Was mich gerade begeistert

Im September habe ich mit einem Plan begonnen, die Bibel in neun Monaten durchzulesen. Ich sehnte mich nach mehr von Gottes Wort in meinem Leben, in meinem Alltag. Ich wollte nicht immer wieder die gleichen Stellen lesen und manche Bücher nicht aufschlagen, da ich sie als „schwierig“, eher „langweilig“ oder wenig erbauend in Erinnerung hatte. Ich wusste an diesem Tag im September, dass ich das ändern möchte. 

Ich muss sagen, dass das in den letzten Monaten eine der besten Entscheidungen gewesen ist, die ich getroffen habe. Ich bin Gott so dankbar, dass ich diesen tollen Plan genau zur richtigen Zeit gefunden habe und dass Gott mich durch sein Wort so ermutigt. (Für jeden, der noch einsteigen möchte: hier ist der Plan🙂

Besonders begeistert bin ich im Moment von den Chroniken. Ehrlich gesagt gehörten diese Bücher eher zu denen, die ich gemieden habe. Diese endlosen Namenslisten und Aufzählungen... 

Aber in diesen Büchern steht noch so viel mehr. Ich lerne dort so viel über Gott und sein Handeln mit uns Menschen. Ich bin so fasziniert von diesen Geschichten der Könige, dass ich manchmal gar nicht stoppen will nach fünf Kapiteln. So höre ich meistens zuerst die Kapitel (beim abspülen - wusstest du, dass es auch ein Segen sein kann, wenn man keine Spülmaschine hat? :).

Im Laufe des Tages lese ich dann dieselben Kapitel noch einmal durch, streiche an, was mich angesprochen hat, was mir auffällt, was der Text über Gott lehrt, sein Wesen und sein Handeln. 

Ich finde auch, dass diese Geschichten so viel über uns Menschen lehren. So viel.

Wie wir sind und immer waren,

von Höhen und Tiefen, 

von Untreue und neuen Aufbrüchen, 

von Scheitern und nach Gott rufen. 

Von unserm Herzen, das so oft geteilt und nicht ungeteilt ist. 

Das von Gott wegläuft, obwohl er ihm doch so viel Gutes getan hat.

Dort wird berichtet von Menschen, die sich schlechte Ratgeber suchen und scheitern.

Von Müttern, die ihre Söhne gut oder auch schlecht beeinflussen. 

Von Menschen, die im Namen Gottes mutige Siege erzielen. 

Diese Geschichten sind so reich. So voller guter Lehre und Ermutigung. 

So voller Klarheit und Güte Gottes. 

Ich mache dir Mut: Lese sie! Und durch alle Höhen und Tiefen, die diese Geschichten nicht klarer beschreiben können, erklingt das Lied, das das Volk Juda unter joschaft sang, als es auszog zum Krieg:

„Preist den Herrn, denn seine Gnade währt ewig.“

(... und dann kämpft Gott allein für das Volk und alle Feinde kommen um, während das Volk Gott preist!)

Der kleine Samuel und die Sache mit dem Tod in Albanien

Warum wir Samuel kannten 

Vor ein paar Tagen haben wir von dem Tod eines kleinen Jungen, sieben Jahre alt, gehört. Dieser Junge, Samuel hieß er, hatte ein krankes Auge, was ihn zum Gespött vieler Kinder werden ließ. Das veranlasste ihn, das Haus nicht oft zu verlassen. Zu unserem Kindersommerprogramm letztes Jahr kam er jedoch immer mit großer Freude und es war so schön zu sehen, wie er sich wohl fühlte und einfach einer von allen anderen war.

Zu unserem Abschlussfest am Ende der Woche kam, als eine der wenigen Mütter, auch seine Mutter. Ich unterhielt mich mit ihr und sie erzählte, wie froh er war in diesen Tagen und wie wohl er sich bei uns gefühlt hat. Jeden Tag bat er seine Mutter inständig, doch zu den „Deutschen“ gehen zu dürfen. Sie selbst wollte nun sehen, wer wir sind und warum das so war.

Samuel wurde bald darauf wohl sehr krank. (Er war es auch zu dem Zeitpunkt der Kinderwoche schon.) Leider hatten wir seitdem keinen Kontakt mehr zu der Familie. Jetzt hörten wir von seinem Tod. Es hat uns tief getroffen. Ich habe geweint um diesen Jungen und sein kurzes Leben. Wer von uns hätte im Sommer gedacht, dass er schon wenige Monate später nicht mehr leben würde.

Wie Beerdigungen in Albanien ablaufen 

Gestern gingen wir dann zum Trauerbesuch zu der Familie. Innerhalb von 24 Stunden werden hier die Toten beerdigt. Wenn jemand am Abend verstirbt, wird er normalerweise am folgenden Tag um die Mittagszeit beigesetzt. So schnell… 

Alles folgt einer ganz genauen Tradition. Bevor der Tote beigesetzt wird, wird er im Sarg aufgebahrt vor seinem Haus. Die Familie steht hinter dem Sarg und viele Männer (nur Männer) der Stadt gehen, einer nach dem anderen am Sarg vorbei und wünschen jedem der Familienangehörigen „Zoti te le shenosh“ (Gott erhalte dich gesund). Dann wird der Sarg zugemacht und zum Friedhof gefahren. Alle Männer (keine Frauen, nicht mal ganz nahe Angehörige) begleiten den Sarg und wohnen dann der Beisetzung bei. Manchmal findet diese ganz ohne Worte statt. Manchmal betet der Imam der Stadt. Dann wird zugeschaufelt und die Menge löst sich auf. 

Der Besuchsmarathon an den Tagen danach

An diesem und an den vier darauf folgenden Vormittagen empfängt die Familie dann Besucher. Das sieht dann so aus: die männlichen Angehörigen sind in einem Café versammelt und dorthin kommen dann die Männer der Stadt zum Respektsbesuch. Man gibt jedem der Angehörigen die Hand, spricht Anteilnahme aus, trinkt einen Kaffee und legt dann 500lek auf das Tablett. Nach kurzer wertloser Zeit geht man dann wieder. Die Namen der Besucher und wieviel sie dagelassen haben, wird genau aufgeschrieben. Dieses Buch dient dann dafür, um zu wissen, zu welchen Beerdigungen man in Zukunft gehen muss. (Man geht hier durchaus nicht nur auf Beerdigungen von Menschen, die man persönlich kannte. Es reicht, wenn die Person Teil einer Familie ist, die man kennt…)

Die Frauen treffen sich im Haus des Verstorbenen. Vor der Tür stehen Frauen, die einen in die entsprechende Wohnung führen. Auf der Straße davor (auch vor der Café, steht ein Stuhl mit einem weißen Handtuch darüber - für alle ein Zeichen, dass dort ein Trauerfall ist). Im Wohnzimmer sitzen dann die Weiblichen Angehörigen, alle auf Sofas. Die nächste Angehörige, hier im Fall von Samuel die Mutter und dann die Oma, wird als erstes kondoliert. Dann geht man die ganz Reihe durch. Am Ende setzt man sich auch hin, bekommt einen Kaffee und hinterlässt 500lek auf dem Tablett. Nach einiger Zeit steht man auf, geht wieder durch die ganze Reihe durch und verabschiedet sich. 

