Was ich von der Mutter von Thomas Edison lernen will

Thomas Edison ist einer der berühmtesten Erfinder. Mit über 1000 Patenten, darunter die Kohlefaden-Glühbirne mit dem Edison-Gewinde, sucht er seinesgleichen. Als ich eine sehr kurze Biografie seines Lebens las, beeindruckte mich aber nicht unbedingt dieser überragende Mensch, sondern eine Person, die keiner kennt: seine Mutter.

Aus dem Buch „So viel Freude, so viel Wut“ von Nora Imlau möchte ich kurz zitieren:

„Faul und verdorben“ - das waren die Worte, mit denen Lehrer und Schulleiter den kleinen Thomas beschrieben. Denn der Junge war unruhig und zappelig, wissbegierig und willensstark. Er litt immens unter der Lautstärke und der Unruhe in dem kleinen Schulhaus, in dem 38 Kinder verschiedener Altersstufen zusammen unterrichtet wurden, und nervte seinen Lehrer mit seinen ständigen Zwischenfragen. „Ein schwieriges Kind, nicht wert, weiter hier unterrichtet zu werden“, lautete das harte Urteil nur zwölf Wochen noch seiner Einschulung, das Thomas, damals sieben Jahre alt, tief verletzt und in Tränen aufgelöst nach Hauses rennen ließ. Doch seine Mutter, selbst Lehrerin von Beruf, ließ das nicht auf sich sitzen. Sie schnappte sich ihren kleinen Sohn und ging postwendend zum Schulhaus zurück, wo sie dem Lehrer eine wütende Standpauke hielt: er habe ja keine Ahnung, ihr Sohn sei schlauer als der Lehrer selbst, und die Welt werde schon noch sehen, was für ein kluger kleiner Geist ihr Thomas sei. Von diesem Moment an unterrichtete Nancy Edison ihren Sohn zu Hause und ließ sich dabei von seinen breitgefächerten Interessen leiten: er konnte sich für Lyrik ebenso begeistern wie für Technik. Mit zwölf Jahren gründete er seine erste eigene kleine Zeitung, mit 15 lernte er zu telegraphieren, und mit Anfang zwanzig hängte er seinen Bürojob an den Nagel, um Erfinder zu werden. ...

Nach dem Geheimnis seines Erfolges gefragt, sagte Edison, es sei der unerschütterliche Glaube seiner Mutter an ihn gewesen, der ihn immer angetrieben habe.“ (S. 85f)

Ich muss sagen, das mich diese Geschichte sehr berührt hat. Da ist eine Mutter, die allen anderen Meinungen zum Trotz zu ihrem besonderen (vielleicht manchmal auch nervigen, herausfordernden, anstrengenden) Jungen steht. Sie lässt sich nicht beirren, sie lässt sich nicht einschüchtern, sie verteidigt ihr Kind und sieht auch hinter manchem schwierigen Verhalten das große Potential. Sie sieht das, was andere, Außenstehende oft nicht sehen können. Sie kennt ihren Jungen, und sie weiß, dass so viel mehr in ihm steckt, wie die Lehrer begreifen. Und sie geht einen mutigen Schritt. 

Ob ihre Reaktion und ihre Unterhaltung mit dem Lehrer nun der Weisheit letzter Schluss waren, das weiß ich nicht. Aber anscheinend war sie der Wind, der ihren Sohn zu Unglaublichem beflügelte: ihre Loyalität, ihre Liebe und Stärke, ihr Glauben in ihren Sohn und seine von Gott gegebenen Fähigkeiten. All das, so sagt Edison selber, sei der Grund seines Erfolges. Seine Mutter hatte fest an ihn geglaubt. 

Ich habe auch einen Sohn, der besonders ist. Und der mich manchmal verzweifeln lässt, aber in dem ich auch so viel Potenzial sehe. Für manche Außenstehenden ist er vielleicht laut, weinerlich, intensiv in seinen Gefühlen, immer am Rand „zu kippen“, zappelig und vieles mehr. Und ja, manchmal sehe ich auch nur diese Dinge und weiß nicht weiter. Aber ich will wie Nancy Edison an ihn glauben. Ich will das Gute in ihm wecken, will ihn ermutigen und bestärken in dem, was er gut kann, will mich uneingeschränkt hinter ihn stellen und ihn verteidigen. Ich will daran glauben, dass Gott großes mit ihm vorhat, dass in ihm Fähigkeiten schlummern, die großartig sind. Ich möchte, dass auch er eines Tages zurückschaut und sagen kann:
Meine Mama stand immer hinter mir. Sie hat an mich geglaubt und an das, was Gott durch mich tun kann, genauso, wie ich bin. Sie hat mich stark gemacht zu werden, was ich jetzt bin.

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See in this a chance to die - Eine Gelegenheit zu sterben

Ich erlebe hier im Moment einiges an geistlichem Kampf. Dieser drückt sich in ganz unterschiedlicher Weise aus. Aber meistens sind es Ereignisse, Dinge, die geschehen und die mich entweder entmutigen, wütend machen, resignieren lassen, ärgern, lähmen usw. oder es sind Stimmen in meinem Kopf, die mir einflüstern: Siehst du, euer Dienst bringt nichts. Die Menschen hier werden sich doch nie ändern. Du kannst doch sowieso nichts verändern. Pack lieber deine Sachen und geh. Zieh dich zurück und kümmere dich nicht mehr darum. -

Ich habe mir zuletzt all diese (manche würden sagen menschlichen Stimmen) angehört. Ich habe auf diese Stimmen in meinem inneren gehört. Und ich bin erschrocken. Ich bin erschrocken, weil ich diese Stimmen ganz eindeutig nicht als Stimme Gottes entlarvt habe. Im Gegenteil: diese Stimme ist der Feind, der mit allen Mitteln versucht, mich zu entmutigen und zum aufgeben zu bewegen. Er will, dass ich Bitterkeit und Ärger spüre anstatt Liebe und Annahme. Er will, dass ich mich in verletztem Stolz bade und in Selbstmitleid versinke. Er will mir die Vision für hier nehmen, will alles für umsonst erklären. Er will diesen Geist der Entmutigung in mich pflanzen und ihn Wurzeln schlagen lassen.

Doch ich will das nicht! Ich will mich ganz bewusst dagegen stellen und nein sagen zu diesen Stimmen. Ich will ihnen Gottes Wort entgegen halten. Ich will mich bewusst der Gegenwart Gottes aussetzen und mich mit seiner Wahrheit füllen lassen. 
Gestern war Sonntag. In unserem Treffen mit den Frauen sprachen wir über Epheser 6, die Waffenrüstung Gottes. Was steht da?


