Warum wir stolz auf Albanien sind

Wir hören hier oft, dass wir in Deutschland eine viel bessere Kultur haben. Damit meinen die Albaner hier unterschiedliche Dinge. Sicher meinen sie damit die Gerechtigkeit und Ordnung, die in unserem Land auf jeden Fall mehr herrschen, als hier. Es ist für uns schwer, darauf zu antworten. Klar, sind viele Dinge in Deutschland „besser“.

Aber eine Sache, die ich immer wieder hervor hebe, die die Albaner auszeichnet, ist ihre Gastfreundschaft, ihr sich Kümmern um einen Gast. Das zeigt sich z.B. auch darin, das ein Gast mindestens bis zum Tor begleitet wird, wenn er geht. Oft begleitet man den Gast auch noch einige Meter auf dessen Heimweg. 

Durch Zufall fand ich einen kurzen Artikel auf der Seite von Yad Vashem, der Holocaust Gedenkstätte in Israel. Dabei ging es um die Albaner und ihr Verhalten gegenüber den Juden im Zweiten Weltkrieg. Eben dieses macht mich stolz auf „unsere“ Albaner. Lest selbst diesen beeindruckenden Teil der albanischen Geschichte im zweiten Weltkrieg:


„Es gibt keine Spur von Judendiskriminierung in Albanien, denn Albanien ist heute eines der seltenen Länder in Europa, in denen es weder religiöse Vorurteile noch Hass gibt, obwohl die Albaner selbst sich aus drei verschiedenen Glaubensgruppen zusammensetzen.“ 
Herman Bernstein, der amerikanische Botschafter Albaniens, 1934

„Albanien, ein kleines, bergiges Land an der Südostküste der Balkanhalbinsel, zählte eine Bevölkerung von 803.000 Einwohnern. Darunter waren nur 200 Juden. Nachdem Hitler 1933 die Macht in Deutschland übernommen hatte, fanden viele Juden Zuflucht in Albanien. Es gibt keine genaue Angaben über deren Anzahl, aber verschiedene Quellen gelangen zu der Einschätzung, dass zwischen 600 und 1.800 jüdische Flüchtlinge aus Deutschland, Österreich, Serbien, Griechenland und Jugoslawien nach Albanien kamen, in der Hoffnung, von hier aus nach Israel oder an andere Fluchtorte zu gelangen. Nach der Besetzung Albaniens durch die Deutschen im Jahr 1943 weigerte sich die Bevölkerung Albaniens in einem außergewöhnlichen Akt, die Anweisungen der Besatzer zu befolgen und ihnen Listen mit den Namen der Juden auszuhändigen, die unter ihnen lebten. Darüber hinaus versorgten verschiedene staatliche Einrichtungen viele jüdische Familien mit gefälschten Papieren, mit denen sie sich unter die Lokalbevölkerung mischen konnten. Die Albaner schützten nicht nur ihre eigenen jüdischen Bürger, sondern gewährten auch jenen Flüchtlingen Zuflucht, die nach Albanien gekommen waren, als es noch unter italienischer Herrschaft stand, und die nun in der ständigen Gefahr lebten, in Konzentrationslager deportiert zu werden. Die bemerkenswerte Unterstützung, die den Juden entgegengebracht wurde, war begründet in dem Ehrenkodex Besa, der noch heute in Albanien als der höchste ethische Wert gilt. Besa heißt wörtlich „ein Versprechen halten“. Jemand, der nach dem Prinzip Besa handelt, ist jemand, der sein Wort hält, jemand, dem man sein eigenes Leben und das seiner Familie anvertrauen kann. Die Hilfe, die Juden und Nicht-Juden gewährt wurde, kann als Angelegenheit nationaler Ehre verstanden werden. Die Albaner scheuten keine Mühe, um zu helfen, ja sie konkurrierten sogar untereinander um das Privileg, Juden zu retten. Sie handelten aus Mitleid, menschlicher Güte und dem Bedürfnis, Menschen in Not zu helfen, sogar denen, die einen anderen Glauben oder eine andere Herkunft hatten als sie. Albanien, ein europäischer Staat mit einer muslimischen Mehrheit, brachte zuwege, woran andere europäische Länder scheiterten. Alle Juden, die während der deutschen Besatzung innerhalb der Staatsgrenzen Albaniens lebten, und zwar albanische Staatsbürger ebenso wie Flüchtlinge, wurden – bis auf einige Mitglieder einer einzigen Familie – gerettet. Es ist eine beeindruckende Tatsache, dass in Albanien am Ende des Krieges mehr Juden lebten als zuvor.“

Zahlen bekommen Gesichter

Dieser Artikel stammt von unserer Teamkollegin Alex. Sie schreibt auf dem Blog Alex4Alb.

Man bekommt viele Infos durch die Medien über Flüchtlinge, ihre Situation, ihr Leben. Was davon stimmt überhaupt oder wo werden wir von den Medien manipuliert? Dann sitzt vielleicht einer von ihnen eines Tages vor dir. Du verstehst seine Sprache nicht, denkst dir, dass er ja gar nicht so arm aussieht, wie die Kinder in Afrika, die du immer innerlich vor Augen  hast, mit aufgeblähten Bäuchen vor Hunger. Und dann ist da der Hintergedanke, dass du nachher mal nach schauen musst, ob dein Portemonnaie noch in deiner Tasche ist.

Ich möchte dir einen realistischen Eindruck geben, wie die Situation vor Ort ist, wo einige dieser Menschen her kommen, wo also die Quelle der Probleme liegt.

Die Geschichte von Agim

Ich erzähle dir die Geschichte von Agim (Name fiktiv). Jeden Tag wächst er damit auf, dass sein Vater keine Arbeit findet, dass das Geld immer knapp ist. Einen Tag kann er mal hier helfen, den anderen da. Dann wird ein neues Gebäude gebaut, dort bekommt er etwas mehr Geld. Aber davon müssen zuerst mal die Medikamente für die Oma bezahlt werden, die Schulbücher und Hefte für die Kinder, dann das Holz für den Winter, jeden Monat Strom, Wasser und Miete und dann noch das Milchpulver für den kleinen Bruder, der jetzt 2 Monate alt ist und keine Muttermilch bekommen kann.

Alle mühen sich ab

Er sieht, wie auch die Menschen, die einen normalen Job haben, sich finanziell abmühen. Alle sind immer am Limit. Sowohl die Leute, die auf dem Dorf leben und mit Obst, Gemüse, Milch, Eiern und Fleisch über die Runden kommen, als auch die Lehrerin, die eigentlich gut verdient, aber 10 Jahre lang den Kredit von ihrer Hüft-Op abbezahlen muss, weil sie ohne diese Op nicht mehr hätte laufen können. Manche schaffen es so gerade eben ihren Kindern eine Ausbildung zu finanzieren – was nützt diese, wenn sie danach keinen Job finden? Der Staat ist dabei auch keine Hilfe, eine gute Arbeit bekommst du nur, wenn du in der entsprechenden Partei bist.

