Er rüstet mich aus. 
Er kennt alles. 
Nichts ist ihm fremd. 
Auch nicht diese Familie,
diese Not, 
diese kranken Menschen,
diese zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit. 
Er hört. 
Er sieht. 
Und er wird handeln. 
Er wird sich verherrlichen in diesem Elend. 

Daran will ich glauben und darauf will ich vertrauen und darum will ich immer wieder gehen. - Und du...?

Ein Schritt vor und drei zurück

Die Arbeit, in der wir hier stehen, könnte man oft so beschreiben: Wir gehen einen Schritt voran und dann kommt der Rückschlag und wir gehen wieder drei zurück. Dann geht es wieder zwei Schritte vor und nach kurzer Zeit sind da wieder die Schritte rückwärts. Ehrlich gesagt ist das anstrengend und zu Zeiten sehr entmutigend. Die Arbeit ist keine leichte und ich denke jeder, der im geistlichen Dienst steht, kennt diese Dynamik. 

Ich denke, auch Paulus schon war nicht davor verschont. Er fordert seine Leser oft auf, nicht müde zu werden in ihrem Dienst. Zum Beispiel in Galater 6, 9:

Lasst uns aber im Gutestun nicht müde werden! Denn zur bestimmten Zeit werden wir ernten, wenn wir nicht ermatten.“

Anscheinend kannten auch die ersten Gläubigen dieses Gefühl, müde zu werden, zu ermatten, entmutigt zu sein. Warum sonst würde Paulus sie ermutigen, gerade das nicht zu tun. 

In 2.Thessalonicher 3,13 schreibt Paulus fast im gleichen Wortlaut:

Ihr aber, Brüder, werdet nicht müde, Gutes zu tun.“

Ich kenne dieses Gefühl, das kommen will, wenn ich denke, dass ich nun wieder einen Schritt zurück gegangen bin. Entmutigung will sich dann in mir breit machen. Doch da hinein ruft Paulus mir zu: Werde nicht müde! Lass dich nicht entmutigen! Ermatte nicht! Gott kommt zu seinem Ziel zu seiner Zeit. 

Ein solches Erlebnis hatte ich in der letzten Woche.
Meine jahrelange enge Freundin und Nachbarin, mit der ich schon viele gute Gespräche geführt habe und die mir sehr nahe steht, schien sich wirklich für Jesus zu öffnen. Sie hatte auf einmal so ein Leuchten in ihrem Gesicht und aus ihren Augen strahlte eine Freude, wie ich sie noch nicht so oft bei ihr gesehen habe. Sie las in der Bibel, die ich ihr geschenkt hatte. Sie hing an meinen Lippen, wann immer ich ihr aus der Bibel erzählte.

Ich hatte wirklich den Eindruck, dass Gott sie nun, nach fünf Jahren Freundschaft mit ihr, ergriffen hatte und eine Entscheidung ihrerseits für Jesus schien mir greifbar nahe zu sein. Ich freute mich so darüber. Ich war so ermutigt. Ja, gutes tun und dran bleiben scheint sich auszuzahlen. Wir werden ernten zur richtigen Zeit, das hat doch auch Paulus schon gesagt...

Doch etwas später veränderte sich die Lage. Ihr Mann hat etwas gegen jegliches religiöses Buch, worunter die Bibel für ihn auch zählt. Meine Freundin musste ihn schon einmal, als er ihre Bibel sah, anlügen und sagen, dass es meine sei, die ich dort vergessen hatte. Die Angst in ihr schien sichtlich gewachsen zu sein. Da sie nie genau weiß, wann ihr Mann nach Hause kommt, war da immer eine Unsicherheit und Unruhe in ihr, sobald sie ihre Bibel zur Hand nahm. 

Ich war etwas irritiert. Was sollte ich sagen oder tun? Soll ich ihr raten, gegen den Willen ihres Mannes in der Bibel lesen? Ich denke, hier trifft das Gebot zu: Du sollst Gott mehr gehorchen als dem Menschen. Aber wie fühlt sie sich dabei? ... aber es geht doch um ihre Errettung!

Doch sie wollte ein Wagnis lieber nicht eingehen. Sie trat zurück. Sie gab mir die Bibel wieder mit. Es sei besser so. Ich war irritiert und traurig. Wie kann das sein? Sie schien doch endlich so offen und bereit für Jesus? Warum jetzt das? Warum lieber wieder in den alten Trott zurück, vom alten Wasser trinken, wenn sie doch schon etwas von dem lebensspendenden Wasser, das Jesus geben will, getrunken hat? 
Ich war auch etwas ärgerlich über diese Einstellung: Nur keinen Ärger, nur nichts riskieren. Dann lieber unglücklich da bleiben, wo man ist. Aber ich weiß auch, dass es mir nicht zusteht, sie zu beurteilen. 
So werde ich weiter für sie beten und ich hoffe sehr, dass Gott ein Wunder tut in ihrem Leben, dass sie gar nicht anders kann, als sich ihm zuzuwenden. 

Und ich will dabei nicht müde werden! Ich packe ihre Bibel weg in meinen Schrank und hoffe und bete, dass sie wieder zu ihrem Besitzer zurückkommt. Ich will mich nicht entmutigen lassen, nicht aufhören, von Jesus zu reden, auch wenn ich wenig Resonanz spüre. Und zu rechten Zeit wird Gott die Frucht schenken. 

Photo by Banter Snaps on Unsplash

Mein Vers für 2019

Zwar ist das Jahr schon einen Monat alt, aber ich möchte euch doch gerne noch erzählen, welchen Bibelvers mir Gott für dieses Jahr „gegeben“ hat. 
Ich habe schon länger die Tradition, am Ende oder direkt am Anfang des neuen Jahres Gott zu fragen, was in diesem Jahr besonders wichtig für mich sein wird. 
Und bisher war es meistens so, dass ich auf einen Vers gestoßen bin, bei dem ich innerlich wusste: das ist er! Das ist dein Vers, dein Motto, deine tägliche Erinnerung für das neue Jahr. 

Dieses Jahr hatte ich vor dem Jahreswechsel einen Stille-Tag. Wir haben im Team die schöne Aufgabe, einen Tag im Monat zu nehmen und ihn in einen besonderen Tag mit Gott zu verwandeln. Wie das für jeden aussieht, das variiert. Ich hatte diesmal die Idee, ihn in der Küche meiner Teamfrauen zu machen, da beide ausgeflogen waren und ich zwischendrin schnell nach Hause gehen konnte, um Henry zu stillen. 🙂

Seit einiger Zeit lese ich durch Jesaja. An diesem Tag kam ich zu Kapitel 26. Die Verse 3 und 4 leuchteten mir dabei in großen Buchstaben entgegen:

Herr, du gibst Frieden dem, 
Der sich fest an dich hält und dir allein vertraut.
Ja, vertraut dem Herrn für immer,
Denn er ist ein starker Fels für alle Zeiten. 

