Im Winterwunderland

Seit zwei Tagen schneit es ununterbrochen. Leise und kaum spürbar. Doch jede Flocke trägt dazu bei, dass unsere Stadt so langsam in den Schneemassen versinkt. Autos sind komplett eingeschneit, die Bäume tragen eine weiße Last und der Schneeberg in der Mitte der Stadt wächst und wächst. Kinder sieht man allerdings kaum draußen.

Auch so scheint das Leben zum Erliegen gekommen zu sein. Die Schule hat für zwei Tage ihren Betrieb eingestellt (kein Wunder, hat die neue Schule doch auch keine Holzöfen, sondern Zentralheizung- die leider bei Stromausfall nicht funktioniert und die Schüler samt Lehrer im völlig kalten Zimmern zurücklässt...), im Kindergarten sind schon seit Tagen nicht mehr als vier Kinder in jeder Gruppe (trotz Holzöfen).

Viele Läden haben geschlossen, es fahren nur noch schneetaugliche Autos (von denen es hier nicht allzu viele gibt). Das Leben ist ruhig. Jeder scheint sich zu Hause einzuigeln. 

Doch wir Deutsche waren draußen. Schlittenfahren und rum schlittern, den Schnee und die herrliche Natur bewundern, lachen und fröhlich sein, in die Schneemassen springen, Schneeengel machen und Fotos schießen. Sicher wunderten sich einige über diese verrückten Deutschen. Aber das macht uns nichts. Dazu stehen wir. 🙂

Und so schneit es immer noch weiter. Mal sehen, wann es aufhört. Mal sehn, wie lange wir noch Strom haben. Mal sehen, wie lange das Wasser noch aus dem Hahn kommt ohne zu gefrieren. Aber bis dahin genießen wir einfach das herrliche weiß um uns herum... 


Von Tränen, Hoffnungslosigkeit und dem Trost unseres Glaubens

Ich weiß auch nicht warum, aber seit dieses Jahr angefangen hat, und das ist ja noch gar nicht so lange her, haben meine Augen schon in so einige Augen geschaut, die sich mit Tränen gefüllt haben. Ich war aufmerksam und bei manchen meiner Freundinnen war es kaum zu bemerken. Aber ich sah es. Ich sah den Schmerz in ihren Herzen und das Wasser, das sich in ihren Augen sammelte. Bei manchen verschwand es einfach wieder, ohne als Träne ihr Auge zu verlassen. Es verschwand, so wie auch der innere Schmerz wieder fest in das eigene Herz zurückgeschoben wurde.

Wir leben in einer Kultur, in der weinen nicht „erlaubt“ ist. Nicht einmal bei schweren Schicksalsschlägen, wie beim Tod eines nahen Verwandten. Da wird dem Trauernden gesagt, doch mit dem weinen aufzuhören. Das sei beschämend. Das ändert doch nichts. Das macht es nur noch schlimmer. Es ändert nichts an Gottes Bestimmung.
Innerlich macht es mich wütend. Ich komme nicht mit bei so viel Hartherzigkeit, wie es mir scheint.

Vielleicht weinen diese Frauen deshalb vor mir, weil sie wissen, dass ich sie nicht verurteile deshalb. Dass mein Herz mit ihnen und ihrem Leid, wie auch immer es aussehen mag, fühlt und mitweint. Dass ich gerne in den Arm nehme, einfach nur mal festhalte und den Schmerz aushalte. Weil ich ihnen sage, dass es der Seele so gut tut, einfach mal nur zu weinen.

Heute habe ich Psalm 107 gelesen. Vers 10 beschreibt so passend die Situation der Menschen hier:

„Die Bewohner des Dunkels und der Finsternis lagen gefesselt in Elend und Eisen.“

Diese Beschreibung trifft nicht nur auf unsere Menschen hier zu, sondern eigentlich trifft sie auf alle zu, die fernab von der frohen Nachricht des Evangeliums leben. Viele davon nicht nur in seelischen, sondern auch in äußerlichen Nöten.
Unsere Freunde hier sind oft in beidem.

Die Dunkelheit ist vielschichtig hier. Klar, die Menschen leben ohne Hoffnung, ohne Perspektive auf ein besseres Leben, eine gute Veränderung, ohne Hoffnung, dass es ihre Kinder einmal besser haben werden. Kannst du dir vorstellen, wie das ist?

Oft ist da die große Armut, nicht zu wissen, was man am nächsten Tag zum Essen hat. Da sind die Männer, die ihre innere Leere mit Alkohol bekämpfen wollen und ihre Familien in noch größeres Elend stürzen. Da sind unfruchtbare Frauen, die ihren einzigen Wert darin sehen, Kinder zu gebären. Da sind Mütter, die ihre Kinder schon seit Jahren nicht mehr gesehen haben, weil sie illegal in England leben. Sie können sie nicht besuchen, sie können sie nicht hier empfangen. Sie haben oft Angst um sie, viele sind gerade mal 16 oder 17 Jahre alt.

Kannst du dir vorstellen, wie es sich als Mutter anfühlen muss, machtlos zu sein. Dein Kind in der Fremde zu wissen, oft ohne irgendeinen Angehörigen in der Nähe? Wie es ist, mitzubekommen, wie es ihnen schlecht geht und du kannst rein gar nichts tun?
Mein Mutterherz leidet mit diesen Müttern.
Da sind ihre flügge werdenden Jungs, und sie wissen, früher oder später kommt der Tag, an dem sie plötzlich weg sein werden.

Ja, das Dunkel und die Finsternis sind vielfältiger Art. Und es kommt mir wirklich so vor, dass die Menschen hier wie in Fesseln liegen. Gelähmt, dem Schicksal ergeben, ohne Ausweg. Gefesselt in ihrem eigenen Elend.

Welchen Ausweg kann es da geben?

Das ist die große Frage. Sie ist nicht immer leicht zu beantworten. Aber eine Antwort ist in jeder Situation die richtige: Gott!

„Da schrien sie zum Herrn um Hilfe in ihrer Not: aus ihren Bedrängnissen rettete ER sie. ER führte sie heraus aus dem Dunkel und Finsternis, ER zerriss ihre Fesseln.“ (V.13f)

Gott ist immer die Antwort! Auch wenn das für manch einen vielleicht platt klingt. Aber in diesem Psalm kommt die Hilfe immer von Ihm! Ja, Gott gebraucht uns auch, aber aus der Dunkelheit und dem Elend, da kann nur Gott befreien.

„Denn Er hat die dürstende Seele gesättigt, die hungernde Seele mit Gutem erfüllt.“ (V.9)
„Er sandte sein Wort und heilte sie, Er rettete sie aus ihren Gruben.“ (V.20)

Der Psalm ist voll von Gottes wunderbarem Eingreifen, wenn die Menschen nur nach ihm riefen in ihrer Not. Ach, wenn sich die Menschen auch hier doch wieder erwartungsvoller an Gott wenden würden. Wenn sie wieder mehr nach ihm fragen würden. Wenn sie ihre Hilfe nicht bei Menschen, sondern bei ihm suchen würden.

Unser Dienst hier besteht in einem ganz großen und wichtigen Teil darin, den Menschen zu helfen, wieder ihr Herz Gott zu öffnen. Mit ihm zu rechnen. Erlösung zu erfahren durch Jesus, Hoffnung und Friede.