Der Ausweg ins Ausland

Die einzigen, denen es gut geht, die eine gute Ausbildung machen können und die sich auch Autos oder OPs leisten können, sind die Familien, die viele Kinder im Ausland haben. In England, Deutschland, Schweiz, Frankreich, Belgien, Italien. Von dort wird alles bezahlt.

In dieser Umgebung und mit diesen Eindrücken wächst Agim auf. Als er älter wird hat er nur noch einen einzigen Wunsch: Möglichst schnell ins Ausland, um dort Geld zu verdienen, für sich und für die Familie, die hier lebt, für seine Eltern, die so hart kämpfen, für seine Geschwister, denen er ein besseres Leben wünscht.

Als ältester Sohn fühlt er diese Verantwortung auf sich. Und auch für sich selbst wünscht er sich einfach hier weg zu kommen, raus aus der depressiven Stimmung, ein besseres, einfacheres und schöneres Leben haben zu können. Das scheint der einzige Ausweg. Also verläßt er auf illegalem Wege das Land. Ca. 500-1000 Euro kostet es, um illegal nach Deutschland zu kommen. Nach England ist es teurer. Er ist eigentlich noch ein Kind und trägt eine höhere Verantwortung als viele Erwachsene.

Dort angekommen fühlt er sich sehr alleine. Der Start ist nicht einfach. Eine neue Sprache, neue Menschen, eine völlig andere Kultur. Aber einige kümmern sich wenigstens um ihn. Und besorgen ihm Geld, das er dann z.B. schon mal der Familie schicken kann. Mit ihnen dreht er ein paar harmlose Dinge, er will ja dazu gehören und das Geld ist lebensnotwendig. Und schließlich läßt man ja bei ihm zuhause auch mal 5 gerade sein, wenn man gute Kontakte hat. Irgendwann kommt er aus dieser Spirale nicht mehr raus. Dabei hatte er doch so auf ein besseres Leben gehofft.

Es muss nicht immer so sein, aber wir erleben hier, dass Zahlen, von denen man gehört hat und hört nicht nur Zahlen sind, sondern Menschen sind, mit einer individuellen Geschichte, die oft traurig macht und hoffnungslos ist.

Bitte betet für Albanien!

Wie wir den Armen helfen

Ich weiß es geht immer noch schlimmer. Aber was ich letzten Samstag sah, hat mich wirklich erschüttert. Mir war schon klar, dass viele Menschen in unserer Stadt in sehr beengten Verhältnissen leben. Aber so habe ich mir das nicht vorgestellt. Ich besuchte eine arme Familie, die in einer 2-Zimmer-Wohnung lebt.

Die Eltern leben im Schlafzimmer und die 5 Geschwister teilen sich das ca 15m große Wohnzimmer. Die älteren Schwestern sind schon über 20. Ein Junge ist 18, und das jüngste Mädchen und der kleine Junge sind 14 und 12.

Zu diesen schwierigen räumlichen Bedingungen kommt hinzu, dass die Familie keinen Kühlschrank und keine Küche hat. In der Nische des Wohnzimmers (ca. 1,70m x 1,70) wo eigentlich eine Küche stehen sollte sah ich bei meinem Besuch zwei Plastikstühle und zwei Kochplatten auf einer Getränkekiste. Das war alles. Auf der einen Seite wollte ich laut loslachen, auf der anderen Seite kamen mir die Tränen, weil ich berührt war von den armen Verhältnissen, in denen diese Familie seit vielen Jahren lebt.

Was mir jedoch am meisten auffiel war der fehlende Ofen. Meine Füße waren kalt und ich saß mit warmer Winterjacke in dem Wohnzimmer. Ich fragte: Was macht ihr, wenn es richtig kalt wird? Und die Antwort war: Dann sitzen wir hier in Decken eingehüllt.

Diese Familie ist zu arm um sich einen Ofen zu kaufen. Nachdem der letzte Ofen ausgedient hatte, gab es kein Geld für einen Neuen. Wo soll auch das Geld herkommen, wenn der Familienvater arbeitslos ist und die Sozialhilfe 35-50 Euro beträgt.

Dabei ist solch ein Ofen hier im Winter auf zweifache Weise von Vorteil. Er dient gleichzeitig als Wärmequelle und als Kochstelle. Das Brot, das fast täglich in den Häusern gebacken wird, kommt auch in den Ofen. Dadurch sparen sich die Menschen die hohen Stromkosten durch einen Elektro-Ofen.

Am Ende des Besuchs stellte mir die jüngste Tochter dann die Frage, ob wir nicht mit einem Ofen aushelfen können. Ich versprach zu schauen, was ich tun kann. Gestern war ich in der Nachbarstadt und fand einen günstigen, neuen Ofen für 90 Euro. Diesen brachte ich dann gleich zu der Familie.

ofenAls sie mich einluden mich zu setzen, nahm ich die Einladung gerne an. Ich wollte sehen, wie die ganze Familie sich darum bemühte, dieses langersehnte, wärmende Feuer anzumachen. Die Holzpalette auf der der Ofen gelagert war lieferte gleich gutes Brennholz und es dauerte nicht lange, da wurde es zum ersten Mal seit langer Zeit wieder warm in dieser Wohnung.

Natürlich wünsche ich mir, dass diese praktische Hilfe die Herzen dieser Familie berührt und sie offen werden für das Evangelium.

Am Ende bleiben natürlich Fragen: Wie helfen wir den Armen am besten? Wieviel Verantwortung tragen die Menschen selber? Was ist wenn Menschen selber Schuld sind an ihrer Armut?

Diese Fragen rückten aber zuletzt in den Hintergrund, als ich auf folgenden Vers stieß:

Wer sich des Armen erbarmt, der leiht dem HERRN, und der wird ihm vergelten, was er Gutes getan hat. Spr 19,17

Gestern konnte ich deswegen ohne irgendwelche Zweifel und Unsicherheit diesen Ofen kaufen, um ihn der Familie zu bringen.

Der vernachlässigte positive Aspekt der Flüchtlingskrise

Manchmal kann ich mich nur noch aufregen darüber, dass die Albaner in Scharen nach Deutschland gehen. Wenn ich an die schwierige Lage in den Kommunen denke, dann frage ich mich, wohin das alles noch führen soll.