Ich merke immer wieder, wie sich unruhige Gedanken in mir breit machen. 

Das betrifft ganz unterschiedliche Bereiche meines Lebens. Sei es unser Leben hier mit allen unbeantworteten Fragen, Herausforderungen und „Unsicherheiten“.

Wie lange können wir noch in so einer engen Wohnung leben? Welche Alternative gibt es (es gibt in unseren Augen nicht wirklich eine...)?

Wie können wir in dieser so stark getrennten Männer und Frauen Welt Gemeinde gründen, in der alle gemeinsam Gott anbeten? Wo liegen unsere Prioritäten? Wie können wir die Menschen erreichen?

Oder es sind Fragen, die die Kinder betreffen. Wie kann ich ihnen helfen, ein dankbares Herz zu bekommen? Wie kann ich ihnen meinen Glauben vermitteln? Fördern wir sie genug? Wie werden sie sich eines Tages wieder in D zurechtfinden? Aber auch einfache Fragen wie: wann lernt Mima endlich auf die Toilette zu gehen...?

Naja, ich denke, jeder hat so eine lange Liste an Dingen, die das Herz in Unruhe versetzen und den inneren Frieden rauben wollen. Große und kleine Dinge. Das ist letztlich egal. Das Ergebnis ist das gleiche. Unfrieden, Unruhe, wie ein hin und her wackelndes Schiff ohne festen Anker. Der Blick ist dabei nur auf die horizontale gerichtet und es fällt schwer, ihn zu erheben und auf den zu blicken, der alles in seinen Händen hält, sich um mich sorgt und gute Pläne hat.

Genau dazu fordert mich mein Vers für dieses Jahr heraus. Frieden will ich, Frieden gibt Er mir, wenn ich mich nur fest an ihn halte und ihm allein vertraue. Allein ihm! Das ist nicht leicht. Das ist an jedem Tag eine neue Herausforderung. Ein neuer Kampf. Ein neues Aufblicken und bewusstes Abgeben an Gott! Aber warum soll ich auf Gott vertrauen? Weil er ein starker Fels ist für immer. Für alle Zeiten ist er der unwandelbare. Wenn ich mich auf diesen Felsen stelle, so werde ich nie wanken. Das möchte ich in diesem neuen Jahr tun. Du auch?

Von Tränen, Hoffnungslosigkeit und dem Trost unseres Glaubens

Ich weiß auch nicht warum, aber seit dieses Jahr angefangen hat, und das ist ja noch gar nicht so lange her, haben meine Augen schon in so einige Augen geschaut, die sich mit Tränen gefüllt haben. Ich war aufmerksam und bei manchen meiner Freundinnen war es kaum zu bemerken. Aber ich sah es. Ich sah den Schmerz in ihren Herzen und das Wasser, das sich in ihren Augen sammelte. Bei manchen verschwand es einfach wieder, ohne als Träne ihr Auge zu verlassen. Es verschwand, so wie auch der innere Schmerz wieder fest in das eigene Herz zurückgeschoben wurde.

Wir leben in einer Kultur, in der weinen nicht „erlaubt“ ist. Nicht einmal bei schweren Schicksalsschlägen, wie beim Tod eines nahen Verwandten. Da wird dem Trauernden gesagt, doch mit dem weinen aufzuhören. Das sei beschämend. Das ändert doch nichts. Das macht es nur noch schlimmer. Es ändert nichts an Gottes Bestimmung.
Innerlich macht es mich wütend. Ich komme nicht mit bei so viel Hartherzigkeit, wie es mir scheint.

Vielleicht weinen diese Frauen deshalb vor mir, weil sie wissen, dass ich sie nicht verurteile deshalb. Dass mein Herz mit ihnen und ihrem Leid, wie auch immer es aussehen mag, fühlt und mitweint. Dass ich gerne in den Arm nehme, einfach nur mal festhalte und den Schmerz aushalte. Weil ich ihnen sage, dass es der Seele so gut tut, einfach mal nur zu weinen.

Heute habe ich Psalm 107 gelesen. Vers 10 beschreibt so passend die Situation der Menschen hier:

„Die Bewohner des Dunkels und der Finsternis lagen gefesselt in Elend und Eisen.“

Diese Beschreibung trifft nicht nur auf unsere Menschen hier zu, sondern eigentlich trifft sie auf alle zu, die fernab von der frohen Nachricht des Evangeliums leben. Viele davon nicht nur in seelischen, sondern auch in äußerlichen Nöten.
Unsere Freunde hier sind oft in beidem.

Die Dunkelheit ist vielschichtig hier. Klar, die Menschen leben ohne Hoffnung, ohne Perspektive auf ein besseres Leben, eine gute Veränderung, ohne Hoffnung, dass es ihre Kinder einmal besser haben werden. Kannst du dir vorstellen, wie das ist?

Oft ist da die große Armut, nicht zu wissen, was man am nächsten Tag zum Essen hat. Da sind die Männer, die ihre innere Leere mit Alkohol bekämpfen wollen und ihre Familien in noch größeres Elend stürzen. Da sind unfruchtbare Frauen, die ihren einzigen Wert darin sehen, Kinder zu gebären. Da sind Mütter, die ihre Kinder schon seit Jahren nicht mehr gesehen haben, weil sie illegal in England leben. Sie können sie nicht besuchen, sie können sie nicht hier empfangen. Sie haben oft Angst um sie, viele sind gerade mal 16 oder 17 Jahre alt.

Kannst du dir vorstellen, wie es sich als Mutter anfühlen muss, machtlos zu sein. Dein Kind in der Fremde zu wissen, oft ohne irgendeinen Angehörigen in der Nähe? Wie es ist, mitzubekommen, wie es ihnen schlecht geht und du kannst rein gar nichts tun?
Mein Mutterherz leidet mit diesen Müttern.
Da sind ihre flügge werdenden Jungs, und sie wissen, früher oder später kommt der Tag, an dem sie plötzlich weg sein werden.

Ja, das Dunkel und die Finsternis sind vielfältiger Art. Und es kommt mir wirklich so vor, dass die Menschen hier wie in Fesseln liegen. Gelähmt, dem Schicksal ergeben, ohne Ausweg. Gefesselt in ihrem eigenen Elend.

Welchen Ausweg kann es da geben?

Das ist die große Frage. Sie ist nicht immer leicht zu beantworten. Aber eine Antwort ist in jeder Situation die richtige: Gott!

„Da schrien sie zum Herrn um Hilfe in ihrer Not: aus ihren Bedrängnissen rettete ER sie. ER führte sie heraus aus dem Dunkel und Finsternis, ER zerriss ihre Fesseln.“ (V.13f)

Gott ist immer die Antwort! Auch wenn das für manch einen vielleicht platt klingt. Aber in diesem Psalm kommt die Hilfe immer von Ihm! Ja, Gott gebraucht uns auch, aber aus der Dunkelheit und dem Elend, da kann nur Gott befreien.