„Werdet stark im Herrn und in der Macht seiner Stärke!Zieht die ganze Waffenrüstung Gottes an, damit ihr gegen die Listen des Teufels bestehen könnt! (Die List des Teufels ist es so oft, Entmutigung und Bitterkeit in unseren Herzen zu sähen. Sie erscheint uns wie gerechtfertigt...)

Denn unser Kampf ist nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Gewalten, gegen die Mächte, gegen die Weltbeherrscher dieser Finsternis, gegen die geistlichen Mächte der Bosheit in der Himmelswelt.Deshalb ergreift die ganze Waffenrüstung Gottes,Damit ihr an dem bösen Tag widerstehen und, Wenn ihr alles ausgerichtet habt,Stehen bleiben könnt!“


Dann passierte am Nachmittag Folgendes: Ich saß mit Nena Rrushe und den Kindern im Garten. Da riefen die Nachbarskinder Nena Rrushe, dass sie ihnen doch den Ball über die Mauer werfen sollte, der beim Spielen zu uns geflogen war. Ich stand auf, nahm den Ball in die Hand und bemerkte (wieder einmal), dass das einer der Bälle war, der bei uns damals im Familienzentrum geklaut worden war. Ich erkannte ihn eindeutig wieder. Es war kein Ball für Kinder zum Spielen, sondern ein Therapie- und Gymnastikball, ein guter und teurer. Die Kinder aus unseren zwei Nachbarhäusern waren damals die Hauptdiebe gewesen, wir hatten sie gestellt und sie waren verpflichtet, dass sie uns alles wieder zurückgeben müssen. So sahen wir von einer Anzeige ab. Dass dieses Versprechen nicht eingehalten wurde, das merken wir immer wieder, wenn wir Dinge von uns rumfliegen sehen.

Nun ja, ich fragte dann, woher sie den Ball hätten und das Ich glaube, dass das einer von unseren ist. Ne, den hätten sie von einem Onkel aus Deutschland bekommen... Ich behielt den Ball und sagte, ich müsse das mit unserer Physio besprechen, sie kennt ihre Bälle. (Es war eindeutig unserer). Ich dachte, dass die Sache für die Kids damit geklärt wäre. Doch etwas später standen sie vor dem Tor und wollten mit mir reden. Eines der Nachbarsmädchen ging für viele Jahre ein und aus bei uns und war fast wie eine Tochter. Bis zu dem Tag, an dem ich sie des Öfteren beim Klauen erwischte und sie auch bei dem Diebstahl im Kinderzentrum beteiligt war.

Jetzt begegnete sie mir in einem ziemlich respektlosen Ton. Ihre Freundin, der angeblich der Ball gehörte, stand nur dabei. Ich sagte an sie gerichtet, dass sie mir ins Gesicht schauen soll und vor Gott bezeugen soll, dass das wirklich ihr Ball ist. Dann würde ich ihn ihr geben. (Ich will ja nun wirklich nicht den Kindern hier die Bälle nehmen, obwohl auch gesagt sei, dass dieses Mädchen aus einer ziemlich reichen Familie stammt, die klauen nun wirklich nicht nötig hätten...). Sie sah mich an und ihr Blick sprach alles. Sie wusste nur zu gut, dass sie gelogen hatte. Sie bekam Tränen in die Augen. Ich nahm sie in den Arm und vergab ihr. 

Dann kam ihre Mutter. Ich kenne sie und eigentlich hatte ich immer einen recht guten Eindruck von ihr. Doch nun kam sie und bestätigte die Lüge der Kinder. (Nur, dass der Ball nicht vom Onkel, sondern jetzt von der Tante aus Deutschland sei, ein Geschenk.) Ich solle mich doch nicht so anstellen, die armen Kinder, und überhaupt, gib jetzt den Ball, ich habe mein Brot im Ofen (das scheint mir der Satz zu sein hier, wenn man sich schnell einer Situation entziehen will).

Ich fühlte mich etwas überfahren. Ich wog schnell in meinem Herzen ab, was ich machen solle. Würde ich es auf einen Krach anlegen, würde ich sagen, nein, ich gebe dir denn Ball nicht, er gehört uns. Deine Kinder haben ihn geklaut! Doch die Frau ist unsere Nachbarin und noch dazu von einer Familie, die einflussreich ist und mit denen ich nicht in einen Streit geraten will. Zumal ist Danny nicht da und ich als Frau bin hier machtlos, wenn sie z.B. ihren Mann zu mir schickt. So gab ich ihr den Ball, mit dem Hinweis, dass Danny nochmal mit ihrem Mann reden wird. 

Ich ging in den Garten zurück. Innerlich kochte ich. Ich war so stinksauer auf diese verlogene Gesellschaft hier. Auf Kinder, die ohne rot zu werden lügen. Auf ein Mädchen, dass ich wie eine Tochter aufgenommen hatte und die mir jetzt respektlos begegnete, auf eine Mutter, die die Lüge ihrer Kinder deckt und mir unser Eigentum entwendet.

Alle möglichen Gedanken kamen in mir hoch. Ich war wütend über diese Ungerechtigkeit. Alles in mir schrie nach Vergeltung: Ich werde sie meiden. Ich schaue sie nicht mehr an. Ich rede nicht mehr mit ihnen. Ich gehe in ihrem Laden nicht mehr einkaufen. - Wieder diese Stimmen! Ein wahrer Kampf in meinem Innern. Würde ich auf sie hören, dann wäre ich wie alle hier. Denn auf diese Weise gehen Beziehungen hier kaputt. Man meidet den anderen, geht nicht mehr in die Geschäfte und Cafés des anderen usw. ich wäre dann sehr kulturangepasst. Das wollen wir doch auch, oder? 

Nein, halt! Ich ging ins Zimmer mit Blick auf die beiden Nachbarhäuser. Ich war den Tränen nahe. Was sollte ich tun? Ich verstand ziemlich schnell, dass Jesus von mir wollte, dass ich diese Menschen da unten segne. Dass ich für sie bete. Dass Gott sie selbst überführt und ihnen keine Ruhe lässt. Aber auch für mein Herz. Oh Herr, ich bin so wütend. Ich finde es so ungerecht. Wie konnte ich nur den Ball hergeben (hier ging es um viel mehr als nur einen Ball...). Ich fühle mich verletzt. Auch in meinem Stolz. Ich sehne mich nach Wiedergutmachung. Möchte mich wehren, möchte noch so viele Sätze sagen und Sachen klar stellen.