Wenn ich an die Lüge denke, die hier unter den Albanern verbreitet ist: “Ihr Deutschen habt doch gesagt, wir sollen alle kommen”, dann frage ich mich, wie sich solch ein Gerücht verbreiten konnte.

Leider vergesse ich Gott in dem Ganzen. Ich beachte nicht, dass er trotz allem immer noch alles unter Kontrolle hat. Ich bin beunruhigt, ärgerlich und machtlos.

Doch mein Gott ist nicht machtlos. Er regiert und er weiß schon längst, wie viele Flüchtlinge noch kommen werden. Kann es vielleicht sogar sein, dass hinter dem irdischen Verlangen der Menschen, Gott steht, der die Herzen der Menschen lenkt?

Er lenkt Ihnen allen das Herz und gibt acht auf alle ihre Werke. Psalm 33

Weil Gott Gott ist und weil sein Plan vollendet werden wird, will ich ruhig werden und mich auf das konzentrieren, was Gott wirken will.

Eines steht fest: Gott hat sein Ziel mit den 650.000 Menschen, die dieses Jahr nach Deutschland kommen, um dort Asyl zu suchen.

Nur der allergeringste Teil dieser Menschen kennt Gott. Die meisten Flüchtlinge kommen aus Ländern, die islamisch geprägt sind. In ihren Ländern hatten diese Menschen bislang nie die Chance, von Gott, dem Vater und seinem Sohn Jesus Christus zu hören. Nie stellte sich ihnen die Frage, ob ihre Glaube der Weg zu Gott ist, oder ob es vielleicht einen anderen Weg zu Gott gibt.

Doch jetzt sendet Gott die Menschen nach Deutschland. Die einen kommen aus einem Land voller Krieg und Terror, wie Syrien, Irak oder Afghanistan. Die anderen kommen aus Ländern wie Albanien und Kosovo, in denen Korruption und Armut die Menschen mürbe gemacht hat.

Was auch immer die Menschen zuvor erlebt haben: Es sind zerbrochene Menschen auf der Suche nach Hoffnung.

Hoffnung auf ein sicheres Leben. Hoffnung auf ein besseres Leben.

Herausgerissen aus dem Elend ihres Herkunftslandes kommen die Menschen nach Deutschland. Sie sind hilflos, bedürftig und abhängig von der Freundlichkeit und Güte der Menschen in Deutschland.

Und genau in dieser notvollen Situation möchte Gott den Menschen begegnen. Er möchte ihnen seine Liebe zeigen. Er möchte ihnen dienen und ihnen Hoffnung geben. Er möchte ihnen zeigen, dass er sich um sie kümmert.

Doch wie will Gott das tun?

Er will es durch seine Kinder tun. Wir sind berufen hin zu gehen und den Menschen die Liebe Gottes zu bringen in Wort und Tat. Zerbrochene Menschen auf der Suche nach Hoffnung sind viel offener für das Reden und Wirken Gottes.

Die Zeit ist jetzt da, dass Kinder Gottes sich auf den Weg machen. Ungeachtet der Barrieren von Sprache und Kultur. Es ist Zeit, dass wir die Menschen in ihren Flüchtlingsheime besuchen und den ihnen zeigen, dass wir für sie da sind und dass wir eine Hoffnung anzubieten haben, die über die Hoffnung auf ein besseres Leben hinaus geht.

Wir haben eine Hoffnung, die unabhängig ist von der Staatsangehörigkeit.
Wir haben eine Hoffnung, die sich nicht richtet nach dem, was man materiell besitzt.
Wir haben eine Hoffnung, die selbst in der hoffnungslosesten Situation trägt und besteht.

Wir haben eine Hoffnung, die einen Namen hat: JESUS.

Auf Ihn warten all die Flüchtlinge, ohne es zu wissen. Nur müssen wir hingehen, um Ihn unter ihnen bekannt zu machen. Gehst du mit?

Vom Schmerz der Zurückgebliebenen

Seit letzte Woche die gesamte Familie von Rrushes Bruder ziemlich plötzlich nach Deutschland "ausgewandert" ist, begreife ich, was es für viele Menschen hier bedeutet, wenn Angehörige oder Freunde von heute auf morgen weg sind.

Ich wollte eigentlich nur kurz zu Rrushe und sie etwas fragen, doch ich kam in eine Szene, die mich zwang, trotz Termindruck zu bleiben. Da sitzt sie wie ein Häufchen Elend und weint. Neben ihr ein kleiner Junge, der ebenso herzzerreißend weint, weil Rrushe weint.

Langsam erfahre ich, dass die Frau ihres Bruders mit ihren drei Kindern nach Deutschland gegangen sind. Anscheinend war es sehr plötzlich und Rrushe konnte sich kaum richtig verabschieden. Ich weiß, dass sie sehr mit ihrer Familie verbunden ist und es scheint ihr wirklich das Herz zu brechen.

Noch mehrere Tage ist sie traurig und hat fast immer Tränen in den Augen.  Es tut mir weh sie so zu sehen. Ich weine mit ihr.

Diese armen alten Leute, die schon so viel mitgemacht haben in ihrem Leben und die nun durch diese neue Welle der Auswanderung von geliebten Familienangehörigen ins Ungewisse echt leiden. Ich kann vielleicht nur ein wenig nachempfinden, was in ihnen vorgeht. Haben sie Angst, oder einfach Trauer über den Verlust. Vielleicht auch beides und noch vieles mehr.

Aber denkt dran: hinter jedem jungen Albaner, den ihr in Deutschland trefft oder seht, steht eine Familie hier in Albanien, die trauert, die weint, die entbehrt und die liebt.

Begegnet diesen Menschen mit Achtung und Liebe. Sie verlassen viel, sie erhoffen sich viel und wissen oft gar nicht, was sie gegen das, was sie hier hatten eintauschen: eine Familie, die sie liebt!

Von asylsuchenden Albanern und meinen Gedanken dazu

“Ich packe meine Sachen und gehe mit meiner Familie so schnell wie möglich nach Deutschland, um dort Asyl zu beantragen,” sagte mein Friseur mir heute morgen, während er mir die Haare schnitt.

Ich sagte nur: “Bloß nicht. Das bringt nichts.”

Dieses Gespräch war nur die Spitze von verschiedenen Gesprächen und Infos die mich in den letzten Tagen erreicht haben. Die letzte Nacht konnte ich kaum schlafen, weil mir diese Thematik so nahe geht.

Albaner gehen in Scharen nach Deutschland um dort Asyl zu beantragen. 

Sie wollen damit der wirtschaftlichen Hoffnungslosigkeit entfliehen, unter der hier die allermeisten Menschen leiden.

