An dem Ort, den Gott dir gibt

Vor einiger Zeit schon las ich ein tolles Buch: „Katie - Hoffnung gibt nicht auf“. Darin schreibt eine junge Frau über ihren besonderen Weg mit Gott, der sie nach Afrika geführt hat, dazu, viele Mädchen zu adoptieren und ein Hilfswerk zu gründen.

In diesem, ihrem zweiten Buch, schreibt sie sehr ehrlich und offen von ihren Kämpfen und Fragen und Müdigkeit und Zweifel. Sie beschreibt aber auch in sehr schöner Weise, wie sie all das näher zu Jesus gebracht hat. Wie sie ihn durch all das Schwere besser kennengelernt hat und seine Liebe so stark wie noch nie gespürt hat.

Einmal zitiert sie aus einem anderen Buch von Zack Eswine. Ich fühlte mich von diesen Worten sehr angesprochen und sie drücken gut aus, was ich auch zutiefst glaube und leben will:

“Gott will dir einen Ort geben, den du bewohnen darfst, d.h., dass du aufmerksam dafür wirst, was dort, wo du bist, ist. D.h., dass du Gott verherrlichst, wenn du verständnisvoll und gastfreundlich an dem Ort und zu dem Ort hin lebst, den Gott dir gibt. Gott wird dir einige Dinge geben, die du an dem Ort, den du bewohnst, und mit den Menschen an diesem Ort, tun sollst. Wenn du das tust, was dir Gott zu tun gibt, stärkst du damit das Wohl der Gemeinschaft und verherrlichst Gott.”

Weiter schreibt Katie:

„Gott liebt nicht meinen Dienst. Er liebt mich. Gott wird verherrlicht, wenn wir ihm unser Herz geben, wenn wir ihm uns selbst geben und treu das tun, was er uns vor die Füße gelegt hat, egal, wie klein oder unscheinbar es ist.“

„Was wirklich zählt, ist die stille Hingabe, die wir in unserem eigenen Haus praktizieren. ... Am Ende der Zeit ist das einzige, was zählt, dass wir mit unserem Leben das Evangelium gelebt haben, dass wir den Menschen, die uns Gott gegeben hat, unsere Aufmerksamkeit geschenkt haben und verständnisvoll und gastfreundlich an dem Ort gelebt haben, zu dem er uns berufen hat.“

An welchem Ort stehst du gerade? Welche Menschen hat Gott dir anvertraut, dir geschenkt? Welchen Auftrag hast du? Bist du zufrieden an dem Ort, an dem du stehst? Definierst du dich durch das, was du sichtbar nach außen hin tust? Bist du treu in den kleinen und unscheinbaren Dingen, die keiner sieht, die keiner beachtet, für die dich keiner lobt?

Das sind Fragen, die ich mir immer wieder stellen will. Vielleicht bringen sie auch dich ins Fragen?

Fünf Geheimnisse zum Ruhen und Auftanken

Heute habe ich einen Artikel von Ann Voskamp gelesen, der mich sehr angesprochen hat und den ich gerne beherzigen möchte.
Wer gut englisch verstehen kann, dem empfehle ich sehr, den Artikel in ganzer Länge hier zu lesen.

Für alle anderen möchte ich die wichtigsten Gedanken in kürze zusammenfassen.

Ann schreibt von dem Rhythmus des Lebens. So, wie eine Melodie davon lebt, dass es Pausen gibt, so leben auch wir Menschen davon, zu ruhen und dadurch aufzutanken. Viel zu schnell macht uns das Leben sonst fertig, wenn wir nicht lernen, zu ruhen und Pausen einzulegen.

Hier sind ihre fünf „Geheimnisse“, wie das auch mitten im Alltag Realität werden kann.

1. Daily Glory Soak

Geh raus und schau in den Himmel. Blicke in die Bäume, beobachte die Vögel. Sauge Gottes Herrlichkeit in dich auf und lass dich davon erfüllen. Strecke deine Arme in die Höhe und atme tief ein. Menschen, die viel in der Natur sind, sind glücklichere Menschen, da sich ihr Stresslevel dadurch signifikant erniedrigt.

2. Daily Gratitude List

Nimm dir ein kleines Notizbuch und schreibe jeden Tag drei Dinge auf, für die du dankbar bist. Das richtet deinen Blick auf all das Gute, das Gott dir schenkt und lädt dich ein, ihm dafür zu danken. (Ann hat zu diesem Thema ein ganzes Buch geschrieben: „1000 Geschenke“, welches ich nur sehr empfehlen kann...)

„Freude ist ein Resultat davon, wie wir sehen und sehen ist ein Resultat davon, wie wir auf alles mit Dankbarkeit sehen.“

3. Daily Good Tunes

Gute Tage bedürfen einer guten Playlist. Gute und aufbauende Musik reduziert das Stresshormon Kortisol in unserem Körper. Also, nimm deinen Putzlappen erst in die Hand, wenn eine schöne Musik durch deine Räume und dein Herz erklingt.