Aber ich weiß, dass das nicht das ist, was ich tun soll. Ich soll segnen und anders handeln. Ich soll den unteren Weg gehen und es Gott überlassen. Aber soll man nicht Wahrheit ans Licht bringen, Ungerechtigkeit klar benennen, Diebstahl nicht gutheißen durch Schweigen und Gewähren lassen?
Ich merke, wie ich innerlich ruhiger werde. Wie ich selbst Vergebung suche für meine lieblosen Gedanken und Worte. 
Und ich denke an einen Satz von Amy Carmichael, der mich schon vor vielen Jahren stark getroffen hat: „See in this, a chance to die.“ (Sehe in dem (einer widerfahrenen Ungerechtigkeit) eine Möglichkeit, um zu sterben)

Und dann steht da noch: „Sehe in dem - in dieser Provokation, dieser Zurechtweisung, die nicht sein durfte, eine Gelegenheit, um zu sterben. Deinem selbst und dem Stolz, der aufkommt, wenn man sich verteidigen will. Sehe in allem - in allem, dass in dir auf deine Rechte beharren will, sehe in dem eine Gelegenheit, um zu sterben. Heiße alles willkommen, was dich zu deiner wahren Stellung ruft: „Ich bin mit Christus gekreuzigt.“ (Galater 2,20)“

Ich möchte in meiner Reaktion einen Unterschied machen. Ich will nicht gleiches mit gleichen vergelten. Ich will Liebe üben, ich will vergeben, ich will barmherzig sein. Wie könnten sie auch anders hier handeln. Sie haben nicht den Geist Gottes. Sünde sollte uns in einer sündenbeladenen Welt nicht verwundern. Sie ist das normale. Doch unsere Reaktion darauf, das sollte nicht das normale sein.
Diesen Weg will ich gehen. Mit Gottes Hilfe und seiner Kraft. Ich will durch mein anderes Verhalten ein Zeugnis sein für unseren Gott. Es ist nicht leicht; sterben ist nicht leicht. Aber es ist Gottes Weg für uns als seine Kinder und Nachfolger.  Er selbst ist uns diesen Weg vorausgegangen.

Meine Tage sind gezählt

Diese Tage hat ein uns sehr naher Angehöriger die Diagnose Krebs bekommen.

Es war ein Schock für uns alle. Es trifft einen so unvorbereitet, so plötzlich. Auf einmal ist alles anders als zuvor. Alle Pläne, die man hatte, scheinen klein und unbedeutend. Vor einem liegt nur das Ziel: wieder gesund werden. Da liegt eine anstrengende Therapie, vielleicht eine OP, viele Arztbesuche, Ungewissheit, Angst und so viel mehr. 

Und unwillkürlich denkt man bei einer Diagnose wie Krebs auch an den Tod. Schon zu viele Menschen hat man sterben gesehen an dieser Krankheit, als dass dieser Gedanke nicht kommen könnte. Die Tage sind gezählt...

Aber halt mal! Bei all diesen Gedanken klingelt in meinem Kopf eine Glocke. Laut verkündet sie mir: Rahel, deine Tage sind auch gezählt. Auch ganz ohne einer Krebsdiagnose (die mich aber auch jeden Tag treffen könnte...) Meine Tage sind gezählt. Unser aller Tage sind gezählt. 
Vielleicht wissen wir das. Sicher wissen wir das. Alle müssen eines Tages sterben. Aber doch nicht jetzt. Der Gedanke, ich könnte wissen, wieviele Tage ich noch zu leben habe, der ist mir irgendwie unangenehm.

Gestern wollte Gideon wissen, wieviele Tage wir schon alle gelebt haben. 
Danny kam auf stattliche 14.780 und ich auf 12.560, während Henry grad mal 210 Tage gelebt hat. Doch wieviele kommen noch? 

Meine Tage sind gezählt. Und die Bibel sagt uns, dass es gut ist, dass wir daran denken:

Tue mir kund, Herr, mein Ende und welches das Maß meiner Tage ist, damit ich erkenne, wie vergänglich ich bin. Siehe, handbreit hast du meine Tage gemacht und meine Lebenszeit ist wie nichts vor dir; nur ein Hauch ist jeder Mensch, wie fest er stehe.“

Psalm 39,5-6

So lehre uns denn zählen unsere Tage, damit wir ein weises Herz erlangen.“

Psalm 90,12

Mose, der alte, weise Mose, der schrieb dieses letztere Gebet auf. An die eigene Endlichkeit zu denken beschert uns Weisheit. Warum, frage ich mich. Was geschieht in meinem Herzen, wenn ich anfange, meine Tage zu zählen? Wenn ich anfange, mit dem Gedanken täglich zu leben, dass ich sterben werde. Dass meine Tage gezählt sind?

Ich kann nur von mir selbst sprechen. Wenn ich an meine Endlichkeit denke, wenn ich daran denke, dass morgen mein letzter Tag sein könnte, daran, dass morgen schon der Tag sein könnte, an dem ich vor Jesus stehe in seiner Herrlichkeit, dann macht das was mit mir und meiner Perspektive auf mein Leben. 

Da werden plötzlich alle Sorgen klein, die vorher so groß schienen, da scheint mir der Gedanke, was ich wohl mal für eine Rente bekomme, unbedeutend. Da wächst in mir der Wunsch, noch viel mehr für Jesus zu leben. Noch mehr in sein Reich zu investieren und nicht in mein kleines Königreich. Da geht mein Blick auf Wesentliches.
Ich denke, dass das damit gemeint ist, weise zu werden: Mehr für Jesus zu leben. 
Mich weniger um mein unbedeutendes Leben zu drehen und mich mehr um Jesus drehen. Mehr Zeit und Geld und Kraft zu verwenden, damit Menschen von ihm hören, durch mich oder durch andere. 

Manche denken vielleicht, ich bin ja schon voll dabei, ich bin ja im Ausland, um Menschen von Jesus zu erzählen, mein Leben ist doch schon „hingegeben“ und ich opfere doch schon viel. Aber nein. Auch für mich und uns ist das immer wieder eine Herausforderung: In welches Königreich investiere ich? In meines oder in das von Jesus?

Ich finde schön, was Mose in seinem Gebet nur wenige Zeilen nach dem „Tage zählen“ schreibt:

„Sättige uns am Morgen mit deiner Gnade, so werden wir jubeln und uns freuen in allen unseren Tagen.“

Psalm 90,14

Das Leben für Jesus ist nicht trister Dienst. Nein, Leben für Jesus bedeutet in Freude und Zufriedenheit, in Dankbarkeit und innerem Frieden zu leben... an allen Tagen unseres Lebens. Doch wie geschieht das? Wenn ich mich sättigen lasse von Gottes Gnade. Wenn ich seine Gnade zu meinem täglichen „Frühstück“ mache, sie zu meiner Stärkung mache für jeden Tag! 

Ich habe mir wieder neu vorgenommen, die ersten Minuten eines neuen Tages bewusst diese Speise in mich aufzunehmen: Seine Gnade, aus der heraus ich leben will. Seine Gnade, durch die die leben können, die schwer krank sind. 

Und ich will mir mehr bewusst machen, dass mein Leben ein Ende hat, meine Tage sind gezählt. Ich bin nur wie ein Hauch, der gerade da ist und schnell vergeht. Ich möchte mein Leben in das investieren, was zählt, auch für die Ewigkeit. 