Das weit verbreitete Gerücht

Die Statistik des Bundesamt für Migration und Flüchtlinge führt deutliche Zahlen auf, die genau dem entsprechen, was wir immer wieder gehört haben. Mit einer wehenden Hand haben mir Gesprächspartner immer wieder verdeutlicht, wie viele Menschen schon nach Deutschland gegangen sind.
Bildschirmfoto von ScreenFloat (03.07.15 15:04:13)

Aus unserer Nachbarstadt Kukes, sind in den letzten Monaten an die 100 Familien nach Deutschland gereist. Auch ein christliches Ehepaar aus der Gemeinde dort, hat sich auf den Weg gemacht, nachdem sie ihre Arbeitsstelle gekündigt hatten.

Aus unserer Stadt Krume gehen wohl auch immer mehr Menschen. Mein Friseur sagte mir, dass in der letzten Nacht 4 Familien losgezogen seien, um Asyl in Deutschland zu suchen.

Motiviert werden die Menschen durch das Gerücht, dass man in Deutschland Asyl bekommen kann. Man bekommt sogar ein “Haus”, etwas zu Essen und ein Taschengeld. Das zumindest sind die Infos, die die Menschen aus Deutschland erreichen.

Das falsch verstandene Asylrecht

Asyl bekommen alle Menschen, die politisch verfolgt werden. Hierzu zählen natürlich vor allem Menschen aus Kriegsgebieten, wie Syrien und dem Irak. Es ist demnach gar nicht möglich, dass Menschen aus Albanien einen Asylantrag gestattet bekommen. Den Albanien gehört nach allen Kriterien zu einem sicheren Herkunftsland, auch wenn es so noch nicht deklariert ist.

Da der deutsche Staat aber jeden anhört, der einen Asylantrag stellt, werden auch die Menschen aus Albanien erstmal versorgt mit allem, was sie brauchen. Sie bekommen eine Unterkunft, Verpflegung und auch ein Taschengeld. (Hierzu las ich gestern einen interessanten Artikel.)

Möglicherweise befinden sich die meisten Albaner gerade in dieser Warteschleife, die sich im Durchschnitt 7 Monate lang hinzieht. So lange dauert die Bearbeitung eines Asylantrages. Danach bleibt abgelehnten Bewerbern nichts anderes als die Abschiebung in ihr Heimatland.

Ich sagte deswegen meinem Friseur: “Die kommen alle wieder zurück” (die 100 Familien aus der Nachbarstadt). Er sagte daraufhin: “Bis jetzt ist keiner wieder gekommen”.

Die anderen, die wirklich Hilfe nötig haben

Wenn ich mir die Statistik aus dem Monat Mai anschaue, dann ist mir ganz unwohl. Im Monat Mai haben mehr Menschen aus Albanien Asylanträge gestellt, wie aus Syrien. Wenn man sich die politischen Verhältnisse(Demokratie vs Krieg) anschaut und die Zahl der Einwohner (Albanien =2,8 Million < Syrien = 22 Millionen) dann bemerkt man, dass dies in keinem Verhältnis steht.

Ich glaube die Not von Menschen aus Kriegsgebieten wie Syrien und Irak ist so viel größer, wie die in Albanien. Durch diesen Flüchtlingsstrom aus Albanien wird es noch schwieriger Menschen zu helfen, die die Hilfe viel nötiger hätten.

Vielleicht sinkt auch die Akzeptanz für Flüchtlingshilfe in der Gesellschaft, wenn immer mehr Menschen Asylanträge in Deutschland stellen, Hilfsgelder und Mittel in Anspruch nehmen, denen diese Hilfe eigentlich gar nicht zusteht.

Mein persönliches Dilemma

Ich möchte die Situation in dem Land, in das Gott uns gerufen hat, nicht schön reden. Die Menschen in Albanien haben es nicht leicht. Vor allem hier in unserer strukturschwachen Has-Region. Viele leben buchstäblich nach dem Prinzip: “Von der Hand in den Mund”.

So sehr ich mich auch bemühe, ist es mir nicht möglich, mitzufühlen mit einem Familienvater, der ohne Arbeit seine ganze 6-köpfige Familie durchbringen muss.

Manchmal denke ich mir: “Ach Danny, du hast gut Reden. Du willst die Leute davon abhalten in ihrer Verzweiflung nach Deutschland zu gehen. Aber du wirst eines Tages einfach wieder zurück gehen.”

Ich denke mir: Was kann ich dafür, dass ich aus Deutschland komme? Was können die Menschen in Krume dafür, dass sie hier geboren wurden?

Eine befriedigende Antwort, die Gott aussen vor lässt, kann ich nicht finden. Es ist Gnade von Gott, dass ich aus einem Land komme, in dem es den Menschen so gut geht. Und es war ebenso Gottes Entscheidung über den Menschen in Krume, dass sie hier geboren wurden.

Was ich bieten kann

Als letztens Ali, ein junger Mann aus dem Fitness im Witz meinte, wir könnten doch unserer Staatsangehörigkeiten tauschen, da teilte ich ihm mit: Ich kann dir meinen Pass nicht geben, aber ich kann dir eine anderes Bürgerrecht empfehlen. Du kannst das Bürgerrecht des Himmels bekommen. Das ist viel besser.

Diese Antwort erstaunte alle Jungs, die zuhörten.

Am Ende bleibt mir nichts anderes übrig, als dafür zu arbeiten, den Menschen eine Hoffnung zu bringen, die über dieses irdische Leben hinaus geht. Eine Hoffnung, die sich nicht nach 7 Monaten Wartezeit in Deutschland in Luft auflöst. Diese Hoffnung liegt in Jesus.

Er hat ein Herz für die armen Menschen in Albanien. An der rhetorischen Frage von Jakobus wollen wir festhalten:

Hat Gott nicht gerade die, die in den Augen dieser Welt arm sind, dazu erwählt, durch den Glauben reich zu werden?

Was wir den Kindern bieten

Seit letzten Herbst haben wir damit begonnen regelmäßige Treffen für Kinder anzubieten. Diese Treffen finden Dienstag, Mittwoch und Donnerstag statt. Das Treffen am Dienstag ist für Mädels im Teenyalter, von denen sich manche auch bewusst für Jesus entschieden haben. Das Treffen am Mittwoch findet im Fitness statt. Dort kommen nur Mädchen im Alter von 6-12. Bärbel und Gilberta leiten dieses Treffen.

Am Donnerstag findet ein Treffen in unserer Küche statt. Dieses Treffen gestaltet Rahel zusammen mit Bärbel und Gilberta. Zu diesem Treffen kommen auch Jungs. Sie sind mit Begeisterung dabei.