Je nachdem, wer gestorben ist, kann es sein, dass gut die ganze Stadt verteilt an diesen fünf Tagen zu Besuch kommt. Das Geld hilft der Familie, die Kosten der Beerdigung zu tragen und darüber hinaus. 

Unser Besuch bei Samuels Familie 

Samuel hatte in einem der Hochhäuser hier gewohnt. Eine typische Wohnung, nicht reich, aber auch nicht zu arm. Die Mutter war sichtlich noch unter Schock. Sie weinte nicht, sie saß mit geneigtem Blick da. Keiner weinte. Dennoch bestimmte Trauer die Stimmung. Wir saßen da und schwiegen erst einmal. Die Menschen hier freuen sich und respektieren sehr, dass wir zu solchen Anlässen kommen und ihnen damit Respekt zollen. 

Nach einer Weile erzählen wir, woher wir Samuel kennen und welche Freude er auch in unser Herz gebracht hat durch die Freude, die er ausstrahlte. Und war sagten, dass wir für sie beten. Wir fragten, ob wir gleich beten dürften in Jesu Namen. 

Als wir begannen, da fingen plötzlich viele an zu weinen und es war, als würde ein Damm brechen und endlich bekam das Raum, was jeder versuchte in seinem Herzen einzusperren. Es war besonders. Es war hart. Ich kämpfte mit meinen eigenen Tränen, rang um die richtigen Worte in solch einer schweren Situation. 

Darum sind wir hier

Nicht immer ist es uns möglich zu beten. Aber zu sitzen und die Trauernden zu sehen, die ja so oft keine Hoffnung und Gewissheit haben, das bricht mir das Herz. 

Diese Zeiten erinnern mich wie keine anderen daran, warum wir hier sind und warum die Nachricht der Hoffnung hier endlich tiefe Wurzeln schlagen muss und Menschen erfüllt werden mit dem Licht des Evangeliums.

Photo by Ayanna Johnson on Unsplash

Und wenn es die Hölle wirklich gibt?

Es ist ein unbequemes Wort und schon fast fühlt man sich schlecht, es überhaupt zu schreiben. Es wird nicht viel darüber gesprochen, weil es irgendwie so radikal, so fundamentalistisch klingt. Und doch ist es ein Wort, ist es eine Tatsache, von der die Bibel, von der Jesus sehr viel redet. 

Ehrlich gesagt würde ich es auch gerne manchmal ausblenden. Die Tatsache, dass Menschen ohne Jesus verloren sind. Das Menschen ohne Jesus in die Hölle gehen. 

Was empfindest du, wenn du das liest? Baut sich in dir so ein gewisses Unbehagen auf? Das kann man doch so nicht sagen? Keiner weiß doch genau, ob und wie und überhaupt… wer sind wir, dass wir so etwas sagen können?

Vor ein paar Tagen las ich ein Buch zu Ende, das schon lange auf meiner Liste an Büchern stand, die ich lesen möchte. Es ist das neue Buch von David Platt „Something needs to change“ („Es muss sich etwas ändern“). Dieses Buch ist ein Reisebericht des Autors auf einem Hike in den Himalaya. Eine Woche lang ist diese Gruppe von fünf Männern unterwegs zu Dörfern und zu Menschen, die ab vom Schuss leben, die weitgehend unerreicht sind vom Evangelium. Menschen, die noch nie den Name Jesus gehört haben, geschweige denn die gute Nachricht, die er uns gebracht hat. Menschen, die in unglaublichen Nöten und Ängsten leben und  im täglichen Überlebenskampf stehen. Er berichtet von Dörfern, in denen es keine Mädchen zwischen 7 und 15 mehr gibt, weil sie in größere Städte verschleppt wurden, und die Hoffnung auf ein besseres Leben schnell an der harten Realität eines Lebens in der Prostitution zerbricht.

Das Buch geht an die Nieren. Es bewegt. Es ist ehrlich. Es scheut sich nicht vor unangenehmen und harten Fragen. 

Eine Stelle ging mir besonders nach. Die Gruppe war gerade Zeuge einer Feuerbestattung geworden. Ein Mensch, der aufgebahrt liegt und verbrannt wird. 

David Platt spricht dann mit dem Leiter der Gruppe darüber, was ihn bewegt. 

Er glaubt an die Bibel und was sie sagt, auch über die Menschen, die nie die Möglichkeit hatten, das Evangelium zu hören. Warum kämpft er beim Anblick dieser Bestattung eines Menschen, der sicher nicht an Jesus geglaubt hat, so mit dieser Wahrheit?

Die Antwort, die ihm gegeben wird, die hat mich beschäftigt:

„Ich kenne keinen, der an die Hölle glaubt, der nicht an einem gewissen Punkt mit diesem Glauben hadert. Wenn da kein Hadern ist über das, was du über die Hölle glaubst, dann glaubst du nicht wirklich an die Hölle.“

Das stimmt! Und ich habe manchmal den Verdacht, dass wir nicht mehr hadern, weil wir nicht mehr wirklich daran glauben. Es passt nicht in unsere (auch christliche) Toleranz. Wir leben in einer Welt, in der doch jeder glauben darf, was er möchte. Was maße ich mir an zu sagen, wer gerettet wird und wer nicht. Aber es ist doch die logische Folge, wenn Menschen gerettet werden, dass auch Menschen verloren gehen. 

Würden wir wirklich noch an die Existenz der Hölle glauben (und die Bibel spricht so klar und deutlich davon: Mk 9,43-45; Offb.14,11; Lk 16,19ff; ...), dann würde unser Leben zutiefst anders ausgerichtet sein.

Wenn wir an die ewige Verlorenheit der Menschen ohne Jesus glauben würden, würden wir dann nicht alles daran setzen, Menschen davor zu bewahren?