4. Daily Givenness

Nimm dir Zeit, um andere gezielt zu segnen. Nimm dir Zeit, um zu überlegen, wem du heute etwas Gutes tun kannst. Eine Karte, ein Anruf, ein freundlicher Blick, ein Strauß Blumen. Es gibt so viele Wege! Hingebungsvoll zu leben macht viel glücklicher, wie immer nur mehr für sich selber bekommen zu wollen. (Auch hier hat Ann ein Buch geschrieben: „Durch meine Risse scheint dein Licht“. Auch kann man auf ihrer Internetseite für jeden Monat eine Liste finden, mit tollen Ideen für jeden Tag, wie man anderen zum Segen werden kann.)

5. Daily God Meditation

In Jesaja 26,3 (übrigens mein Vers für dieses Jahr. Hier habe ich davon geschrieben) steht:

„Bewährten Sinn bewahrst du in Frieden, in Frieden, weil er auf dich vertraut.“

Gottes Wort verspricht Frieden, wenn wir auf ihn vertrauen und über ihn nachdenken.
Meditiere über einen Vers aus seinem Wort den ganzen Tag lang und du wirst in Gottes Ruhe kommen.

Und hier noch ein beeindruckendes Zitat aus dem Artikel, das ich sehr schwer finde, zu übersetzen:

We are not human doings
working at looking supernatural,
but spiritual beings
doing what is humanly possible
and looking to Christ to do the supernatural.

We are not human doings working to make ourselves spiritually acceptable.
We are spiritual beings resting in Christ to do what is humanly impossible.

Be still
and know God —
to not forget who you are.

Wenn die Wellen über dich einbrechen

Ich fühle mich heute extrem müde. Eigentlich sollte man meinen, dass man am Morgen noch frisch und voller Tatendrang ist, aber nicht ich. Nicht heute. Die Nacht war mal wieder viel zu oft unterbrochen, entweder von Kindern oder den mich auffressenden Mücken, die mir meine Beine schon zu einer einzigen Fleckenlandschaft gebissen haben. Und dann ist unser Jüngster im Moment auch noch immer zwischen fünf und halb sechs wach und damit ist dann meistens meine Nachtruhe auch zu Ende. 

Heute wollte ich mein Kissen über mich ziehen und einfach weiterschlafen. Lasst mich bitte in Ruhe, Kinder. Ich habe Kopfschmerzen und bin noch nicht bereit für einen neuen Tag. Ich habe noch nicht genug Kraft und Nerven, um diesen Tag gut zu leben.

So jedenfalls sagt es mir die Stimme in meinem Inneren. Aber Kinder sind erbarmungslos, schonungslos. Sie verstehen nicht, was Mama hat, um halb sechs Uhr morgens, es doch schon hell ist und der Hahn schon zum gefühlt hundertsten Mal gekräht hat. Sie springen auf mir herum, erzählen mir von ihren kleinen Streitereien, von denen ich doch noch gar nichts wissen wollte. Nicht um halb sechs...

Naja, ich stehe auf. Das Leben muss weitergehen. Immer weitergehen. Eine Pause ist einem als Mama mit vier kleinen Kindern nicht oft gegönnt. 

Später habe ich zwischen all den Kindern, meinen eigenen und den Nachbarskindern, die in unserem Haus ein und aus gehen, mal ein paar Momente Ruhe. Ich kann es kaum glauben, es ist still. So gehe ich zwischen all meinen zu erledigenden Aufgaben auf den Balkon, schlage meine Bibel auf und lese. Ich bin bei Psalm 18. Ich liebe diesen Psalm. Besonders zwei Verse rühren etwas in meinem Inneren an.

Er griff aus der Höhe,
Erfasste mich,
Zog mich heraus aus großen Wassern. (17)

Er führte mich heraus ins Weite,
Er befreite mich,
Weil er Gefallen an mir hatte. (20)

Ich merke, wie ich mich oftmals eingeengt fühle. Diese ständige „Rufbereitschaft“ als Mutter von vier Kindern, immer da sein müssen von morgens früh, den ganzen Tag und auch in der Nacht. Streit schlichten, putzen, waschen, wickeln, trösten, spielen, kochen usw. Jede Mama weiß nur zu gut, wovon ich spreche. Die Liste nimmt nie ein Ende. 

Ich fühle mich manchmal dabei so verloren. Wo bin ich in dem ganzen? Wo sind meine Bedürfnisse? Dieses „Mutter- Dasein“ kommt mir oft vor wie das Schwimmen in Wellen. Mal bin ich oben auf, genieße es in vollen Zügen, freue mich über kleine Erfolge und kann viel lachen. Dann gibt es aber wieder Zeiten, da verlassen mich meine Kräfte, mein Mut, meine Freude, meine Vision. Ich mache mir Sorgen. Es ist, wie wenn mich die Wellen tiefer ziehen, ich schlucke und strample und kann kaum über Wasser bleiben. Manchmal fühle ich mich beinahe am ertrinken. Ich lasse mich runter ziehen, lasse die Wellen über mich kommen. Ich lasse mich überrollen von Selbstmitleid. 

Doch was passiert dann? Es ist Hilfe in Sicht! Ja, sie ist da, die ganze Zeit! Ich muss mich nicht alleine abstrampeln und versuchen über Wasser zu bleiben:

Gott ergreift mich aus der Höhe. 
Er zieht mich vollkommen heraus aus allem.
Er zieht mich nicht nur heraus, er führt mich ins Weite. 
Er befreit mich, weil er mich liebt.

