Ich will doch nur das Beste für meine Kinder

Seit zwei Wochen geht unser Gideon in die lokale Schule. Es ist eine große Schule und er ist der einzige Ausländer dort. Seit feststeht, dass er dorthin zum Teil gehen wird, bin ich am beten. Für ihn und ich denke noch mehr für mich. Für ihn, weil ich weiß, dass es ihm schwerfällt in fremden Umgebungen mit fremden Menschen allein zu bleiben. Und für mich, nun, ich weiß, welche Gefühle in mir hochkommen, wenn ich die Andersartigkeit der Schule, des Unterrichtes, der  Pädagogik usw. sehe und erlebe. 

Ich bin eine Mama. Und eine Mama möchte immer das Beste für ihre Kinder. Ich kenne Deutschland und die Möglichkeiten dort. Ich kenne die Schulen und den kreativen Unterricht gerade in der Grundschule. Ich höre von Freundinnen und ihren Kindern. Von tollen christlichen Schulen. Von sehr gut ausgebildeten Lehrern und gutausgestatteten Schulen (ich weiß, auch nicht überall...). Von Schulen, in denen man im Sportunterricht auch wirklich Sport macht.

Und nun bin ich hier im Hinterland von Albanien. Und da sind meine Kinder mit uns. Und hier müssen sie in den Kindergarten und in die Schule. So haben wir uns jedenfalls entschieden. Ich weiß, dass es eine gute Entscheidung ist aus mehreren Gründen, ich weiß aber auch, dass ich innerlich einen kleinen Kampf ausfechten muss. Da ist die Liebe zu meinen Kindern und mein großer Wunsch, ihnen das Beste zu geben und zu ermöglichen, und da sind die Gegebenheiten hier.

Ich bin innerlich zerrissen und das Gefühl, dass ich meinen Kindern etwas Gutes vorenthalte, indem wir hier sind, das kommt gerade am Anfang so eines neuen Abschnittes in mir auf. Ich hatte genau das gleiche auch damals, als die Kinder in den Kindergarten kamen - jetzt ist das normal und die Kinder sind und waren glücklich da. Doch dieses Gefühl hat die Kraft mir Freude zu rauben, mir meine Bestimmung hier zu verschleiern und mich ernsthaft ins Fragen zu bringen: lohnt sich das alles dafür?

Ich schaue auf meinen großen Jungen. Er verändert sich. Er sitzt vor dem Spiegel und kämmt sich, schmiert sich Haargel in die Haare und lässt sie von seinem Freund frisieren (das hätte er vorher nicht gemacht :). Er ist einer von allen. Er will später mal ein ganz bestimmtes Auto fahren, so wie alle anderen. Er ist eifrig dabei, seinen Schulranzen zu packen, seine Hefte mit Glitzerpapier einzuschlagen, auf dem Fußballer abgebildet sind, er freut sich an seinen Stiften und Büchern und an der neuen Aufgabe, so scheint es jedenfalls. Ich freue mich darüber. Er kennt Schule ja auch nicht anders. 

Und ich will mich einfach mit ihm freuen. Will wertschätzen, was es hier gibt und wie es hier gemacht wird und will nicht vergleichen mit einer ganz anderen Welt, die Deutschland einfach ist.

Und ich will vertrauen. Ich will vertrauen darauf, dass Gott uns hier hingestellt hat. Und dass es gut ist, hier zu sein. Und dass es auch gut ist für unsere Kinder, die so anders aufwachsen, als die meisten deutschen Kinder. Ich will Gott vertrauen, dass er auch mit meinen Kindern die besten Absichten hat und ihnen das Leben hier zu ihrem Besten dient. Hätte ich dieses Vertrauen nicht, könnte ich hier einpacken und gehen. 

Doch wir sind sicher, dass Gott noch einen Auftrag hat für uns an diesem Ort. Und so leben wir hier. Alle sechs. Und es ist einfach schön zu sehen, wie fröhlich und doch so anders normal unsere Kinder hier aufwachsen dürfen. 

Und dieses schwere Gefühl des: „Ich enthalte meinen Kindern Gutes vor“, das verblasst so langsam wieder... und die innere Unruhe weicht einem tiefen inneren Frieden.

Wer festen Herzens ist, dem bewahrst du Frieden; denn er verlässt sich auf dich. Darum verlasst euch auf den HERRN immerdar; denn Gott der HERR ist ein Fels ewiglich. 

Jesaja 26,3-4

Sei mir willkommen, lieber Herbst!

Vieles kündigt die neue Jahreszeit an, in der wir leben. 
Da sind die reifen Trauben, die jetzt überall gepflückt und zu Raki verarbeitet werden.

Da sind die unzähligen Kürbisse, die in unserem Garten, oft erhöht auf einem Dachziegel gebunden, hängen. 

Da sind die Blumen, die langsam verblühen und ihren Lebenssaft aufgeben. Mir kommt es so vor, als wäre es gestern gewesen, dass wir diesen unscheinbaren Samen in die Erde legten und jetzt muss ich mit aller Kraft die groß gewachsenen Pflanzen mit samt der Wurzel ausreißen.  

Da ist die warme, tief stehende Sonne am Abend, die sich viel zu schnell ihren Weg hinter unserem Berg bahnt und die Dunkelheit, die sich viel schneller als in Deutschland ausbreitet. 
Da sind unsere Kinder, die erst wieder lernen müssen, Hausschuhe anzuziehen und nicht immer barfuß zu laufen. Da ist eine Mama, die sie immer wieder daran erinnern muss. 
Da ist eine Kühle in der Wohnung, draußen manchmal wärmer als im Haus, eine Zeit des Fließjacken-Tragens im Haus, da es zum heizen noch zu früh ist. 
Da sind die ersten Mandarinen in den überfüllten Körben vor den Geschäften, die Granatäpfel und Kakis.