Ich will dir Mut machen, darüber nachzudenken. 

In was investierst du deine Zeit? Für welche Dinge gibst du dein Geld aus oder sparst du es? Wohin fließt deine Kraft, deine Energie, deine Freude? Sind es Dinge, die auch im Licht deiner Endlichkeit Wert besitzen und bestehen bleiben? Oder dreht sich eigentlich alles nur um dich und dein kleines Reich? Wie würdest du dein Leben verändern, was würdest du anders machen, wenn du wüsstest, dass du nur noch wenige Tage zu leben hast? 

Ein Schritt vor und drei zurück

Die Arbeit, in der wir hier stehen, könnte man oft so beschreiben: Wir gehen einen Schritt voran und dann kommt der Rückschlag und wir gehen wieder drei zurück. Dann geht es wieder zwei Schritte vor und nach kurzer Zeit sind da wieder die Schritte rückwärts. Ehrlich gesagt ist das anstrengend und zu Zeiten sehr entmutigend. Die Arbeit ist keine leichte und ich denke jeder, der im geistlichen Dienst steht, kennt diese Dynamik. 

Ich denke, auch Paulus schon war nicht davor verschont. Er fordert seine Leser oft auf, nicht müde zu werden in ihrem Dienst. Zum Beispiel in Galater 6, 9:

Lasst uns aber im Gutestun nicht müde werden! Denn zur bestimmten Zeit werden wir ernten, wenn wir nicht ermatten.“

Anscheinend kannten auch die ersten Gläubigen dieses Gefühl, müde zu werden, zu ermatten, entmutigt zu sein. Warum sonst würde Paulus sie ermutigen, gerade das nicht zu tun. 

In 2.Thessalonicher 3,13 schreibt Paulus fast im gleichen Wortlaut:

Ihr aber, Brüder, werdet nicht müde, Gutes zu tun.“

Ich kenne dieses Gefühl, das kommen will, wenn ich denke, dass ich nun wieder einen Schritt zurück gegangen bin. Entmutigung will sich dann in mir breit machen. Doch da hinein ruft Paulus mir zu: Werde nicht müde! Lass dich nicht entmutigen! Ermatte nicht! Gott kommt zu seinem Ziel zu seiner Zeit. 

Ein solches Erlebnis hatte ich in der letzten Woche.
Meine jahrelange enge Freundin und Nachbarin, mit der ich schon viele gute Gespräche geführt habe und die mir sehr nahe steht, schien sich wirklich für Jesus zu öffnen. Sie hatte auf einmal so ein Leuchten in ihrem Gesicht und aus ihren Augen strahlte eine Freude, wie ich sie noch nicht so oft bei ihr gesehen habe. Sie las in der Bibel, die ich ihr geschenkt hatte. Sie hing an meinen Lippen, wann immer ich ihr aus der Bibel erzählte.

Ich hatte wirklich den Eindruck, dass Gott sie nun, nach fünf Jahren Freundschaft mit ihr, ergriffen hatte und eine Entscheidung ihrerseits für Jesus schien mir greifbar nahe zu sein. Ich freute mich so darüber. Ich war so ermutigt. Ja, gutes tun und dran bleiben scheint sich auszuzahlen. Wir werden ernten zur richtigen Zeit, das hat doch auch Paulus schon gesagt...

Doch etwas später veränderte sich die Lage. Ihr Mann hat etwas gegen jegliches religiöses Buch, worunter die Bibel für ihn auch zählt. Meine Freundin musste ihn schon einmal, als er ihre Bibel sah, anlügen und sagen, dass es meine sei, die ich dort vergessen hatte. Die Angst in ihr schien sichtlich gewachsen zu sein. Da sie nie genau weiß, wann ihr Mann nach Hause kommt, war da immer eine Unsicherheit und Unruhe in ihr, sobald sie ihre Bibel zur Hand nahm. 

Ich war etwas irritiert. Was sollte ich sagen oder tun? Soll ich ihr raten, gegen den Willen ihres Mannes in der Bibel lesen? Ich denke, hier trifft das Gebot zu: Du sollst Gott mehr gehorchen als dem Menschen. Aber wie fühlt sie sich dabei? ... aber es geht doch um ihre Errettung!

Doch sie wollte ein Wagnis lieber nicht eingehen. Sie trat zurück. Sie gab mir die Bibel wieder mit. Es sei besser so. Ich war irritiert und traurig. Wie kann das sein? Sie schien doch endlich so offen und bereit für Jesus? Warum jetzt das? Warum lieber wieder in den alten Trott zurück, vom alten Wasser trinken, wenn sie doch schon etwas von dem lebensspendenden Wasser, das Jesus geben will, getrunken hat? 
Ich war auch etwas ärgerlich über diese Einstellung: Nur keinen Ärger, nur nichts riskieren. Dann lieber unglücklich da bleiben, wo man ist. Aber ich weiß auch, dass es mir nicht zusteht, sie zu beurteilen. 
So werde ich weiter für sie beten und ich hoffe sehr, dass Gott ein Wunder tut in ihrem Leben, dass sie gar nicht anders kann, als sich ihm zuzuwenden. 

Und ich will dabei nicht müde werden! Ich packe ihre Bibel weg in meinen Schrank und hoffe und bete, dass sie wieder zu ihrem Besitzer zurückkommt. Ich will mich nicht entmutigen lassen, nicht aufhören, von Jesus zu reden, auch wenn ich wenig Resonanz spüre. Und zu rechten Zeit wird Gott die Frucht schenken. 

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Tu das, wovor du dich fürchtest!

Einmal mehr habe ich gelernt, dass vieles gar nicht so schlimm ist, wie man befürchtet. 
Das, wovor man Angst hat, was man sich in seinen schlaflosen Nächten ausmalt, die lieben Sorgen und Befürchtungen, in den allermeisten Fällen werden sie nie eintreten. 

Ich durfte das zuletzt auch wieder lernen. In einem ziemlich banalen Fall. Es ging um Mimas Schnuller. Eltern mit Schnullerkindern können sicher nachvollziehen, wie sehr manche Kinder an ihrem Schnulli hängen. Wenn man ihn auf einer längeren Fahrt ausversehen vergisst, dann ist Holland in Not. Mehr noch. Mama kann verzweifeln. Ich spreche aus Erfahrung. Unsere Mima nun hing sehr an ihrem Schnuller. Sie brauchte ihn auf jeden Fall zum schlafen, zum sich zu beruhigen, als kleinen Seelentröster. Ich konnte mir kaum vorstellen, wie ihr Leben ohne dieses geliebte kleine Plastikteil weitergehen sollte. Und entsprechend fürchtete ich den Tag, den unser Zahnarzt uns baldmöglichst ans Herz legte, den Tag, an dem die Schnuller plötzlich nicht mehr da sein würden. 