Würden wir unser Leben nicht einsetzen, um Menschen von Jesus und dem Rettungsweg zu erzählen?

Wäre es dann nicht ein Ausdruck tiefer Liebe, wenn wir mit Menschen über das Evangelium reden?

Ich habe manchmal den Eindruck, dass wir gleichgültig geworden sind, weil wir nicht mehr an die Hölle glauben. Wir wollen lieber „friedlich“ und ohne anzuecken leben, jeden Menschen da lassen, wo er ist und nennen das dann Liebe den Menschen gegenüber. 

Jede Woche hören wir von Menschen, die gestorben sind. Danny geht auf viele Beerdigungen. Der Tod steht uns hier mehr als in Deutschland immer wieder vor Augen. Und damit auch die Dringlichkeit unserer Arbeit hier. Die Dringlichkeit, zu beten, dass Gott doch Menschen hier rettet. 

Als ich das Buch gelesen habe, da ging es mir durch und durch, als es um die Menschen ging, die noch nie von Jesus gehört haben. Was geschieht mit ihnen? Würden wir glauben, dass sie nicht verloren sind, dass Jesus selbst ihnen später noch eine Chance geben wird, dann wäre es doch das verkehrteste überhaupt, zu den Unerreichten zu gehen und ihnen den Status „noch nie von Jesus gehört“ zu nehmen, sie vor die Entscheidung zu stellen, und ihnen die Möglichkeit geben, sich gegen Jesus zu entscheiden und damit verloren zu gehen. Wären sie nicht besser dran gewesen, keiner hätte ihnen etwas erzählt, und sie wären nicht schuldig geworden, Jesus abgelehnt zu haben (was ja viele Menschen tun…). Wäre dann nicht auch unser Dienst hier verkehrt?

Es ist gut, dass wir an einen Gott glauben dürfen, der ganz sicher nicht ungerecht ist und kein Mensch wird in die Hölle gehen, der es nicht verdient hat. So viel steht fest, oder? Und jeder, der gerettet wird, der wird doch aus Gnade gerettet, unverdient, weil er eigentlich Strafe verdient hätte… 

Das sind nur ein paar Gedanken, die mich zur Zeit beschäftigen. Es ist keine theologische Ausarbeitung und ich weiß, dass es sicher kontrovers gesehen werden wird. Aber ich möchte durch diesen Artikel bewusst zum Nach- und Überdenken deines Lebens anregen. Nimm deine Bibel und prüfe nach und lass dich von der Botschaft herausfordern. Denke neu und scheue dich nicht, die Worte der Bibel ernst zu nehmen. 

Photo by raquel raclette on Unsplash

Das waren Zeiten

Vor ein paar Tagen haben wir hier unsere zweite junge Lernhelferin begrüßt. Sie wird noch ein halbes Jahr mit uns in unserer schönen Stadt verbringen und uns v.a. beim unterrichten unserer Kinder unterstützen. Als ich am Samstag mit unserer anderen Lernhelferin zum Flughafen gefahren bin und wir uns so unterhielten, da erzählte ich von meiner Zeit als junges Mädel. Ich war fertig mit dem Gymnasium und mein Traum war es, für ein Jahr nach Haiti zu gehen. Das hatte ich schon drei Jahre zuvor von Gott fest aufs Herz gelegt bekommen. 

Meine Reise in die Ferne

Ich erinnerte mich zurück an diese aufregende und so prägende Zeit. Ich war gerade 20 geworden, als ich mich allein aufmachte, mit zwei schweren Koffern und ordentlichem Herzklopfen. Von einem kleinen Flughafen in Oberfranken flog ich nach Frankfurt, von dort nach Paris. Dann ging es das erste mal für mich über den großen Ozean. Ich erinnere mich noch so gut, wie ich mir wünschte, einfach jemand bekanntes dabei zu haben, und wenn es nur mein damals sieben Jahre alter Bruder gewesen wäre.

In Miami angekommen musste ich auschecken, mein kleines Hotel finden unter hunderten anderen und am nächsten morgen rechtzeitig aufstehen, um den frühen Flug, mit fast nur schwarzen Menschen („Was will nur dieses junge blonde Mädel ganz allein unter all diesen Menschen?“ - das kommunizierten mir viele interessierte Blicke) zu bekommen. In der Zwischenzeit, seit meinem Abflug in Deutschland, wurde Haiti von einer großen Überschwemmung heimgesucht. Das erzählten mir meine nicht ganz unbesorgten Eltern, als ich gerade froh war, mein Hotelzimmer gefunden zu haben und erstmal eine kleine Last von mir abfiel. Da kam die nächste Sorge. Werde ich reisen können? 

Doch alles klappte. Die Überschwemmungen waren mehr im Norden des Landes gewesen und daher war meine Fahrt in den Süden Haitis nicht betroffen. 

Das Abenteuer beginnt

Nach dieser abenteuerlichen Reise (oh, Gott hatte mir so viele Engel in unterschiedlichen Personen geschickt, die mich den ganzen Weg begleitet hatten…) begann das Abenteuer der jungen Rahel Hasch. Weit weg von allem bekannten eröffnete sich mir eine neue Welt, neue Menschen, neue Gerüche, neue Ansichten und Weltsichten, eine neue Sprache (die wesentlich einfacher ist als albanisch), und vor allem tauchte ich in eine bisher noch nicht gekannte Tiefe der Beziehung zu Gott ein. (Am Ende des Artikels findest du ein paar Fotos von der Zeit.)

Ohne Verbindung zur Aussenwelt

Ein Grund dafür sehe ich darin: damals, also 2004, da hatte noch nicht jeder ein Smartphone (und schon gar nicht ich, junges Mädel vom Lande…). Ich hatte keinen Laptop dabei. Und stellt euch vor, es gab noch kein WhatsApp oder irgendwelche anderen sozialen Netzwerke. (Um genau zu sein, wurde Facebook genau in diesem Jahr gegründet…). In meinen 10 Monaten in Haiti telefonierte ich vielleicht fünfmal mit meiner Familie. Schlechte Qualität der Verbindung und hohe Kosten mussten wir dabei in Kauf nehmen. Ansonsten schrieb ich hier und da eine Mail und unzählige Briefe. 

Zeit zum Schreiben im Überfluss

Und was ich alles geschrieben habe. Ich habe letztens meine Tagebücher aus dieser Zeit gefunden. Sage und schreibe vier Stück, in kleinster Schrift, ordentlich und sauber geschrieben. Sie lesen sich wie ein Roman. Was hatte ich da doch für Zeit gehabt. Und für ein Bedürfnis, mich mitzuteilen, und wenn auch nur meinem Tagebuch.