Weite, dieses Wort hat eine große Bedeutung für mich:
Freiheit, Luft zum Atmen, viel Licht, durchatmen und zur Ruhe finden. 
Das Gegenteil eben von Enge - wie ich mich des Öfteren mal fühle.
Ich sehne mich nach dieser Weite!
Ich will, dass Gott mich immer wieder mitten im Trubel des Alltags herauszieht und meine Füße auf festen Grund stellt. Ich meine Identität und meinen Halt in ihm finde!
Und mein Blick in die Weite geht, in die Freiheit, zur der Christus mich befreit hat.

Diese Gedanken haben meinen Tag heute gerettet!

Photo by Tim Marshall on Unsplash

Ich will nicht, aber Jesus

Ich will eigentlich nicht hin. 
Ich will mich eigentlich nicht wieder diesem Elend stellen. 
Ich möchte lieber in meiner sauberen und ordentlichen und „wir haben alles, was wir brauchen“ Welt sein, als dort. 
Ich will nicht in diese hoffnungslosen Gesichter schauen.
Ich will nicht diese Armut sehen.
Ich will nicht wieder sprachlos sein im Angesicht des Leides. 
Ich will nicht. Ich will nicht. 

Ich will es ausblenden.
Ich will in Ruhe gelassen werden.
Ich will mich dem nicht aussetzen. 
Ich will nicht wieder innerlich so durchgeschüttelt werden.
Ich will nicht. Ich will nicht.

Mein Ich redet laut. Es will mich fernhaften. 
Will mich in meiner „heilen“ Welt leben lassen. 

Doch da redet noch etwas anderes in mir. 
Da redet Gottes Wort in mein Herz hinein. 
Der Auftrag Jesu. 
Ungerechte Fesseln zu lösen.
Die Knoten des Joches zu öffnen.
Gewalttätig Behandelte als Freie zu entlassen.
Und dass ihr jedes Joch zerbrecht. 
Mein Brot dem Hungrigen teilen. 
Heimatlose Elende in mein Haus führen.
Einen Nackten bekleiden. 
Mich meinem Nächsten nicht entziehen. 

Ich will nicht, aber ich weiß, Jesus will. 
Jesus will, dass ich gehe. 
Er will, dass ich aus meiner Komfortzone gehe.
Er will, dass ich mit seiner Liebe in die hoffnungslosen Gesichter blicke.
Er will, dass ich seine gute Botschaft in das Elend hinein spreche. 
Er will, dass ich sein Bote bin.
Er will durch meine Sprachlosigkeit reden. 
Er will mich in meiner Schwachheit gebrauchen. 

Ich weiß, ich gehe. 
Was habe ich zu bringen? Was kann ich schon ausrichten? 

All das überlasse ich Jesus. 
Er rüstet mich aus. 
Er kennt alles. 
Nichts ist ihm fremd. 
Auch nicht diese Familie,
diese Not, 
diese kranken Menschen,
diese zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit. 
Er hört. 
Er sieht. 
Und er wird handeln. 
Er wird sich verherrlichen in diesem Elend. 

Daran will ich glauben und darauf will ich vertrauen und darum will ich immer wieder gehen. - Und du...?

Was du über den Umgang der Albaner mit Krankheit wissen musst

Vor kurzem war ich mit meiner Teamkollegin, die Physiotherapeutin ist, zu einem Besuch auf dem Dorf. Die junge Frau, die wir besuchten ist gerade mal 23 Jahre alt. 

Vor einem Jahr war sie noch verlobt. Sie konnte noch laufen. Sie konnte normal reden. Sie konnte allein essen. Sie war eine ganz normale junge Frau, die sich auf ihr Leben freute, auf die Heirat, die Kinder. Sie hatte Arbeit und ein Leben, wie jede andere. Da war sie noch gesund. 

Doch jetzt, ein Jahr später, ist alles anders. Sie sitzt auf dem Sofa, recht steif und unbeweglich. Vor der Tür steht ein Rollstuhl. Ihre Hände zittern und ihre Stimme will nicht mehr so ganz, wie sie es möchte. Sie kann weder laufen, noch alleine essen. Ihr Verlobter hat die Verbindung gelöst und hier sitzt sie, wie ein Häufchen Elend. Alles, alles ist so anders geworden. 

Ihre Krankheit? MS. Und davon die wohl aggressivste Form. Innerhalb von einem Jahr so dermaßen abzubauen, das gibt es nicht oft. Bei jedem Besuch in der Physiotherapie wurde ihr Zustand ein wenig schlechter. Es ist schlimm, das mit ansehen zu müssen. 

Diese junge Frau, ich nenne sie Maria, besuchen wir. Wir wollen ihr in ihrem Elend begegnen und sind doch erstmal angesichts der Tragik ihres Lebens nicht wirklich dazu in der Lage. Was soll man sagen, welche Worte finden für solch ein Schicksal?

Wir sitzen eine kleine Weile mit Maria und ihrer Mutter, sichtlich auch schon am Ende ihrer Kräfte, zusammen, da kommt Besuch. Eine Nachbarin. Wie mir scheint kommt sie öfter vorbei. Sie umarmt Maria und fragt sie, wie es ihr geht. Leise sagt sie: „Nicht gut. Mir geht es nicht gut.“ Wie ein sich wiederholendes Tape redet dann die Nachbarin auf sie ein: „Doch, es geht dir besser, du wirst wieder gesund, alles wird wieder gut, morgen ist alles wieder besser. Dir geht es gut. Du musst nur mehr essen.“ Ich sehe Maria an, ihr Blick leer gerade aus, wie sie leise immer wieder sagt: „Es geht mir nicht gut.“ Doch das schien bei der Frau gar nicht anzukommen. Eine komische Szene. 