Ich schaute in meinen Kalender. Wann sind da so ungefähr zwei Wochen, in denen nichts großes ansteht, keine lange Fahrt, keine Übernachtung woanders, keine wichtige Veranstaltung... Wann ist die richtige Zeit, wann werden meine Nerven stark genug sein für nächtliche Schreianfälle und lange Abende mit sich im Bett wälzenden Kind, immer wieder herzzerreißend rufend: „Nulli haben!“. Wann werde ich genug Kraft haben, um das neben all der Belastung, die sowieso schon da ist, auszuhalten?

Nun, die Wahrheit ist, diese Zeit gab es schlicht nicht in meinem Kalender. Ich konnte sie einfach nicht finden. Und so verschob sich das, was ich schon längst angehen wollte immer weiter noch hinten. Ich wusste, dass ich es machen muss, aber eine innere Stimme sagte mir: „Ne, lass mal lieber noch ne Weile, wer weiß, was danach dann auf dich zukommt.“ 

Doch dann kam der heroische Tag. Der Tag an dem ich, ganz ohne in den Kalender zu schauen, sagte: „Heute sagen wir dem Schnulli Tschüs und werfen ihn in den Fluss!“ und dann feiern wir ein kleines Fest zu Ehren der mutigen Mima (oder doch der mutigen Mama - na, vielleicht für beide...)
Und das taten wir. Es war sicher ein lustiger Anblick, wie die ganze Familie Fröse zum nahegelegenen Fluss pilgerte, Mima mit der Dose mit ihren Schnullern drin, die beiden Großen ganz aufgeregt und stolz auf ihre kleine Schwester. Dann geschah es. Alle Schnuller landeten nach mehreren Versuchen doch sicher auf nimmer Wiedersehen in dem Strom des Wassers und wir konnten nur noch winken ...

Um es nun kurz zu machen: Jemima hat ihren Schnuller nur sehr kurz vermisst und hat dann ohne weitergelebt, als hätte sie nie einen gehabt. Ich habe gestaunt. Und ich habe gelernt: Tue das, wovor du dich scheust, was du vor dich herschiebst, vielleicht schon seit Wochen und Monaten. Tue es jetzt! Gehe es an! Es wird ziemlich sicher nicht so schlimm, wie du befürchtest.

Mein Vers für 2019

Zwar ist das Jahr schon einen Monat alt, aber ich möchte euch doch gerne noch erzählen, welchen Bibelvers mir Gott für dieses Jahr „gegeben“ hat. 
Ich habe schon länger die Tradition, am Ende oder direkt am Anfang des neuen Jahres Gott zu fragen, was in diesem Jahr besonders wichtig für mich sein wird. 
Und bisher war es meistens so, dass ich auf einen Vers gestoßen bin, bei dem ich innerlich wusste: das ist er! Das ist dein Vers, dein Motto, deine tägliche Erinnerung für das neue Jahr. 

Dieses Jahr hatte ich vor dem Jahreswechsel einen Stille-Tag. Wir haben im Team die schöne Aufgabe, einen Tag im Monat zu nehmen und ihn in einen besonderen Tag mit Gott zu verwandeln. Wie das für jeden aussieht, das variiert. Ich hatte diesmal die Idee, ihn in der Küche meiner Teamfrauen zu machen, da beide ausgeflogen waren und ich zwischendrin schnell nach Hause gehen konnte, um Henry zu stillen. 🙂

Seit einiger Zeit lese ich durch Jesaja. An diesem Tag kam ich zu Kapitel 26. Die Verse 3 und 4 leuchteten mir dabei in großen Buchstaben entgegen:

Herr, du gibst Frieden dem, 
Der sich fest an dich hält und dir allein vertraut.
Ja, vertraut dem Herrn für immer,
Denn er ist ein starker Fels für alle Zeiten. 

Ich merke immer wieder, wie sich unruhige Gedanken in mir breit machen. 

Das betrifft ganz unterschiedliche Bereiche meines Lebens. Sei es unser Leben hier mit allen unbeantworteten Fragen, Herausforderungen und „Unsicherheiten“.

Wie lange können wir noch in so einer engen Wohnung leben? Welche Alternative gibt es (es gibt in unseren Augen nicht wirklich eine...)?

Wie können wir in dieser so stark getrennten Männer und Frauen Welt Gemeinde gründen, in der alle gemeinsam Gott anbeten? Wo liegen unsere Prioritäten? Wie können wir die Menschen erreichen?

Oder es sind Fragen, die die Kinder betreffen. Wie kann ich ihnen helfen, ein dankbares Herz zu bekommen? Wie kann ich ihnen meinen Glauben vermitteln? Fördern wir sie genug? Wie werden sie sich eines Tages wieder in D zurechtfinden? Aber auch einfache Fragen wie: wann lernt Mima endlich auf die Toilette zu gehen...?

Naja, ich denke, jeder hat so eine lange Liste an Dingen, die das Herz in Unruhe versetzen und den inneren Frieden rauben wollen. Große und kleine Dinge. Das ist letztlich egal. Das Ergebnis ist das gleiche. Unfrieden, Unruhe, wie ein hin und her wackelndes Schiff ohne festen Anker. Der Blick ist dabei nur auf die horizontale gerichtet und es fällt schwer, ihn zu erheben und auf den zu blicken, der alles in seinen Händen hält, sich um mich sorgt und gute Pläne hat.

Genau dazu fordert mich mein Vers für dieses Jahr heraus. Frieden will ich, Frieden gibt Er mir, wenn ich mich nur fest an ihn halte und ihm allein vertraue. Allein ihm! Das ist nicht leicht. Das ist an jedem Tag eine neue Herausforderung. Ein neuer Kampf. Ein neues Aufblicken und bewusstes Abgeben an Gott! Aber warum soll ich auf Gott vertrauen? Weil er ein starker Fels ist für immer. Für alle Zeiten ist er der unwandelbare. Wenn ich mich auf diesen Felsen stelle, so werde ich nie wanken. Das möchte ich in diesem neuen Jahr tun. Du auch?

Ein toller Kinderkalender

Wir hatten es immer sehr auf dem Herzen, mit unseren Kindern schon früh zu beginnen, Bibelverse auswendig zu lernen. Wir starteten unterschiedliche Anläufe, aber keiner war so richtig erfolgreich. Welche Verse sollten wir lernen, wann war eine gute Zeit sie zu lernen, welches kleine Belohnungssystem können wir einführen usw. 

Zu Weihnachten schenkten wir Gideon dann einen kleinen Kalender. Er ist vom Dillenburger Verlag und heißt „Die helle Straße“. Ich kenne diesen Kalender noch aus meiner Kindheit und freute mich, dass es ihn immer noch gibt. Da Gideon kleine Zettel liebt, haben wir uns für den Abreißkalender entschieden. Man kann ihn aber auch in Buchform bekommen. Der Kalender hängt nun in der Küche direkt an Gideons Sitzplatz am Tisch. 