Ich hatte am Abend, wenn es dunkel war und man im Haus sein musste, kein Smartphone neben mir liegen, welches mich durch Piepstöne immer wieder unterbrechen konnte, keine Familienmitglieder oder Freunde, die ganz schnell und ganz dringend etwas wissen wollten. Kein Netflix oder Amazon Prime, das mich vielleicht an dem ein oder anderen einsamen Abend verführt hätte, mich in andere Welten versinken zu lassen. 

Das Geschenk ganz da zu sein

Nein, ich war da. Ich war vor Ort. Ich war ganz da, mit meinem ganzen Herzen und meiner ganzen Seele. Ja, ich war manchmal einsam und sicher wäre es schön gewesen, etwas öfter Kontakt mit dem ein oder anderen gehabt zu haben. Aber dann hätte es auch nicht diese aufregenden Momente gegeben, als wieder mal ein großer Postsack aus der Hauptstadt gebracht wurde und hunderte Briefe von allen Missionaren der großen Missionsstation auf dem Boden ausgeschüttet wurden. Und die Freude, wenn unter all den Briefen auch einer für mich war. Von so weit her, aus meiner Heimat, einer anderen Welt. 

Ein Leben ohne Ablenkung

Ich bin heute so froh, dass damals noch diese Zeit der geringen Ablenkung (im Vergleich zu heute) herrschte. Abends saß ich an meinem Schreibtisch und schrieb. Jeden Tag, oft morgens (nach meinem 6 Uhr Spaziergang) und abends. Ich schrieb und schrieb. Schrieb mir alles von der Seele und Gott zu. Er hörte zu. Und er brachte mich in dieser Zeit zu einer neuen Reife. Einer neuen Abhängigkeit. Einer tiefen Sehnsucht nach ihm und der Gemeinschaft mit ihm. Er weckte in mir noch mehr wie zuvor, die Lust zum Schreiben. Zum verarbeiten, zum beten in schriftlicher Form. 

Zurück in unserer Zeit

Als ich meinem Sohn heute eine Auszeit gab und es im Zimmer so ruhig war, dass ich dachte, er sei eingeschlafen, da saß er am Tisch und schrieb in sein neues Tagebuch. Er schrieb los: „Gestern…“. Beginnt so die Karriere meines Sohnes als Schreiber? Ich erzählte ihm von meinen Tagebüchern und davon, dass sie sie eines Tages alle lesen dürfen und sie dann wahrscheinlich ihre Mama noch einmal tiefer kennenlernen werden. Das ist ein Schatz. Ein unbezahlbarer Schatz für mich!

Ja, das waren noch Zeiten. Sie haben sich geändert. So viel hat sich in diesen 15 Jahren verändert. So viel. Ich wünschte mir, ich ließe mich weniger ablenken und stattdessen würde ich sitzen, bei Kerzenschein, Tag ein, Tag aus, und würde schreiben… 

Ein inspirierender Podcast für Mütter: RISENMOTHERHOOD

Ich bin immer wieder auf der Suche nach guten, evangeliumszentrierten Blogs für Frauen und Mütter. Es gibt so viel gutes in den weiten Welten des Internets, aber ich weiß nichts davon. (Das ist sicher auch gut so, da mich die Menge von all dem erschlagen würde und ich vor lauter guten Ideen und Gedanken gar nicht mehr wüsste, wo ich anfangen soll…)

Aber es gibt doch ein paar Perlen, die ich schon gefunden habe und die mich immer wieder inspirieren, ermutigen und herausfordern. 

So z.B. der Blog „risenmotherhood“. Wie der Name schon sagt, ist er (leider) in Englisch. Dahinter stehen vor allem zwei Frauen, Schwägerinnen, Laura Wifler und Emily Jensen. Ihre Vision für ihre Arbeit ist folgende:

Risen Motherhood® exists to encourage, equip, and challenge moms to apply the gospel to their everyday lives.

übersetzt bedeutet das: Risenmotherhood existiert, um Mütter zu ermutigen, auszurüsten und herauszufordern, das Evangelium in ihrem alltäglichen Leben anzuwenden.

Ist das nicht eine schöne Vision. Ich wünsche es mir sehr, dass mein Alltag mehr den Geruch des Evangeliums, der Gnade in Jesus, bekommt annimmt. Vor allem der Podcast, von welchem jeden Mittwoch eine neue Folge herauskommt, ist, wie ich finde, sehr hilfreich, ermutigend und herausfordernd zugleich. 

„Every Wednesday, we release a new episode of the Risen Motherhood podcast. On the show we discuss relevant topics to everyday motherhood through the lens of the gospel. From potty training or cooking dinner, to miscarriage or PPD, no topic is off limits. Each episode is about 20 minutes, so you can fit it into your day when you're washing dishes, folding laundry or driving to work.“

Neben dem Podcast gibt es auf der Webseite noch verschiedene praktische Hilfsmittel zum Bibelstudium, sowie auch eine Reihe toller Artikel.

Sehr zu empfehlen ist die Folge des Podcasts von letzter Woche.

EP 151 Motherhood - When we can`t see the outcome

Wenn du des englischen einigermaßen mächtig bist, dann schau doch mal auf dem Blog vorbei. Es lohnt sich.

RISENMOTHERHOOD.COM

Gottes rebellische Kinder

In meiner Bibellese bin ich bei den kleinen Propheten angekommen. (Trotz einiger Wochen Ausnahmezustand, da in Deutschland, bin ich immer noch gut bei meiner bible reading challenge dabei - Halleluja!)

Meistens höre ich die Texte aus dem alten Testament, während ich meine morgendliche Routine fahre (Tisch abräumen, abspülen, Saubermachen…). Vieles prägt sich mir echt besser ein, wenn ich es höre. Ich weiß noch ganz genau, wo Ich was sauber gemacht habe, als dieses und jenes Gemetzel war… 😉

So bin ich nun also bei dem Propheten Hosea. Hosea ist in vielerlei Hinsicht echt ein besonderer Prophet, von dem Gott auch besonderes gefordert hat. Während Jeremia z.B. nie heiraten durfte, sollte Hosea eine Hure heiraten, von der er wusste, dass sie ihm untreu werden wird (Hosea 1,2). Und dann soll er seine hurerische Frau sogar ein zweites Mal heiraten (Hosea 3,1). Warum? Um dem Volk Israel ganz bildlich zu zeigen, was sie mit ihrem Gott tun. Die Worte in Hosea sind hart. Das Gericht, das angekündigt wird, grausam.