„Denn Er hat die dürstende Seele gesättigt, die hungernde Seele mit Gutem erfüllt.“ (V.9)
„Er sandte sein Wort und heilte sie, Er rettete sie aus ihren Gruben.“ (V.20)

Der Psalm ist voll von Gottes wunderbarem Eingreifen, wenn die Menschen nur nach ihm riefen in ihrer Not. Ach, wenn sich die Menschen auch hier doch wieder erwartungsvoller an Gott wenden würden. Wenn sie wieder mehr nach ihm fragen würden. Wenn sie ihre Hilfe nicht bei Menschen, sondern bei ihm suchen würden.

Unser Dienst hier besteht in einem ganz großen und wichtigen Teil darin, den Menschen zu helfen, wieder ihr Herz Gott zu öffnen. Mit ihm zu rechnen. Erlösung zu erfahren durch Jesus, Hoffnung und Friede.

Ich sitze nun diesen Frauen gegenüber. Tränen in den Augen, oft auch in meinen eigenen. Und ich kann nicht anders, ich muss von Ihm reden. Von dem, der die Fesseln zerreißen kann! Welch hoffnungsvolles Bild!

Hier bin ich

Hast du schon jemals über folgende drei Worte nachgedacht? 

„Hier bin ich.“ 

Es sind drei einfache Worte, wie sie schon jedes kleine Kind sagen kann, wenn es sich versteckt hat und freudestrahlend aus seinem Versteck springt. Hier bin ich, sage ich, wenn mein Kind mich sucht und nach mir ruft. 

Aber diese Worte haben schon große Männer Gottes vor mir gesagt. In der Geschichte von Abraham fallen sie mir auf. 
Endlich hatte er sein langersehntes und heiß geliebtes Kind von Gott bekommen, da spricht Gott zu ihm: „Abraham!“ und dieser antwortet nur: „Hier bin ich.“ Und dann folgt diese unglaubliche Aufforderung, dass er seinen Sohn Isaak als ein Geschenk für Gott opfern soll. Und genauso unglaublich ist, dass Abraham tut, was Gott ihm sagt. Ohne Murren, ohne Fragen, ohne Widerspruch. Hier bin ich drückt im tiefsten ein unglaubliches Vertrauen aus und eine Bereitschaft, gehorsam zu sein, komme, was da wolle. Ann Voskamp schreibt, dass es auch drei andere Wörter sein könnten: Ich liebe dich. 

Es ist bereitwilliges, gehorsames hören und gehorchen, mit meinem ganzen Sein, mit allem, was ich bin und habe. Hier stehe ich vor dir, Gott. Hier bin ich vor dir. Hier bin ich bereit vor dir. Hier bin ich, rede du.

Bei Abraham war es das gehorsame Herz, gegen allen menschlichen Verstand, vor Gott zu sein, zu hören und zu gehorchen.
„Hier bin ich“ und er zog los, seinen einzigen, geliebten und langersehnten Sohn als ein Liebesgeschenk für Gott zu opfern. Doch Gott hatte anderes im Sinn. Er wollte ihn nur prüfen und durch Abrahams Gehorsam wurde viel Segen auf alle Nationen ausgegossen. Durch sein stilles, gehorsames, vertrauensvolles, sich völlig hingebendes „hier bin ich“.

Mose stand einst vor dem brennenden und doch nicht verbrennenden Dornbusch an heiliger Stätte. Auch er war bereit zu gehorchen, sich gebrauchen zu lassen für Gottes großes Erlösungswerk an seinem Volk Israel. Gott rief Mose bei seinem Namen und dieser antwortete einfach mit: „Hier bin ich.“ 

Samuel stand vor Gott und empfing alle Worte von Gott und gab sie an das Volk Israel weiter. Meistens waren es unangenehme Botschaften, doch seine Einstellung war immer: „Hier bin ich, rede, dein Knecht hört.“

Jesaja hatte diese gewaltige Vision vom Thronsaal Gottes, seine Herrlichkeit erfüllte alles. Es war nicht in Worte zu fassen, was er sah. Als Gott fragt, wen er senden soll, oh, wie mutig dann von Jesaja zu sagen: „Hier bin ich, sende mich.“

Gott möchte meine Bereitschaft. Mein ganzes Herz. Mein ganzes Sein. Mein ganzes Leben. Mein ganzes Vertrauen. Meine ganze Bereitschaft. Hier bin ich. 

Ich gehorche dir ganz, auch wenn es meinem Verstand widerspricht. Ich höre genau auf dich und dein Wort. Hier bin ich, dein Diener hört. Was du mir aufträgst, das will ich tun. Hier bin ich, stehe vor dir auf heiligem Grund und warte auf deinen großen Auftrag für mich. Du kennst mich und rufst mich bei meinem Namen. Ich bin dein. Ich will bereit sein zu horchen und zu gehorchen, loszugehen und auszuführen. 
Hier bin ich, sende mich! Sende mich, wohin du willst. Du hast mich bei meinem Namen gerufen, ich bin dein. Deine Herrlichkeit erfüllt alles. Sie begleitet mich. Sie beauftragt mich. 

Ich möchte auch mit diesem Glaubensvätern einstimmen und auf Gottes Ruf an mich antworten: „Hier bin ich!“
Und du?

Der Adventskalender von Ann Voskamp auf deutsch

Folgenden Artikel haben wir vor 2 Jahren schon mal veröffentlicht, aber weil nun die Zeit der Adventskalender beginnt, möchten wir ihn an dieser Stelle nochmal posten.

Schon seit einigen Jahren begleitet mich eine Frau, deren Bücher und Blog ich sehr gerne lese. Sie heißt Ann Voskamp.

Vor zwei Jahren stieß ich dann auf einen Adventskalender, den sie auf ihrem Blog frei zur Verfügung stellt. Schon zwei Jahre habe ich ihn für mich genommen in der Adventszeit und wurde sehr dadurch gesegnet. Es sind 24 ermutigende Texte gedruckt auf Karten in Haftnotizgröße. Ziel der Texte ist es deinen Blick in diesem Advent neu auf das Wesentliche, auf Christus zu richten.

Letztes Jahr machte sich eine gute Freundin von mir dran, die Texte ins Deutsche zu übersetzen. Wir möchten gerne, dass möglichst viele Menschen dadurch auch in Deutschland gesegnet werden.

Klicke einfach auf den folgenden Link und lade dir den Kalender herunter.

DER ADVENTSKALENDER AUF DEUTSCH

Du kannst ihn dir ausdrucken und zuschneiden, für dich selbst und vielleicht eine gute Freundin.
Sehr zu empfehlen! Ich verschenke dieses Jahr 12 davon. 🙂

Der Einführungstext der englischen Version lautet folgendermaßen.