Ziel dieser Treffen ist es, den Kindern Liebe und Annahme entgegen zu bringen. Desweiteren wollen wir mit Ihnen singen, spielen, kreativ sein und vor allem von Gott erzählen.

Da es in unser Stadt sonst kein Angebot für die Kinder gibt, ist dieses Kindertreffen für alle ein richtiges Highlight. Teilweise kommen sie schon eine halbe Stunde früher, weil sie es nicht abwarten können.

Natürlich spricht sich langsam in der Stadt herum, dass wir diese Treffen anbieten. Immerhin kommen ja bis zu 50 verschiedene Kinder in die Treffen. Diese erzählen zu Hause von dem was sie gehört und erlebt haben. Ausserdem sind die Kinder auch nicht zu überhören in der Nachbarschaft, wenn sie aus Leibskräften die immergleichen Kinderlieder schmettern.

Damit du einen kleinen Einblick bekommst in solch ein Treffen, haben wir mal ein Video erstellt vom letzten Treffen vor Ostern.

[vimeo]https://vimeo.com/124690927[/vimeo]

Wenn der Polizeichef zum Gespräch bittet

Gestern nach dem Teamtreffen stand der oberste Chef der Polizei in unserem Garten. Er wollte mit dem Leiter unserer Fondation reden. Sie suchten also nach mir. An diese neue Rolle als Leiter der Fondation muss ich mich erst noch gewöhnen.

Jetzt war ich also gefragt. Wir machten aus, dass wir uns in 15 Minuten für ein Gespräch treffen. Noli, unsere albanische Mitarbeiterin, erklärte sich bereit, bei dem Gespräch dabei zu sein. Zum abgemachten Termin kam der Polizeichef mit einem weiteren Mann in unser Fondations Haus. Der wir zur Zeit kein Büro haben, führten wir die Männer in unseren Physioraum.

Wir fragten uns, was wohl das Anliegen dieses Mannes sei? Über Ecken hatten wir schon etwas gehört. Klar war, wenn der Chef der Polizei um ein Gespräch bittet…

1. ... dann gibt es einen Grund.

Der gute Mann beschwichtigte gleich von Anfang an und machte uns klar, dass es ihm nur um eine kleine Sache ginge. Aber er wollte mit uns über folgendes reden.

Seit einigen Monaten veranstalten wir an drei Tagen in der Woche Kindertreffen. Bis zu 50 verschiedene Kinder nehmen an diesen Treffen teil und es werden immer mehr.

Um genau diese Kindertreffen ging es dem Mann. Er meinte, er habe gehört, dass an diesen Treffen Kinder teilnehmen ohne dass die Eltern das wollten. Er wolle einfach nur mal nachfragen, was hinter diesen Treffen stecke.

Es wurde deutlich, dass sich Leute aus der Stadt bei ihm gemeldet und Druck auf ihn ausgeübt. Nun tat er seine Pflicht und führte dieses Gespräch mit uns.

Noli präsentierte dem Mann unsere staatliche Genehmigung, durch die wir offiziell berechtigt sind, solche Art von Arbeit zu tun. Ganz sicher ist, dass es gewissen Menschen in unserer Stadt nicht gefällt, dass wir diese Kindertreffen anbieten, bei denen uns die Kinder die Türen einrennen.

Der Polizeichef aber war uns sehr wohlgesonnen. Er drohte uns nicht und übte auch keinerlei Druck auf uns aus.

Doch egal, wie schlecht das Gespräch verlaufen wäre, egal, wieviel Angst uns der Mann gemacht hätte.

2. ... dann gibt es nichts zu fürchten.

Natürlich waren wir zuerst erschrocken und dachten: Oh Nein, was passiert uns jetzt? Als ich die Sache jedoch nüchtern betrachtete, wurde mir klar: Ich brauche nichts zu fürchten.

Vertrauensvoll wendete ich mich vor dem Gespräch an Gott und bat ihn um seine Hilfe. Als Jesus seine Jünger aussandte, das Evangelium allen Menschen zu bringen, machte er ihnen eines klar:

Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Mt 28,16

Das bedeutet: Jesus ist der souveräne Herr und er steht auf meiner Seite.

Darüber hinaus finden wir in der Bibel immer wieder den Aufruf:

Fürchtet euch nicht.

Jesus selbst ging sogar soweit zu sagen:

Habt keine Angst vor Menschen. Das einzige was sie euch tun können ist, euch umbringen. Mt 10,28

Und Paulus sagte:

Wenn Gott für uns ist, wer kann dann gegen uns sein?

Gemessen an all den Worten der Bibel habe ich keinerlei Anlass Angst zu haben, wie groß der Widerstand auch noch werden mag.

Niemals darf ich Ängsten den Raum geben, wie: Was denken die Leute über uns? Werden sie schlecht über uns reden? Wie steht es um unser Ansehen? Was müssen wir nun befürchten?

All diese Fragen zeugen von Menschenfurcht. Wir dagegen müssen glauben, dass Gott der Herr ist auch in unserer Stadt, in der es eine Opposition gibt, gegen die geistliche Arbeit, die wir hier tun.

3. ... dann gibt es eine Gelegenheit.

Wir haben nicht alle Tage solch ein Gespräch mit dem Polizeichef und so nutzte Noli die Gelegenheit, um ganz klar und deutlich über das Evangelium von Jesus zu reden.

Zweimal erwähnte sie den wahren Gott, an den wir glauben, der in Jesus Mensch wurde, an einem Kreuz für uns starb und auferstand.

Sie erzählte von der Motivation, mit der wir unsere Arbeit tun. Wir sind hier, weil Gott uns hierher gesandt hat. Wir tun die Arbeit nicht, weil wir irgendeinen finanzielle Gewinn davon tragen.

Sie erzählte auch von ihrem Weg zu Gott, und wie sie vom muslimischen Glauben zum Glauben an Jesus Christus gekommen ist.

Welchen Eindruck die Männer nach diesem Gespräch mitnahmen, weiß ich nicht. Noli machte ganz klar, was unsere Hoffnung ist. Wir hoffen, dass es in nicht all zu langer Zeit eine Gemeinde in dieser Stadt gibt.

Der Polizist meinte nur: Das werden wir sehen.

Wenn Worte fehlen - Unsere Reaktion auf geballte Hoffnungslosigkeit

Zu Neujahr haben wir als Familie viele Besuche in unserer Nachbarschaft und bei Freunden gemacht. Dabei hatten wir zuvor sehr gebetet, dass Gott uns über die üblichen Themen hinausführen würde und wir tiefer gehen können. Wir wollten diese besondere Zeit zum Jahreswechsel nutzen, um mit den Menschen über das letzte Jahr, die Zukunft und über Gott ins Gespräch zu kommen.