Da sind die Motorsägen, die man von überall her hört und das kostbare Holz zum heizen klein machen.

All das kündigt den Herbst und den schnell darauf folgenden Winter an. Auch das Wechseln der Klamotten von Sommer auf Winter ist bei einer sechsköpfigen Familie jedes Jahr neu eine nicht zu kleine Aufgabe. Von jetzt auf gleich kann es hier plötzlich richtig kalt werden und das merken wir sehr in unserer nicht isolierten Wohnung. 

Es ist immer auch ein wehmütiger Blick zurück auf die warme Zeit, das draußen sein bis spät, auf dem Balkon essen, auf das blühende Leben auf den Straßen unserer Stadt. Das wird sich bald wieder ändern. Bald wird um 17 Uhr das Leben auf der Straße verschwinden, es wird still, wo Kinder sonst gelacht und gespielt haben. Man muss sich wieder warm anziehen und unser Leben im Haus beschränkt sich auf weniger Platz. 

Doch jetzt will ich von Herzen sagen: Sei mir willkommen, lieber Herbst! Sei willkommen Winter! Ich habe keine Angst vor dir. Ich will dich als einen Freund begrüßen, nicht als einen ungebetenen Gast, den ich möglichst schnell wieder loswerden will, der nicht erwünscht ist. Ich will dich nicht als Feind sehen, mich fürchten oder Dinge befürchten. Ich will ja sagen. Ja zu all den kommenden Veränderungen, die mir hier um ein Vielfaches stärker vorkommen als in Deutschland.

Auch diese Zeit ist von Gott geschaffen. Und ich will mich an ihr freuen. Ich will es in meinem Herzen so entscheiden. Ich will sie bewusst willkommen heißen. Ich will all das, was sie mit sich bringt, annehmen. Mehr noch, ich will mich daran freuen und meine Augen jetzt schon üben, das Schöne in ihr zu sehen. 

Bald wird das, was jetzt noch in üppigem grün dasteht, kahl sein, braun und scheinbar ohne Leben. Bald kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, dass da mal so pralles Leben geherrscht hat. Bald reiße ich die verdorrten Kürbisranken ab, ernte meinen letzten Basilikum (ihr glaubt nicht, wieviel ich davon in diesem Jahr hatte...). Und in einem halben Jahr kann ich nicht glauben, dass aus so einem kleinen Samenkorn so etwas großes wachsen kann, das wirklich wieder alles grünen und blühen wird.

Doch bis dahin sage ich: Lebe wohl, schöner Sommer! 
Sei mir willkommen, lieber Herbst! Komme als mein Freund, lieber Winter!

Gedanken zum Einstieg ins Leben hier

Nun sind wir wieder zurück in unserer Stadt in Albanien. 
Nach 11 Wochen in Deutschland war und ist es schon wieder eine Umstellung, hier zu sein. Es hat sich nicht viel verändert hier, aber in unserer Familie hat sich einiges getan.

Da ist unser kleiner Henry. Da sind nun vier Kinder. Da ist Gideon, der in die Schule geht. Ein Schulkind! Livia, die allein in den Kindergarten geht. Da bin ich, eine Mama von vier Kindern, stillend, müder als sonst, innerlich am Ringen, diese andere Kultur wieder voll und ganz zu lieben und mit Freude in ihr zu leben.

Seit unserer Ankunft ist einiges passiert. Unser kleiner Nachbarjunge, Jürgen, mit dem Gideon viel spielt und mit dem er auch in die Schule gehen sollte, hatte am Samstag einen Unfall mit dem Fahrrad. Wie den ganzen Sommer über, haben viele Kinder auf der Straße gespielt. Jürgen lieh sich das größere Fahrrad eines Freundes aus und wusste nicht, dass die Bremsen nicht richtig funktionieren. Ein Auto kam schnell gefahren und Jürgen stürzte auf sein Gesicht. Er musste sofort in die Nachbarstadt ins Krankenhaus und war dort auch zwei Tage. Die erste Woche Schule verpasste er. 
Sein Gesicht war sehr geschwollen, mit Blutergüssen und einer verbogenen Nase. 

Unsere andere Nachbarin, Mama von drei kleinen Kindern, musste auch ganz überraschend ins Krankenhaus nach Tirana wegen einer Infektion im Mund. Sie ist nun auch schon eine Woche weg. Das gab es noch nie. Die Kindern sind nun mit ihrer Oma allein. Das älteste Mädchen, auch eine Erstklässlerin, geht seither mit Gideon zusammen zur Schule.

Naja, wir sind wieder mitten drin im Leben hier. Und damit auch im Leiden der Menschen. 
Aber ich bin so froh, dass ich mit Jesus hier bin und er mir alles geben wird, was ich brauche, um hier zu seiner Ehre zu leben!


10 Zitate aus dem Buch „Du und ich in Ewigkeit“ von Francis und Lisa Chan

Heute blicken wir auf 10 Jahre Ehe zurück. Wir sind begeistert über das, was Gott in diesen Jahren gewirkt hat. Wir haben fast vier Kinder (im Juli:) und dürfen schon seit fast fünf Jahren gemeinsam hier in Albanien Gott dienen. Das ist ein Vorrecht! Und ein Geschenk!Noch größer ist das Geschenk in unserer Zeit, in der so viele Ehen geschieden werden, dass wir immer noch zusammen sind, einander lieben und wertschätzen und durch dick und dünn gemeinsam mit Jesus gehen dürfen. Dafür ihm alle Ehre!

