Teil von etwas Größerem

Welche Ehre könnte größer und höher sein, als die, ein auserwähltes Werkzeug zu sein im allerwichtigsten Erneuerungswerk des Universums?

Jesu Auftrag an seine Jünger ist Jesu Auftrag an die Gemeinde und es ist sein Plan für das Leben jedes einzelnen Jüngers. Niemand wurde erwählt um einfach ein Empfänger vom Rettungswerk zu sein im Reich Gottes. Nein, jeder der erwählt ist ein Empfänger zu sein, ist ebenso beauftragt sich als Werkzeug einzubringen um Gottes Reich zu bauen.

Die Aufgabe der Evangelisation, das geistliche Wachstum der Gemeinde und das Anliegen der weltweiten Mission, wurde von unserem Heiland niemals so vorgesehen, dass es getragen wird von einer kleinen Schar bezahlter Professioneller.

Sondert Gott Menschen speziell für den Dienst aus? Natürlich tut er das. Aber ihre Rolle ist nicht einfach nur den Dienst zu tun, sondern sie sollen mobilisieren, trainieren und Gottes Volk ausrüsten für die große Ehre und das Privileg seine überwältigende Gnade bekanntzumachen, wo immer sie sind. Es ist traurig, dass so viele von Gottes Volk ihr Leben damit verbringen nach einem bedeutenden Anliegen zu suchen, dem sie sich hingeben können, während sie doch dazu erwählt sind teilzuhaben am größten Veränderungswerk in der Geschichte des Universums.

Ein Teil des Problems ist, dass wir tendenziell eine unbiblische Definition vom Dienst mit uns herumtragen, die uns erlaubt entspannt als christliche Konsumenten zu leben. Wir denken über den Dienst in dieser Weise: Wir haben unsere kleinen privaten Leben, die uns gehören, und wir treten aus diesen Leben heraus in Momente des Dienstes und dann treten wir wieder zurück in unser Leben, wenn der Dienst vorbei ist.

Tatsächlich ist es aber so, dass unsere Leben, seitdem wir erkauft sind durch das Blut von Jesus, nicht mehr uns selbst gehören. Sie sind sein Eigentum zu seinem Nutzen. Dies bedeutet unser Leben ist Dienst und Dienst ist unser Leben. Es gibt keine wirkliche Trennung mehr zwischen Leben und Dienst. Das bedeutet, dass wir leben, arbeiten, spielen, uns entspannen und in Beziehungen leben mit einer Dienst-Mentalität. Es bedeutet, dass ich immer darüber nachdenke, wie ich ein Teil sein kann von dem, was Gott dort tut, wo er mich hingestellt hat. Dies bedeutet, meine Verbindung zu dem Werk des Leibes Christi ist nicht, dass ich ein Besucher von etwas bin, sondern dass ich ein Teilnehmer bin an etwas, gemeinsam mit allen anderen.

Ich bin Teil von Gottes "Mein ganzes Volk, zu jeder Zeit"-Erlösungsplan. Die größte Ehre meines Lebens ist es, dass ich erwählt bin, sowohl ein Empfänger als auch ein Instrument zu sein. Dies hat meinem Leben einen tieferen Sinn gegeben, mehr als alles, was ich selbst hätte entdecken können. Das ist es, was Gnade allein tun kann.

Eine Woche mit Nehemia in Bildern

Die Kinderwoche war eine unvergessliche Zeit für die Kinder, die daran teilnahmen. Wir haben für dich ein paar fotografische Eindrücke festgehalten. Sieh selbst.

Bist du heute ein Jünger Jesu?

Eine der wichtigsten Fragen im christlichen Leben ist die: Bist du ein Jünger Jesu?

Vielleicht denkst du dir, du bist Christ und du liebst deine Gemeinde und du liebst deinen Hauskreis und die ganzen Leute darin und in deinem Auto läuft vielleicht die modernste Lobpreismusik rauf und runter und vielleicht gehst du sogar auf christliche Konferenzen, um ermutigt nach Hause zu gehen.

Doch all diese Dinge liefern keine Antwort auf die Frage, ob du ein Jünger von Jesus bist. Der Punkt ist leider dieser: all die gängigen Muster, die sich in unser Bild von einem Christen eingeprägt haben, geben uns nicht unbedingt einen Hinweis, um diese Frage verlässlich zu beantworten.

Jesu Jünger zu sein oder auch Jesus nachzufolgen, muss demnach etwas völlig anderes sein.

In einem Vortrag zum Thema Jüngerschaft fand ich einen Abschnitt, der mich ins Nachdenken brachte.