Und ja, Gott hat unser Gebet erhört. Wir hatten tatsächlich solche Gespräche.

Jedes Jahr wird es schlechter...

Aber was wir so zu hören bekamen, das war hart und ließ uns erst mal verstummen.
Da ist unser Nachbar, der Bruder unseres Vermieters, der mit diesem im erbitterten Streit lebt. Er hat eine sehr hübsche, 14 Jahre jüngere Frau (meine beste Freundin hier) und vier Kinder, zwei Töchter und zwei Söhne (diese sind im Alter von unseren Kindern). Sie besitzen ein kleines Haus auf einem großen Grundstück. Er ist immer wieder unterwegs mit seinem Sharan um Taxifahrten zu machen. Dazu hat er aber keine Erlaubnis, denn diese kostet viel Geld. So hofft er auf all seinen Fahrten immer wieder, dass ihn die Polizei nicht anhält. In letzter Zeit hat er wenig Arbeit und damit wenig Geld.

Auf unsere Frage hin, was er im nächsten Jahr erwartet sagte er nur resigniert: es wird noch schlechter. Jedes Jahr wird es nur schlechter. Weniger Arbeit, weniger Geld und alles wird teurer.

Was soll man denn hoffen, sagte er auf meine Frage hin, ob er nicht doch etwas Hoffnung hätte, dass es dieses Jahr besser werden könnte. Nein, Hoffnung hat er nicht.

Daneben sehe ich seine Frau stehen, die mich leicht verunsichert ansieht. Und neben dem Vater sitzen seine Kinder, in den Kalender mit Bibelversen vertieft, den ich Ihnen geschenkt hatte.

Im Stillen bete ich für diesen Mann und seine Familie und denke nur: vielleicht erlebst du in diesem Jahr die Überraschung deines Lebens und lernst den kennen, der das Leben in Überfluss schenkt, Jesus.

Was ich aber habe, das gebe ich

Neben uns steht ein kleines Häuschen mit bisschen Garten. Ich hatte die Familie, die darin wohnt schon einmal besucht und intuitiv zog es mich dort hin. Ich dachte, die Frau wäre allein, da ihr Mann im Ausland ist, aber er war da. Es ist eine arme Familie, aber sehr feine Leute. Der Mann arbeitet immer wieder monatelang im Kosovo als Tagelöhner. Im Winter allerdings gibt es nur sehr wenig Arbeit.

Die Frau sitzt neben mir und saugt förmlich jedes Wort von mir auf. Ich erzähle ihnen von einem Gott, der zu uns kam und der uns liebt. Und Jesus, der uns unbeschreiblich reich machen kann, auch wenn wir äußerlich nicht viel haben. Ich erzähle ihnen von den Menschen in Deutschland, die zwar materiell reich sind, aber doch innerlich oft leer und einsam. Der Reichtum und der Besitz von Dingen allein macht das Leben nicht besser.

Zwei Tage später kommt diese Frau mit ihrem Sohn zu uns zu Besuch. Damit erweist sie uns ihren Respekt. Wieder haben wir ein gutes Gespräch über unseren Glauben und über Jesus. Ihre Offenheit berührt mein Herz!

Nach diesen Gesprächen musste ich an Petrus denken und an seine Worte an den Gelähmten in Apostelgeschichte 3,6:

Silber und Gold besitze ich nicht, was ich aber habe, das gebe ich dir..."

Was ich tun kann

Ich stehe oft hilflos vor dieser Hoffnungslosigkeit und Armut. Und ich will nicht mit irgendwelchen frommen Sätzen kommen. Aber ich will Hoffnung in das Leben dieser Menschen sprechen. Ich will das, was ich geben kann geben: und das ist schlicht und einfach Jesus!

Ich kann das Leben der Menschen nicht wirklich verändern materiell gesehen.
Aber ich kann für sie beten und mit ihnen beten und ihnen von meiner Hoffnung erzählen.

Gestern noch besuchten mich zwei Mädchen von einer Teeniegruppe. Sie erzählten, dass sie seit einer Woche keinen Strom haben, da sie die Rechnung nicht bezahlen können. Stellt euch vor, ab fünf Uhr nur mit einer Kerze in der Wohnung, kein warmes Wasser, kein Fernseher (was hier oft die einzige Ablenkung und Freizeitbeschäftigung ist). Und die Familie des anderen Mädchen haben kein Holz mehr. Was sollen wir da machen?

Ich will sie nur in den Arm nehmen und mit ihnen beten, dass Jesus ein Wunder tut! Beide haben im Sommer eine Entscheidung für Jesus getroffen. Ich bete so, dass sie Jesus erleben, wie er ihnen in ihren Alltagsnöten hilft.

Mein Gebet

Und für uns bete ich, dass Gott uns ganz klar zeigt, wo und wann wir auch materiell helfen sollen. Das ist hier nicht so einfach!

Doch was Gott mir gegeben hat, das will ich weitergeben, frei und großzügig und an jeden!
In Jesus sind wir reich, auch wenn wir in den Augen der Welt alles andere als das sind.

...als Traurige und allezeit uns freuend, als Arme, aber viele reich machend; als nichts habend und doch alles besitzend." (2.Kor. 6,10)

Dass das unsere Nachbarn und noch viele andere Menschen in Krume erleben- dafür sind wir hier!

Eine Weihnachtsfeier für meine Jungs

Im Fitnessstudio habe ich zur Zeit 11-13 Jungs, die regelmäßig kommen, um dort zu trainieren. Bislang beschränkte sich der Kontakt auf die Begegnung im Fitness und in der Stadt, wenn ich mit dem einen oder anderen Café trinken gehe.

Doch an diesem Weihnachtsfest plane ich etwas besonderes für die Jungs. Ich habe sie zu einer Weihnachtsfeier eingeladen. Damit will ich sie beschenken und Ihnen zeigen, dass sie mir wichtig sind. Ich will mit ihnen eine gute Zeit haben, während wir zusammen in einem Restaurant an einem Tisch sitzen und essen und trinken.

Vor allem möchte ich Ihnen erzählen von Jesus, der Mensch wurde, um uns zu retten.

Als ich die Einladung mit meinem Sprachlehrer vorbereitete, brachte er den Einwand: "Nenn deine Feier doch lieber Neujahrsfeier". So heißt das große Fest hier in Albanien. Sein Argument war, dass die muslimischen Jungs sich an diesem Namen stoßen würden. (Der Name im albanischen "Feier von Christi Geburt" ist viel anstößiger als das nichtssagende deutsche Wort "Weihnachten")

Ich glaube ich konnte ihm erklären, dass mir der Name und der Anlass besonders wichtig sind.