Bücher haben in unserer Ehe eine wichtige Rolle gespielt.
Ein Buch, dass uns als Ehepaar in den letzten Jahren unserer Ehe sehr angesprochen hat, ist das von Francis und Lisa Chan. Wir hatten auch die Gelegenheit, es mit zwei jungen Paaren gemeinsam zu lesen und es hat uns sehr herausgefordert und unsere Ehe und uns persönlich sehr bereichert.

Hier möchte ich 10 Zitate weiter geben und ich hoffe, dass sie auch dich und deine bestehende Ehe bereichern und herausfordern. Und wenn du noch nicht verheiratet bist, dass seien Sie dir eine Inspiration für spätere Zeiten... 😉

In meinem über 20-jährigen Bild als Pastor bin ich zu dem Schluss gekommen, dass die meisten Probleme in der Ehe gar keine Eheprobleme sind. Es sind Probleme mit Gott. Sie lassen sich darauf zurückführen, dass einer der Partner- oder beide - ein schlechtes Verhältnis zu Gott oder ein falsches Verständnis von ihm hat. Ein wahrheitsgetreues Gottesbild eine Grundvoraussetzung für eine gesunde Ehe. (20)

Wenn wir unseren Blick nicht auf Gott heften, dann verbringen wir unsere Zeit damit, geringeres anzustarren, nämlich uns selbst.
Diesen Fehler machen viele Paare. Sie verbringen viel Zeit damit, auf sich selbst und den Partner zu sehen, aber sie nehmen sich wenig Zeit, um unverwandt auf Gott zu schauen. (25)

Jesus macht deutlich, dass er den ersten Platz in unserem Leben einnehmen will. (...)
Es ist nicht so, dass wir ihn ein wenig mehr lieben sollen als unserer Familie; nein, unsere Liebe für ihn soll einer ganz anderen Kategorie angehören. Er steht weit über uns und deshalb soll auch unsere Liebe zu ihm weit über unserer Liebe zu anderen stehen. (33)

Zu viele Christen beschränken sich darauf, ein wenig moralischer zu erscheinen als die Menschen um sie herum. Aber der Unterschied zwischen einem wahren Christen und einem Nichtchristen hat mit feinen moralischen Abstufungen nichts zu tun, es geht um den Unterschied ob man lebt oder tot ist! (50)

Lisa und ich sind beide davon überzeugt, dass in der Demut Jesu der Schlüssel zu einer gesunden Ehe liegt, mehr als in irgendeinem anderen seiner Wesenszüge. Wenn es das erklärte Ziel zweier Menschen ist, genauso demütig zu sein wie Christus, wird sich alles andere von allein fügen. Es ist wirklich so einfach. Auseinandersetzungen eskalieren, wenn es uns wichtiger ist, recht zu haben als Christus ähnlich zu sein. In der Hitze des Gefechts lässt man sich leicht blenden. Schnell ist man an dem Punkt, an dem man nur noch gewinnen will, selbst wenn man dafür sündigen muss. Gewöhnlich hat sich derjenige, der am Ende als Sieger dasteht, auch weniger wie Christus verhalten. (...) Was zählt mehr: einen Streit zu gewinnen oder den Beispiel Christi zu folgen? Selbst mitten in einer heftigen Auseinandersetzung sollten wir uns fragen, ob wir gerade wie Jesus handeln. (72f)

Gemeinsam in der Schlacht zu sein bewahrt uns davor, uns gegenseitig zu bekriegen. Diejenigen, die den Heiligen Geist in sich haben, spüren eine Sehnsucht, in den Kampf zu ziehen. Wir wollen gebraucht werden. Wir wollen Teil seiner göttlichen Mission sein. (105)

Wir verbringen viel zu viel Zeit damit, auf das Vergängliche zu schauen. Und genau das möchte der Satan bei Ihnen erreichen: dass Sie die Wirklichkeit ignorieren, die Ewigkeit ignorieren, dass Sie an den Dingen zweifeln, von denen Gott sagt, dass sie wahr und wichtig sind. Der Teufel bombardiert Sie mit vergänglichen Angelegenheiten. Er versucht Sie dahin zu bringen, dass Sie Dinge lieben, die keinen Bestand haben. Wie gut gelingt ihm das bei Ihnen? (147)

So möchte ich gern sein! Eine starke Frau, die in Gottes Verheißungen verankert ist. Aber es beginnt damit, dass man tiefe Wurzeln in Gottes Wort schlägt. Es wird nicht dadurch geschehen, dass man für sich selbst eintritt, Aufmerksamkeit fordert und für sich selbst kämpft. Es wird geschehen, wenn man fest in Christus bleibt, die eigene Aufmerksamkeit auf ihn richtet und für seine Ehe kämpft. (161)

Lassen sie keinen Tag vergehen, ohne mit Ihren Kindern über den Himmel zu sprechen. Das Wichtigste, was Sie Ihre Kindern vermitteln können, ist, wie sie Entscheidungen mit einer an die Ewigkeit orientierten Denkweise treffen. (187)

Gott hat Ihnen Kinder anvertraut, damit Sie sie zu Jüngern machen, die in alle Welt gehen und Menschen zu Jüngern machen. Der Auftrag Jesu ist zu wichtig, um ihn wegen unserer Unsicherheit, unserer Sehnsucht nach Geborgenheit und unserer Ängste zu vertun. (200)

Gedanken zu 10 Jahren Ehe mit meinem Mann

Es ist nicht zu glauben, wie die Zeit vergeht! Nun bin ich tatsächlich schon zehn Jahre mit Danny verheiratet. Der 24. Mai 2008 liegt zehn Jahre zurück. Früher schienen mir Paare, die so lange verheiratet sind und neben all der Herausforderungen noch glücklich und verliebt zu sein schienen immer als sehr bewundernswert. Ich hatte Achtung vor ihnen. Und ich habe es immer noch, gehöre ich doch jetzt auch zu ihnen.