Wenn dich jemand zu deinem Leben als Christ befragt und wissen will, wie es dir darin geht, dann wirst du tendenziell daran denken, wie treu du zuletzt deine Bibel gelesen und gebetet hast und wie regelmäßig du zum Gottesdienst gegangen bist. Das sind alles gute Dinge, die wir nicht außer acht lassen sollten.

Es ist jedoch besser einen Schritt zurück zu treten und sich zu fragen: Folge ich heute Jesus nach? Stell dir nicht so sehr die Frage: Bin ich im moment "christlich" sehr aktiv? Frag dich eher: Liebe ich heute Jesus? Ist Jesus heute vorherrschend in meinen Gedanken? Bin ich mir seiner Gegenwart bewusst?

Diese Fragen und ihre Antwort darauf, sind entscheidend bei der Frage: Bist du ein Jünger Jesu? Ich will mich heute diesen Fragen ganz neu stellen. Ja, ich weiß, ich bin im vollzeitlichen Dienst und trotzdem muss ich mir diese Fragen immer wieder stellen: Liebe ich Jesus heute? Bin ich mir seiner Gegenwart bewusst?

Und auch wenn du denkst, du hast dich mal bekehrt, so reicht die zurückliegende Entscheidung nicht aus. Es geht darum, was heute in deinem Herzen passiert. Was du heute mit Gott erlebst.

August Herman Franke, der große Pietist, sagte mal: "Wir müssen nicht fragen: "Bist du bekehrt?" oder "Wann hast du dich bekehrt?", sondern vielmehr: "Was bedeutet dir Christus persönlich? Was hast du selbst mit Gott erlebt? Ist Christus dir wichtig in deinem persönlichen Alltag?"

Die Fragen gehen alle in die gleiche Richtung. Der Glaube an Jesus ist im Wesentlichen eine Sache des Herzens. Lass dich heute neu herausfordern, dein Christenleben zu hinterfragen. Bist du ein Jünger Jesu? Folgst du Jesus heute nach?

Vom Vorrecht Deutscher zu sein

Weißt du was einer der Sätze ist, die ich in meiner Zeit hier in Albanien am meisten gehört habe?

Wenn ich den Menschen hier in Albanien erzähle, dass ich Deutscher bin, kommt immer wieder die gleiche Aussage: "Was? Wir Albaner wollen alle nach Deutschland und du kommst hierher? Wie kann das sein?"

Diesem Erstaunen kann ich dann begegnen, indem ich erzähle, dass Gott mich nach Albanien gesandt hat, als Hoffnungsbringer. Ich soll den Menschen von Gottes Liebe erzählen und von dem, was er in Jesus getan hat.

So war es auch letzten Dienstag, als ich wegen einer Kleinigkeit zur deutschen Botschaft nach Tirana musste. Ich hatte einen Reisepass beantragt und dieser war nun fertig und abholbereit.

Als ich nach einer dreistündigen Busfahrt und einem 15 Minuten Fußweg an der Botschaft ankam, warteten dort in der heißen Morgensonne eine Schar von jungen Leuten vor einem verschlossenen Tor. Mich überfiel gleich die Angst, dass ich mich nun in diese lange Reihe von Wartenden anstellen muss.

In meiner Verzweiflung sprach ich einen jungen Mann an. Ich fragte ihn, ob er weiß, wie das ganze mit der Botschaft läuft. Natürlich erwähnte ich auch, dass ich Deutscher bin und zum Beweis zeigte ich meinen Personalausweis. Der junge Mann sagte dann genau das, was ich oben schon erwähnte. Wie kann es sein, dass ich als Deutscher nach Albanien gekommen bin. Durch meine deutsche Identität änderte sich dann alles.

Der Mann machte mir Mut, an das verschlossene Tor zu treten und um Einlass zu beten. Ich war erst zögerlich, weil ich mir keine Sonderrechte herausnehmen wollte, aber ich wusste, das war meine einzige Hoffnung, ohne stundenlanges Warten an meinen Pass zu kommen. So wagte ich es und ersuchte Einlass. Als der Sicherheitsmann hörte, dass ich Deutscher bin, wurde ich gleich herein gebeten. Auch der Wachmann war voller Erstaunen, dass ich als Deutscher hier bin und auch noch die Sprache spreche.

Nach einer kurzen Kontrolle konnte ich hoch in das Gebäude. Doch als ich dort eintrat, fand ich einen Raum voller junger albanischer Männer vor. Es waren bestimmt 10. Und jeder hatte einen dicken Ordner mit Anträgen dabei. Jeder wollte ein Visum erhalten, um in Deutschland arbeiten zu können. Man machte mir klar, wo ich mich hinzusetzen habe, damit ich auch schön der Reihe nach dran komme.