Nun bleibt abzuwarten wie die sieben muslimisch-gläubigen Jungs reagieren und ob sie diese Einladung annehmen.

Ich hoffe und bete sehr, dass sie kommen.

Ich freue mich, wenn du mitbetest für diese Feier.

Ich wünsche mir sehr, dass Gott meine Geste und meine Worte gebraucht, um die Herzen der Jungs zu öffnen.

Wenn alle deine Träume platzen...

 

Stell dir vor du investierst 30.000 Euro, um illegal in ein anderes Land zu kommen. Es ist vielleicht mehr, als du in einem Jahr verdienen würdest. Doch du versprichst dir von der illegalen Einreise ein viel besseres Leben.

Du setzt alles auf eine Karte. Es geht um alles oder nichts.
Doch am Ende stehst du mit leeren Händen da. Du hast es nicht geschafft. Noch bevor du das "gelobte Land" betreten konntest, wurdest du geschnappt.

Wieder ist einer gescheitert

Genau so erging es Florit, den ich gerade getroffen habe. Ich hatte mich schon gewundert, wo der junge Mann (Mitte-Ende Zwanzig) wohl sei. Als wir zuletzt frische Forellen aus seinem Forellenteich holen wollten, war er nicht anzutreffen.

Wir hörten dann, dass er nach England gegangen sei, wie so viele der jungen Männer in unserer Stadt. (Ich schrieb schon hier über die hoffnungslose Situation in unserer Stadt.)

Vor ein paar Tagen sah ich ihn wieder in der Stadt. Ich dachte mir nichts dabei, außer dass sein Besuch in England wohl wieder zu Ende sei.

An der Grenze geschnappt

Aber als ich ihn jetzt traf, erfuhr ich den Grund seiner Abwesenheit und seiner Rückkehr. Ich fragte ihn noch ganz unbedarft, wie es denn in England gewesen sei. Er lächelte nur verlegen und legte beide Hände aufeinander. Mir war schnell klar, dass er bei seinem Versuch illegal nach England einzureisen geschnappt worden war.

Er erklärte mir dann den Hintergrund seiner Reise. Versteckt in einem LKW wollte er mit vier anderen jungen Männern über Belgien durch den Tunnel nach England einreisen. Am Eingang des Tunnels in Calais, wurde der Lastwagen aber von von der Polizei geprüft. Deren Spürhunde haben die vier versteckten Männer natürlich gewittert und damit waren sie aufgeflogen.

Abgeführt in Handschellen kamen Florit und seine Kollegen für 20 Tage ins "Lager".

Mehr als ein Jahresgehalt

Ich fragte ihn, wieviel ihn das gekostet hat. Er nannte mir die unglaubliche Summe von 6000 britischen Pfund. Das sind umgerechnet 7287 Euro.

Möglicherweise hatte Florit Jahre gespart, um sich diesen Traum zu erfüllen. Doch nun war alles umsonst. Das Geld ist weg. Zurück bleibt ein junger Mann, dessen Traum geplatzt ist.

Jetzt arbeitet er wieder an seinem Forellenteich und lebt bei seinen Eltern.

Die unendliche Hoffnungslosigkeit

Diese Begegnung heute nachmittag hat mir noch einmal gezeigt, wie unendlich hoffnungslos die jungen Männer hier sind. Ja, es stimmt, viele schaffen es tatsächlich nach England zu kommen und jahrelang unentdeckt schwarz zu arbeiten. Doch viele werden auch geschnappt und müssen zurück kommen.

Wie verzweifelt muss man sein, um so viel Geld zu riskieren.

Ich konnte nichts anderes als mein tiefes Bedauern zum Ausdruck zu bringen. Nicht über den gescheiterten Versuch einer illegalen Einreise, aber über gescheiterte Hoffnungen und geplatzte Träume.

Mein Gebet ist, dass ich diesem Mann helfen kann, in Jesus Hoffnung zu finden.

Die Hoffungslosigkeit der jungen Generation

 

Jeden Morgen öffnet Musa um 8 Uhr seinen Laden. Nachts um 12 Uhr schließt er ihn wieder. Die Nacht verbringt er auf einer Couch in seinem Geschäft.

Der Laden ist 30qm groß und es befinden sich dort 4 Fernseher an der Wand, mit jeweils zwei Sesseln davor. Hier können die Jungs für ein paar Cent Videospiele, wie "GTA 5" oder "PES" spielen. Dazu finden sich noch 4 Desktop-Computer, an denen die Leute ins Internet gehen können.

Tagsüber ist der Laden voll mit Jungs im Alter von 10–20 Jahren. Am Ende des Tages hat Musa umgerechnet 30 Euro verdient.

Immerhin ein kleiner Verdienst, wenn man bedenkt, dass die meisten jungen Männer in unserer Stadt keine Arbeit haben. Musa hat sich ein Geschäftsmodell überlegt. Damit kommt er über die Runden, auch wenn er nicht mehr viel vom Leben hat.

Dieser Laden mit den 4 Spielkonsolen ist bezeichnend für die Situation in unserer Stadt. Es gibt keine Vereine oder sonstige Freizeitbeschäftigungen für die junge Generation in unserer Stadt. So hängen die Jungs den ganzen Tag in dem Laden rum, um ein klein wenig der Langeweile zu entgehen.

Der gewöhnliche Weg

Der Weg der meisten jungen Menschen ist vorgezeichnet. Es gibt wenige Ausnahmen. Die Schulbildung ist mehr schlecht als recht. Nach der Schule gehen die meisten jungen Leute in eine der großen Städte, Tirana, Durres oder Shkodra. Es gibt kaum irgendwelche Zugangsvoraussetzungen um zu studieren. Wer es sich leisten kann, der geht studieren.

An der Universität belegen die jungen Menschen dann irgendein Fach. Aber nachdem sie 3–4 Jahre studiert haben, kommen sie wieder zurück zu ihren Eltern nach Krume.

Die Perspektiven in Krume

Sie haben nun einen Abschluss, aber keine Arbeit. Und es gibt auch kaum eine Chance, jemals in Arbeit zu kommen. Manche der jungen Leute hätten vielleicht das Potential, viel aus ihrem Leben zu machen. Doch hier in unserer Stadt, unter diesen Bedingungen, ist dies unmöglich.

Es gibt keine Betriebe oder Geschäfte, die Arbeit ermöglichen. Es gibt auch keinen Tourismus, der Arbeitsplätze schafft. Der einzige Wirtschafszweig in unserer Stadt ist das Caféwesen. Hier werden Kellner gebraucht, die die Männer der Stadt, bewirten. (Nur wenige Cafés werden von Frauen besucht.)