Und doch spiegelt sie so gut wieder, wie wir hier den Umgang mit Krankheit und Sterben erleben. Es wird alles weggeredet. Das fängt schon bei den Ärzten an, die wirklich in vielen Fällen einfach nicht die Wahrheit sagen. Weil man das doch nicht macht. Damit wird eine schlimme Diagnose doch noch schlimmer, so möchte man glauben. Maria wurde bis zum Schluss gesagt, dass sie nicht wirklich krank ist, sondern dass alles nur vom Stress kommt. Unglaublich. Obwohl doch alle Scans etwas anderes beweisen...

Alles wird immer wieder gut. Das ist das bekannte Gerede auf die Nachricht von Krankheit. Zu Beginn unserer Zeit hier hatten wir Kontakt zu einem schwer krebskranken Mann. Er sah schon fast tot aus, so abgemagert und regungslos. Aber die Angehörigen konnten dem Tod nicht in die Augen sehen. Sie ließen den sterbenden Mann noch nach Italien bringen in der Hoffnung, dass dort das medizinische Wunder geschieht. Es geschah nicht, und der tote Angehörige musste teuer wieder zurück nach Albanien überführt werden. 

Als ich am Sterbebett unserer Nena Ajshe saß, sie im Koma lag und jeder nur zu gut wusste, dass es ihrem Ende entgegen ging, selbst da stemmte sich jeder noch innerlich, oder vielleicht auch nur äußerlich gegen diese Tatsache. Nein, sie hat nur Grippe, sie wird schon wieder, das ist alles nicht so schlimm. Weint nicht! Sie wird wieder! Ich stand dabei und wusste nicht, was ich denken sollte. 

Mittlerweile kenne ich diese Art unserer albanischen Freunde hier. Ich habe ein Stück weit gelernt, damit umzugehen. Da wir auch in unserer Familie gerade schwere Krankheit haben, bekommen wir es am eigenen Leib zu spüren. Das für uns doch sehr oberflächliche Gerede von „das wird schon alles wieder“, das kennen wir, kann einen aber manchmal auch zu viel werden.

Zurück zu Maria. Gott schenkte uns noch Gelegenheit, zu dieser Frau zu reden. Wir konnten für sie beten und ihr von der Hoffnung in Jesus erzählen. Das haben wir versucht, so einfühlend wie möglich zu tun. Nicht das Leid und die Traurigkeit und die Tränen und die Schmerzen leugnen. Sie sind da. Es geht ihr nicht gut. Und es ist nur so verständlich, dass es ihr nicht gut geht. Wie würde es mir gehen...? All das Schwere ist da. Es wird nicht weggehen, wenn sie beginnt, mehr zu essen. Aber wir haben eine Hoffnung, die all das Schwere durchdringen will und kann! Und diese Hoffnung heißt Jesus!

Ich glaube mittlerweile, dass diese Art der Albaner, mit Krankheit, Leid und Tod umzugehen, einfach daher kommt, dass sie keine andere Antwort darauf haben. Sie haben keine Hoffnung über dieses Leben hinaus. Sie haben nur die Hoffnung, dass es irgendwie wieder besser werden wird und das wird mit Worten herbeigeredet. Es ist ihre Art, mit all dem Elend umzugehen und es durch wohl gemeinte Worte irgendwie zu lindern. Maria hat sich getraut, auszusprechen, was sie empfand: „Es geht mir nicht gut. Du kannst mir einreden, was du willst.“ Das ist mutig in dieser Kultur.

Gottes wunderbare Geschichte

Seit Ostern treffen wir uns nun regelmäßig im Familienzentrum zum Gottesdienst. 
Es kommen zwischen 20 und 40 Besucher, alles Menschen aus Krume. Das ist toll. Wir merken, dass Gott etwas tut und Herzen von Menschen drängt, dort hinzugehen. 

Danny hat in seinen Botschaften begonnen, die Geschichte Gottes zu erzählen. Die Bibel erzählt sie uns von Anfang an. Immer wieder wird wiederholt und immer wieder wird auf den hingewiesen, der Zentrum der Geschichte Gottes mit den Menschen ist: Jesus!

Ich muss sagen, dass ich immer wieder total gesegnet und berührt bin. Da ist die einfache Geschichte Gottes, diese wunderbare, schreckliche, schöne, ermutigende, bestürzende und doch zu aller meist Hoffnung machende Geschichte. Da sind wir Menschen. Von Anfang an, mit der ersten Sünde gefallen und hoffnungslos in unserer eigenen Schlechtigkeit gefangen. Da ist der Gott, der Geduld hat, der uns nachgeht, der uns trotz alle liebt und noch loslässt. Der richtet und seinen Bund mit uns Menschen aufrichtet. Ein Gott, der sich im Leben einzelner, sündiger Menschen verherrlicht. Ein Gott, der uns Menschen liebt und der immer noch seine Geschichte schreibt. 