Sticky Notes for the Soul (Haftnotizen für die Seele)

Für ein gesundes & heiliges Weihnachten.

Drucke dieses Set von 25 Notizkarten aus, eine für jeden Tag im Dezember. Für Spiegel und Schränke, für  Taschen und Wände und Büros. An diesem Weihnachten.

Jede Karte ist eine Ermutigung, ein Gebet, für jeden Tag in diesem Dezember. Es sind Zitate aus dem Buch "The Greatest Gift & Unwrapping the Greatest Gift", umgeschrieben in Worte, die du jeden Tag beten kannst, um dir zu helfen den Fokus drauf zu richten, Christus zu feiern.

Gott segne deine Adventszeit und richte deinen Fokus neu auf Christus. In IHM verbunden.

Die Geschichte von meiner Nachbarin, die mit 17 Jahren ihr erstes Kind verlor

Gestern war wieder ein typischer Novembertag. Grau und feucht, der Nebel tief hängend und alles irgendwie braun in verschiedenen Nuancen. Ihr kennt diese Tage bestimmt. Doch auch an solchen Tagen müssen meine Kinder raus. Sie müssen rennen, rennen, rennen. So packen wir den Fußball ein, ziehen uns an und gehen raus. Ich möchte noch die Kinder von meiner Freundin mitnehmen und wir klopfen am Tor. Überraschender Weise möchte sie auch mitkommen. Sie ruft mit meinem Handy schnell ihren Mann an und nach einiger Erklärung, was wir machen werden, bekommt sie die Erlaubnis, mitzukommen. 

Es wundert mich, dass sie scheinbar noch nie auf dem städtischen Bolzplatz war. Überhaupt kommt sie nur sehr selten raus. Zum einen erlaubt es ihr Mann nicht immer, zum anderen hat sie sich schon so an das zuhause sein gewöhnt, dass es sie Überwindung kostet, die schützenden Mauern hinter sich zu lassen und sich den Blicken anderer Leute auszusetzen und eventuellen Gerede. 

Umso mehr freue ich mich, dass ich mit ihr gemeinsam spazieren gehen kann und wir auf dieses Weise reden können. Schon am Vormittag hatte ich sie besucht und ich hatte es auf dem Herzen, sie zu fragen, ob wir nicht gemeinsam Gottes Wort lesen wollen. Sie stimmte zu und ich freue mich nun drauf, sie mit der Bibel vertraut zu machen und mit Jesus!

Als wir dann wieder vom Sportplatz weggehen, kommen wir an dem Privatfriedhof unseres Clans vorbei, in den auch meine Freundin eingeheiratet hatte. Vor kurzem war eine 43-jährige Frau an Hirntumor gestorben. Ihr Grab konnten wir schon von weitem sehen.

Es liegen Kränze mit Kunstblumen auf dem frischen Erdhaufen. Drum herumstehen einige Steintafeln, manche Gräber sind mit Platten und Bildern der Verstorbenen versehen, andere sind mit einem kleinen Zaun umfasst. Der gesamte Platz ist sehr ungepflegt, Müll und Dornengestrüpp prägen das Bild. Nicht gerade sehr schön und wertschätzend, so jedenfalls sieht es in meinen Augen aus. Anscheinend ist das nicht so wichtig hier. 

Wir öffnen den Eingang, ein Stacheldraht, der wahrscheinlich verhindern soll, dass Kühe auf das Gelände gehen.

Wir gehen zu einem Grab ganz an der Seite. Ein kleiner Stein ist dort und die Inschrift:
„Armela.“. Sie war vier Tage alt geworden.

Tränen steigen in die Augen meiner Freundin, als sie sagt, wie lange sie nicht mehr hier war. Dort liegt ihre Erstgeborene. Ich wusste, dass sie, nachdem sie mit 16 geheiratet hatte, mit 17 direkt eine Fehlgeburt hatte. Ihr Körper war noch nicht reif für eine Schwangerschaft gewesen. Aber mir war nicht bewusst gewesen, dass es im siebten Monat war und die kleine Armela vier Tage lebte und hier beerdigt war.

Ich nehme sie feste in den Arm und stehe ruhig mit ihr da. Dann gehe ich mit den Kindern etwas weiter, im ihr Ruhe und etwas Zeit allein am Grab zu lassen. 

Als wir dann wieder aufbrechen, da erzählt sie mir die Geschichte. 

Sie war gerade 17 und schwanger. Wusste nicht viel vom Kinderkriegen, von Wehen usw. So konnte sie in ein Nacht nicht schlafen, hatte Rückenschmerzen. Sie traute sich nicht, sich bei ihrer Schwiegermutter zu melden mitten in der Nacht. Ihr Mann war nicht zuhause gewesen. Als sie Licht im Zimmer der Schwiegermutter sah, ging sie zu ihr und erzählte von ihren Schmerzen und ihrer Schlaflosigkeit. Diese entschied, ins Krankenhaus zu gehen. Dort wurde ihr dann von der Hebamme gesagt, dass sie schon unter Geburt war. Sie war Anfang siebten Monats.

Sie fuhren nun über die schlechte Straße bis in die Nachbarstadt. Dort angekommen durfte sie keiner in den Geburtssaal begleiten. Keiner. Sie als junges Mädchen, ein Herz voller Angst und Ungewissheit, in der Erwartung, ein totes Kind zur Welt zu bringen, musste ganz allein das alles durchmachen. Mein eigenes Herz schmerzt, wenn ich daran denke, wie herzlos das war. Sie hatte Angst, solche Angst, erzählt sie mir. Und ihre Augen füllen sich mit Tränen. 

Das Kind, ein kleines hübsches Mädchen wurde geboren. Und es schrie. Wie alle normalen Kinder schreien. Ein kleines Wunder. Es hat die Geburt überlebt! 
Sofort kam es in einen Inkubator. Meine Freundin sollte es nie halten dürfen. 
Keiner hätte gedacht, dass es leben würde. Doch die kleine machte es tapfer. Tag für Tag stieg die Hoffnung, dass sie es schaffen würde. 

Doch in einer Nacht, als meine Freundin nach ihr sehen wollte, da wurde sie von der Schwester gefragt: „Bist du die Mutter von dem Abort?“ (Allein die Mutter eines Kindes, das lebendig geboren ist, so zu nennen, macht mich wütend.)
„Dein Kind ist gestorben.“

Sie war allein. Ganz allein. Und es ging ihr so schlecht. Sie fühlte sich so verloren. So traurig. Mit wenig Mitgefühl an der Seite und mit keiner vertrauten Person als sie diese niederschmetternde Nachricht hörte. Sie musste nun rausgehen zum Wachmann an das Tor, um diesen zu bitten, mit ihrem Mann telefonieren zu können. 

Wenig später kamen dann alle. Ein Tag später war die kleine tapfere Armela beerdigt. Meine Freundin musste dann noch viele Monate liegen, da es anscheinend Komplikationen mit ihrer Gebärmutter gab oder was auch immer.