An jedem Tag reißt er nun das Blatt ab und wir lesen gemeinsam den Vers für den Tag. Auf der anderen Seite steht dann noch eine kleine Ausführung dazu. Dabei gibt es ganz unterschiedliche Themen. Mal geht es um Tiere, mal um Kinder in anderen Ländern mal um eine Fortsetzungsgeschichte. Es ist so kurz gehalten, dass man es locker auch noch vor dem Frühstück (sogar an einem Schultag) lesen kann. Manchmal ergibt es sich, dass wir noch darüber mehr reden. Oder wir greifen das Thema am Abend in der Andacht wieder auf. 

Einmal war das Thema, dass Gott der Töpfer und wir der Ton sind. Da hatte ich schon ein Nachmittagsprogramm für die Kinder: Ich schaute auf Vimeo ein tolles Video von einer Töpferin an, wie sie aus einem Klumpen ein schönes Gefäß formte und anschließend durften die Kinder selbst noch töpfern (hab schon seit langer Zeit noch ein Stück Modelliermasse liegen gehabt). So konnte ich die Idee auf dem Kalender nehmen und noch weiter den Kindern Dinge beibringen, über Gott und das Leben. 

Aber was hat das nun mit dem Auswendiglernen zu tun? Nun, in jeder Woche gibt es einen neuen Lernvers. Den wiederholen wir auch jeden Tag. Wenn die Kinder ihn dann gut aufsagen können, dann bekommen sie Einen kleinen Aufkleber in einer Tabelle, die ich gebastelt und in der Küche aufgehängt habe. Da ist dann noch ein Umschlag, in dem die Kinder den Vers selbst abschreiben und noch anmalen. So können wir immer wieder einen ziehen und die Verse wiederholen. 

Bisher sind die Kids echt noch sehr gut dabei und es macht ihnen Spaß.
Neben dem Umschlag habe ich eine Karte geklebt, auf der „Schatz:Kiste“ steht. Genau das ist es nämlich. Diese Verse, Wort Gottes, soll für unsere Kinder wie eine Schatzkiste für ihr Leben werden. 

Ich kann nun allen, die mit ihren Kindern Verse auswendig lernen wollen und ein kleines Andachtsbuch suchen, diesen Kalender empfehlen. Legt diesen Schatz in eure Kinder, wenn sie noch klein sind. Es ist ein Schatz fürs Leben!

Im Winterwunderland

Seit zwei Tagen schneit es ununterbrochen. Leise und kaum spürbar. Doch jede Flocke trägt dazu bei, dass unsere Stadt so langsam in den Schneemassen versinkt. Autos sind komplett eingeschneit, die Bäume tragen eine weiße Last und der Schneeberg in der Mitte der Stadt wächst und wächst. Kinder sieht man allerdings kaum draußen.

Auch so scheint das Leben zum Erliegen gekommen zu sein. Die Schule hat für zwei Tage ihren Betrieb eingestellt (kein Wunder, hat die neue Schule doch auch keine Holzöfen, sondern Zentralheizung- die leider bei Stromausfall nicht funktioniert und die Schüler samt Lehrer im völlig kalten Zimmern zurücklässt...), im Kindergarten sind schon seit Tagen nicht mehr als vier Kinder in jeder Gruppe (trotz Holzöfen).

Viele Läden haben geschlossen, es fahren nur noch schneetaugliche Autos (von denen es hier nicht allzu viele gibt). Das Leben ist ruhig. Jeder scheint sich zu Hause einzuigeln. 

Doch wir Deutsche waren draußen. Schlittenfahren und rum schlittern, den Schnee und die herrliche Natur bewundern, lachen und fröhlich sein, in die Schneemassen springen, Schneeengel machen und Fotos schießen. Sicher wunderten sich einige über diese verrückten Deutschen. Aber das macht uns nichts. Dazu stehen wir. 🙂

Und so schneit es immer noch weiter. Mal sehen, wann es aufhört. Mal sehn, wie lange wir noch Strom haben. Mal sehen, wie lange das Wasser noch aus dem Hahn kommt ohne zu gefrieren. Aber bis dahin genießen wir einfach das herrliche weiß um uns herum... 


Von Tränen, Hoffnungslosigkeit und dem Trost unseres Glaubens

Ich weiß auch nicht warum, aber seit dieses Jahr angefangen hat, und das ist ja noch gar nicht so lange her, haben meine Augen schon in so einige Augen geschaut, die sich mit Tränen gefüllt haben. Ich war aufmerksam und bei manchen meiner Freundinnen war es kaum zu bemerken. Aber ich sah es. Ich sah den Schmerz in ihren Herzen und das Wasser, das sich in ihren Augen sammelte. Bei manchen verschwand es einfach wieder, ohne als Träne ihr Auge zu verlassen. Es verschwand, so wie auch der innere Schmerz wieder fest in das eigene Herz zurückgeschoben wurde.

Wir leben in einer Kultur, in der weinen nicht „erlaubt“ ist. Nicht einmal bei schweren Schicksalsschlägen, wie beim Tod eines nahen Verwandten. Da wird dem Trauernden gesagt, doch mit dem weinen aufzuhören. Das sei beschämend. Das ändert doch nichts. Das macht es nur noch schlimmer. Es ändert nichts an Gottes Bestimmung.
Innerlich macht es mich wütend. Ich komme nicht mit bei so viel Hartherzigkeit, wie es mir scheint.

Vielleicht weinen diese Frauen deshalb vor mir, weil sie wissen, dass ich sie nicht verurteile deshalb. Dass mein Herz mit ihnen und ihrem Leid, wie auch immer es aussehen mag, fühlt und mitweint. Dass ich gerne in den Arm nehme, einfach nur mal festhalte und den Schmerz aushalte. Weil ich ihnen sage, dass es der Seele so gut tut, einfach mal nur zu weinen.

Heute habe ich Psalm 107 gelesen. Vers 10 beschreibt so passend die Situation der Menschen hier:

„Die Bewohner des Dunkels und der Finsternis lagen gefesselt in Elend und Eisen.“

Diese Beschreibung trifft nicht nur auf unsere Menschen hier zu, sondern eigentlich trifft sie auf alle zu, die fernab von der frohen Nachricht des Evangeliums leben. Viele davon nicht nur in seelischen, sondern auch in äußerlichen Nöten.
Unsere Freunde hier sind oft in beidem.

Die Dunkelheit ist vielschichtig hier. Klar, die Menschen leben ohne Hoffnung, ohne Perspektive auf ein besseres Leben, eine gute Veränderung, ohne Hoffnung, dass es ihre Kinder einmal besser haben werden. Kannst du dir vorstellen, wie das ist?