Ich sitze nun diesen Frauen gegenüber. Tränen in den Augen, oft auch in meinen eigenen. Und ich kann nicht anders, ich muss von Ihm reden. Von dem, der die Fesseln zerreißen kann! Welch hoffnungsvolles Bild!

Und immer wieder dieses Elend

Es ist Neujahr. Viele starten in das Jahr mit neuer Hoffnung, mit neuen Visionen für ihren Beruf und ihre Familie, für ihre Gemeinde und ihr eigenes persönliches Leben. Ein neuer Kalender wird begonnen, schön und unbeschrieben, der Urlaub wird geplant, Holland oder doch lieber die Türkei? Einige versuchen, ihre neu zugewonnen Pfunde wieder abzubauen... es sind Tage, in denen man Familie und Freunde besucht, meist in froher Runde das Leben genießt. 

Nun, das Leben hier ist anders. Auch hier beginnt ein neues Jahr. Aber in den allermeisten Familien ist es so anders als in unserer Heimat, in Deutschland. Ich möchte nur kurz drei Beispiele nennen, erzählen von drei Besuchen, die ich gestern gemacht habe und die die Macht hätten, mich völlig verzweifelt zurück zulassen im Angesicht dieses Elends. Wenn da nicht die frohe Botschaft von Jesus wäre!!

Meine Freundin, die keine Kinder kriegen kann

Meine gute Freundin, die vor drei Jahren geheiratet hat, ist gerade wieder hier zu Besuch. Ich weiß, dass es ein großes Problem ist, wenn sie nicht bald schwanger wird. Das ist nun mal die höchste Pflicht einer Frau hier, die heiratet: möglichst schnell einen männlichen Nachkommen gebären. Bei ihr war es schwer. Sie hatte schon eine OP hinter sich und nun erzählt sie mir, dass sie eine künstliche Befruchtung hat machen lassen (was das hier kostet, möchte ich nicht wissen). Die erste schlug nicht an und nun stand der Befund für die zweite an. Heute war sie in Tirana, um das Ergebnis zu erhalten. Gestern sagte sie mir doch recht nüchtern, dass sie zurück zu ihrer Mutter gehen wird, wenn sie nicht schwanger ist. Ihr Mann wird eine andere Frau heiraten. Sie könne schon im Haus bleiben, aber das hielte sie nicht aus. (Es kommt noch dazu, dass sie eine unbehandelte Hüftdysplasie als Baby hatte und nun nicht normal laufen kann.) Zurück zu ihrer Mutter zu gehen bedeutet, dass sie ihre Ehe auflöst und rein menschlich gesehen auch keine Chance mehr auf Wiederheirat hat. Sie hat gleich drei „Makel“: sie ist behindert, sie war verheiratet und sie kann keine Kinder bekommen. Kein Mann möchte so eine Frau haben. Es klingt so gemein, so hart, aber leider leider ist die Kultur und Gesellschaft hier so. 
Gerade schrieb sie mir, dass sie nicht schwanger ist. Sie ist einfach sehr traurig, schrieb sie noch. Keine Kinder bekommen zu können ist das eine. Aber dann auch noch von der Familie „verstoßen“ zu werden ist das andere. Ich weine für sie. Es tut mir einfach so leid!

Unser Nachbarssohn, der ausgewandert ist

Dann ein Haus weiter. Eine Familie die ich schon immer wieder besucht habe. Die Frau hat schon einiges in der Bibel gelesen und ich habe schon öfter offen über das Evangelium reden können. Nun sehe ich sie seit längerer Zeit wieder. Sie erzählen, dass ihr großer Sohn, 17 Jahre alt, allein nach Frankreich ging, ohne Schulabschluss, in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Der Vater raucht seine Zigarette, er versucht immer wieder Arbeit als Tagelöhner im Kosovo zu finden. Jetzt im Winter fast aussichtslos. Sie wollten nicht, dass er geht, aber was sollen sie machen. Die Mutter hat immer wieder Schmerzen, wahrscheinlich einen Bandscheibenvorfall, der nicht behandelt werden kann. Sie brauchen dringend Geld von einem Sohn, der sich irgendwie im Ausland Arbeit beschaffen kann. Auch wenn er noch minderjährig ist. Ich sitze da und blicke in diese Gesichter. Hoffnungslos, traurig. Ich kann ihnen nur von der Hoffnung in Jesus erzählen...

Der verwitwete Vater von 7 Kindern

Später am Abend packen wir noch Essen ein und fahren zu der wohl ärmsten Familie die wir kennen. Sie leben unter erbärmlichen Umständen. Schlimm. Ein Vater und seine 5 Kinder (eine Tochter ist verheiratet, ein Sohn ist im Gefängnis). Wir haben schon immer wieder geholfen, z.b.  dass sie fließend Wasser haben, eine gute Tür und wir helfen ihnen mit Lebensmitteln. Die Kinder hatte ich versucht, letztes Jahr in die Schule zu integrieren, leider ohne Erfolg. Anscheinend war das Mobbing doch zu unerträglich. Wir machen uns immer wieder Sorgen um diese Teeny Mädels, die oft allein und schon in der Dämmerung unterwegs sind. Das macht man hier überhaupt nicht und sie haben teilweise ihren Ruf schon weg. Welche Zukunft haben diese Kinder. Wie kann man ihnen helfen? Welche Botschaft hat Gott für sie?

Ihr seht, das Leben hier ist anders. Das Leid der Menschen ist anders. Manchmal frage ich mich, wie man so nur leben kann. Was hält sie aufrecht? Was bringt sie jeden morgen aus dem Bett? Ich muss aufpassen, dass ich mich nicht hineinziehen lasse in diese Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit.

Es gibt Hoffnung!! Es gibt Hoffnung in Jesus! Es gibt Hoffnung auf ein ewiges Leben! Ein Leben ohne dieses Elend. Man soll ja Menschen nicht auf die Ewigkeit vertrösten, aber warum nicht? Wir können uns als gut situierte Deutsche kaum vorstellen, unter welchen Bedingungen die Menschen hier (und in so vielen Teilen der Welt) leben müssen. Da scheint mir die Perspektive der Ewigkeit in so einem anderen Licht. Sehnsucht danach verspüre ich. Sehnsucht nach Erlösung, Sehnsucht nach Gerechtigkeit, Sehnsucht nach einem Leben ohne Tränen, Sehnsucht, Jesus zu sehen!

Unser Wunsch für dein neues Jahr

Mit folgenden Worten wünschen wir dir von Herzen einen ganz gesegneten Start ins neue Jahr! Bei allem, was auch im neuen Jahr wieder auf dich einströmen wird ... bring dein Herz immer wieder zur Ruhe! 

„Anstatt deine Zeit damit zu verbringen, den Ansprüchen des Lebens zu genügen, bist du eingeladen, für den Rest deines Lebensin Gottes Ruhe einzugehen.

Ruhe in deiner Identität als Gottes Kind. 
Ruhe in seiner ewigen Liebe.
Ruhe in seiner machtvollen Gnade.
Ruhe in seiner ständigen Gegenwart und in seiner treuen Versorgung. 
Ruhe in seiner Geduld und seiner Vergebungsbereitschaft.
Ruhe.“ 

Paul David Tripp 

Weihnachten ist immer noch eine Verheißung

Dieser Satz blieb mir an diesem Weihnachtsfest von all dem guten, was ich gelesen habe, am meisten in Erinnerung: 

„Christmas is still a promise.“

Weihnachten ist immer noch eine Verheißung. Er stammt aus dem Andachtsbuch von Joni Eareckson Tada. Dieses gibt es seit kurzer Zeit auch auf deutsch. Ich empfehle es dir herzlich.