Doch ich wusste, wenn ich mich jetzt mit meinem Anliegen, einen Reisepass abzuholen, in dieser Schlange von 10 Leuten anstelle, sitze ich Stunden da für eine Erledigung von 5 Minuten. Nach einigem Ringen mit mir selbst wagte ich es dann: Ich ergriff laut das Wort, so dass alle mich hörten und erklärte mein Anliegen. "Ich bin Deutscher und ich muss nur kurz was abholen. Wäret ihr so nett und würdet mich vorlassen." Puh, das war nicht leicht. Aber tatsächlich ließen sie mich alle vor und als der nächste Schalter frei war, konnte ich meinen Pass abholen.

Nach 5 Minuten verließ ich dankbar die Botschaft. Und ich staunte über dieses Vorrecht, einen deutschen Pass zu haben. Die meisten der jungen Männer hatten nur einen Wunsch: Sie wollten nach Deutschland und wenn möglich, sich dort ein neues Leben aufbauen. Und hier war ich nun mit allen Vorrechten eines Deutschen. Dieses Geschenk meiner deutschen Staatsangehörigkeit wurde mir mal wieder so erschütternd bewusst. Was habe ich dafür getan ein Deutscher zu sein? Gar nichts. Und was hatten die Jungs verbrochen, in einem Land voller Korruption geboren zu sein? Auch gar nichts.

Am Abend als ich wieder in Krume war und das Treffen mit meiner Bibelgruppe hatte, erzählte ich ihnen diese Geschichte. Mir war es ein wenig unangenehm, aber dann schenkte der Heilige Geist mir einen Gedanken. Ich konnte die zehn anwesenden Männer darauf hinweisen, dass am Ende nur eine Frage zählt. Nicht, ob wir Deutsche oder Albaner sind, sondern, ob wir Bürger des Himmels sind. Ich erzählte ihnen von Philipper 3,20 wo Paulus von unserem Bürgerrecht im Himmel schreibt. Und ich sagte: "Männer, ich kann eure Staatsangehörigkeit nicht ändern. Aber ich kann euch sagen, wie ihr Bürger des Himmels werden könnt. Und ich wünsche mir, dass ihr dieses Angebot annehmt. Es ist umsonst. Und es ist etwas viel besseres, als Deutscher zu sein."

Am Ende des Tages war ich voller Staunen über die Gnade, dass ich die Vorrechte eines deutschen Staatsbürgers genießen darf und ich staunte über die Gnade, dass Gott jeden Menschen, der an ihn glaubt, zu einem Bürger des Himmels macht.

Englisch für Anfänger oder der Anfang der Versöhnung

Ich bin immer wieder sehr erstaunt darüber, wie wenig die Kinder hier Englisch sprechen und verstehen, obwohl sie oft schon über viele Jahre Englisch Unterricht haben. Wie geht das nur?

Da wir jetzt hier dreieinhalb Monate Ferien haben, habe ich mir schon länger überlegt, wie ich diese Zeit irgendwie sinnvoll nutzen kann für meine Kinder, aber auch für die Nachbarkids, die in etwa im gleichen Alter meiner Kinder sind. 
Mir kam schnell die Idee, mit ihnen Englisch zu lernen. Ich bestellte mir ein echt gutes Buch mit 30 komplett fertigen Stundenentwürfen für die erste und zweite Klasse. So habe ich nun immer 6-8 kleine Schüler bei mir im Garten sitzen und mache zwei bis dreimal die Woche Unterricht. Noch sind sie alle voller Freude dabei und haben auch schon bissle was gelernt. Und mir macht es auch Freude. 🙂

Ich freue mich v.a. auch sehr, dass die Kinder von unseren Nachbarn gegenüber kommen dürfen. Sie sind die Cousins von den Nachbarn neben uns. Ihre Väter sind Brüder und unser Vermieter ist auch einer. Seit wir hier leben, herrscht Streit in dieser Familie. Die Brüder und deren Familien rede nicht miteinander. Das geht soweit, dass das Nachbarmädchen von nebenan nicht mal genau weiß, wie ihre Cousine heißt, die direkt gegenüber wohnt. Schlimm ist das. Wir beten schon lange, dass Gott ein Wunder tut und Versöhnung schenkt. 