Oft ist da die große Armut, nicht zu wissen, was man am nächsten Tag zum Essen hat. Da sind die Männer, die ihre innere Leere mit Alkohol bekämpfen wollen und ihre Familien in noch größeres Elend stürzen. Da sind unfruchtbare Frauen, die ihren einzigen Wert darin sehen, Kinder zu gebären. Da sind Mütter, die ihre Kinder schon seit Jahren nicht mehr gesehen haben, weil sie illegal in England leben. Sie können sie nicht besuchen, sie können sie nicht hier empfangen. Sie haben oft Angst um sie, viele sind gerade mal 16 oder 17 Jahre alt.

Kannst du dir vorstellen, wie es sich als Mutter anfühlen muss, machtlos zu sein. Dein Kind in der Fremde zu wissen, oft ohne irgendeinen Angehörigen in der Nähe? Wie es ist, mitzubekommen, wie es ihnen schlecht geht und du kannst rein gar nichts tun?
Mein Mutterherz leidet mit diesen Müttern.
Da sind ihre flügge werdenden Jungs, und sie wissen, früher oder später kommt der Tag, an dem sie plötzlich weg sein werden.

Ja, das Dunkel und die Finsternis sind vielfältiger Art. Und es kommt mir wirklich so vor, dass die Menschen hier wie in Fesseln liegen. Gelähmt, dem Schicksal ergeben, ohne Ausweg. Gefesselt in ihrem eigenen Elend.

Welchen Ausweg kann es da geben?

Das ist die große Frage. Sie ist nicht immer leicht zu beantworten. Aber eine Antwort ist in jeder Situation die richtige: Gott!

„Da schrien sie zum Herrn um Hilfe in ihrer Not: aus ihren Bedrängnissen rettete ER sie. ER führte sie heraus aus dem Dunkel und Finsternis, ER zerriss ihre Fesseln.“ (V.13f)

Gott ist immer die Antwort! Auch wenn das für manch einen vielleicht platt klingt. Aber in diesem Psalm kommt die Hilfe immer von Ihm! Ja, Gott gebraucht uns auch, aber aus der Dunkelheit und dem Elend, da kann nur Gott befreien.

„Denn Er hat die dürstende Seele gesättigt, die hungernde Seele mit Gutem erfüllt.“ (V.9)
„Er sandte sein Wort und heilte sie, Er rettete sie aus ihren Gruben.“ (V.20)

Der Psalm ist voll von Gottes wunderbarem Eingreifen, wenn die Menschen nur nach ihm riefen in ihrer Not. Ach, wenn sich die Menschen auch hier doch wieder erwartungsvoller an Gott wenden würden. Wenn sie wieder mehr nach ihm fragen würden. Wenn sie ihre Hilfe nicht bei Menschen, sondern bei ihm suchen würden.

Unser Dienst hier besteht in einem ganz großen und wichtigen Teil darin, den Menschen zu helfen, wieder ihr Herz Gott zu öffnen. Mit ihm zu rechnen. Erlösung zu erfahren durch Jesus, Hoffnung und Friede.

Ich sitze nun diesen Frauen gegenüber. Tränen in den Augen, oft auch in meinen eigenen. Und ich kann nicht anders, ich muss von Ihm reden. Von dem, der die Fesseln zerreißen kann! Welch hoffnungsvolles Bild!

Und immer wieder dieses Elend

Es ist Neujahr. Viele starten in das Jahr mit neuer Hoffnung, mit neuen Visionen für ihren Beruf und ihre Familie, für ihre Gemeinde und ihr eigenes persönliches Leben. Ein neuer Kalender wird begonnen, schön und unbeschrieben, der Urlaub wird geplant, Holland oder doch lieber die Türkei? Einige versuchen, ihre neu zugewonnen Pfunde wieder abzubauen... es sind Tage, in denen man Familie und Freunde besucht, meist in froher Runde das Leben genießt. 

Nun, das Leben hier ist anders. Auch hier beginnt ein neues Jahr. Aber in den allermeisten Familien ist es so anders als in unserer Heimat, in Deutschland. Ich möchte nur kurz drei Beispiele nennen, erzählen von drei Besuchen, die ich gestern gemacht habe und die die Macht hätten, mich völlig verzweifelt zurück zulassen im Angesicht dieses Elends. Wenn da nicht die frohe Botschaft von Jesus wäre!!

Meine Freundin, die keine Kinder kriegen kann

Meine gute Freundin, die vor drei Jahren geheiratet hat, ist gerade wieder hier zu Besuch. Ich weiß, dass es ein großes Problem ist, wenn sie nicht bald schwanger wird. Das ist nun mal die höchste Pflicht einer Frau hier, die heiratet: möglichst schnell einen männlichen Nachkommen gebären. Bei ihr war es schwer. Sie hatte schon eine OP hinter sich und nun erzählt sie mir, dass sie eine künstliche Befruchtung hat machen lassen (was das hier kostet, möchte ich nicht wissen). Die erste schlug nicht an und nun stand der Befund für die zweite an. Heute war sie in Tirana, um das Ergebnis zu erhalten. Gestern sagte sie mir doch recht nüchtern, dass sie zurück zu ihrer Mutter gehen wird, wenn sie nicht schwanger ist. Ihr Mann wird eine andere Frau heiraten. Sie könne schon im Haus bleiben, aber das hielte sie nicht aus. (Es kommt noch dazu, dass sie eine unbehandelte Hüftdysplasie als Baby hatte und nun nicht normal laufen kann.) Zurück zu ihrer Mutter zu gehen bedeutet, dass sie ihre Ehe auflöst und rein menschlich gesehen auch keine Chance mehr auf Wiederheirat hat. Sie hat gleich drei „Makel“: sie ist behindert, sie war verheiratet und sie kann keine Kinder bekommen. Kein Mann möchte so eine Frau haben. Es klingt so gemein, so hart, aber leider leider ist die Kultur und Gesellschaft hier so. 
Gerade schrieb sie mir, dass sie nicht schwanger ist. Sie ist einfach sehr traurig, schrieb sie noch. Keine Kinder bekommen zu können ist das eine. Aber dann auch noch von der Familie „verstoßen“ zu werden ist das andere. Ich weine für sie. Es tut mir einfach so leid!