Soviel ich jetzt im alten Testament gelesen habe, von der Geschichte der Menschheit hin zur Geschichte des Volkes Israel, immer wieder frage ich mich, warum der Mensch immer (oder fast immer) den Weg weg von Gott wählt. Warum verlassen sie immer wieder den Weg, der zum Leben führt? Warum wählen sie Tod und Zerstörung, Krieg und Elend? Warum bleiben sie nicht bei ihrem Gott, der sie liebt und schützt, der sie rettet und ernährt?

In Hosea Kapitel 11 musste ich beim Hören plötzlich innehalten. Es hat mich so betroffen gemacht, was ich da hörte:

Der Herr sagt:

 »Als Israel jung war, habe ich es ins Herz geschlossen und als meinen Sohn angenommen. Ich habe meinen Sohn aus Ägypten gerufen und zurück in die Freiheit geführt. Doch wenn ich dann nach meinem Volk rief, liefen die Israeliten mir bloß davon. Sie opferten den Götzen und brachten ihren Götterfiguren Räucheropfer dar. Dabei habe ich Ephraim doch das Laufen gelehrt und ihn immer wieder auf meine Arme genommen, wenn er fiel. Aber die Menschen in Israel haben nicht erkannt, dass ich es war, der ihnen Gutes tat und sie heil machte. Mit Freundlichkeit und Liebe wollte ich sie ihren Weg führen. Ich habe ihnen ihre Last leicht gemacht – wie ein Bauer, der seinem Ochsen das Joch hochhebt, damit er besser fressen kann, ja, der sich bückt, um ihn selbst zu füttern. Trotzdem weigern sie sich, zu mir umzukehren. […] Mein Volk ist mir untreu, und davon lässt es sich nicht abbringen! Sie rufen zu ihren Götzen, doch die können ihnen nicht helfen. Ach, wie könnte ich dich im Stich lassen, Ephraim? Wie könnte ich dich aufgeben, Israel? Sollte ich dich vernichten wie die Städte Adma und Zebojim? Nein, es bricht mir das Herz, ich kann es nicht; ich habe Mitleid mit dir!

Hier spricht Gott als ein liebevoller Vater zu seinem Kind. Der heilige Gott hat dieses Volk als sein Kind angenommen und er liebt es über alles. Er hat sein Kind in die Freiheit geführt. Er hat ihm das laufen gelehrt und hat es ernährt. Er hat es mit Liebe und Freundlichkeit umgeben und alles getan, um ihm die Last leicht zu machen. Wo findet sich ein besserer Vater? Und wo gäbe es ein glücklicheres Kind als dieses?

Doch die Liebe des Vaters stößt nicht auf Gegenliebe. Die Freundlichkeit und Zuwendung des Vaters findet keine Erwiderung. Keine Dankbarkeit. Keine heile, friedvolle, zufriedene Beziehung. 

Stattdessen: Rebellion. 

„Sooft ich sie rief, gingen sie von meinem Angesicht weg.“

Ich weiß, wie ich mich fühle, wenn mich meine Kinder ignorieren und nicht auf meine Stimme hören. Wenn sie in eine andere Richtung laufen, obwohl ich sie aus Liebe zu mir gerufen habe. Wenn sie bewusst meine Anweisung nicht befolgen. 

Die Kinder laufen weg und wollen ihr Glück woanders finden. Fern von dem Vater, der ihnen das laufen beibrachte, der stolz und glücklich war, wie jeder Vater, der seinen Sohn zum ersten Mal laufen sieht. Liebevoll nahm Gott sie immer wieder auf die Arme, wenn sie fielen, tröstete und heilte sie. Aber sie?

 „Sie erkannten nicht, dass ich sie heilte.“

Gott erzieht seinen Sohn. Er lässt ihn durch schwere Zeiten gehen. Und doch?

„Aber mein Volk bleibt verstrickt in die Abkehr von mir.“

Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einer lieben Freunden. Es ging mal wieder um unsere Kinder und die Erziehung. Ihre vier Kinder sind schon alle aus dem Haus und nicht jedes von ihnen geht den Weg, den die Eltern gerne sehen würden. 

Ich war an einem Punkt, an dem ich echt niedergeschlagen war, wegen einer schweren Sache, die vorgefallen war. Irgendwie war ich ernüchtert und enttäuscht und fragte mich, welchen Unterschied meine Erziehung macht. Ich versuche das beste, ich will wirklich eine gute und liebevolle Mutter sein, Ich bilde mich weiter, lese Bücher und bete für meine Kinder. Und trotzdem stehen sie da und lügen dir ins Gesicht. Ich war entmutigt. Wir geben unser bestes und doch kommt es oft so anders, wie wir wollen.

Meine Freundin erzählte mir eben von diesem Vater, der oben beschrieben ist. Der perfekte Vater, weil Gott nicht weniger als perfekt sein kann. Und was geschieht? Selbst seine Kinder wenden sich von ihm ab. Er hat alles richtig gemacht (was ich von mir nun wirklich nicht behaupten kann…) und doch wählen seine Kinder den Weg des Todes, des Leides, der Zerstörung ihrer selbst und der Beziehung zu ihrem Vater. Es ist traurig. - Aber es zeigt die Natur des Menschen seit dem Sündenfall. Weg von Gott, weg vom Schöpfer, hin zu selbstgemachten Götzen. 

Mich lehrt dieser Text so einiges: meine Kinder werden eines Tages ihren Weg wählen. Ich kann für sie beten, ich kann sie den Weg Gottes lehren und ihnen so gut ich kann das Evangelium vorleben, aber sie selbst entscheiden für ihr Leben. 

Auch will ich mich nicht erheben und mit dem Finger auf das Volk Israel zeigen. Wie oft laufe ich weg von Gott? Wie oft will auch ich mich seiner liebenden Hand entziehen, weil es woanders besser erscheint? Wie oft vergesse ich seine Freundlichkeit und seine Stricke der Liebe, mit denen er mein Leben durchwebt?

Rebellion liegt im Wesen des Menschen. Wie gut, dass ein Gott und Vater über uns wacht, der voll Mitleid ist und uns immer wieder zu sich zurückzieht. Jesus sei dank!

Wir sind zurück!

Nach gut fünf Wochen in Deutschland sind wir wieder zurück in Albanien. Wir waren bisher noch nicht im Winter weg gewesen und die Umstellung von einem geheizten Haus in Deutschland zu den schlecht isolierten und wenig beheizten Häusern hier ist schon ein großer Unterschied. Aber so langsam gewöhnt sich unser Körper an die Kälte und es wird wieder normal, wie schon in den letzten sechs Wintern zuvor. 