Meine Gedanken zu der Aussage von Joni habe ich unten mal in Worte gefasst.

Weihnachten ist noch nicht die Erfüllung 
Das Fest der Liebe nicht das Ziel
Frieden und Freude 
Von den Engeln auf dem Felde versprochen
Wo seh ich sie?
Friede auf Erden 
Haben die Nachrichten das vergessen?
Das Engelswort damals in der heiligen Nacht?
Als der Sohn Gottes unter Schmerzen geboren wurde 
In der nicht so stillen Nacht?
Als Gott Fleisch wurde
Emmanuel
Gott mit uns.
Der langersehnte Retter
Wunderbarer Ratgeber, starker Gott 
Vater der Ewigkeit und Fürst des Friedens.

Ich sehe in diese Welt
Nein ich muss nicht in das hungernde Afrika 
Oder das kriegszerstörte Syrien schauen
Vor meiner Tür 
Lebt die Leere, die Hoffnungslosigkeit,
Der Streit und die Unversöhnlichkeit,
Die Trauer und der Tod,
Die Verzweiflung und der Kampf 

Ich begegne diesen Menschen hier tagtäglich
Weit entfernt von Freude und Frieden
Hoffnung und Licht.
Ich seh in ihre Gesichter 
Frag mich manchmal, wie man überhaupt so leben kann
Arm und einsam,
Krank und ohne Aussicht auf Besserung 
Ausgestoßen wegen einer Behinderung 
Ohne Arbeit. Ohne Sinn. Ohne ... Hoffnung. 

Ich seh in ihre Gesichter. Ich sehe sie.
Und in mir klingt das Wort 
Christmas is still a promise.

Weihnachten ist der wundervolle Anfang. 
Frieden hat es mir ins Herz gebracht
Doch Frieden muss noch werden
An so vielen Stellen in dieser Welt
In so vielen Herzen,
Die noch getrennt schlagen 
Von ihrem Schöpfer, der sie liebt.

Weihnachten muss noch werden. 
Friede und Freude muss werden.
Da ist diese Verheißung 
Die mich motiviert zu gehen
Die mich ruft zu diesen Menschen 
Und an diese Orte, 
Die noch immer ohne Weihnachten leben
Ohne Verheißung. Ohne Retter. Ohne Jesus.

Christmas is still a promise
Das Beste wird noch kommen
Menschen werden frei und freudig
Und erfüllt von Frieden, 
Auch wenn um sie herum alles zerbricht.
Die Verheißung, sie erfüllt sich immer mehr
Wo Menschen ihre Herzen öffnen 
Und ich dabei steh wie ein stauendes Kind 
Menschen hier die sein Wort lesen
Und verändert werden in sein Bild. 

Christmas is still a promise. 
Friede auf Erden muss noch werden.
Große Freude will sich weiter ausbreiten. 
Sie sucht Raum in Herzen
Bin ich bereit? Hat sie Raum in mir?

Wie du eine evangeliumszentrierte Mutter sein kannst — eine Buchempfehlung

Ich hatte schon seit längerer Zeit dieses Buch "Mutterglück mit Gott im Blick" bei mir liegen. Eine gute Freundin hatte es mir empfohlen und ich habe es darauf hin auch gleich bestellt. Da dann auch noch jemand zu Besuch kam, der es mitbringen konnte, hatte ich es schnell hier. (Amazon liefert ja leider nicht nach Albanien... 😉

Irgendwie blieb es dann aber doch länger unbeachtet liegen. Vielleicht war es der etwas schwerfällige Titel, der mich etwas abschreckte. Ich weiß auch nicht. Äußerlich ist das Buch eigentlich sehr schön aufgemacht, mit verschiedenen Bildern, sehr übersichtlich strukturiert, ansprechendes Format. 

Doch dann kam der Tag, an dem ich begann, es zu lesen. Und ich muss sagen, es hat mich sehr angesprochen. Es lag nun über einige Wochen neben meiner Bibel und meinem Tagebuch und ich sog die Worte in mich auf. Genau so etwas brauchte ich. Ich fand mich in den Schilderungen aus dem Alltag einer Mutter schnell wieder, wie sicher jede Mutter mit mehr als zwei Kindern. Ich denke, was mich besonders ansprach, war der klare Grund, auf dem die Autorin, Sara Wallace, ihre ganzen Gedanken und Tipps aufbaute: das Evangelium!

Ich möchte nun nicht im einzelnen auf alles eingehen. Ich möchte dieses Buch einfach nur allen Müttern sehr stark empfehlen. Eigentlich finde ich, wäre es auch etwas für Väter. So schade, dass es auf dem Markt viel mehr für Mütter gibt. Am Ende eines jeden Kapitels befinden sich noch Fragen zum Vertiefen und Reflektieren. Ich denke, dass man dieses Buch auch sehr gut in einer kleinen Gruppe mit anderen Müttern lesen könnte und sich dann darüber austauschen kann. Das würde ich nur zu gern einmal machen. 

Hier ein paar Kostproben aus dem Buch:

Wir sind körperlich, emotional und geistig ausgelaugt. Der Teufel weiß, dass der straffe Tagesablauf einer Mutter ihr nur wenig Zeit für tiefe theologische Gedanken lässt. Lass die wundervollen Wahrheiten der Erlösung an die Stelle der unaufhörlich meckernden Stimme treten, die dich immer wieder an deine Listen erinnert. Besinne dich darauf, dass in Christus die bedeutendste Liste  - die Liste deiner Sünden - getilgt wurde. Wir haben die vollkommene Erfolgsbilanz Christi vorzuweisen, ganz egal, wie weit wir mit unseren Haushaltsaufgaben zurückliegen. (S. 49)

Meine „stille Zeit“ ist nicht besonders still. Aber das ist okay. (S.65)

Ich kann die beschämenden Momente des Versagens nutzen, um meine Kinder aus Jesus hinzuweisen. (S.74)

Meine Kinder wurden mit einem Problem geboren und haben keine Ahnung, wie sie damit umgehen sollen. (S.85)

Es macht mir solche Freude, meinen Kindern zu sagen: „Siehst du? Deshalb brauchen wir Jesus.“ (S.86)

Wenn deine Kinder also das nächste mal sündigen:
* Bleibe gefasst.
* Bedenke: Was sie tun, ist absolut erwartungsgemäß.
* Mache ihnen klar, dass ihre Sünde nicht beschönigt, aber vergeben werden kann: durch Jesus. (S.88)

Das Evangelium soll jeden Tag in mein Herz strömen und die Liebe zu Jesus neu entfachen. (S.122)

Naja, wenn ich das Buch so durchblättere dann denke ich, dass ich es eigentlich grad nochmal lesen sollte, damit ich die Wahrheiten verinnerlichen kann. Und vielleicht frage ich eine liebe Freundin, ob sie es mit mir liest und wir uns austauschen können. Das geht ja dank der modernen Medien sehr gut... 🙂

Hier bin ich

Hast du schon jemals über folgende drei Worte nachgedacht? 