Nun sitzen wir hier in dieser Stadt am Rande von Albanien. Eine kleine und vergessene Stadt. Die Menschen hier sind fast alle Muslime. Wenige, sehr wenige, haben je von dieser Geschichte Gottes gehört. Und sitzen wir hier gemeinsam unter Gottes Wort. Alle hören aufmerksam zu. Und ich höre mit meinen Ohren und meinem Herzen. Ich will hören wie sie. Zum allerersten Mal. Ich will fasziniert sein und tief berührt von dieser Geschichte Gottes! Immer wieder neu. Auch wenn ich sie schon so oft gehört habe. 

Und wir beten, dass genau diese Geschichte Gottes, die noch nicht zu Ende ist, unsere Freunde hier verändert. Sie sollen Teil werden von dieser unglaublichen Rettungsgeschichte Gottes!

Muttersein heißt leiden

Da ist er wieder, der Tag der Mütter. Muttertag. Glückwünsche und Blumen, selbstgebastelte schöne Dinge von den Kindern, Frühstück am Bett, keine Arbeit in der Küche. Es ist ein Tag, an dem die Sonne scheint und die Welt in Ordnung scheint.

So viel Liebe, so viel Anerkennung, so viel Gutes. Und ja, es ist so schön, eine Mama zu sein. Es ist ein Geschenk Gottes. Es ist eine Ehre. Es ist ein Privileg, Herzen zu hüten und zu prägen. 
Aber es ist auch eine große Aufgabe und nicht jeder „Mama-Tag“ ist ein Sonnentag. Da sind diese vielen ganz alltäglichen und monotonen Tage. Die Tage, die vor lauter Lärm und Chaos und Geschrei kaum zu finden sind. Tage, die uns verzweifeln lassen. An unseren Kindern, der nie enden wollenden Hausarbeit und zuletzt an uns selbst. 

So oft gut gemeint und so oft versagt. So oft mit guten Vorsätzen gestartet und auf dem harten Boden der eigenen Unfähigkeit gelandet. Mein Versagen, mein Unzulänglichkeit, meine Grenzen. Ich will eine so gute Mama sein. Ich will die Mama sein, die an diesem Muttertag im Licht und Glanz gefeiert wird. Doch bin ich das? 

Meine Herzensfreundin Ann Voskamp hat mein Herz berührt, in dem was sie schrieb:

Being willing to suffer, this makes you a mother. 

Being willing to suffer the pain of never-ending labor and delivery, suffer the pain of discipline and the pain of disappointment, suffer the pain of not being all that you wished you were, suffer the pain of the limitation of your love, suffer because of someone, suffer for someone, suffer with someone.

(Bereit sein zu leiden, das macht dich zu einer Mutter.Bereit sein, den Schmerz der nie enden wollenden Wehen und der Entbindung zu ertragen, den Schmerz der Disziplin und den Schmerz der Enttäuschung zu ertragen, den Schmerz zu ertragen, nicht all das zu sein, was Du dir gewünscht hast, den Schmerz der Begrenzung Ihrer Liebe zu ertragen, wegen jemanden zu leiden, für jemanden zu leiden, mit jemandem leiden.)


Hier ist keine Beschönigung, keine glänzende Zuckerglasur über mich als Mama. Mutter sein heißt, neben all dem wunderschönen, was es beinhaltet, auch das: mit der Geburt sind die Wehen nicht vorbei. Sie gehen weiter. Jede Phase, die zu Ende geht und deren Ende herbei gesehnt wurde (manchmal) wird gefolgt von einer neuen, vielleicht einer noch herausfordernderen. Mutter sein heißt zu leiden. Je mehr wir lieben, desto mehr leiden wir. Desto verletzlicher sind wir. Desto weicher ist unser Herz, desto mehr leiden wir mit. 

Aber da ist Gnade. Da ist Befreiung von Schuld. Da ist der Neuanfang. Da ist Hilfe. Da ist Freiheit und Freude. Da ist ein Retter. Da ist ein Beistand. Da ist Freude mitten im Kampf. Da ist Kraft und die Adlerflügel, die mich auf neue Höhen tragen. Da ist Friede mitten im Sturm, da ist Hoffnung, weil der Gott der Hoffnung mit uns Müttern ist! 

Weil Jesus mit uns ist! Weil er uns sieht und liebt und schützt. Weil er uns hält - Mütter getragen von den ewigen, starken Armen eines ewig treuen Gott.

Photo by Peter Bucks on Unsplash

Warum wir stolz auf Albanien sind

Wir hören hier oft, dass wir in Deutschland eine viel bessere Kultur haben. Damit meinen die Albaner hier unterschiedliche Dinge. Sicher meinen sie damit die Gerechtigkeit und Ordnung, die in unserem Land auf jeden Fall mehr herrschen, als hier. Es ist für uns schwer, darauf zu antworten. Klar, sind viele Dinge in Deutschland „besser“.

Aber eine Sache, die ich immer wieder hervor hebe, die die Albaner auszeichnet, ist ihre Gastfreundschaft, ihr sich Kümmern um einen Gast. Das zeigt sich z.B. auch darin, das ein Gast mindestens bis zum Tor begleitet wird, wenn er geht. Oft begleitet man den Gast auch noch einige Meter auf dessen Heimweg. 