Wenn ich zurückschaue, kann ich nur staunen über Gottes Wege in unserem Leben. Manches ist sicher anders gekommen, wie wir es uns gewünscht hatten. Dannys MS Diagnose nach drei Jahren Ehe kam überraschend und genau dann, als wir unsere Pläne, ins Ausland zu gehen, intensivierten. Doch Gott hat uns dennoch gesandt und ich bin so dankbar dafür.

Auch dass jetzt unser viertes Kind in meinem Bauch strampelt, ist für mich ein Gnadengeschenk Gottes. Wir hatten gerade mal ein 4 Monate alten Jungen, als die Diagnose kam und innerlich begrub ich meinen Wunsch nach einer großen Familie. Vier Kinder waren immer mein Traum gewesen. Und jetzt bekomme ich sie tatsächlich. Von Gott ganz klar geschenkt. Zwei Jungen und zwei Mädchen.

Gott hat uns immer wieder überrascht. Mit tollen Freunden, die wir jetzt in vielen Teilen Deutschlands haben, Menschen, die hinter uns und unserem Dienst stehen. Mit diesem Ort, an dem wir nun schon seit fast fünf Jahren leben (nirgends waren wir während unserer Ehe länger...). Einem Ort, den wir uns selbst vielleicht nicht ausgesucht hätten, aber den Gott nun tief mit unserem Herzen verflochten hat.

Es ist ein Privileg, manchmal auch eine Herausforderung, diesen Dienst hier gemeinsam tun zu dürfen. Natürlich ist es manchmal auch nicht so leicht, aber die allermeiste Zeit ist es einfach nur schön, am gleichen Ziel zu arbeiten, zu teilen, gemeinsam zu kämpfen, zu siegen und manchmal auch zu verlieren. Gemeinsam für Jesus Menschen zu gewinnen, zu beten, zu ringen, das ganze Leben danach ausrichten zu können.

Ich bin sehr dankbar für meinen Mann und meine Familie. Sicher konnte ich vor zehn Jahren noch nicht erahnen, wo Gott uns hinführen würde. Aber ich bin so dankbar, einen Mann zu haben, der trotz mancher Schwierigkeit am Auftrag dran bleibt. Einen Mann, der mir jeden Morgen das Frühstück macht, der den Kindern zum einschlafen C.S. Lewis vorliest, der mir ein Vorbild ist in seinem Vertrauen auf die guten Wege Gottes, der mich anspornt, der mich liebt und schön findet, so wie ich bin, der nicht müde wird, seinen Gott zu suchen und zu finden, der bereit ist und den Mut hat, noch ein viertes Kind zu bekommen.
Ich bin dankbar, dass Gott mir diesen, meinen Mann gegeben hat. Ich bin eine reich beschenkte Frau. Das sehe ich natürlich auch besonders, wenn ich mich mit den Frauen hier vergleiche. Ich habe einen besonderen Mann. Leider ist mir das nicht immer vor Augen, sondern eher die Dinge, die einen manchmal nerven, vor allem an stressigen Tagen.

Aber an diesem Tag heute will ich einfach nur dankbar sein. Ich will zurückblicken und mich über diese zehn Jahre Ehe freuen. Darüber freuen, dass wir noch immer glücklich verheiratet sind und gespannt in unsere Zukunft schauen, die Gott in seinen liebenden und treu sorgenden Händen hält!

Sachen gibt`s

Nachdem ich mich in den letzten Wochen wirklich Wacker gehalten habe, kam jetzt doch alles anders. Von was rede ich?

Nun, von unserem nächsten Baby. Der Bauch wächst und auch die Freude auf unser 4. Kind. Mit uns freut sich natürlich auch Krume. Auf die erwartungsvolle Frage hin, was es denn wird, hab ich die letzten Wochen immer damit geantwortet, dass Gott uns, wie es aussieht, noch ein Mädchen schenkt. Wir haben ja schon zwei und nur einen Jungen. Da hätten mir doch alle sehr einen weiteren Jungen gewünscht. Und überhaupt zählen in der Gesellschaft die Jungen einfach mehr. Heute morgen stand ein Mann in der Tür und hat fast beschwörend mir einen Jungen gewünscht, als ob das das einzige Glück ist.

Ich muss sagen, dass mich das manchmal genervt hat und ich voller Freude und stolz erzählt habe, noch ein Mädchen zu bekommen. Ich wollte bewusst einen Gegenpol zu dieser Einstellung der Menschen hier bilden.

Jetzt waren wir in Deutschland und ich bei meiner Ärztin, die ein gutes Ultraschallgerät hat. Und da wurde doch glatt aus dem Mädchen eindeutig ein kleiner Junge. Ich konnte es kaum glauben. Die ganzen Wochen ging ich von einem Mädchen aus, hab fast alle noch vorhandenen Jungen Klamotten weggegeben und endlich hatten wir uns (fast) auf einen Mädchennamen geeinigt. Nun sieht alles anders aus. Natürlich freuen wir uns sehr auch über einen Jungen! Natürlich wird manches wieder etwas komplizierter.

Aber ganz sicher ist, dass sich ganz Krume mit uns freut. Nochmal werde ich von vielen beglückwünscht. Ehrlich gesagt finde ich es komisch. Aber ich kenne ja mittlerweile meine Leute und die Kultur hier. So freue ich mich eben mit ihnen mit, aber nicht, ohne nochmal ganz deutlich zu sagen, dass wir uns auch sehr auf ein Mädchen gefreut hatten. 🙂

Unsere Kinder und die Tiere

Ein großer Vorteil von unserem Leben hier in Albanien ist die Natürlichkeit, mit der unsere Kinder hier aufwachsen. Wenn das Wetter schön ist, dann sind sie nur draußen mit den Nachbarskindern am spielen.
Auch der Kontakt zu den vielen verschiedenen Tieren hier ist besonders und schön.