„Hier bin ich.“ 

Es sind drei einfache Worte, wie sie schon jedes kleine Kind sagen kann, wenn es sich versteckt hat und freudestrahlend aus seinem Versteck springt. Hier bin ich, sage ich, wenn mein Kind mich sucht und nach mir ruft. 

Aber diese Worte haben schon große Männer Gottes vor mir gesagt. In der Geschichte von Abraham fallen sie mir auf. 
Endlich hatte er sein langersehntes und heiß geliebtes Kind von Gott bekommen, da spricht Gott zu ihm: „Abraham!“ und dieser antwortet nur: „Hier bin ich.“ Und dann folgt diese unglaubliche Aufforderung, dass er seinen Sohn Isaak als ein Geschenk für Gott opfern soll. Und genauso unglaublich ist, dass Abraham tut, was Gott ihm sagt. Ohne Murren, ohne Fragen, ohne Widerspruch. Hier bin ich drückt im tiefsten ein unglaubliches Vertrauen aus und eine Bereitschaft, gehorsam zu sein, komme, was da wolle. Ann Voskamp schreibt, dass es auch drei andere Wörter sein könnten: Ich liebe dich. 

Es ist bereitwilliges, gehorsames hören und gehorchen, mit meinem ganzen Sein, mit allem, was ich bin und habe. Hier stehe ich vor dir, Gott. Hier bin ich vor dir. Hier bin ich bereit vor dir. Hier bin ich, rede du.

Bei Abraham war es das gehorsame Herz, gegen allen menschlichen Verstand, vor Gott zu sein, zu hören und zu gehorchen.
„Hier bin ich“ und er zog los, seinen einzigen, geliebten und langersehnten Sohn als ein Liebesgeschenk für Gott zu opfern. Doch Gott hatte anderes im Sinn. Er wollte ihn nur prüfen und durch Abrahams Gehorsam wurde viel Segen auf alle Nationen ausgegossen. Durch sein stilles, gehorsames, vertrauensvolles, sich völlig hingebendes „hier bin ich“.

Mose stand einst vor dem brennenden und doch nicht verbrennenden Dornbusch an heiliger Stätte. Auch er war bereit zu gehorchen, sich gebrauchen zu lassen für Gottes großes Erlösungswerk an seinem Volk Israel. Gott rief Mose bei seinem Namen und dieser antwortete einfach mit: „Hier bin ich.“ 

Samuel stand vor Gott und empfing alle Worte von Gott und gab sie an das Volk Israel weiter. Meistens waren es unangenehme Botschaften, doch seine Einstellung war immer: „Hier bin ich, rede, dein Knecht hört.“

Jesaja hatte diese gewaltige Vision vom Thronsaal Gottes, seine Herrlichkeit erfüllte alles. Es war nicht in Worte zu fassen, was er sah. Als Gott fragt, wen er senden soll, oh, wie mutig dann von Jesaja zu sagen: „Hier bin ich, sende mich.“

Gott möchte meine Bereitschaft. Mein ganzes Herz. Mein ganzes Sein. Mein ganzes Leben. Mein ganzes Vertrauen. Meine ganze Bereitschaft. Hier bin ich. 

Ich gehorche dir ganz, auch wenn es meinem Verstand widerspricht. Ich höre genau auf dich und dein Wort. Hier bin ich, dein Diener hört. Was du mir aufträgst, das will ich tun. Hier bin ich, stehe vor dir auf heiligem Grund und warte auf deinen großen Auftrag für mich. Du kennst mich und rufst mich bei meinem Namen. Ich bin dein. Ich will bereit sein zu horchen und zu gehorchen, loszugehen und auszuführen. 
Hier bin ich, sende mich! Sende mich, wohin du willst. Du hast mich bei meinem Namen gerufen, ich bin dein. Deine Herrlichkeit erfüllt alles. Sie begleitet mich. Sie beauftragt mich. 

Ich möchte auch mit diesem Glaubensvätern einstimmen und auf Gottes Ruf an mich antworten: „Hier bin ich!“
Und du?

Der Adventskalender von Ann Voskamp auf deutsch

Folgenden Artikel haben wir vor 2 Jahren schon mal veröffentlicht, aber weil nun die Zeit der Adventskalender beginnt, möchten wir ihn an dieser Stelle nochmal posten.

Schon seit einigen Jahren begleitet mich eine Frau, deren Bücher und Blog ich sehr gerne lese. Sie heißt Ann Voskamp.

Vor zwei Jahren stieß ich dann auf einen Adventskalender, den sie auf ihrem Blog frei zur Verfügung stellt. Schon zwei Jahre habe ich ihn für mich genommen in der Adventszeit und wurde sehr dadurch gesegnet. Es sind 24 ermutigende Texte gedruckt auf Karten in Haftnotizgröße. Ziel der Texte ist es deinen Blick in diesem Advent neu auf das Wesentliche, auf Christus zu richten.

Letztes Jahr machte sich eine gute Freundin von mir dran, die Texte ins Deutsche zu übersetzen. Wir möchten gerne, dass möglichst viele Menschen dadurch auch in Deutschland gesegnet werden.

Klicke einfach auf den folgenden Link und lade dir den Kalender herunter.

DER ADVENTSKALENDER AUF DEUTSCH

Du kannst ihn dir ausdrucken und zuschneiden, für dich selbst und vielleicht eine gute Freundin.
Sehr zu empfehlen! Ich verschenke dieses Jahr 12 davon. 🙂

Der Einführungstext der englischen Version lautet folgendermaßen.

Sticky Notes for the Soul (Haftnotizen für die Seele)

Für ein gesundes & heiliges Weihnachten.

Drucke dieses Set von 25 Notizkarten aus, eine für jeden Tag im Dezember. Für Spiegel und Schränke, für  Taschen und Wände und Büros. An diesem Weihnachten.

Jede Karte ist eine Ermutigung, ein Gebet, für jeden Tag in diesem Dezember. Es sind Zitate aus dem Buch "The Greatest Gift & Unwrapping the Greatest Gift", umgeschrieben in Worte, die du jeden Tag beten kannst, um dir zu helfen den Fokus drauf zu richten, Christus zu feiern.

Gott segne deine Adventszeit und richte deinen Fokus neu auf Christus. In IHM verbunden.

Die Geschichte von meiner Nachbarin, die mit 17 Jahren ihr erstes Kind verlor

Gestern war wieder ein typischer Novembertag. Grau und feucht, der Nebel tief hängend und alles irgendwie braun in verschiedenen Nuancen. Ihr kennt diese Tage bestimmt. Doch auch an solchen Tagen müssen meine Kinder raus. Sie müssen rennen, rennen, rennen. So packen wir den Fußball ein, ziehen uns an und gehen raus. Ich möchte noch die Kinder von meiner Freundin mitnehmen und wir klopfen am Tor. Überraschender Weise möchte sie auch mitkommen. Sie ruft mit meinem Handy schnell ihren Mann an und nach einiger Erklärung, was wir machen werden, bekommt sie die Erlaubnis, mitzukommen. 

Es wundert mich, dass sie scheinbar noch nie auf dem städtischen Bolzplatz war. Überhaupt kommt sie nur sehr selten raus. Zum einen erlaubt es ihr Mann nicht immer, zum anderen hat sie sich schon so an das zuhause sein gewöhnt, dass es sie Überwindung kostet, die schützenden Mauern hinter sich zu lassen und sich den Blicken anderer Leute auszusetzen und eventuellen Gerede. 