Die Jungs von gegenüber, Gideons beste Freunde, durften nie zu uns kommen, da ihr Papa eben mit unserem Vermieter im Streit lebt. Schon mal zu einem Geburtstag durften sie dann doch kommen, und jetzt tatsächlich auch zu dem Englischkurs. Natürlich bleiben sie immer wieder länger als nur dazu. Sie waren schon beim grillen dabei und fühlen sich nun bei uns schon fast wie zuhause... 🙂 ich freue mich einfach, dass wir irgendwie wie eine kleine Brücke sein können für diese Kinder. Und ihr freue mich, dass langsam etwas zu bröckeln scheint und die Fronten nicht mehr ganz so verhärtet sind, wie es schon war. Gott ist am Werk und das ist schön zu sehen! Wir wollen die kleinen Anfänge nicht verachten... 

Photo by Chris Lawton on Unsplash

Ich bin müde

Katie Davis Majors ist eine junge Frau, die ihr Leben ganz in den Dienst von Ugandas Menschen gestellt hat. In zwei Büchern, (mittlerweile auch auf deutsch erschienen) beschreibt sie biografisch ihre Erlebnisse mit Gott und den Dienst an den Menschen.

Christina, unsere Teamkollegen, brachte letztens in einem Teamtreffen einen Auszug aus dem Buch, Katie - Hoffnung gibt nicht auf *, mit. Darin beschreibt Katie einen Moment in ihrem Leben, wo sie am Rande ihrer Kräfte war. Ich konnte mich in ihrem Erleben wiederfinden, auch wenn meine Müdigkeit andere Gründe hat. Und die Zusage, die Katie von Gott erhielt, will ich auch für mich beanspruchen. Aber lies selbst, wie Katie in ihrer Schwachheit eine Antwort von Gott bekam.

Ich suchte in meinem Kopf und in meinem Herzen danach was ich wirklich fühlte. Die Worte kamen ganz leise über meine Lippen: "Ich bin müde." Und dann immer lauter und lauter, bis ich immer wieder schluchzte. "Ich bin müde. Ich bin müde. Ich bin müde."

Ich beruhigte mich immer wieder und wartete auf Gottes Antwort. Sie kam schnell und deutlich. ich bin nicht müde, antwortete er. ich weiß, dass du müde bist, Kinder, aber ich bin nicht müde. Ich werde nicht müde. Ich werde nie müde sein. Lehne dich an mich, denn in deiner Schwachheit bin ich stark.

Ich klammerte mich an diese Worte während ich mich um meine Kinder kümmerte. Diese Worte waren mein Lebensatem. Währeich ich nachts Simon fütterte und unzählige Male Kanülen und Verbände wechselte und gleichzeitig meine Kinder erzog, sprach ich diese Worte zu Gott: Ich bin müde, Gott, aber du bist nicht müde. Du wirst nicht müde. Dieses Wissen wurde meine Rettungsleine. Das Wissen, dass Gott auch wenn ich völlig erschöpft war, nicht erschöpft und müde war. Dass ich mich bei ihm fallen lassen und darauf vertrauen konnte, dass er mich trägt.

*Der Link ist ein Affiliate Link. Wenn du das Buch darüber bestellst, bekommen wir einen kleinen Betrag gutgeschrieben. Dich kostet es nicht mehr.

Photo by Christian Erfurt on Unsplash

Warum nicht ich?

David Powlison, ein bekannter Seelsorger aus Amerika, ist heute nach einem kurzen Krebsleiden im Alter von 69 Jahren verstorben. Im Gedenken an ihn möchte ich diesen Artikel neu veröffentlichen. In diesem Artikel findest du eine sehr bewegende Art mit Leid umzugehen. Wieviel schwerer wiegen diese Worte im Anblick des Krebsleidens, an dem der Autor jetzt verstorben ist.


Vor ein paar Tagen habe ich das Buch "God`s Grace in Your Suffering" zu Ende gelesen. In dem Buch geht es um den Trost und Zuspruch, den unser Glaube an Gott uns in Zeiten des Leidens bietet.

Durch meine Erkrankung mit MS ist das Thema: "Gott im Leiden erfahren" immer wieder sehr aktuell. Das Buch spricht verschiedene Bereiche an, wie wir in unserem Glauben Trost im Leiden empfangen. Es hat mir sehr viel Mut gemacht. Ich bin sicher, dass ich dieses Buch nicht zum letzten Mal gelesen habe.

Im Schlusskapitel führt der Autor David Powlison seine mutmachenden Worte dann auf die Spitze. Ich gebe sie hier mit eigenen Worten und auf mich bezogen wieder:

Am Anfang jeden Leidens steht die Frage: "Warum ich? Warum muss mir dies widerfahren? Warum jetzt? Warum?"