Als sie es mir so erzählt, die Geschichte der kleinen Armela, da steigen in mir unterschiedliche Gefühle hoch. Ich stell mir meine Freundin als junges Mädchen vor, selber noch ein Kind. Und dann passiert so etwas. An so vielen Stellen war sie allein. Als die Wehen begannen war sie allein. Als sie das Kind gebar, war sie allein, ohne vertraute Hand an ihrer Seite. Als sie die Nachricht vom Tod des Kindes bekam, war sie allein. Als sie in die Nacht lief, um ihren Mann zu informieren, war sie allein.
Wie gerne wäre ich ihr da beigestanden. Hätte ihre Hand gehalten und sie getröstet.

Doch jetzt, 15 Jahre nach all dem, da bricht es wieder in ihr hervor. Ich weiß nicht, ob sie je mit jemanden so darüber geredet hat. Ob sie je Raum hatte, ihre Trauer zu verarbeiten, mit einer verständnisvollen Person an ihrer Seite. Die Gefühle, die sie damals hatte, die kamen wieder hoch. Das junge Mädchen war plötzlich wieder da. Und die Erinnerung an ihre erste Tochter. 

Nach all dem dem bekam sie zwei gesunde Töchter und zwei Söhne. Der jüngste, so at wie Livia, weiß nichts von seiner dritten Schwester. Er sei noch zu klein dafür. 

Ich bete und hoffe sehr, dass Jesus ihr in all ihrem Schmerz begegnet. 
Wieviel Schmerz überhaupt liegt wohl in den Herzen der Frauen hier begraben. Das frage ich mich und ich bin traurig bei diesem Gedanken... 

Was mir mein Tagebuch vor Augen hielt

Vor ein paar Tagen blätterte ich in meinem Tagebuch vom letzten Jahr. Gerade bin ich wieder in dieser Zeit, in der ich bewusst Abschied nehmen muss von den warmen und hellen Tagen, Tagen voller Licht und freudigen Kinderstimmen auf der Straße. Die Tage werden kürzer und dunkler, der große Berg hinter unserem Haus verfärbt sich wieder und wird bald in braun dastehen und es wird ungemütlich kalt in der Wohnung. Eine Zeit die zugegebener Weise nicht so einfach ist. 

Naja, jedenfalls wollte ich sehen, welche Gedanken ich letztes Jahr hatte und was mir half. Dabei stieß ich allerdings auf etwas anderes. Etwas, das mich sehr ermutigt hat und mir gleichzeitig auch die Augen geöffnet hat.

Ich schrieb so ungefähr vor einem Jahr, dass ich mir Sorgen mache um Gideon, weil er keine Jungs zum spielen hat. Damals spielten unsere Kinder fast ausschließlich mit den beiden Nachbarmädels. Jetzt, ein Jahr später, kommen Jungs aus unserem Viertel zum Tor und rufen nach Gideon. Oder die beiden Nachbarjungs rufen herüber und wollen mit Gideon spielen. Jetzt kann ich Gideon kaum bremsen, raus zu gehen zu seinen Freunden. Jetzt spielt er Ball auf der Straße, fährt begeistert Fahrrad und zieht mit den Jungs um die Häuser. Das wäre letztes Jahr noch nicht denkbar gewesen. Dass er sogar allein mit den Nachbarskindern in die Schule hier gehen wird, das war unvorstellbar für mich. Damals, vor gerade mal einem Jahr. 

Irgendwie hat mir das die Augen geöffnet. Es hat mich zum einen dankbar gemacht. Dankbar dafür, dass Gott meine Gebete hört. Dass er meine Ängste und Sorgen sieht und sie zu seiner Zeit beantwortet und zunichte macht. 

Als ich gestern mit der Mutter von Gideon’s bestem Freund, seinem Nachbarn, sprach, wurde mir erst bewusst, was Gott getan hat: eigentlich wäre der Juri schon letztes Jahr in die Schule gekommen. Doch sein Geburtstag wurde zu spät registriert (er ist im August geboren, wurde aber erst im April registriert) und darum musste er noch ein Jahr mit der Einschulung warten. Ein Jahr warten hieß, dass er nun zusammen mit Gideon gehen kann. Es heißt, dass Gideon seinen besten Freund an seiner Seite hat, wenn er in die Schule geht. Wie gnädig von Gott! Gott selbst denkt an meine Kinder und kümmert sich um sie! Schon vor sieben Jahren dachte er an uns und daran, dass Gideon einen Freund brauchen wird und ließ seine Eltern diesen „Fehler“ begehen. (So stell ich mir das jedenfalls vor. 😉

Auch wurde mir einmal mehr die Augen geöffnet für mein menschliches Herz, das leider immer noch nicht genug auf den Herrn vertraut. Warum? Damals machte ich mir Sorgen, dass Gideon zu wenig Freunde hat. Jetzt hat er viele und er ist unterwegs mit ihnen und eine neue Sorge macht sich breit: machen sie auch keine Dummheiten? Ist er sicher? Was machen sie, wenn ich sie nicht sehe? Es ist wohl der typische Loslassprozess, den jede Mutter durchlaufen muss. Das Kind wird immer mehr selbstständig und löst sich rein äußerlich auch immer weiter von zu Hause. Und schon beginnen neue Gedanken und Sorgen. Das ist alles so plötzlich passiert und ich muss da erst hinterher kommen. 

Sorgen werden immer wieder neue aufkommen, was unsere Kinder anbelangt. Die alten werden durch neue ersetzt. Es wird wohl nie eine Zeit geben, in der ich sagen werde: alles ist in bester Ordnung mit meinen vier Kindern. Auf der einen Seite erschreckt mich dieser Gedanke. Auf der anderen Seite treibt er mich näher zu Jesus. Denn der einzige Ausweg ist dieser: 
            

Du aber, Rahel, vertrau auf den Herrn und tu Gutes! (Psalm 37,3)

Ich kann mich nur zu dem Herrn flüchten und wissen:  Er kümmert sich um meine Kinder (und um alles andere) und ich darf ruhig sein. Ich weiß, dass ich dieses Vertrauen, gerade in Bezug auf meine Kinder, mehr und mehr lernen muss. Die abgeben an Gott, wissen, dass meine Kinder nicht mir gehören, dass Gott sie in seinen liebenden Händen hält, dass er sie liebt und mir und ihnen helfen wird. All das muss sich tief in meinem Herzen verankern.

Vor einem Jahr schrieb ich einen Artikel von einer Frau die sagte, im Rückblick auf ihre Erziehung würde sie sagen, dass sie Gott hätte mehr vertrauen sollen, weil er vertrauenswürdig ist. Er hat sich über die Jahrtausende als solcher erwiesen, er wird es auch in meinem und im Leben meiner Kinder sein! 

Und ebenso kümmert er sich um dich und um all deine Sorgen im Moment. Vertraue auf ihn!