Umso mehr freue ich mich, dass ich mit ihr gemeinsam spazieren gehen kann und wir auf dieses Weise reden können. Schon am Vormittag hatte ich sie besucht und ich hatte es auf dem Herzen, sie zu fragen, ob wir nicht gemeinsam Gottes Wort lesen wollen. Sie stimmte zu und ich freue mich nun drauf, sie mit der Bibel vertraut zu machen und mit Jesus!

Als wir dann wieder vom Sportplatz weggehen, kommen wir an dem Privatfriedhof unseres Clans vorbei, in den auch meine Freundin eingeheiratet hatte. Vor kurzem war eine 43-jährige Frau an Hirntumor gestorben. Ihr Grab konnten wir schon von weitem sehen.

Es liegen Kränze mit Kunstblumen auf dem frischen Erdhaufen. Drum herumstehen einige Steintafeln, manche Gräber sind mit Platten und Bildern der Verstorbenen versehen, andere sind mit einem kleinen Zaun umfasst. Der gesamte Platz ist sehr ungepflegt, Müll und Dornengestrüpp prägen das Bild. Nicht gerade sehr schön und wertschätzend, so jedenfalls sieht es in meinen Augen aus. Anscheinend ist das nicht so wichtig hier. 

Wir öffnen den Eingang, ein Stacheldraht, der wahrscheinlich verhindern soll, dass Kühe auf das Gelände gehen.

Wir gehen zu einem Grab ganz an der Seite. Ein kleiner Stein ist dort und die Inschrift:
„Armela.“. Sie war vier Tage alt geworden.

Tränen steigen in die Augen meiner Freundin, als sie sagt, wie lange sie nicht mehr hier war. Dort liegt ihre Erstgeborene. Ich wusste, dass sie, nachdem sie mit 16 geheiratet hatte, mit 17 direkt eine Fehlgeburt hatte. Ihr Körper war noch nicht reif für eine Schwangerschaft gewesen. Aber mir war nicht bewusst gewesen, dass es im siebten Monat war und die kleine Armela vier Tage lebte und hier beerdigt war.

Ich nehme sie feste in den Arm und stehe ruhig mit ihr da. Dann gehe ich mit den Kindern etwas weiter, im ihr Ruhe und etwas Zeit allein am Grab zu lassen. 

Als wir dann wieder aufbrechen, da erzählt sie mir die Geschichte. 

Sie war gerade 17 und schwanger. Wusste nicht viel vom Kinderkriegen, von Wehen usw. So konnte sie in ein Nacht nicht schlafen, hatte Rückenschmerzen. Sie traute sich nicht, sich bei ihrer Schwiegermutter zu melden mitten in der Nacht. Ihr Mann war nicht zuhause gewesen. Als sie Licht im Zimmer der Schwiegermutter sah, ging sie zu ihr und erzählte von ihren Schmerzen und ihrer Schlaflosigkeit. Diese entschied, ins Krankenhaus zu gehen. Dort wurde ihr dann von der Hebamme gesagt, dass sie schon unter Geburt war. Sie war Anfang siebten Monats.

Sie fuhren nun über die schlechte Straße bis in die Nachbarstadt. Dort angekommen durfte sie keiner in den Geburtssaal begleiten. Keiner. Sie als junges Mädchen, ein Herz voller Angst und Ungewissheit, in der Erwartung, ein totes Kind zur Welt zu bringen, musste ganz allein das alles durchmachen. Mein eigenes Herz schmerzt, wenn ich daran denke, wie herzlos das war. Sie hatte Angst, solche Angst, erzählt sie mir. Und ihre Augen füllen sich mit Tränen. 

Das Kind, ein kleines hübsches Mädchen wurde geboren. Und es schrie. Wie alle normalen Kinder schreien. Ein kleines Wunder. Es hat die Geburt überlebt! 
Sofort kam es in einen Inkubator. Meine Freundin sollte es nie halten dürfen. 
Keiner hätte gedacht, dass es leben würde. Doch die kleine machte es tapfer. Tag für Tag stieg die Hoffnung, dass sie es schaffen würde. 

Doch in einer Nacht, als meine Freundin nach ihr sehen wollte, da wurde sie von der Schwester gefragt: „Bist du die Mutter von dem Abort?“ (Allein die Mutter eines Kindes, das lebendig geboren ist, so zu nennen, macht mich wütend.)
„Dein Kind ist gestorben.“

Sie war allein. Ganz allein. Und es ging ihr so schlecht. Sie fühlte sich so verloren. So traurig. Mit wenig Mitgefühl an der Seite und mit keiner vertrauten Person als sie diese niederschmetternde Nachricht hörte. Sie musste nun rausgehen zum Wachmann an das Tor, um diesen zu bitten, mit ihrem Mann telefonieren zu können. 

Wenig später kamen dann alle. Ein Tag später war die kleine tapfere Armela beerdigt. Meine Freundin musste dann noch viele Monate liegen, da es anscheinend Komplikationen mit ihrer Gebärmutter gab oder was auch immer.

Als sie es mir so erzählt, die Geschichte der kleinen Armela, da steigen in mir unterschiedliche Gefühle hoch. Ich stell mir meine Freundin als junges Mädchen vor, selber noch ein Kind. Und dann passiert so etwas. An so vielen Stellen war sie allein. Als die Wehen begannen war sie allein. Als sie das Kind gebar, war sie allein, ohne vertraute Hand an ihrer Seite. Als sie die Nachricht vom Tod des Kindes bekam, war sie allein. Als sie in die Nacht lief, um ihren Mann zu informieren, war sie allein.
Wie gerne wäre ich ihr da beigestanden. Hätte ihre Hand gehalten und sie getröstet.

Doch jetzt, 15 Jahre nach all dem, da bricht es wieder in ihr hervor. Ich weiß nicht, ob sie je mit jemanden so darüber geredet hat. Ob sie je Raum hatte, ihre Trauer zu verarbeiten, mit einer verständnisvollen Person an ihrer Seite. Die Gefühle, die sie damals hatte, die kamen wieder hoch. Das junge Mädchen war plötzlich wieder da. Und die Erinnerung an ihre erste Tochter. 

Nach all dem dem bekam sie zwei gesunde Töchter und zwei Söhne. Der jüngste, so at wie Livia, weiß nichts von seiner dritten Schwester. Er sei noch zu klein dafür. 

Ich bete und hoffe sehr, dass Jesus ihr in all ihrem Schmerz begegnet. 
Wieviel Schmerz überhaupt liegt wohl in den Herzen der Frauen hier begraben. Das frage ich mich und ich bin traurig bei diesem Gedanken... 

Was wäre meine Reaktion auf eine Krebsdiagnose?

Heute habe ich in einem Artikel davon gelesen, dass Joni Eareckson Tada wieder an Brustkrebs erkrankt ist. Sie hatte diese Krankheit schon einmal gehabt, wurde dann nach erfolgreicher Therapie aber als geheilt erklärt. Nun bekam die 69-Jährige wieder diese Diagnose. Seit mehr als 50 Jahren sitzt sie ja schon im Rollstuhl und hat immer wieder mit chronischen Schmerzen zu kämpfen. Für mich nicht vorstellbar, was diese Frau körperlich leiden muss. 