Bevor wir zurückgeflogen sind, meinte Gideon, dass er sich wünschte, dass es ihn zweimal gäbe. Ein Gideon könnte dann in Deutschland bleiben und einer könnte zurück nach Albanien gehen. Ja, das drückt es wohl sehr gut aus, was viele Kinder, die in zwei Kulturen aufwachsen, empfinden. Deutschland ist ihr Herkunftsland, auch wenn sie die meiste Zeit ihres Lebens hier in Albanien verbracht haben. Sie sprechen zwar fließend albanisch und dennoch fühlen sie sich in deutsch wohler. Sie freuen sich, wenn sie in Deutschland ankommen und fragen verwundert: „Sprechen hier alle deutsch?“ Sie (und wir) genießen die Vorzüge, die das Leben in Deutschland mit sich bringen. 

Und doch zieht es sie auch wieder zurück in ihre zweite Heimat. Da warten unsere albanischen Großeltern voller Freude auf uns alle und freuen sich über den zurückkehrenden Lärm und das Leben, das eine große Familie mit sich bringt. 

Da sind ihre Freunde aus der Nachbarschaft, die sie mit lieben kleinen Briefen begrüßen, in denen sie bekunden, wie sehr sie sie vermisst haben und dass sie sicher die besten Freunde überhaupt sind. 

Da ist der Alltag und das Leben, die Hunde und die Hühner, die Freiheit und die Enge, die Fröhlichkeit und die Wärme, die das brennende Feuer ausstrahlt. Da ist die Sonne, der zauberhafte Abendhimmel, die Menschen und Freunde, die altbekannten Gesichter, die uns anstrahlen, da sind die immer wiederkehrenden Fragen nach unserem Befinden und dem unserer Familie und unserer Eltern. Die immer gleichen Antworten und Kopfbewegungen, die vielen Küsschen rechts und links. 

Irgendwie ist all das schon so vertraut geworden und daher ein Stück weit Heimat geworden. Und das soll auch so sein. 

Heute haben wir strahlend blauen Himmel. Kurz nach 11 Uhr spitzt die Sonne das erste mal hinter unserem hohen Hausberg hervor und steht dann mit Macht ein paar Stunden am Himmel. Unsere Kinder sind dann ganz im Frühlingsfeeling, ohne Jacken… „Mama, warum brauchen wir die denn?“ - ja, warum braucht man Jacken im Winter… Die Sonne tut gut und hilft mir, wieder mit Freude hier anzukommen und Gott hier zu dienen. 

Wir sagen noch einmal allen danke, die uns in unserer Zeit in Deutschland ermutigt, eingeladen, und umarmt haben. Auch wenn die Zeit so manche Herausforderung mit sich brachte (v.a. unseren kleinsten, der zwei Wochen brauchte, bis man ihn wieder erkannte, da er so aus dem Gleichgewicht war…), war die Zeit echt sehr schön und gesegnet und wir wurden ermutigt, hier weiter zu machen. Danke!

Ein neues Jahrzehnt beginnt

Der letzte Tag in diesem Jahrzehnt hat begonnen. Eine Stunde nach der anderen vergeht und schon bald stehen wir alle da: im neuen Jahr, im neuen Jahrzehnt. Jeder, keiner kann dem entfliehen und kann zurückbleiben. Wir alle müssen einen Schritt weitergehen. Die Zeit treibt uns voran. Ob es uns gefällt oder nicht. 

Ob du wohl mit Freude und Frieden in das neue Jahr gehst. Ob du mit Sorgen und Lasten beschwert dich gerade so hinüberschleppst? Ob du nicht weißt, wie es mit deiner Krankheit weitergehen wird, mit deinem rebellischen Kind, mit deiner unsicheren Arbeit? Ob du dich sehnst nach Ruhe und Zeiten der Entspannung, endlich mal in einen sicheren Hafen kommen, Wurzeln schlagen, sesshaft werden, ankommen? 

Oder beginnst du deine Flügel aufzuspannen, um in neue Länder, neue Welten, neue Orte aufzubrechen. Spannst du die Flügel auf voller Erwartung und Vorfreude. Vielleicht kommt ein neues Baby, wirst du zum ersten Mal Mama oder Papa. Ein neues Leben beginnt, für das Baby und für dich…. 

Oder bist du zaghaft und vorsichtig, langsam nur bewegst du dich, weil du nicht weißt, was da kommt. So viel Neues, so viel Unbekanntes. Du willst doch eigentlich bleiben, wo du bist. 

Oder bist du es müde, dein kleines, beschauliches Leben, immer derselbe Trott, der gleiche Alltag, die Arbeit, die immer wieder kehrt, die Freude auf den Urlaub und wenn er vorbei ist, beginnt alles wieder von vorne. Du willst diesem Leben entfliehen, du weißt nur nicht wohin. Du kannst nicht weg, weil da so viel ist, was dich festhält. Der Job, das Haus, der Angehörige, der gepflegt werden will, die Kinder… 

Wenn ich eines über das Leben gelernt habe, dann, dass es dynamisch ist. Es ist voller Überraschungen, ein ständiges auf und ab. Die Zukunft ist für alle ungewiss, sie mag noch so gut geplant sein. Aber: Unser Leben und alles, was damit zusammenhängt, liegt in der Hand des allmächtigen Gottes, der souverän über allem steht, der weder Raum noch Zeit kennt. Für ihn kommt nichts überraschend.

Wie nun gehen wir in dieses neue Jahr? Egal, wo du gerade mit deinem Herzen  stehst, eines steht fest:

„Das nächste Jahr wird ein Augenblick nach dem anderen sein,

In dem Gott die Dinge zu deinem allerbesten mitwirken lassen wird.“ 

(„This next year will be one Moment after another of God working things out for your ultimate good“) 

Wir treiben nicht in einem sinnlosen Strudel, der uns nach Belieben hoch oder runter zieht, wir leben nicht in Zeiten, in denen nichts mehr sicher ist. Nein, eines ist sicher und daran dürfen wir uns festklammern wie ein ertrinkender am Rettungsring: wir sind sicher und geborgen in Gottes guten Händen. Wir ein Adler seine Schwingen unter seinen Jungen ausbreitet, so sind die Arme unserem liebenden Vaters im Himmel unter uns.

In diesem Sinne: Ein gesegnetes und frohes neues Jahr euch allen!!