In Freude leben - auch nach fünf Jahren

Ich erinnere mich noch an das erste Gespräch mit unserer damaligen Teamleiterin hier, als wir gerade frisch in unserer Stadt angekommen sind. Sie malte ein Bild von einem Baum und meinte, wir müssen nun unsere Wurzeln hier schlagen und uns in der Kultur und mit den Menschen hier verwurzeln. - nach nun genau fünf Jahren ist dies schon in guter Weise geschehen, wie ich finde.

Und dann sagte sie noch, dass unsere wichtigste und entscheidende Aufgabe hier sein wird, in der Freude in dieser Stadt zu leben. Die Freude nicht zu verlieren. Die Freude. 

In diesen Tagen dachte ich immer wieder an diese Worte. Anscheinend ist es eine besondere Herausforderung das hier tun zu können. In der Freude leben. Das soll das große Zeugnis sein. Ich bin so froh und dankbar, dass wir nun nach fünf Jahren Dienst hier noch nicht bitter sind, nicht entmutigt und erschöpft (das natürlich schon immer wieder punktuell...). Die meiste Zeit dürfen wir hier Freude erleben, und Dankbarkeit für das, was wir hier haben. 
Dazu kamen mir Worte von Ann Voskamp in den Sinn:

“Freude erlangen wir nur, indem wir nach Innen schauen und lernen zu genießen, was das Leben bereithält. Dazu müssen wir die Gier in Dankbarkeit verwandeln. ...

Du kannst Freude in jedem Moment haben, in dem du die versteckte Gier nach Mehr verwandelst in Dankbarkeit für das hier und jetzt. Das Gefängnis ist nicht mehr, du kannst befreit werden durch Dankbarkeit.

Freude handelt nicht von dem, was wir in unserem Leben alles haben – sondern wie sehr wir unser Leben genießen. Freude wird niemals erschaffen, indem wir mehr haben. Freude wird immer dann erschaffen, wenn wir mehr genießen. Mehr Christus, mehr Jetzt, mehr Gnade.”

Freude habe ich nicht dann, wenn ich viel habe, oder andere Dinge habe als ich gerade habe, sondern nur dann, wenn ich mehr genieße, wenn ich mehr dankbar bin, wenn ich zufrieden bin, da, wo Gott mich hingestellt hat. Und Gott hat uns hier her gestellt. Auch nach fünf Jahren Albanien sind wir dankbar, vielleicht noch viel mehr als zuvor.

Nach fünf Jahren Albanien kann ich sagen, dass ich mehr Gnade erlebt habe als je zuvor. In allen Herausforderungen und Zeiten, in denen es schwer war, in denen ich im Nebel saß, traurig war, verzweifelt und einsam, gerade in diesen Zeiten durfte ich wirklich erleben, dass ich nur aus seiner Gnade und mit seiner Kraft hier leben kann. Und nicht irgendwie, sondern mit Freude!

Es soll dem HERRN zum Ruhm geschehen

Vor 5 Jahren, am 06.Oktober 2013, fand der Aussendungsgottesdienst in unserer Gemeinde statt. Ziel des Gottesdienstes war, uns für den Dienst zu segnen und uns im Segen Gottes nach Albanien auszusenden. 

Als Aussendungsvers wählten wir den Text aus Jesaja 55,12-13. 

Denn ihr sollt in Freuden ausziehen und im Frieden geleitet werden. [...] Und dem HERRN soll es zum Ruhm geschehen und zum ewigen Zeichen, das nicht vergehen wird.

Während des Gottesdienstes konnte ich in einem kurzen Beitrag in Worte fassen, was uns wichtig war, bevor wir ausreisten. Was ich damals sagte, würde ich heute noch genauso formulieren. 

Welche Worte ich damals wählte, kannst du in diesem Video sehen. 

Gedanken zum Einstieg ins Leben hier

Nun sind wir wieder zurück in unserer Stadt in Albanien. 
Nach 11 Wochen in Deutschland war und ist es schon wieder eine Umstellung, hier zu sein. Es hat sich nicht viel verändert hier, aber in unserer Familie hat sich einiges getan.

Da ist unser kleiner Henry. Da sind nun vier Kinder. Da ist Gideon, der in die Schule geht. Ein Schulkind! Livia, die allein in den Kindergarten geht. Da bin ich, eine Mama von vier Kindern, stillend, müder als sonst, innerlich am Ringen, diese andere Kultur wieder voll und ganz zu lieben und mit Freude in ihr zu leben.

Seit unserer Ankunft ist einiges passiert. Unser kleiner Nachbarjunge, Jürgen, mit dem Gideon viel spielt und mit dem er auch in die Schule gehen sollte, hatte am Samstag einen Unfall mit dem Fahrrad. Wie den ganzen Sommer über, haben viele Kinder auf der Straße gespielt. Jürgen lieh sich das größere Fahrrad eines Freundes aus und wusste nicht, dass die Bremsen nicht richtig funktionieren. Ein Auto kam schnell gefahren und Jürgen stürzte auf sein Gesicht. Er musste sofort in die Nachbarstadt ins Krankenhaus und war dort auch zwei Tage. Die erste Woche Schule verpasste er. 
Sein Gesicht war sehr geschwollen, mit Blutergüssen und einer verbogenen Nase. 

Unsere andere Nachbarin, Mama von drei kleinen Kindern, musste auch ganz überraschend ins Krankenhaus nach Tirana wegen einer Infektion im Mund. Sie ist nun auch schon eine Woche weg. Das gab es noch nie. Die Kindern sind nun mit ihrer Oma allein. Das älteste Mädchen, auch eine Erstklässlerin, geht seither mit Gideon zusammen zur Schule.

Naja, wir sind wieder mitten drin im Leben hier. Und damit auch im Leiden der Menschen. 
Aber ich bin so froh, dass ich mit Jesus hier bin und er mir alles geben wird, was ich brauche, um hier zu seiner Ehre zu leben!


So kümmert sich Gott um die kleinen Dinge...

Vor ein paar Tagen ist mir bewusst geworden, dass ich dieses Jahr eigentlich gar keine Schokoladen-Eier oder ähnliches zu Ostern für die Kinder habe. Nun, das ist ja auch kein Problem und ich sage auch überhaupt nicht, dass man das bräuchte. Doch mal bissle was im Garten verstecken ist halt schon was nettes.

Heute dann kam ein Päckchen von einer Frau, die wir gar nicht kennen. Und stellt euch vor, was darin war: seht selbst auf dem Foto!

Ich bin so begeistert, wie sich Gott um uns kümmert und eine Frau, die wir gar nicht kennen, beauftragt, uns eine Freude zu machen und das noch genau vor Ostern.
Nicht, dass Ostern durch die Sachen schöner wird. Ganz und gar nicht. Viel mehr freue ich mich über diese Frau und ihr Herz für uns, obwohl sie uns nicht kennt und noch mehr freue ich mich über meinen Gott und sein Herz für uns!