Als ich dann heute ihre Reaktion auf diese Diagnose las, da wurde ich innerlich tief getroffen von ihren unerschütterlichen Glauben. Sie schreibt:

„When I received the unexpected news of cancer from my oncological surgeon, I relaxed and smiled, knowing that my sovereign God loves me dearly and holds me tightly in his hands...What good is it if we only trust the Lord when we understand his ways? That only guarantees a life filled with doubts.”

Als sie die unerwartete Nachricht über Krebs von ihrem Onkologen bekam, da war sie entspannt und lächelte. Warum? Weil sie wusste, dass ihr allmächtiger Gott sie sehr liebt und sie fest in seinen Händen hält! 
Was für ein Glaube. Was für ein Vertrauen in einen souveränen und zugleich liebenden Gott! Ich wünsche es mir so sehr, dass ich ebenso ruhig und gelassen auf scheinbar schlechte Nachrichten reagieren kann. Doch dieser feste Glaube ist gewachsen in ihr. 

In einem Interview las ich zuletzt wie Joni von einem Zitat erzählte, welches ihr half besser damit umzugehen. 

Vor vielen, vielen Jahren habe ich ein Zitat von William Law auswendig gelernt. Er sagte: "Empfange jede innere und äußere Schwierigkeit, jede Enttäuschung, jede Belastung, jede Unbehaglichkeit, jede Dunkelheit und Trostlosigkeit mit deinen beiden Händen, als eine gesegnete Möglichkeit dir selbst zu sterben und tritt ein in eine erfülltere Gemeinschaft mit deinem Retter. Schau auf kein inneres oder äußeres Problem mit einer anderen Sichtweise, weise jeden anderen Gedanken darüber zurück; und du wirst erleben wie der Tag deiner Bedrängnis der gesegneteste Tag deines (geistlichen) Gedeihens wird.

Als Danny seinen Fuß verletzt hat vor einiger Zeit, da war meine erste Reaktion leider nicht so voller Glauben und Vertrauen. Ich hatte Angst, dass Gott mir zu viel zumuten würde. (Dabei weiß er doch am besten, wieviel er mir zumuten kann.) Ich verstand nicht, warum das nun auch noch kommen musste. Mein Blick richtete sich zuerst auf all die Probleme, die das ganze mit sich bringen wird. Warum müsse das nun so kommen? Weiß Gott nicht, dass ich schon genug zu tragen habe? (Oh doch, Gott weiß ganz genau, wieviel ich trage und er weiß ganz genau, was er tut.)

Wann werde ich dazu kommen, ebenso in solch einer Gelassenheit neuen Problemen, neuen Schwierigkeiten, neuen Herausforderungen entgegenzusehen? Erst dann, wenn ich wie Joni das auslebe, was William Law sagte. 

Christus hält mich fest

Gestern hatten wir Teamtreffen und ich war dran, es vorzubereiten.
Dabei blätterte ich unser Liederbuch „Seht unseren Gott“ durch. 
Bei diesem Lied blieb ich stehen. Wir hatten es noch selten gesungen. 

Als wir es dann am Abend sangen, da durchdrang mich ein tiefer Frieden und eine große innere Freude. Ich hoffe, dass es das gleiche auch dir bringt.

Hier ist der deutsche Text und weiter unten der link zu einer englischsprachigen Vertonung von Keith und Kristyn Getty. 

Wenn mein Glaube schwinden will,
Hält mich Christus fest.
Satans List wird mir zu viel,
Christus hält mich fest.
Alleine kann ich nicht bestehn
Auf dem Lebensweg.
Alleine müsste ich vergehn,
Christus hält mich fest.

Jesus nimmt den Sünder an;
Christus hält mich fest.
Keine Macht mich trennen kann;
Christus hält mich fest.
Meine Seele bleibt bewahrt,
Sein Versprechen gilt.
Denn er hat den Preis bezahlt;
Christus hält mich fest.

Für mich ging er in den Tod;
Christus hält mich fest.
Jetzt steh ich gerecht vor Gott;
Christus hält mich fest.
Mit ihm werd ich auferstehn;
Christus hält mich fest.
Ihn mit eignen Augen sehn,
Wenn er wiederkommt.

Christus hält mich fest. 
Christus hält mich fest.
Mein Erlöser liebt mich sehr,
Christus hält mich fest.

Glauben und Vertrauen

In der albanischen Sprache gibt es für viele verschiedene Dinge oft nur ein Wort. So bedeutet zum Beispiel das Wort für schneiden auch schlachten oder durchschneiden oder sägen, je nachdem, im welchen Zusammenhang es verwendet wird. Das führt manchmal zu lustigen Übersetzungen unserer Kinder ins Deutsche. Wenn sie z.B. sagen wollen, dass ein Huhn geschlachtet wurde, sagen sie, es wurde geschnitten. 

So kennt die Sprache auch nur ein Wort für Glauben und Vertrauen: “Besim”. Ich machte mir die Tage Gedanken darüber, wo bei diesen Wörtern der Unterschied liegt und irgendwie tat es mir leid, dass es für diese doch irgendwie unterschiedlichen Begriffe im deutschen nur ein albanisches Wort gibt. Ich schaute mal bei Wikipedia nach. Da steht etwas interessantes zum Begriff Vertrauen:

„Vertrauen ist ein Phänomen, das in unsicheren Situationen oder bei risikohaftem Ausgang einer Handlung auftritt: Wer sich einer Sache sicher sein kann, muss nicht vertrauen. Vertrauen ist aber auch mehr als nur Glaube oder Hoffnung, es benötigt immer eine Grundlage, die sog. „Vertrauensgrundlage“. Dies können gemachte Erfahrungen sein, aber auch das Vertrauen einer Person, der man selbst vertraut, oder institutionelle Mechanismen. Vertrauen ist teilweise übertragbar. Jemandem sein ganzes Vertrauen zu schenken, kann sehr aufregend sein, beispielsweise das Vertrauen, das ein Kind dem Vater schenkt, wenn es von oben herab in die ausgebreiteten Arme springt. Dies gilt sowohl für den Vater als auch für das Kind. Die Geschichte wird oft im übertragenen Sinn erzählt – als Gottvertrauen.

Ich liebe dieses Wort. Und gleichzeitig fordert es mich heraus! Immer wieder fordert uns die Bibel heraus, zu vertrauen. Vertrauen in unseren gnädigen, himmlischen Vater, der sich um uns kümmert. Da ist vielleicht der Unterschied. Hier in Albanien glauben fast alle an einen Gott. Sie glauben und benutzen das Wort Besim. Aber es heißt eben „glauben“ in dem Sinne von für wahr halten, an eine Existenz glauben. Meist in einem sehr allgemeinen Sinn. Wir glauben ja alle an einen Gott. Der Inhalt des Glaubens ist dabei sehr verschwommen.

Der Glaube an einen liebenden Gott, der wirklich erfahrbar ist, den kennen die meisten Menschen hier nicht. (Und ich denke, auch die meisten Menschen in Deutschland. )
Doch genau dieser Glaube ist notwendig, um zu einem wirklichen Vertrauen durchzubrechen. Vertrauen braucht eine Grundlage heißt es bei Wikipedia. Was ist diese Grundlage in meinem Leben? Was ist sie im Leben überhaupt? Vertraue ich mehr in meinen Ehepartner, in meine Lebensversicherung bei der Bank, meine Immobilien, meine Rentenversicherung oder sonst etwas? Was ist die Basis für mein Vertrauen?
Ich kann gar nicht anders, ich muss vertrauen. Vertrauen in den Gott, an den ich glaube. Vertrauen in den Gott, der sich mir schon so oft als vertrauenswürdig erwiesen hat. Es gibt keinen anderen Weg für mich. Es gibt keine andere Sicherheit. Es gibt keine andere Hoffnung, keinen anderen “sicheren Hafen”. 