Klar, da sind die vielen kleinen Käfer und Würmer und Eidechsen, die beobachtet werden und das leider manchmal zu handfest.
Oder da ist die Schildkröte, die wir auf dem Weg finden und bestaunen.
Oder das gerade frisch geborene Kalb, das einfach nur zu süß ist auf seinen wackeligen Beinen.

Oder unsere vielen Hühner, die von Mima fleißig gefüttert werden. (Mima hat in keinster Weise Angst vor ihnen). Hühner, die jetzt wieder ihre Küken ausbrüten und ich den lieben langen Tag nur diese süßen Geschöpfe und ihre sie schützende Mama anschauen könnte.

Aber auch das Interesse unserer Kinder, unserer Nachbarin beim Schlachten von zwei Hühnern zuzusehen. Ganz ohne Probleme sehen sie zu, bekommen einen Einblick in das Innere der Hühner, sehen die Eier in ihren unterschiedlichen Entwicklungsstadien im inneren der Hühner. Sie lieben dann die Hühnersuppe, die ich daraus mache...

Gestern waren wir bei Freunden im Dorf. Sie haben Hunde, Kühe, Hühner, Enten und seit neustem auch einen megasüßen Esel. (Ich bin selbst als Kind mit einem Esel aufgewachsen, daher liebe in gerade diese Tiere so...). Es ist so schön zu sehen, wieviel Freunde sie haben, auf dem Esel zu reiten oder ihn zu führen. Ich kann meinen Kindern zwar keine Reitstunden bieten, aber auf einem Esel reiten, das können wir hier auch und viel Spaß dabei haben. Und noch dazu kostet es nichts...

Es erfreut mein Herz zu sehen, wie das Leben hier bei allen Entbehrungen, die vielleicht vorhanden sind, doch so viel schönes und bereicherndes bietet, Dinge, die ein normales Kind in Deutschland nicht so leicht zu sehen bekommt und nicht erlebt.

Unsere Kinder sind bald Fachmänner und -frauen im Hühnerschlachten und Eselreiten. Das ist doch was! 🙂

Ein wunderschönes Buch

Vor einiger Zeit schon bin ich auf ein sehr schönes und kostbares Buch gestoßen, das ich euch hier kurz vorstellen und ans Herz legen möchte. Im Moment gibt es dieses Buch nur in englisch.

Es heißt Gracelaced - Discovering Timeless Truths Through Seasons of the Heart. 

Es ist eigentlich mehr ein kleines Kunstwerk, als ein richtiges Buch.

Ruth Chou Simons, Künstlerin, Autorin, Unternehmerin, Referentin und dabei noch Mutter von sechs Söhnen hat in diesem Buch ihre Gabe zu schreiben und zu malen wunderschön vereint. Ihre Bilder, passend zu den Texten, strahlen auf mich eine tiefe Ruhe und einen Frieden aus, so dass ich immer wieder mit meinen Blicken richtig in das Buch abtauchen kann und meine Gedanken und Gefühle zu Ruhe bringen kann. Meine Augen und mein Herz sehnen sich nach Schönheit und Harmonie und dieses Buch aufzuschlagen hat genau das schon oft in mir zum klingen gebracht.

Das Buch ist in vier Kapitel unterteilt und jedes Kapitel befasst sich mit einer der vier Jahreszeiten. In jeweils acht Andachten, die mit Stichworten überschrieben sind, die für die jeweilige Jahreszeit passend sind, schreibt die Autorin in tiefer und einfühlsamer, aber auch klarer Art über das Leben als Nachfolger Jesu mit allen Höhen und Tiefen. Dabei ist sie in keinster Weise nur ein „Seelenstreichler“, sondern ihre Worte kommen aus dem Wort Gottes, decken auf und fordern heraus, hinterfragen und regen zum Nachdenken an. Jede Andacht hat einen Hauptvers und noch weitere Bibelstellen zum tiefer Graben. Am Ende ist immer eine Frage oder Anregung, um über das Gelesene zu reflektieren und auf das eigene Leben und Erleben anzuwenden.

Das ganze wäre sicher nicht so besonders (obwohl auch die Texte für sich schon sehr gut sind), wenn es nicht so schön aufgemacht wäre. Die gemalten Bilder oder Fotos, die passend und ausdrucksstark das Geschriebene „untermalen“ und dem Gewicht verleihen, die Verse, die Ruth in eigener schöner Schrift, oft in Verbindungen mit einem Bild zu Papier gebracht hat, die sind einfach sehr besonders und einmalig.

Ich habe das Buch zu meinem letzten Geburtstag bekommen und es ist wirklich ein Schatz geworden, den ich gerne weiterempfehle. Sicher ist die Kunst nicht ganz jedermanns Fall, wie das bei Kunst so ist. Auch mir gefällt nicht jedes Bild gleich gut, aber darum geht es auch nicht. Ich spüre einfach auf jeder Seite die Liebe und Schönheit, die in dieses Buch gesteckt wurde und erfreue mich daran. Jedes Umschlagen ist ein kleines Erlebnis und jede Seite unterscheidet sich von der vorherigen.

Vielleicht ist dieses Buch ein gutes Geschenk zum nächsten Geburtstag auch für dich? Hier sind ein paar Eindrücke aus dem Buch. 


Ich bin da - ein Gedicht

Eine gute Freundin schrieb uns zuletzt in ihrem Brief dieses Gedicht, das mich berührt hat:

Gott sagt zu dir: Ich bin da!
In das Dunkel der Vergangenheit
Und in das Ungewisse der Zukunft
In den Segen deines Helfens
Und in das Elend deiner Ohnmacht
Dahinein lege ich meine Zusage: Ich bin da!