Das Krippenspiel und der Junge, der störte

In diesem Jahr kam ich mal wieder in den Genuss, ein gut eingeübtes deutsches Krippenspiel zu sehen an einem Heiligabend Gottesdienst. So viele Kinder und sogar meine unter ihnen, die mit ihren schönen Stimmen tolle Lieder sangen, alle fein gemacht und mit super auswendig gelernten Texten. Sie haben es wirklich toll gemacht. 

Im Hintergrund standen zwei Jungen. Ich denke, es waren Brüder. Der große stand vor dem kleinen. Von meinem Platz an der Seite konnte ich sie gut sehen. Der kleinere ärgerte seinen großen Bruder, der bemüht war, bei den Liedern mitzusingen. Immer wieder stieß er ihn von hinten. Irgendwie eine komische Situation. Der ältere blieb standhaft und erduldete diese Schikane scheinbar ungerührt, fast. (Wer weiß, was es hinterher für einen Ärger gab.)

Ich saß nun da und irgendwie musste ich schmunzeln und es war, als wenn Jesus mit zu flüsterte: Für genau solche bin ich gekommen. In diese dunkle und dreckige Welt. Nicht nur zu denen die alles richtig machen und nach außen super aussehen. Ich bin in diese Welt geboren worden, um Sünder zu rufen, Außenseiter, Störenfriede. Oh Mann, ja, genau das ist die Botschaft von Weihnachten, dachte ich. 

Und ich dachte an all unsere anvertrauten Menschen in unserer Stadt in Albanien. Oh, einige können einen so nerven, und ärgern, wenn sie einen zum gefühlt 100sten mal anlügen. Es ist manchmal so mühsam. Der Armut begegnen, dem Leid und der inneren und äußeren Kälte. Ich wünsche mir manchmal, dass es alles so ein sauberes Spiel ist, das Leben. Dass jeder seinen Text ordentlich und ohne Fehler spricht. Weiß, wann er dran ist und ja nicht ungeplant dazwischen platzt. Dass alle schön aussehen und gut riechen, dass keiner stört. Keiner nervt. Jeder seinen Platz kennt. Alles geordnet abläuft. 

Aber so ist die Welt und so ist mein Leben nicht. Und in so eine Welt ist Jesus nicht hineingeboren worden. Was er vorfand, war alles andere als perfekt. Es war die über alles erlösungsbedürftige Welt. Und wir! Wir alle. Wir alle sind mehr wie dieser nervige, störende Junge. - Mann, genau für dich ist Jesus geboren! 

Mein Herz erfüllte sich mit Freude. Und der Junge hörte dann auf, seinen Bruder zu ärgern...

Ein toller Blog für Mütter

Eine Freundin hat mich zuletzt auf einen tollen Blog aufmerksam gemacht. Er heißt „mamaabba“. Er wird von einer wunderbaren Frau namens Antschana betrieben. In ihrer Vorstellung schreibt sie folgendes:

„Mein Vertrauen ist in Gott. ER ist die Quelle meines Lebens.
Ich habe auf sehr viele Fragen keine Antworten, für viele Probleme keine Lösungen.
Aber ich kann von dem erzählen, was Gott in meinem Leben getan hat und euch damit hinweisen auf Jesus, der die Antwort auf alles ist.
Und ich möchte euch Mut machen auch von dem zu erzählen, was ihr mit Gott erlebt!
Die großen und die kleinen Geschichten, die lustigen und traurigen, die mit Happyend und die ohne Ende.
Wir brauchen einander.
Unsere Geschichten trösten, machen Mut und zeigen, wie Gott mit jedem einzelnen von uns seine ganz einzigartige Geschichte schreibt!
Deswegen habe ich mama♥abba gegründet:
damit wir uns gegenseitig ermutigen, inspirieren und von Jesus erzählen.
Jesus liebt uns mit allem. ER liebt nicht nur deine Gebete, sondern auch deine Deko-Ideen, dein Herz für deine Kinder, deine Kochkünste oder deine Nähprojekte.
Und all deine Begabungen und Talente hat ER dir nicht nur für dich gegeben, sondern auch damit du andere damit bereicherst!“

Das tolle an diesem Blog ist, dass dort mehrere Frauen zu Wort kommen. Dadurch bin ich schon auf so einige christliche, deutschsprachige Blogs gestoßen, die ich echt interessant und gut finde. Mir war nicht bewusst, dass es auch in Deutschland so einiges gibt, da ich mehr auf englischsprachigen Blogs unterwegs bin.

Heute wurde übrigens auch ein Artikel von mir veröffentlicht. Schaut doch gerne mal vorbei und schmökert etwas auf der Seite. Vielleicht entdeckst auch du etwas Neues für dich, was dich ermutigt und inspiriert.

Ich danke Antschana von Herzen für diesen Dienst, den sie an uns Frauen, Müttern und Nachfolgerinnen Jesu tut!

Heimatlosigkeit

Ich lese in meiner Bibellese gerade die Geschichte von David. Zu den Stellen in den Samuelbüchern sind auch immer die passenden Psalme angegeben, die David in bestimmten Situationen seines Lebens geschrieben hat.

Davids Heimatlosigkeit

David hatte es sehr schwer. Seit König Saul David wegen seiner Eifersucht fast getötet hätte, ist dieser auf der Flucht. Er führte ein höchst unstetes Leben für viele Jahre. Hier war er nicht willkommen, dort musste er fliehen, dann kam wieder Saul mit seiner Armee, um ihn zu töten. Er flüchtete in die Berge, in die Wüste, in Städte und Höhlen. Er lebte in ständiger Angst vor seinem Verfolger, vor Menschen, die ihm Böses wollten, obwohl er völlig unschuldig war.

Heute las ich Psalm 56. Dieses Lied schrieb David zu Beginn seiner Flucht. Er kam in eine Stadt und war in Gefahr, dem dortigen König ausgeliefert zu werden, da er erkannt wurde. Er bekam Angst und dann die Idee, sich verrückt zu stellen. Er stellte sich wie ein Wahnsinniger und das rettete ihm das Leben. (Ideen muss man haben!)
Daraufhin schrieb er diesen wunderschönen Psalm.

An einer Stelle kam ich beim Lesen ins Stocken:

„Meine Heimatlosigkeit hast du abgemessen. Gieße meine Tränen in deinen Schlauch. Stehen sie nicht in deinem Verzeichnis?“ (Vers 9)

Heimatlosigkeit. Seit wir vor sechs Jahren ausgereist sind, hat sich die Bedeutung dieses Wortes für mich verändert. David war ganz am Anfang seiner Zeit auf der Flucht. Er musste Hals über Kopf fliehen. Er hat alles zurückgelassen und eine höchst ungewisse Zukunft lag vor ihm. Er fühlte sich plötzlich heimatlos.