Liebe Ariane, wenn du das liest: Ein großes Danke an dich! Du warst ein Bote für Gottes Liebe und Fürsorge in diesen kleinen Dingen für uns!

"Hoffentlich wird es ein Junge."

Ich bin nun in der 24. Schwangerschaftswoche und natürlich ist mein Bäuchlein nun nicht mehr zu verstecken. Menschen hier freuen und wundern sich zugleich, dass wir noch ein viertes Kind bekommen. „Du bist ja wie wir Albaner“, heißt es dann so manchmal. Ich sage dann, dass wir uns bewusst dafür entschieden haben und Kinder ein Segen Gottes sind und wir uns sehr darauf freuen. Der nächste Kommentar dann ist meistens: „Hoffentlich wird es ein Junge.“ - das sagen sie auch ohne zu wissen, dass wir schon einen Jungen und zwei Mädchen haben. (Die „perfekte“ Familie wäre doch zwei mit zwei...)

Nun, was soll ich dazu sagen? Ich sage, dass das nicht wir, sondern Gott entscheidet. Und dass das auch gut so ist, sonst gäbe es in Albanien ja kaum noch Mädchen.
„Ja, ja, natürlich, Hauptsache gesund.“ kommt dann die schnelle und etwas verlegene Antwort. Manchmal möchte ich sagen: „Ja, und auch wenn es nicht gesund ist, ist es ein Geschenk Gottes!“

Als wir zuletzt einen Ultraschall machten, sah es nun mehr nach einem Mädchen aus. Wir freuen uns auch von ganzem Herzen darüber. Natürlich! Aber ehrlich gesagt fürchtete ich etwas die Kommentare der Albaner. Und mehr noch, hatte ich einfach keine Lust über blöde Bemerkungen oder Blicke, die das Leben von Mädchen herabsetzen. Irgendwann reicht einem das.

Im Moment fühle ich mich dabei wie eine Botschafterin für das Leben von Mädchen. Wenn nun Leute fragen, ob wir schon wissen, was es ist, dann sage ich frei heraus, dass es mehr nach Mädchen aussieht und wir uns freuen. Besonders laut sage ich es, wenn Mädchen im Raum sind. Wie müssen die sich nur fühlen, wenn immer nur ein Junge gewünscht wird und die Nachricht, dass es ein Mädchen ist, eine Schlechte ist.

Unsere Nachbarin von unten versuchte mir einmal zu erklären, warum man sich mehr einen Jungen wünscht. Das Leben eines Mädchens und später einer Frau ist so viel mehr von Leiden geprägt, wie das eines Jungen oder Mannes. Das wünscht sich doch keiner für sein Kind. Ich versuchte, mich in diesen Gedanken hineinzuversetzen. Wir können das ja so gar nicht verstehen. Bei uns haben alle die gleichen Chancen, ob Mädchen oder Junge. Aus Angst vor einem leidvollen Leben kein Mädchen zu wollen?

In gewisser Weise kann ich es nachvollziehen. Ja, ich denke auch, dass das Leben der Frauen auf jeden Fall mehr von Arbeit und oft auch Verantwortung tragen etc. geprägt ist. Wenn sie mit einem „schlechten“ Mann verheiratet wird, evtl. noch mit einer schwierigen Schwiegermutter zusammenlebt, dann kann das Leben echt sehr hart werden. Kindererziehung, Hausarbeit, Arbeit im Garten oder auf dem Feld, auch oft sehr schwere Arbeit, ist Aufgabe der Frau. Der Mann sitzt oft genug den ganzen Tag nur irgendwo im Café... Ich empfinde es oft als eine sehr ungerechte Welt...

Ich weiß auch, dass es noch so einige andere Gründe gibt, warum man einen Jungen braucht. Er wird z.B. die Eltern später aufnehmen und für sie sorgen. Töchter werden in andere Familien verheiratet.

Ich denke, Gott hat seinen Plan, wenn wir in Albanien unser drittes Mädchen bekommen (wenn es ein Mädchen ist :). Und ich will voller Stolz dazu stehen und „aller Welt“ bezeugen, dass das Leben von Mädchen genauso wertvoll ist, wie von Jungen.

[Anmerkung: Was ich hier schreibe, trifft für unsere Gegend zu. Nicht in ganz Albanien herrscht mehr dieses ausgeprägte Denken, dass Jungen mehr Wert sind wie Mädchen, oder das jedenfalls so vermittelt wird. Und auch nicht jeder in unserer Gegend denkt so. Aber doch der größte Teil und so begegnet es mir hier immer und immer wieder...]

5 Gründe warum wir uns für ein weiteres Kind entschieden haben

Ich weiß nicht, ob du es schon mitbekommen hast, aber wir erwarten im Juli unser viertes Kind. Es war eine bewusste Entscheidung dafür. Wir wollten schon immer vier Kinder haben. Doch nachdem ich die Diagnose MS erhielt und das Leben in der Mission nicht einfach ist, hatten wir uns schon mit dem Gedanken angefreundet, dass es bei drei Kindern bleiben wird.

Doch letztes Jahr im Herbst tat Gott etwas in uns, vor allem in Rahel. Irgendwie fühlte sie, dass unsere Familie noch nicht vollständig ist. Einen tiefen Frieden erlangte sie dann dadurch, dass Gott ihr zwei Bibelstellen gab, direkt nachdem sie um Bestätigung gebeten hatte. (Rahel schreibt selbst hier darüber)

Nachdem Rahel ein Ja zu einem vierten Kind hatte, wollte ich mich diesem Wunsch natürlich nicht verschließen.

Wobei es menschlich gesehen einige Gründe gäbe, diesen Schritt nicht zu gehen. Und vielleicht hat sich auch schon der eine oder andere unserer Freunde die positive Frage gestellt: “Wie können die nur so mutig sein?” oder eher im negativen Sinne: “Wie können die sich sowas nur zumuten?”

Wie auch immer. In den folgenden 5 Punkten will ich kurz auflisten, warum wir uns für ein 4. Kind entschieden haben. Dadurch will ich auf keinen Fall den Eindruck erwecken, jeder sollte es so machen und erst recht nicht will ich mich erheben über andere, die für sich eine andere Entscheidung getroffen haben. Es waren einfach Punkte, die uns zu unserer Entscheidung bewegt haben.

1. Gott ist treu.

Gott, der Vater und Jesus Christus, der Sohn Gottes, und der Heilige Geist sind der lebendige Gott, dem wir unser Leben anvertraut haben, auch unsere Familie. Vor 10 Jahren hat Gott uns zusammengeführt. Er hat uns begleitet auf allen unseren Wegen. Vor allem im Umgang mit der Diagnose MS fanden wir Halt in unserem Glauben an Gott. Auch in unseren 5 Jahren Leben in der Mission haben wir die Treue unseres Gottes immer wieder erlebt.