Durch Zufall fand ich einen kurzen Artikel auf der Seite von Yad Vashem, der Holocaust Gedenkstätte in Israel. Dabei ging es um die Albaner und ihr Verhalten gegenüber den Juden im Zweiten Weltkrieg. Eben dieses macht mich stolz auf „unsere“ Albaner. Lest selbst diesen beeindruckenden Teil der albanischen Geschichte im zweiten Weltkrieg:


„Es gibt keine Spur von Judendiskriminierung in Albanien, denn Albanien ist heute eines der seltenen Länder in Europa, in denen es weder religiöse Vorurteile noch Hass gibt, obwohl die Albaner selbst sich aus drei verschiedenen Glaubensgruppen zusammensetzen.“ 
Herman Bernstein, der amerikanische Botschafter Albaniens, 1934

„Albanien, ein kleines, bergiges Land an der Südostküste der Balkanhalbinsel, zählte eine Bevölkerung von 803.000 Einwohnern. Darunter waren nur 200 Juden. Nachdem Hitler 1933 die Macht in Deutschland übernommen hatte, fanden viele Juden Zuflucht in Albanien. Es gibt keine genaue Angaben über deren Anzahl, aber verschiedene Quellen gelangen zu der Einschätzung, dass zwischen 600 und 1.800 jüdische Flüchtlinge aus Deutschland, Österreich, Serbien, Griechenland und Jugoslawien nach Albanien kamen, in der Hoffnung, von hier aus nach Israel oder an andere Fluchtorte zu gelangen. Nach der Besetzung Albaniens durch die Deutschen im Jahr 1943 weigerte sich die Bevölkerung Albaniens in einem außergewöhnlichen Akt, die Anweisungen der Besatzer zu befolgen und ihnen Listen mit den Namen der Juden auszuhändigen, die unter ihnen lebten. Darüber hinaus versorgten verschiedene staatliche Einrichtungen viele jüdische Familien mit gefälschten Papieren, mit denen sie sich unter die Lokalbevölkerung mischen konnten. Die Albaner schützten nicht nur ihre eigenen jüdischen Bürger, sondern gewährten auch jenen Flüchtlingen Zuflucht, die nach Albanien gekommen waren, als es noch unter italienischer Herrschaft stand, und die nun in der ständigen Gefahr lebten, in Konzentrationslager deportiert zu werden. Die bemerkenswerte Unterstützung, die den Juden entgegengebracht wurde, war begründet in dem Ehrenkodex Besa, der noch heute in Albanien als der höchste ethische Wert gilt. Besa heißt wörtlich „ein Versprechen halten“. Jemand, der nach dem Prinzip Besa handelt, ist jemand, der sein Wort hält, jemand, dem man sein eigenes Leben und das seiner Familie anvertrauen kann. Die Hilfe, die Juden und Nicht-Juden gewährt wurde, kann als Angelegenheit nationaler Ehre verstanden werden. Die Albaner scheuten keine Mühe, um zu helfen, ja sie konkurrierten sogar untereinander um das Privileg, Juden zu retten. Sie handelten aus Mitleid, menschlicher Güte und dem Bedürfnis, Menschen in Not zu helfen, sogar denen, die einen anderen Glauben oder eine andere Herkunft hatten als sie. Albanien, ein europäischer Staat mit einer muslimischen Mehrheit, brachte zuwege, woran andere europäische Länder scheiterten. Alle Juden, die während der deutschen Besatzung innerhalb der Staatsgrenzen Albaniens lebten, und zwar albanische Staatsbürger ebenso wie Flüchtlinge, wurden – bis auf einige Mitglieder einer einzigen Familie – gerettet. Es ist eine beeindruckende Tatsache, dass in Albanien am Ende des Krieges mehr Juden lebten als zuvor.“

30 Tage Gebet für die islamische Welt

Heute beginnt der Ramadan. In dieser Zeit werden weltweit Millionen von Muslimen fasten und vermehrt Zeit im Gebet verbringen. Es ist auch eine Zeit, in der viele Muslime geistlich offener sind. 

In unserer Stadt gibt es auch einige, die fasten werden. Manche die ganze Zeit, andere nur an gewissen Tagen. 

Schon seit vielen Jahren benutzen wir in dieser Zeit ein kleines Heft, das den Leser in diesen dreißig Tagen Fasten begleitet. An jedem Tag wird ein anderes muslimisches Volk in vielen verschiedenen Regionen vorgestellt und es gibt Anregungen, gezielt für dieses zu beten. Uns weitet dieses Heft den Blick und lässt uns teilhaben an Gottes wirken unter den Muslimen. 

Wir möchten dir Mut machen, es ebenso zu nutzen, um mehr über unerreichte muslimische Volksgruppen zu erfahren und zu beten, dass Gott sie gerade jetzt in dieser besonderen Zeit anspricht, berührt, ihnen in Träumen begegnet.

Unter folgendem link kannst du dir das Heft auch online runterladen.

Übrigens gibt es auch eine tolle Ausgabe für Familien. Wir haben vor, jedem Abend, wenn unsere Kinder im Bett liegen, ihnen den Text vorzulesen und mit ihnen zu beten. 
Macht ihr mit?

Möchtest du die Beiträge aus dem Heft ganz unkompliziert auf deinem Smartphone nutzen, dann lade dir doch die Gebetsapp Pray4Nations runter.