Meine Heimatlosigkeit

Bei mir kam dieses Gefühl nicht plötzlich. Es kam schleichend, aber immer mehr.
So sehr wir hier unser Zuhause haben und uns meistens wohlfühlen und am richtigen Platz - hier in Albanien ist nicht unsere Heimat. Die Menschen kommen woanders her. Sie denken zutiefst anders, sie handeln anders, sie reden anders, sie fühlen anders. Wir versuchen, so gut wir können, einer von ihnen zu werden. Aber wir sind es nicht und werden es nie werden. Das ist ernüchternd.

Im gleichen Moment wird die Zeit, die wir getrennt von unserer deutschen Heimat leben, immer länger. Damit tritt automatisch ein gewisser Entfremdungsprozess ein. Wir freuen uns auf Deutschland und wir lieben unsere Familie und Freunde. Wir lieben so vieles in Deutschland. Und doch ist es irgendwie nur ein Land, in das wir zu Gast kommen. Wir haben uns verändert. Dort hat sich vieles verändert.

Die Menschen beschäftigen ganz andere Dinge wie uns hier in Albanien. Die Gesprächsthemen sind oft Welten entfernt von denen hier. Der Wohlstand hat eine ganz andere Dimension. Eigentlich kommt man ja in sein Zuhause, aber man spürt immer wieder, dass man nicht mehr wirklich dort zuhause ist. Es ist komisch und manchmal auch nicht leicht zu benennen oder zu erklären. Ich denke, dass es etwas ist, das tief in der Seele passiert ist und passiert. Dieses Gefühl: hier gehöre ich nicht dazu, aber dort irgendwie auch nicht mehr.

Was Heimatlosigkeit mit dir macht

Dieses Gefühl kennt jeder, so denke ich, der länger im Ausland gelebt hat. Und ehrlich gesagt ist es kein schönes Gefühl. Deshalb redet David auch im nächsten Moment von seinen Tränen. Von seiner Traurigkeit. Es tut weh. Es führt in Einsamkeit und sich nicht verstanden fühlen. Hier nicht und dort nicht. Wo gehöre ich hin? Wer bin ich eigentlich noch? Das sind Fragen, die Tränen produzieren können.

Aber Gott sieht diese Tränen. Er sieht diese Traurigkeit. Er sieht diese Heimatlosigkeit und den Schmerz, der damit kommt.
Er sieht das Herz und er versteht es. Er ist der Herzenskenner (Apg 1,24).

Wo ist unsere Heimat eigentlich?

Ich glaube auch, dass jeder, der dieses Gefühl kennt (vielleicht muss man auch nicht im Ausland leben, um das zu fühlen, vielleicht reicht schon ein Wechsel des Bundeslandes…;) besser verstehen kann, was es heißt,

Eine Heimat zu haben, das ist etwas schönes und kostbares. Ich denke, eines Tages wird auch Deutschland wieder in gewisser Weise zu unserer Heimat werden.
Aber ich möchte nicht dieses tiefe innere Gefühl verlieren für
die bessere, himmlische Heimat,
das bessere, ewige Bürgerrecht,
den besseren, bleibenden Besitz.
Es ist all das, was uns unser Vater versprochen hat zu geben.
Die Heimat, die wir suchen und auf die hin wir leben.
Den Ort, den Jesus für uns bereitet, an dem wir zuhause sind. Wirklich zuhause.
An dem keine Tränen mehr gezählt werden, weil es sie nicht mehr gibt.
An dem wir uns nicht unverstanden und fehl am Platz fühlen. Warum?

Weil Jesus an diesem Ort ist. Weil Gottes Herrlichkeit da ist. Weil wir dafür geschaffen wurden und unruhig und heimatlos auf dieser Erde waren, bis wir diese ewige Heimat gefunden haben.

Davids Heimatlosigkeit - Gott hat sie gesehen und David durchgetragen.
Meine Heimatlosigkeit hier - Gott sieht sie. Und Gott gebraucht sie, um meinem Herzen Großartiges zu lehren, auch durch so manche Träne hindurch.

Photo by Marco López on Unsplash

Das erste Weihnachten in Deutschland

Wir leben nun schon seit sechs Jahren in Albanien. In all diesen Jahren sind wir nicht für Weihnachten nach Deutschland gegangen. Letztens wurde mir bewusst, dass unsere Kinder alle eigentlich noch kein Weihnachten in Deutschland erlebt haben.

Gideon war noch sehr klein an seinen zwei Weihnachtsfesten in Deutschland und die anderen drei haben schlichtweg noch keinen Dezember in Deutschland verbracht. Es wird also echt spannend für sie. Was werden sie zu all der schönen Beleuchtung überall sagen? Zu den vielen geschmückten Fenstern und Gärten, der Weihnachtsmusik überall, den großen Weihnachtsmärkten und den schönen Weihnachtsgottesdiensten? Wie werden sie diese gespannte Vorfreude erleben und Heiligabend mit Dannys ganzer Familie unter einem großen und echten Weihnachtsbaum?

Hier in Krume deutet noch nichts auf Weihnachten hin. Irgendwann wird auch hier in kleinem Maße Beleuchtung angebracht. Die Albaner lieben bunte, blinkende Lichter. Und ja, unsere Kinder mittlerweile auch. Nur ihre Mama nicht so, deshalb haben es bunte Lichter noch nicht bis zu uns geschafft, dafür aber blinkende. 🙂

Bisher konnten wir unser eigenes, selbstbestimmtes Weihnachten hier feiern. Und ehrlich gesagt fand und finde ich das sehr gut. Wir bestimmen, welche Tradition wir als Familie haben wollen und welche nicht. Da ist kein Druck von außen. Kein Vergleichen mit anderen. Kein Geschenkestress oder ähnliches. Unsere Kinder sind mit wenig zufrieden und freuen sich daran. Das schätze ich bei meinen Kindern sehr. Aber klar, sie sehen es auch nicht anders. Im Vergleich zu den Kindern hier haben sie ja sehr viel.

Ich bin jedenfalls gespannt. Ich freue mich, ihnen unsere deutschen Traditionen näher zu bringen und sie sie sehen und anfassen können. Wir hoffen sehr, dass es eine sehr gute Erfahrung für unsere Kinder (und uns nach sechs Jahren) wird.