Ich wünsche mir so sehr, dass auch unsere Freunde hier, Menschen, die Gott uns anvertraut hat, verstehen, das ihr Wort „Besim“ zwei wichtige Unterschiede in sich birgt.

Und ich wünsche mir so, dass sie zu einem wirklichen Vertrauen durchbrechen und einen Gott kennenlernen, der sie besucht hat und der sich in ihrem Leben verherrlichen will, der sie liebt und zu sich heim holen will.

Was mir mein Tagebuch vor Augen hielt

Vor ein paar Tagen blätterte ich in meinem Tagebuch vom letzten Jahr. Gerade bin ich wieder in dieser Zeit, in der ich bewusst Abschied nehmen muss von den warmen und hellen Tagen, Tagen voller Licht und freudigen Kinderstimmen auf der Straße. Die Tage werden kürzer und dunkler, der große Berg hinter unserem Haus verfärbt sich wieder und wird bald in braun dastehen und es wird ungemütlich kalt in der Wohnung. Eine Zeit die zugegebener Weise nicht so einfach ist. 

Naja, jedenfalls wollte ich sehen, welche Gedanken ich letztes Jahr hatte und was mir half. Dabei stieß ich allerdings auf etwas anderes. Etwas, das mich sehr ermutigt hat und mir gleichzeitig auch die Augen geöffnet hat.

Ich schrieb so ungefähr vor einem Jahr, dass ich mir Sorgen mache um Gideon, weil er keine Jungs zum spielen hat. Damals spielten unsere Kinder fast ausschließlich mit den beiden Nachbarmädels. Jetzt, ein Jahr später, kommen Jungs aus unserem Viertel zum Tor und rufen nach Gideon. Oder die beiden Nachbarjungs rufen herüber und wollen mit Gideon spielen. Jetzt kann ich Gideon kaum bremsen, raus zu gehen zu seinen Freunden. Jetzt spielt er Ball auf der Straße, fährt begeistert Fahrrad und zieht mit den Jungs um die Häuser. Das wäre letztes Jahr noch nicht denkbar gewesen. Dass er sogar allein mit den Nachbarskindern in die Schule hier gehen wird, das war unvorstellbar für mich. Damals, vor gerade mal einem Jahr. 

Irgendwie hat mir das die Augen geöffnet. Es hat mich zum einen dankbar gemacht. Dankbar dafür, dass Gott meine Gebete hört. Dass er meine Ängste und Sorgen sieht und sie zu seiner Zeit beantwortet und zunichte macht. 

Als ich gestern mit der Mutter von Gideon’s bestem Freund, seinem Nachbarn, sprach, wurde mir erst bewusst, was Gott getan hat: eigentlich wäre der Juri schon letztes Jahr in die Schule gekommen. Doch sein Geburtstag wurde zu spät registriert (er ist im August geboren, wurde aber erst im April registriert) und darum musste er noch ein Jahr mit der Einschulung warten. Ein Jahr warten hieß, dass er nun zusammen mit Gideon gehen kann. Es heißt, dass Gideon seinen besten Freund an seiner Seite hat, wenn er in die Schule geht. Wie gnädig von Gott! Gott selbst denkt an meine Kinder und kümmert sich um sie! Schon vor sieben Jahren dachte er an uns und daran, dass Gideon einen Freund brauchen wird und ließ seine Eltern diesen „Fehler“ begehen. (So stell ich mir das jedenfalls vor. 😉

Auch wurde mir einmal mehr die Augen geöffnet für mein menschliches Herz, das leider immer noch nicht genug auf den Herrn vertraut. Warum? Damals machte ich mir Sorgen, dass Gideon zu wenig Freunde hat. Jetzt hat er viele und er ist unterwegs mit ihnen und eine neue Sorge macht sich breit: machen sie auch keine Dummheiten? Ist er sicher? Was machen sie, wenn ich sie nicht sehe? Es ist wohl der typische Loslassprozess, den jede Mutter durchlaufen muss. Das Kind wird immer mehr selbstständig und löst sich rein äußerlich auch immer weiter von zu Hause. Und schon beginnen neue Gedanken und Sorgen. Das ist alles so plötzlich passiert und ich muss da erst hinterher kommen. 

Sorgen werden immer wieder neue aufkommen, was unsere Kinder anbelangt. Die alten werden durch neue ersetzt. Es wird wohl nie eine Zeit geben, in der ich sagen werde: alles ist in bester Ordnung mit meinen vier Kindern. Auf der einen Seite erschreckt mich dieser Gedanke. Auf der anderen Seite treibt er mich näher zu Jesus. Denn der einzige Ausweg ist dieser: 
            

Du aber, Rahel, vertrau auf den Herrn und tu Gutes! (Psalm 37,3)

Ich kann mich nur zu dem Herrn flüchten und wissen:  Er kümmert sich um meine Kinder (und um alles andere) und ich darf ruhig sein. Ich weiß, dass ich dieses Vertrauen, gerade in Bezug auf meine Kinder, mehr und mehr lernen muss. Die abgeben an Gott, wissen, dass meine Kinder nicht mir gehören, dass Gott sie in seinen liebenden Händen hält, dass er sie liebt und mir und ihnen helfen wird. All das muss sich tief in meinem Herzen verankern.

Vor einem Jahr schrieb ich einen Artikel von einer Frau die sagte, im Rückblick auf ihre Erziehung würde sie sagen, dass sie Gott hätte mehr vertrauen sollen, weil er vertrauenswürdig ist. Er hat sich über die Jahrtausende als solcher erwiesen, er wird es auch in meinem und im Leben meiner Kinder sein! 

Und ebenso kümmert er sich um dich und um all deine Sorgen im Moment. Vertraue auf ihn!

In Freude leben - auch nach fünf Jahren

Ich erinnere mich noch an das erste Gespräch mit unserer damaligen Teamleiterin hier, als wir gerade frisch in unserer Stadt angekommen sind. Sie malte ein Bild von einem Baum und meinte, wir müssen nun unsere Wurzeln hier schlagen und uns in der Kultur und mit den Menschen hier verwurzeln. - nach nun genau fünf Jahren ist dies schon in guter Weise geschehen, wie ich finde.

Und dann sagte sie noch, dass unsere wichtigste und entscheidende Aufgabe hier sein wird, in der Freude in dieser Stadt zu leben. Die Freude nicht zu verlieren. Die Freude. 

In diesen Tagen dachte ich immer wieder an diese Worte. Anscheinend ist es eine besondere Herausforderung das hier tun zu können. In der Freude leben. Das soll das große Zeugnis sein. Ich bin so froh und dankbar, dass wir nun nach fünf Jahren Dienst hier noch nicht bitter sind, nicht entmutigt und erschöpft (das natürlich schon immer wieder punktuell...). Die meiste Zeit dürfen wir hier Freude erleben, und Dankbarkeit für das, was wir hier haben. 
Dazu kamen mir Worte von Ann Voskamp in den Sinn:

“Freude erlangen wir nur, indem wir nach Innen schauen und lernen zu genießen, was das Leben bereithält. Dazu müssen wir die Gier in Dankbarkeit verwandeln. ...