Link zum Appstore Link zum Google Playstore

So handelt Gott durch die kleinen Dinge des Lebens

In diesen Tagen habe ich mich gefreut zu sehen, wie Gott oft durch unterschiedliche scheinbar kleine Bausteine sein Reich baut. In manchen seltenen Fällen dürfen wir es sehen. Und ich denke, in so vielen anderen Fällen bleibt es unseren Augen verborgen.

Wie sagte es John Piper mal so treffend: 

God is always doing 10,000 things in your life, and you may be aware of three of them.

Gott vollbringt immer 10000 Dinge in deinem Leben, und du bist dir vielleicht drei der Dinge bewusst.

Hier kommt nun eine Sache von Gottes Handeln, dessen ich mir bewusst geworden bin.

Als ich vor zwei Jahren eine Zeit in Deutschland war, schickte meine Mama mir die Zeitschrift der Deutschen Missionsgemeinschaft (DMG) zu. Darin entdeckte ich einen Artikel von einer Familie, die demnächst nach Albanien ausreisen wollte. Ich wurde besonders darauf aufmerksam, weil die Frau, Anne, ebenso wie ich Hebamme ist. Und ich fand sie sehr sympathisch auf dem Foto. Ich nahm mir vor, sie anzuschreiben. Ich holte mir ihr E-Mail-Adresse und nach einiger Zeit schrieb ich sie einfach an. Ich bot meine Hilfe an gerade in der, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, nicht ganz einfachen Anfangszeit in einer fremden Kultur. Bald bekam ich eine freundliche Antwort. Einige Zeit später rief ich dann einfach mal bei der Anne an und vom ersten Satz an waren wir uns vertraut und es war einfach schön, sich auszutauschen und teilzuhaben am gegenseitigen albanischen Leben. Nur, dass sie in der Hauptstadt lebt und wir voll auf dem Lande... 😉

Später besuchten wir sie und sie besuchten uns. Auch konnten wir einander schon auf unterschiedlicher Weise mit unseren Gaben dienen.

Dann zog eine von unseren jungen Gläubigen nach Tirana. Sie hatte einen Mann geheiratet, der nicht gläubig ist, aber früher wohl mal in eine Gemeinde ging. Als ich erfuhr, in welchen Stadtteil sie gezogen war, horchte ich auf. Es war genau der gleiche, in dem auch unsere neuen deutschen Freunde leben. Durch unsere Teamkollegin konnten wir sie miteinander in Kontakt bringen. Ab und zu gehen sie zusammen in die Gemeinde und David trifft sich jetzt wöchentlich mit dem Mann unserer jungen Gläubigen und liest mit ihm in der Bibel. 

Wer weiß, was daraus wird. Wir haben großen Glauben, dass auch der junge Mann beginnt, Jesus nachzufolgen und daraus etwas Großes für Gottes Reich entsteht.
Und ich freue mich einfach, dass ich damals diesem Impuls gefolgt bin, eine e-Mail zu schreiben. Es ist so schön zu sehen, wie Gott wirkt und sich ein roter Faden durch die ganze Geschichte zieht. 

Ich frage mich, wieviele von diesen roten Fäden wir in unserem Leben, in unserem Dienst nicht sehen. So viel bleibt uns verborgen. Aber ich wünsche mir mehr die Augen, die sie sehen und das Herz, das sich darüber freut und Gott lobt!

Photo by Hans-Peter Gauster on Unsplash

Ein gutes Wort für jeden Morgen

Eine liebe Freundin hat mir vor einigen Tagen einen tollen Text aus einem Andachtsbuch geschickt. Mich hat er so angesprochen, dass ich ihn gerne hier mit euch teilen möchte. Eigentlich sollte ich diese Worte an jedem Morgen lesen.

Dies ist der Tag, den ich gemacht habe. Juble und sei fröhlich.

Beginne den Tag mit vertrauensvollen, offenen Händen und sei bereit, alles zu empfangen, was ich in diesen kurzen Abschnitt deines Lebens gieße.
Achte darauf, dich über nichts zu beklagen, nicht einmal über das Wetter, da alle deine Umstände von mir  gemacht wurden.

Wenn du mit unerwünschten Situationen konfrontiert bist, dann versuche dennoch, mir dafür zu danken. Dieser Akt des Glaubens befreit dich von negativen Gefühlen, und gibt mir die Möglichkeit, in der Situation zu wirken, damit gutes daraus entstehen kann.

Wenn du an diesem Tag Freude finden willst, musst du in seinen Grenzen leben.
Ich wusste, was ich tat, als ich die Zeit in Abschnitte von 24 Stunden unterteilte.

Ich weiß, dass die Menschen schwach sind, und ich weiß, dass du immer nur das Gewicht eines einzigen Tages tragen kannst.
Mach dir keine Sorgen um morgen und bleibe nicht in der Vergangenheit hängen.
In meiner Gegenwart erwartet dich heute ein erfülltes Leben.

(Psalm 118,24     Philipper 3,13-14       Hebräer 3,13)  

Die Zeit der Saat

Im Moment wird überall um uns herum fleißig gepflanzt und gesät. Das macht eigentlich hier jeder, der ein Stück Land hat. Es wäre ja Verschwendung, wenn man Land, das man hat, nicht auch nutzbar machen würde. 