Das Gefühl nicht gebraucht zu werden, der Mangel an Bestätigung, der fehlende Erfolg im Beruf, sowie die finsteren Zukunftsaussichten nagen an der Seele dieser jungen Männer.

Das tägliche Leben

Der Alltag hat diesen jungen Männern nicht viel zu bieten. So schlendern sie den ganzen Tag über die Straßen unserer Stadt. Diejenigen, die ein Auto haben, fahren damit durch die Stadt. Sie verwenden das wenige Geld, das sie haben, um Benzin in ihr Auto zu füllen.

Abends kommen einige der Jungs an drei Abenden in der Woche in unser Fitnessstudio, um dort ein wenig Abwechslung zu erleben. Leider fehlt es vielen an Durchhaltevermögen. Sie kommen für ein paar Tage oder Wochen, aber dann hat die allgemeine Passivität hier sie wieder eingelullt.

Der einzige Ausweg

Nahezu jede Familie in Krume hat einen Angehörigen, der der Hoffnungslosigkeit entflohen ist. Die Flucht ins Ausland ist für viele der einzige Ausweg. Die jungen Männer versuchen illegal nach England einzureisen. Dort arbeiten sie dann schwarz und ohne Papiere. Immer leben sie mit der Angst entdeckt und ausgewiesen zu werden.

Vielen ist es auch schon so ergangen. Wenn ich junge Männer treffe, die gut englisch sprechen kann ich mir ziemlich sicher sein, dass sie in England gelebt haben. Am Anfang habe ich Ihnen noch die Frage gestellt, warum sie zurück gekommen sind. Heute stelle ich diese Frage nicht mehr, weil keiner jemals freiwillig nach Albanien zurückkehrt.

Eine Gegenstandslektion

Als ich zuletzt mit einigen Männer über diese hoffnungslose Situation sprach, veranschaulichte mir ein junger Mann, wie man sich die Situation vorstellen muss.

Auf dem Tresen im Fitnessstudio lag ein Handy und eine Plastiktüte. Mario hob das Handy auf, steckte es in den Plastikbeutel und drehte die Tüte oben zu.

Er zeigte auf das Handy und sagte: So fühlen wir uns als junge Generation in Albanien.

Für uns als deutsche ist dieser Zustand nicht vorzustellen. Unser Land bietet der jungen Generation alle Möglichkeiten, ihren Träumen hinterherzujagen. In Albanien gibt es keinen Grund von irgendetwas zu Träumen. Die jungen Menschen fühlen sich eingesperrt und sind ohne Ausweg.

Was ich Ihnen bieten kann

Die Frage, die für mich bestehen bleibt ist: Wie kann ich angesichts einer solchen  hoffnungslosen Situation Hoffnung geben?

Fest steht: Ich werde die wirtschaftliche Situation der meisten Menschen hier nicht verändern können. Ich kann leider keine beruflichen Perspektiven bieten. Ich kann auch schwer die Leere des Alltags füllen mit Freizeitbeschäftigungen aller Art.

Was ich kann ist: Hoffnung zu bieten über die wirtschaftliche Situation hinaus. Ich kann jungen Männern einen Traum nahebringen, der sich abhebt von allen anderen Träumen, die sie haben.

Ich kann ihnen das anbieten, das am Ende mehr wert ist, als alles andere. Rettung in Jesus.

Ich kann ihnen helfen einen Sinn im Leben zu finden, der sie trägt durch all die Sinnlosigkeit des Lebens hier.

Ich kann Ihnen von den Rechten eines Staatsbürgers erzählen, die so viel mehr wert sind als die Rechte eines Deutschen, den sie um all seine Rechte beneiden.

Ich kann Ihnen erzählen von dem Recht ein Bürger des Himmels zu werden.

Ach, es ließe sich noch so viel erzählen, von all den geistlichen Segnungen, die ich dieser hoffnungslosen Generation bringen kann. Möge Gott mir beistehen, dass das Leben einiger Menschen durch meinen Dienst radikal verändert wird.

Verschenktes Licht

 

Ich bin sehr dankbar für unser schönes, gemütliches Zuhause. Ich fühle mich hier echt wohl. Langsam ist alles, was noch zu machen war, gemacht. Der zweite Ofen, den wir auch geschenkt bekommen hatten, steht nun im Kinderzimmer und verbreitet auch hier eine angenehme Wärme. Toll, dass sich nicht mehr so ganz alles in der Küche abspielen muss.

Draußen ist der Winter eingekehrt. Wie schnell das doch gehen kann. Eine dünne Schneeschicht lässt die Gegend hier noch einmal ganz anders wirken.

In diesen Tagen vor dem ersten Advent (wieviele Lichter wohl in Deutschland schon leuchten?) wird es mir einmal mehr bewusst, warum wir hier sind. Wir wollen hier in diesem dunklen, vom Evangelium unerreichten Ort LICHT sein. Wenn am Abend Stromausfall ist, dann ist das schon sehr beeindruckend, wie plötzlich in der ganzen Stadt das Licht ausgeht. Völlig dunkel alles... . Das ist für mich auch so ein Bild für die Herzen der Menschen hier. Sie sind noch dunkel.

Ich möchte so gerne mein Haus öffnen für die Menschen hier. Auch wenn es zur ungünstigen Zeit klopft (und das tut es ab und zu) möchte ich einladen. Hier sind die Menschen so beziehungsorientiert, wenn Besuch kommt, wird alles andere liegen und stehen gelassen, und man ist fast immer bereit Besuch zu empfangen. Das muss ich noch lernen. Ich möchte meine Wohnung öffnen für die Menschen hier und sie spüren lassen: hier lebt Jesus und sein Licht.

Ich las in Lukas:

"Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen." (Lk. 12,35)

Das drückt es genau aus.
Und ich wünsche auch euch, dass ihr wirklich bewusst eure Häuser öffnet für Menschen, die Jesus noch nicht kennen, in deren Herzen es trotz all der Lichter in der Adventszeit noch dunkel sind. Lasst sie doch einfach Anteil haben an dem licht und Leben, das in euch ist. Der Monatsspruch für den Dezember lautet:

"In Ihm (Jesus) war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen." (Joh.1,4)

Wir haben so viel zu geben, nicht nur in Krume, sondern auch da, wo ihr seid. Seid gastfreundlich und herzlich und verschenkt soviel von eurem Licht, wie ihr nur könnt. - Ihr werdet sehen, wie es immer heller leuchten wird! - Das ist es, was ich hier an dem Ort, an dem wir jetzt leben dürfen - ein Vorrecht - erleben will!