Du kannst Freude in jedem Moment haben, in dem du die versteckte Gier nach Mehr verwandelst in Dankbarkeit für das hier und jetzt. Das Gefängnis ist nicht mehr, du kannst befreit werden durch Dankbarkeit.

Freude handelt nicht von dem, was wir in unserem Leben alles haben – sondern wie sehr wir unser Leben genießen. Freude wird niemals erschaffen, indem wir mehr haben. Freude wird immer dann erschaffen, wenn wir mehr genießen. Mehr Christus, mehr Jetzt, mehr Gnade.”

Freude habe ich nicht dann, wenn ich viel habe, oder andere Dinge habe als ich gerade habe, sondern nur dann, wenn ich mehr genieße, wenn ich mehr dankbar bin, wenn ich zufrieden bin, da, wo Gott mich hingestellt hat. Und Gott hat uns hier her gestellt. Auch nach fünf Jahren Albanien sind wir dankbar, vielleicht noch viel mehr als zuvor.

Nach fünf Jahren Albanien kann ich sagen, dass ich mehr Gnade erlebt habe als je zuvor. In allen Herausforderungen und Zeiten, in denen es schwer war, in denen ich im Nebel saß, traurig war, verzweifelt und einsam, gerade in diesen Zeiten durfte ich wirklich erleben, dass ich nur aus seiner Gnade und mit seiner Kraft hier leben kann. Und nicht irgendwie, sondern mit Freude!

Ein Besuch in einem albanischen Krankenhaus

Meine Nachbarin ist vor zwei Wochen gestürzt und hat sich den Kiefer verletzt. Sie kam in ein Krankenhaus in Tirana. Es ist das Krankenhaus, in dem alle Notfälle behandelt werden, mit Helikopter Landeplatz direkt vor dem Gebäude.

Aus einer gedachten Kleinigkeit wurde ein zwei wöchiger Aufenthalt. Ungeplant musste sie operiert werden und war darauf hin sehr geschwächt und kaum fähig aufzustehen. Ihr Mann blieb die ganze Zeit an ihrer Seite und ihre drei kleinen Kinder (im Alter unserer Kinder) blieben wohl oder übel allein mit ihrer Schwiegermutter zuhause.

Danny und ich gingen sie nun letzte Woche besuchen. Ich hatte kleine Briefe von ihren Mädels dabei und auch noch einige andere kleine, schöne Dinge.

Vor dem Krankenhaus trafen wir den Mann meiner Nachbarin. Das hatte Gott so geführt. Mir wurde gesagt, sie liegt im zweiten Stock in Zimmer 3. Das klang einfach. Dachte ich mir. Als wir dann den doch recht schönen Eingangsbereich hinter uns gelassen hatten, ging es Treppen hoch und viele viele schmale Gänge entlang, immer wieder. Vorbei an lauter offenen Zimmertüren, durch die man die Patienten oft mit einer ganzen Anzahl von Angehörigen sehen konnte. Hier spätestens war mir wieder klar bewusst: Ich bin in einem albanischen Krankenhaus. Keine Privatsphäre, schlechte Betten, einfachste Ausstattung.

Dann kamen wir in Elenas (Name geändert) Zimmer. Ich hatte es mir anders vorgestellt. Obwohl ich doch weiß, dass wir in Albanien sind. Dennoch.
Naja, es war ein sehr kleines Zimmer. Das kleine Fenster zugehängt, der Putz an der Wand am Abblättern. Und da standen drei Betten. Auf engstem Raum. Noch zwei ältere Frauen lagen dort. Eine mit Zahnproblemen und eine mit einem Gips am Bein. Neben dem Bett ein kleiner drehbarer Hocker. Ich wurde gleich gewarnt, bevor ich mich mit Henry setzen wollte, dass er wackelt und ich leicht fallen könnte. Am besten ruhig in der Mitte sitzen. Langsam versuchte ich es. Er hielt. Das war der Platz, auf dem der Ehemann die letzten knapp zwei Wochen seine Tage und Nächte verbrachte. Er schlief tatsächlich auf diesem Hocker sitzend mit dem Kopf auf dem Bett. Kaum zu glauben...

Meiner Nachbarin kamen die Tränen. Und mir auch. Ich übergab ihr nach einer herzlichen Begrüßung die Briefe der Kinder und meine kleinen Geschenke. Auch der Mann hatte Tränen in den Augen, worauf hin er sich gleich die Rüge der älteren Frau einholte. Das ist eine Schande, als Mann weint man doch nicht. ... ja, diese Meinung herrscht hier noch. Ich sagte meine Meinung dazu. Etwas später kam die Krankenschwester und wechselte die Infusion. Nicht ohne uns vorzuwerfen, wie wir mit kleinen Kindern hier herkommen könnten... mehr als Infusionen wechseln tun die Krankenschwestern oftmals nicht. Alle anderen Arbeiten sind den Angehörigen überlassen. Das ist unglaublich für deutsche Ohren und Augen.

Wir blieben nicht allzu lange. Ich ließ ihr etwas lesen da und betete am Ende noch für Elena. Danny drückte dem Mann noch Geld in die Hand. Krankenhausrechnungen sind sehr hoch und alles muss selbst bezahlt werden. 
Als wir gingen, sah ich, wie sie ungehemmt begann zu weinen. Mir brach es das Herz und am liebsten wäre ich zurück und hätte sie nochmal fest gedrückt.

Ihr Mann begleitete uns hinaus. Er erzählte uns wie er der Ärztin vor jeder Visite erstmal umgerechnet 7 € in die Hand drückt, um auch sicher zu sein, dass sie sich „bemüht“, dass sie weiterhin kommt und die Sache ernst nimmt. In mir sträubt sich alles, wenn ich so was höre. Solch ein korruptes System. Solch eine Ausbeuterei. Solch eine Ungerechtigkeit! Es macht mich ärgerlich. Man kommt hier fast nicht darum herum, dieses System auch noch zu unterstützen. Aber natürlich will man, dass sich gut gekümmert wird. Was soll man da machen?

Ich sage zu Danny nur, dass ich solche Angst hätte, wenn ich in solch ein Krankenhaus müsste und da behandelt werden würde. Das wird wahrscheinlich nie vorkommen. Aber all die Menschen hier sind dem ausgeliefert. Und das ist noch eines der wirklich guten. Wieviel schlechter geht es den meisten Albanern. 

Ich verstehe nun sehr gut, warum das ein sehr großer Wunsch der Menschen gegenseitig ist: bleib gesund! Gesundheit ist alles! Usw.

Und ich bin einfach nur dankbar für unser gutes deutsches medizinisches System.
Ich habe mir angewöhnt, immer wenn ich in Deutschland in einem Wartezimmer sitze, Gott einfach nur zu danken für den Luxus. Ich weiß, dass auch in unserem Land nicht alles nur toll ist. Doch vergleiche es mit hier, und ja, es ist toll! 

Meine Nachbarin kam vor zwei Tagen heim. Immer noch sehr schwach. Heute hörte ich, dass gesagt wird, sie hat ein Bein gebrochen, da sie mit einem Rollstuhl gefahren wurde. Das stimmt nicht. Doch die Gerüchteküche unserer kleinen Stadt brodelt. Doch das ist ein anderes Thema. Es geht ihr immer besser. Das schlimmste hat sie überstanden.