Es gibt für uns also keinen Grund, daran zu zweifeln, dass dieser Gott auch mit uns geht in ein Familienleben mit vier Kindern und sehr vielen Ungewissheiten. Doch mal ehrlich: das Leben eines jeden von uns ist von "Unsicherheiten" geprägt. Wer weiß schon, was morgen ist? Eines ist gewiss: Gott ist treu und er geht mit.

2. Wir gehen diesen Glaubensschritt.

Trotz des eben gesagten, ist es dennoch ein nicht zu kleiner Glaubensschritt, den wir mit diesem 4. Kind gehen. Vor allem in Anbetracht meiner Erkrankung, mit der man nicht weiß, wie sie sich entwickeln wird. Eine relevante Frage ist zum Beispiel: Wie lange kann ich noch arbeiten und für meine Familie sorgen?

Doch alle Fragen und Sorgen muss ich im Glauben an meinem Herrn abgeben.
Am Ende geht es mir wie allen Familienvätern. Sie leben im Glauben und wissen nicht was kommt. Der eine Vater bleibt gesund und stark sein Leben lang, der andere Vater stirbt schon früh und lässt seine Frau allein mit den Kindern. Wir wissen alle nicht, was kommen wird. Wir leben im Glauben.

3. Wir wollen gehorsam sein.

Gott gab dem ersten Ehepaar auf Erden den Auftrag: “Seid fruchtbar und mehret euch.” Wir glauben, dass dieser Auftrag auch uns gilt und dass wir darauf reagieren müssen. Natürlich sieht das sicher für jede Familie anders aus. Für uns war es eines der Puzzlesteine, das zu dieser Entscheidung führte. Gott als Schöpfer hat ein großes Ja zu Kindern.

Diesem großem Gehorsamsschritt müssen dann natürlich viele weitere kleine Schritte folgen, die von uns als Eltern die täglich neue Selbstverleugnung und den ständigen Dienst an unseren Kindern fordern.

4. Kinder sind ein Segen.

Daran wollen wir festhalten, auch wenn es Tage gibt, an denen man einfach nur verzweifeln kann. Vor allem dann, wenn die Kinder mal wieder sehr herausfordernd sind und einem alles über den Kopf wächst. Doch ungeachtet von all dem Stress, den das Familienleben so mitbringt, sind Kinder ein Segen. Sie erfreuen das Elternherz und es gibt nichts Schöneres als zu sehen, wie aus kleinen hilflosen Babys Kinder heranwachsen. Kinder, die einzigartig sind in ihren Charaktereigenschaften. Kinder, die man prägen kann und die dann hoffentlich eines Tages selbst Segensbringer sein werden, in einer Welt, die sich abgewandt hat von Gott. 

5. Eine größere Familie ist schöner.

Vielleicht ist diese Wahrnehmung darin begründet, weil Rahel und ich jeweils mit 4 Geschwistern aufgewachsen sind. Aber es gibt für uns nichts schöneres als viele Geschwister zu haben, mit denen man Freud und Leid teilen kann. Viele Kinder zu haben bedeutet dann nämlich normalerweise auch, viele Enkel zu haben. Wenn ich meine kleinen Kinder anschaue, denke ich gerne an den Tag, an dem sie erwachsen sind und einen Partner haben, mit dem sie wiederum Kinder haben. Und ich denke dann daran, wie wir alle zusammen sind, und wir als Eltern uns einfach freuen über den Reichtum, den eine große Familie für uns bedeutet.

Wir sind gespannt, was für eine Geschichte Gott mit uns und den Kindern schreiben wird. Mit aller Zuversicht gehen wir in dieses Abenteuer und wir sind uns ganz sicher, dass es gut werden wird. 

Wie Gott mich zum vierten Kind ermutigt hat

Wir saßen gemeinsam am Strand. Danny und ich hatten zwei Tage zu zweit ohne Kinder. Ein besonderes Geschenk unserer Teamfrauen an uns. Wir genossen die Ruhe, die Zeit zum ungestörten reden, viel lesen und einfach zu tun, was man möchte.

Auf dem Heimweg machten wir noch einen kleinen Abstecher zum Meer. Albanien hat ja eine lange Küste, auch wenn wir von der leider nicht so viel mitbekommen, wie ich gerne würde. Ich liebe das Meer.

Ich lag so in der Spätsommer Sonne und blickte in den strahlend blauen Himmel und hörte Lobpreismusik.

Dann sah ich zu den sich brechenden Wellen und da lief ein Mann mit einem kleinen Baby auf dem Arm am Strand entlang. Es war ein wunderschönes Bild. Zumal hier in Albanien.

Dann sprach ich aus, was schon länger in mir rumorte: "Vielleicht sollen wir auch noch ein Kind bekommen?"

Ich erschrak fast selber über meine mutigen Worte. Danny reagierte gelassen. Aber in keiner Weise abweisend oder: "Nein, das kann ich mir ganz und gar nicht vorstellen." Gleich kamen mir manchen Dinge in den Sinn, die sich mit einem vierten Kind ändern, z.B. braucht man ein größeres Auto. Menschliche Gedanken.

Wir waren uns schnell einig, dass wir uns eine klare Antwort von Gott erwünschten. Vor allem ich wollte Gott ganz bewusst fragen, ob es sein Wille für uns ist. Dass er mir in meinem Herzen die Antwort so schnell geben würde, hätte ich nicht gedacht.

Noch an diesem Strand las ich "zufällig" zwei Stellen, die ich noch nie so gelesen hatte in meiner kleinen NGÜ. Einmal war es aus Psalm 116 der Vers 16:

"O Herr, ich bin doch dein Diener! Ja, dein Diener bin ich, und bereits meine Mutter hat dir treu gedient."

Und dann direkt darauf noch in Sprüche 31 Vers 1:

"Worte des Königs Lemuel von Massa, die seine Mutter ihn gelehrt hat."

An beiden Stellen ist so explizit von der Mutter und ihrem positiven Einfluss auf ihren Sohn die Rede. Ich möchte auch so eine Mutter sein, die ihren Kindern gutes lehrt und die sie zu Jüngern Jesu macht. Dabei kenne ich nur zu gut auch meine Fehler und Beschränkungen. Aber dennoch steht Gottes Gnade in besonderer Weise über dem Leben der Kinder von gläubigen Eltern.

Für mich sprachen diese Worte eine klare Sprache. Als ich dann auch sehr schnell schwanger wurde, war es für mich klar, dass dieses Kind noch zu uns gehört. Und dass es ein besonderes sein wird. Wie jedes andere ja auch...

Für mich ist es ein Wunder, das Gott in mir getan hat. Noch Monate zuvor hätte ich nie gedacht, noch ein Kind zu bekommen. Jetzt ist mein Herz die allermeiste Zeit voller Freude über dieses vierte Geschenk Gottes in unsere Familie.