Unser Nachbarssohn, der ausgewandert ist

Dann ein Haus weiter. Eine Familie die ich schon immer wieder besucht habe. Die Frau hat schon einiges in der Bibel gelesen und ich habe schon öfter offen über das Evangelium reden können. Nun sehe ich sie seit längerer Zeit wieder. Sie erzählen, dass ihr großer Sohn, 17 Jahre alt, allein nach Frankreich ging, ohne Schulabschluss, in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Der Vater raucht seine Zigarette, er versucht immer wieder Arbeit als Tagelöhner im Kosovo zu finden. Jetzt im Winter fast aussichtslos. Sie wollten nicht, dass er geht, aber was sollen sie machen. Die Mutter hat immer wieder Schmerzen, wahrscheinlich einen Bandscheibenvorfall, der nicht behandelt werden kann. Sie brauchen dringend Geld von einem Sohn, der sich irgendwie im Ausland Arbeit beschaffen kann. Auch wenn er noch minderjährig ist. Ich sitze da und blicke in diese Gesichter. Hoffnungslos, traurig. Ich kann ihnen nur von der Hoffnung in Jesus erzählen...

Der verwitwete Vater von 7 Kindern

Später am Abend packen wir noch Essen ein und fahren zu der wohl ärmsten Familie die wir kennen. Sie leben unter erbärmlichen Umständen. Schlimm. Ein Vater und seine 5 Kinder (eine Tochter ist verheiratet, ein Sohn ist im Gefängnis). Wir haben schon immer wieder geholfen, z.b.  dass sie fließend Wasser haben, eine gute Tür und wir helfen ihnen mit Lebensmitteln. Die Kinder hatte ich versucht, letztes Jahr in die Schule zu integrieren, leider ohne Erfolg. Anscheinend war das Mobbing doch zu unerträglich. Wir machen uns immer wieder Sorgen um diese Teeny Mädels, die oft allein und schon in der Dämmerung unterwegs sind. Das macht man hier überhaupt nicht und sie haben teilweise ihren Ruf schon weg. Welche Zukunft haben diese Kinder. Wie kann man ihnen helfen? Welche Botschaft hat Gott für sie?

Ihr seht, das Leben hier ist anders. Das Leid der Menschen ist anders. Manchmal frage ich mich, wie man so nur leben kann. Was hält sie aufrecht? Was bringt sie jeden morgen aus dem Bett? Ich muss aufpassen, dass ich mich nicht hineinziehen lasse in diese Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit.

Es gibt Hoffnung!! Es gibt Hoffnung in Jesus! Es gibt Hoffnung auf ein ewiges Leben! Ein Leben ohne dieses Elend. Man soll ja Menschen nicht auf die Ewigkeit vertrösten, aber warum nicht? Wir können uns als gut situierte Deutsche kaum vorstellen, unter welchen Bedingungen die Menschen hier (und in so vielen Teilen der Welt) leben müssen. Da scheint mir die Perspektive der Ewigkeit in so einem anderen Licht. Sehnsucht danach verspüre ich. Sehnsucht nach Erlösung, Sehnsucht nach Gerechtigkeit, Sehnsucht nach einem Leben ohne Tränen, Sehnsucht, Jesus zu sehen!

Unser Wunsch für dein neues Jahr

Mit folgenden Worten wünschen wir dir von Herzen einen ganz gesegneten Start ins neue Jahr! Bei allem, was auch im neuen Jahr wieder auf dich einströmen wird ... bring dein Herz immer wieder zur Ruhe! 

„Anstatt deine Zeit damit zu verbringen, den Ansprüchen des Lebens zu genügen, bist du eingeladen, für den Rest deines Lebensin Gottes Ruhe einzugehen.

Ruhe in deiner Identität als Gottes Kind. 
Ruhe in seiner ewigen Liebe.
Ruhe in seiner machtvollen Gnade.
Ruhe in seiner ständigen Gegenwart und in seiner treuen Versorgung. 
Ruhe in seiner Geduld und seiner Vergebungsbereitschaft.
Ruhe.“ 

Paul David Tripp 

Weihnachten ist immer noch eine Verheißung

Dieser Satz blieb mir an diesem Weihnachtsfest von all dem guten, was ich gelesen habe, am meisten in Erinnerung: 

„Christmas is still a promise.“

Weihnachten ist immer noch eine Verheißung. Er stammt aus dem Andachtsbuch von Joni Eareckson Tada. Dieses gibt es seit kurzer Zeit auch auf deutsch. Ich empfehle es dir herzlich.

Meine Gedanken zu der Aussage von Joni habe ich unten mal in Worte gefasst.

Weihnachten ist noch nicht die Erfüllung 
Das Fest der Liebe nicht das Ziel
Frieden und Freude 
Von den Engeln auf dem Felde versprochen
Wo seh ich sie?
Friede auf Erden 
Haben die Nachrichten das vergessen?
Das Engelswort damals in der heiligen Nacht?
Als der Sohn Gottes unter Schmerzen geboren wurde 
In der nicht so stillen Nacht?
Als Gott Fleisch wurde
Emmanuel
Gott mit uns.
Der langersehnte Retter
Wunderbarer Ratgeber, starker Gott 
Vater der Ewigkeit und Fürst des Friedens.

Ich sehe in diese Welt
Nein ich muss nicht in das hungernde Afrika 
Oder das kriegszerstörte Syrien schauen
Vor meiner Tür 
Lebt die Leere, die Hoffnungslosigkeit,
Der Streit und die Unversöhnlichkeit,
Die Trauer und der Tod,
Die Verzweiflung und der Kampf 

Ich begegne diesen Menschen hier tagtäglich
Weit entfernt von Freude und Frieden
Hoffnung und Licht.
Ich seh in ihre Gesichter 
Frag mich manchmal, wie man überhaupt so leben kann
Arm und einsam,
Krank und ohne Aussicht auf Besserung 
Ausgestoßen wegen einer Behinderung 
Ohne Arbeit. Ohne Sinn. Ohne ... Hoffnung. 

Ich seh in ihre Gesichter. Ich sehe sie.
Und in mir klingt das Wort 
Christmas is still a promise.

Weihnachten ist der wundervolle Anfang. 
Frieden hat es mir ins Herz gebracht
Doch Frieden muss noch werden
An so vielen Stellen in dieser Welt
In so vielen Herzen,
Die noch getrennt schlagen 
Von ihrem Schöpfer, der sie liebt.

Weihnachten muss noch werden. 
Friede und Freude muss werden.
Da ist diese Verheißung 
Die mich motiviert zu gehen
Die mich ruft zu diesen Menschen 
Und an diese Orte, 
Die noch immer ohne Weihnachten leben
Ohne Verheißung. Ohne Retter. Ohne Jesus.

Christmas is still a promise
Das Beste wird noch kommen
Menschen werden frei und freudig
Und erfüllt von Frieden, 
Auch wenn um sie herum alles zerbricht.
Die Verheißung, sie erfüllt sich immer mehr
Wo Menschen ihre Herzen öffnen 
Und ich dabei steh wie ein stauendes Kind 
Menschen hier die sein Wort lesen
Und verändert werden in sein Bild. 

Christmas is still a promise. 
Friede auf Erden muss noch werden.
Große Freude will sich weiter ausbreiten. 
Sie sucht Raum in Herzen
Bin ich bereit? Hat sie Raum in mir?