Jedes Jahr schaffen wir mehrere Schubkarren Steine aus dem Nutzgarten. Ich frage mich immer wieder, wie das möglich ist. Sie scheinen mit am besten hier zu wachsen. (Vielleicht liegt es auch daran, dass wir direkt neben einem hohen Felsen leben...).
Als die Erde dann soweit vorbereitet war, kam ich mit meinen kleinen Samentütchen und entschied gemeinsam mit Rrushe, wo wir nun meine Kräuter (Basilikum, Petersilie, Koriander und Dill) und meinen geliebten Rucula dieses Jahr Pflanzen würden. Die letzten Jahre hatte ich eine schier unglaubliche Ernte gehabt, das Basilikum war in unserer Abwesenheit im Sommer zu einem regelrechten Busch gewachsen. 
Nun, damals sagte ich mir, dass ich das nächste Jahr nicht so viele Pflanzen so eng säen wollte. Doch mein Blick fiel wieder auf diese mini kleinen Körner und dann auf den rauhen, steinigen, groben Erdboden. Wie ist es möglich, dass sich hier so ein kleines zartes Körnchen durchsetzen kann? Lieber mehr Pflanzen, falls es eines oder mehrere nicht schafft. 

Es fällt mir schwer, vollkommen zu vertrauen, dass da wieder was wachsen wird. Und wahrscheinlich wieder viel zu eng... doch wie durch ein Wunder wird das Samenkorn aufbrechen und sie Pflanze wird sich ihren Weg durch noch so harten Boden brechen. Sie wird erst vorsichtig und unscheinbar hervorspitzen, nur um dann in unbändiger Macht zu wachsen. Was für ein Wunder ist es jedes Jahr neu.

Oder unsere Blumen: Ich habe in Albanien gelernt, dass es sich lohnt, den alten Samen vom letzten Jahr, den uns die abgestorbenen Blütenköpfe als Erbe gegeben haben, aufzubewahren und in die Erde fallen zu lassen. Wie wunderschön und prächtig wachsen sie jedes Jahr wieder treu und erfreuen unser Herz. Jedes Jahr werden es mehr. 

Ich hab in den letzten Tagen viel über dieses Bild nachgedacht. Es ist ein Thema, das mich beschäftigt, geistlich gesehen. Zuletzt sprach ich mit meinen Freundinnen darüber, dass es unser Auftrag ist, die gute Botschaft weiterzuerzählen. Ja, das machen sie, aber die anderen wollen es nicht hören. Ich erzähle ihnen dann immer wieder dieses Gleichnis Jesu vom Sämann. Unser Auftrag ist es, zu säen. Gott wird das Gedeihen schenken. Wir müssen nur in Treue säen und nicht entmutigen lassen.

Nun, das sage ich auch in erster Linie zu mir selbst. Ehrlich gesagt ist säen kein leichter Job. Es kostet Kraft, es kostet Zeit, und manchmal auch Tränen, es ist eine Arbeit, in der wir auf Hoffnung hin arbeiten. Wir sehen die Frucht noch nicht. Im Vertrauen legen wir das Samenkorn in den steinigen Boden. 

Ich denke an all die vielen Situationen, in denen ich säen durfte. Das Wort Gottes in erster Linie, aber auch jede gute Tat, jedes freundliche Wort, jede Hilfsbereitschaft, jedes Mitdenken und Mutmachen- all das ist eine Art zu säen, manches ein vorbereiten des Bodens, bevor die Saat kommt. 

Psalm 126, 5-6 spricht genau davon:

„Welche mit Tränen säen, werden mit Jubel ernten. 
Er geht weinend hin und trägt den Samen zum säen. 
Er kommt heim mit Jubel, und trägt seine Gaben.“

Wir befinden uns hier immer noch in der Zeit des Säens. So manche Frucht ist schon aufgegangen, aber die große Ernte, die ist noch nicht gekommen. Noch mühen wir uns, nich wissen wir of nicht weiter, noch sind wir mit ausweglosen Situationen konfrontiert, noch legen wir unseren kleinen Samen in das weite Feld. Noch können wir es kaum sehen. Aber wir wollen nicht aufhören. Die Verheißung Gottes steht. Wir werden ernten! Wenn nicht wir, dann jemand anders. Aber die Ernte wird kommen. 
Unser Auftrag ist zu säen und uns jetzt schon zu freuen, dass Gott seine Verheißung erfüllen wird. 

An welchem Ort stehst du gerade und legst Samen in harte Erde? Schaust du auf den Boden und alles in dir sagt: es ist sinnlos? Wie soll daraus etwas entstehen? 
Sei ermutigt! Werde nicht müde, in dieser schweren Arbeit des Säens zu stehen. 
Schaue nach oben. Schaue auf Jesus, der versprochen hat, das wir in Freude ernten werden. 

„Gott aber sei dank, der uns den Sieg gibt durch unseren Herrn Jesus Christus. Daher meine geliebten Brüder (und Schwestern), seid fest, unerschütterlich, allezeit überreich in dem Werk des Herrn, da ihr wisst, dass eure Mühe im Herrn nicht vergeblich ist.“ (1. Korinther 15,57f)

„Lasst uns aber im Gutestun (im säen!) nicht müde werden! Denn zur bestimmten Zeit werden wir ernten, wenn wir nicht ermatten.“ (Galater 6,9)

Photo by Markus Spiske on Unsplash