In das Spiel deiner Gefühle
Und in den Ernst deiner Gedanken
In den Reichtum deines Schweigens
Und in die Armut deiner Sprache
Dahinein lege ich meine Zusage: Ich bin da!

In die Fülle deiner Aufgaben
Und in die Leere deiner Geschäftigkeit
In die Vielzahl deiner Fähigkeiten
Und in die Begrenzung deiner Begabung
Dahinein lege ich meine Zusage: Ich bin da!

In das Gelingen deiner Gespräche
Und in die Langeweile deines Betens
In die Freude deines Erfolgs
Und in den Schmerz deines Versagens
Dahinein lege ich meine Zusage: Ich bin da!

In die Enge deines Alltags
Und in die Weite deiner Träume
In die Schwäche deines Verstandes
Und in die Kraft deines Herzens
Dahinein lege ich meine Zusage: Ich bin da!

Du hast aber einen guten Mann

Letztens war ich zu Besuch bei meiner Freundin. Wie Gott es manchmal so führt, hatte sie an diesem Tag Geburtstag und auf der Straße begegnete ich ihrer Schwiegermutter, Rosa*  (die sich letztens auch zu Jesus bekannt hat) und noch fünf weiteren Schwiegertöchtern, die gerade auf dem Weg zu meiner Freundin waren. Ich habe zu dieser älteren Frau ein sehr gutes Verhältnis. Trotz ihres schweren Lebens hat sie sich noch so eine Freundlichkeit und Güte bewahrt. Das fasziniert mich.

Sie hat neun Söhne, aber 13 Kinder geboren, d.h. vier ihrer Kinder sind gestorben. Nur Söhne zu haben heißt auch, dass sie sehr wenig Unterstützung im Haushalt und auch mit sonstigen Arbeiten hatte. Mädchen beginnen bald, die Mutter zu unterstützen im Putzen, im Bewirten der Gäste, im Hüten der kleineren Geschwister... Söhne helfen in der Regel so gut wie gar nicht mit. (Ich versuche immer wieder Mütter zu ermutigen, doch auch ihre Söhne in die Hausarbeit mit einzubeziehen, aber ich vermute, dass die Tradition da stärker ist.)

So waren wir also bei meiner Freundin alle zusammen. Es gab Kaffee und danach noch ein ausgiebiges Mittagessen. Irgendwann sagte Rosa dann: „Also, dein Mann, der ist ja sehr gut.“ Dann erzählte sie, dass sie zwei Tage zuvor bei uns zuhause war. Sie traf dabei nur Danny und die Kinder an, da ich an diesem Vormittag mit den Frauen aus dem Team in die nächste Stadt in den Kosovo gefahren war, um Blumen für den Garten zu kaufen auf einem großen Markt. (Normalerweise gehen hier eher nur die Männer, um sich in dieser Stadt zu „vergnügen“.) So sah sie Danny im Garten sitzen, um ihn herum ein Haufen spielender Kinder und auf die Frage hin, wo Rakela (mein albanischer Name) ist, bekommt sie die Antwort, dass sie in Gjakovë auf dem Markt ist.

In euren Ohren klingt das jetzt gar nicht besonders, aber diese Frau war absolut von den Socken, dass der Mann die Kinder hütet und die Frau sich „draußen“ vergnügt im einkaufen. Ihren Söhne (aus einem sehr  konservativer Clan) würde das sicher nicht im Traum einfallen.

Wir mussten so lachen, als sie das in der Runde von Frauen so erzählte. Aber sie lobte Dannys Verhalten sehr, und das freute mich. Sie fand es nicht komisch, dass mein Mann so etwas macht, sondern sie war sichtlich berührt von dieser Beziehung, die wir zueinander haben.

Ja, es stimmt, ich habe einen sehr guten Mann. Sicher wird mir das noch mehr bewusst, indem ich hier in dieser Kultur lebe, in der Ehe und Familie so anders gelebt wird. Für uns war von Anfang an klar, dass Danny sich in diesem Punkt nicht anpassen wird, nämlich in dem, dass der Mann sich so gut wie gar nicht um die Kinder und deren Erziehung kümmert. Da wollen wir bewusst einen Kontrapunkt setzen. Und schön, dass das dann auch positiv aufgenommen wird. Ich hoffe, auch von dem ein oder anderen Mann...

Tolle Tierdokus für Kinder jeden Alters

Letztens gab mir eine Freundin, selbst vierfache Mutter, einen tollen Tipp.

Wir sind immer mal wieder auf der Suche nach kurzen und sinnvollen Filmen, die die Kinder vor dem Abendessen anschauen können. Wir waren schon bei Leo Lausemaus, Peterson und Findus, den Kindern aus Bullerbü und Peppa Wutz und ihrem Bruder Schorsch.

Doch der Tipp begeistert uns und darum möchten wir ihn gerne mit all denen teilen, die Kinder haben oder auch keine haben. 🙂

Und zwar handelt es sich um ca. 24 minütige Tierdokumentationen des BR (=Bayrischer Rundfunk.) Da sind Paula oder Anna, zwei junge Frauen, die jedesmal ein anderes Tier entdecken und echt interessante und erhellende Infos eben zu diesem weitergeben. Das tun sie auf eine sehr ansprechende und liebevolle Art. Eben genau richtig für Kinder. Hier kannst du mehr zu der Serie lesen.

Unsere drei schauen es alle gerne. Jemima noch nicht ganz so ausdauernd, aber auch sie freut sich an den Tieren und den lustigen Bildern und gibt immer wieder sehr lustige Geräusche von sich... Toll ist echt, dass man eine ganze Menge dabei lernen kann. (Z.B. Dass die Zähne von einem Krokodil  bis zu 36 mal nachwachsen, wenn sie rausgefallen sind... :).

Es gibt Sendungen mit wilden Tieren (Löwen, Krokodile, Elefanten, Giraffen...), aber auch welche mit ganz normalen und den Kindern gut bekannten Haustieren (Pferd, Pony, Hund...)
Wir Eltern bleiben selbst manchmal dabei hängen, weil es einfach so schön gemacht ist (und wir ja auch noch was lernen können...) Das Abendessen macht sich dabei aber leider auch nicht von allein...

Anschauen kann mal diese Dokus auf youtube (einfach „Anna und die Tiere“ oder „Paula und die Tiere“ eingeben) Hier gibt es wirklich unzählige Sendungen.
Also, unsere Kinder (und wir) lieben sie und wir hoffen, eure Kinder (und ihr) findet sie auch toll...

Hier mal eine kleine Kostprobe...

Ein Karfreitaggebet

Gestern am Karfreitag hatte zwei aus dem Team mehrere Stationen aufgebaut, die den Weg Jesu ans Kreuz nachempfinden ließen. Im Garten des Familienzentrums stand auch ein großes Kreuz, dass die beiden selber gebaut hatten. Ich fand es sehr besonders, dieses hier in unserer Stadt aufgerichtet zu sehen. Wie eine Demonstration an die finsteren Mächte, dass es kein Halt mehr gibt für das, was Jesus hier angefangen hat. Er wird sein Kreuz für immer hier einpflanzen!

Wir hatten dann etwas Zeit, allein vor Jesus zu kommen, in Hinblick auf das Kreuz und was er für uns getan hat.
Ich saß in einer Wiese voll mit schönen Blümchen. Mein Gebet, das ich formuliert habe, möchte ich gerne mit euch teilen.

Danke Jesus!
Danke, dass du dein Leben zerbrochen hast,
Damit Ich heil werden kann.
Danke, dass du dein Blut vergossen hast,
Damit Ich Vergebung finden kann.
Danke, dass aus deinem Tod das wahre Leben geboren wurde.
Ewiges Leben
Durch deinen Tod und deine Auferstehung!

Danke, dass du aus Kaputtem, Totem und Zerbrochenem
Wunderbares erwachsen lassen kannst
Durch die unerforschliche Kraft,
Die in dir wohnt.

Wie die wunderschönen Blumen wachsen
Auf Schutt und Asche,
Wie sie durchdringen durch Altes, Krankes, Erstorbenes,
Wie sie sich unaufhaltsam Bahn brechen -
So unaufhaltsam ist die
Heilung und Rettung und Liebe
Die zu uns wächst durch
Dein Kreuz.

Danke!
Jesus!

So kümmert sich Gott um die kleinen Dinge...

Vor ein paar Tagen ist mir bewusst geworden, dass ich dieses Jahr eigentlich gar keine Schokoladen-Eier oder ähnliches zu Ostern für die Kinder habe. Nun, das ist ja auch kein Problem und ich sage auch überhaupt nicht, dass man das bräuchte. Doch mal bissle was im Garten verstecken ist halt schon was nettes.

Heute dann kam ein Päckchen von einer Frau, die wir gar nicht kennen. Und stellt euch vor, was darin war: seht selbst auf dem Foto!

Ich bin so begeistert, wie sich Gott um uns kümmert und eine Frau, die wir gar nicht kennen, beauftragt, uns eine Freude zu machen und das noch genau vor Ostern.
Nicht, dass Ostern durch die Sachen schöner wird. Ganz und gar nicht. Viel mehr freue ich mich über diese Frau und ihr Herz für uns, obwohl sie uns nicht kennt und noch mehr freue ich mich über meinen Gott und sein Herz für uns!

Liebe Ariane, wenn du das liest: Ein großes Danke an dich! Du warst ein Bote für Gottes Liebe und Fürsorge in diesen kleinen Dingen für uns!

"Hoffentlich wird es ein Junge."

Ich bin nun in der 24. Schwangerschaftswoche und natürlich ist mein Bäuchlein nun nicht mehr zu verstecken. Menschen hier freuen und wundern sich zugleich, dass wir noch ein viertes Kind bekommen. „Du bist ja wie wir Albaner“, heißt es dann so manchmal. Ich sage dann, dass wir uns bewusst dafür entschieden haben und Kinder ein Segen Gottes sind und wir uns sehr darauf freuen. Der nächste Kommentar dann ist meistens: „Hoffentlich wird es ein Junge.“ - das sagen sie auch ohne zu wissen, dass wir schon einen Jungen und zwei Mädchen haben. (Die „perfekte“ Familie wäre doch zwei mit zwei...)

Nun, was soll ich dazu sagen? Ich sage, dass das nicht wir, sondern Gott entscheidet. Und dass das auch gut so ist, sonst gäbe es in Albanien ja kaum noch Mädchen.
„Ja, ja, natürlich, Hauptsache gesund.“ kommt dann die schnelle und etwas verlegene Antwort. Manchmal möchte ich sagen: „Ja, und auch wenn es nicht gesund ist, ist es ein Geschenk Gottes!“

Als wir zuletzt einen Ultraschall machten, sah es nun mehr nach einem Mädchen aus. Wir freuen uns auch von ganzem Herzen darüber. Natürlich! Aber ehrlich gesagt fürchtete ich etwas die Kommentare der Albaner. Und mehr noch, hatte ich einfach keine Lust über blöde Bemerkungen oder Blicke, die das Leben von Mädchen herabsetzen. Irgendwann reicht einem das.

Im Moment fühle ich mich dabei wie eine Botschafterin für das Leben von Mädchen. Wenn nun Leute fragen, ob wir schon wissen, was es ist, dann sage ich frei heraus, dass es mehr nach Mädchen aussieht und wir uns freuen. Besonders laut sage ich es, wenn Mädchen im Raum sind. Wie müssen die sich nur fühlen, wenn immer nur ein Junge gewünscht wird und die Nachricht, dass es ein Mädchen ist, eine Schlechte ist.

Unsere Nachbarin von unten versuchte mir einmal zu erklären, warum man sich mehr einen Jungen wünscht. Das Leben eines Mädchens und später einer Frau ist so viel mehr von Leiden geprägt, wie das eines Jungen oder Mannes. Das wünscht sich doch keiner für sein Kind. Ich versuchte, mich in diesen Gedanken hineinzuversetzen. Wir können das ja so gar nicht verstehen. Bei uns haben alle die gleichen Chancen, ob Mädchen oder Junge. Aus Angst vor einem leidvollen Leben kein Mädchen zu wollen?

In gewisser Weise kann ich es nachvollziehen. Ja, ich denke auch, dass das Leben der Frauen auf jeden Fall mehr von Arbeit und oft auch Verantwortung tragen etc. geprägt ist. Wenn sie mit einem „schlechten“ Mann verheiratet wird, evtl. noch mit einer schwierigen Schwiegermutter zusammenlebt, dann kann das Leben echt sehr hart werden. Kindererziehung, Hausarbeit, Arbeit im Garten oder auf dem Feld, auch oft sehr schwere Arbeit, ist Aufgabe der Frau. Der Mann sitzt oft genug den ganzen Tag nur irgendwo im Café... Ich empfinde es oft als eine sehr ungerechte Welt...

Ich weiß auch, dass es noch so einige andere Gründe gibt, warum man einen Jungen braucht. Er wird z.B. die Eltern später aufnehmen und für sie sorgen. Töchter werden in andere Familien verheiratet.

Ich denke, Gott hat seinen Plan, wenn wir in Albanien unser drittes Mädchen bekommen (wenn es ein Mädchen ist :). Und ich will voller Stolz dazu stehen und „aller Welt“ bezeugen, dass das Leben von Mädchen genauso wertvoll ist, wie von Jungen.

[Anmerkung: Was ich hier schreibe, trifft für unsere Gegend zu. Nicht in ganz Albanien herrscht mehr dieses ausgeprägte Denken, dass Jungen mehr Wert sind wie Mädchen, oder das jedenfalls so vermittelt wird. Und auch nicht jeder in unserer Gegend denkt so. Aber doch der größte Teil und so begegnet es mir hier immer und immer wieder...]

Wie Gott mich zum vierten Kind ermutigt hat

Wir saßen gemeinsam am Strand. Danny und ich hatten zwei Tage zu zweit ohne Kinder. Ein besonderes Geschenk unserer Teamfrauen an uns. Wir genossen die Ruhe, die Zeit zum ungestörten reden, viel lesen und einfach zu tun, was man möchte.

Auf dem Heimweg machten wir noch einen kleinen Abstecher zum Meer. Albanien hat ja eine lange Küste, auch wenn wir von der leider nicht so viel mitbekommen, wie ich gerne würde. Ich liebe das Meer.

Ich lag so in der Spätsommer Sonne und blickte in den strahlend blauen Himmel und hörte Lobpreismusik.

Dann sah ich zu den sich brechenden Wellen und da lief ein Mann mit einem kleinen Baby auf dem Arm am Strand entlang. Es war ein wunderschönes Bild. Zumal hier in Albanien.

Dann sprach ich aus, was schon länger in mir rumorte: "Vielleicht sollen wir auch noch ein Kind bekommen?"

Ich erschrak fast selber über meine mutigen Worte. Danny reagierte gelassen. Aber in keiner Weise abweisend oder: "Nein, das kann ich mir ganz und gar nicht vorstellen." Gleich kamen mir manchen Dinge in den Sinn, die sich mit einem vierten Kind ändern, z.B. braucht man ein größeres Auto. Menschliche Gedanken.

Wir waren uns schnell einig, dass wir uns eine klare Antwort von Gott erwünschten. Vor allem ich wollte Gott ganz bewusst fragen, ob es sein Wille für uns ist. Dass er mir in meinem Herzen die Antwort so schnell geben würde, hätte ich nicht gedacht.

Noch an diesem Strand las ich "zufällig" zwei Stellen, die ich noch nie so gelesen hatte in meiner kleinen NGÜ. Einmal war es aus Psalm 116 der Vers 16:

"O Herr, ich bin doch dein Diener! Ja, dein Diener bin ich, und bereits meine Mutter hat dir treu gedient."

Und dann direkt darauf noch in Sprüche 31 Vers 1:

"Worte des Königs Lemuel von Massa, die seine Mutter ihn gelehrt hat."

An beiden Stellen ist so explizit von der Mutter und ihrem positiven Einfluss auf ihren Sohn die Rede. Ich möchte auch so eine Mutter sein, die ihren Kindern gutes lehrt und die sie zu Jüngern Jesu macht. Dabei kenne ich nur zu gut auch meine Fehler und Beschränkungen. Aber dennoch steht Gottes Gnade in besonderer Weise über dem Leben der Kinder von gläubigen Eltern.

Für mich sprachen diese Worte eine klare Sprache. Als ich dann auch sehr schnell schwanger wurde, war es für mich klar, dass dieses Kind noch zu uns gehört. Und dass es ein besonderes sein wird. Wie jedes andere ja auch...

Für mich ist es ein Wunder, das Gott in mir getan hat. Noch Monate zuvor hätte ich nie gedacht, noch ein Kind zu bekommen. Jetzt ist mein Herz die allermeiste Zeit voller Freude über dieses vierte Geschenk Gottes in unsere Familie.