Doch auf diese Fragen bekommen wir zumeist keine hinreichende Antwort. Wir wissen, dass unser Gott selbst Mensch wurde, in Christus kam er ins Leiden, an meiner Stelle. Mein Gott speist mich nicht ab mit Ratschlägen aus der Ferne. Er kommt in mein Leiden und er geht mit mir den ganzen langen Weg. Er trägt mich selbst in den schwierigsten Momenten. 

Diese Tatsache verändert die Fragen, die in meinem Herzen aufkommen. Das nach innen-gewandte "Warum ich?" tritt in den Hintergrund, hebt die Augen und beginnt sich umzuschauen.

Ich wende mich nach aussen und neue und wundervolle Fragen entstehen: "Warum du? Warum du, Herr des Lebens? Warum kommst du in diese Welt voller Bosheit? Warum nimmst du Verlust, Schwachheit, Leiden und den Tod in Kauf? Warum solltest du das für mich tun? Aber du hast es getan, weil du die Freude gesehen hast die vor dir lag. Du tatest es aus Liebe. 

Wenn diese tieferen Fragen ihr Ziel finden, dann werde ich freudevoll ruhig. Das Universum dreht sich dann nicht mehr um mich. Und dennoch bin ich Gott nicht egal. Gottes Geschichte stutzt mich genau auf die richtige Größe zurück - weder zu groß noch zu klein. Alles zählt und jeder ist bedeutungsvoll, aber der Maßstab ändert sich, zu etwas, das viel mehr Sinn macht. Ich erlebe schwierige Dinge. Aber ich habe schon viel besseres empfangen,  was mir nicht mehr genommen werden kann. Und dieses bessere etwas wird mit mir den ganzen langen Weg beistehen. 

Ich werde sogar fähig von ganzem Herzen Danke zu sagen, in mitten von all dem was wirklich falsch ist, denn alle Sünden und alle Leiden kommen nun unter seine liebende Fürsorge. 

Am Ende bin ich sogar so weit zu sagen - und es auch so zu meinen - eine geradezu unvorstellbare Frage: "Warum nicht ich? Warum nicht dies? Warum nicht jetzt?" Wenn mein Glaube in irgendeiner Weise scheint als ein Nachtlicht in einer sehr dunklen Welt, warum nicht ich? Wenn mein Leiden den Retter der Welt bekannt macht, warum nicht ich? Wenn ich durch mein Leiden die Leiden Christi ausfüllen kann, warum nicht ich? Wenn er mich heiligt durch die heftigste Bedrängnis? Wenn meine Schwachheit die Kraft Gottes darstellt uns zu retten von all dem was falsch ist? Wenn meine aufrichtigen Kämpfe anderen Strauchelnden zeigen, wie man auf seinen Füßen landet? Wenn mein Leben für andere eine Quelle der Hoffnung ist, warum nicht ich?

Natürlich, ich will nicht leiden, aber ich werde willig,  wie mein Retter, der sagte: "Wenn es möglich ist, lass diesen Kelch an mir vorübergehen. Aber nicht wie ich will, sondern du wie du willst." (Matth 26,39)

Wie bei ihm, werden meine lauten Schreie und Tränen gehört von dem Einen, der vom Tode erretten kann. Wie er, werde ich gehorsam lernen durch das was ich leide. Wie er, werde ich mitfühlend sein mit der Schwachheit anderer. Wie er, werde ich behutsam umgehen mit denen die ignorant und eigensinnig sind. Wie er, werde ich einer ungläubigen Welt Glauben zeigen, Hoffnung einer hoffnungslosen Welt, Liebe einer lieblosen Welt, Leben einer sterbenden Welt. Wenn all diese Verheißungen tatsächlich wahr werden, warum dann nicht ich?

 

Von fanatischen Männern und einem Ungleichgewicht

Wenn du eines über die Männer unserer Stadt wissen solltest, dann ist es folgendes: Die allermeisten Männer unserer Stadt sind fanatisch. In albanisch verwendet man die Bezeichnung: fanatik. So reden die Männer selbst über sich.

Das Wort >>fanatik<<

Dieses "fanatik" hat nichts zu tun mit fanatischen Muslimen, die Terroranschläge verüben. Es heißt vielmehr, dass diese Männer ein ganz bestimmtes Rollenverständnis haben. Sie sind sehr engstirnig, vor allem im Umgang mit dem anderen Geschlecht. Desweiteren sind fanatische Männer gebunden von Ängsten, Gewohnheiten und einem kulturellen Codex, der sie einengt.

Was das Denken der Männer prägt

Männer die fanatisch sind, haben Angst davor, dass man über ihre Frau schlecht redet. Dies führt dahin, dass die allermeisten Frauen in unserer Stadt den Großteil ihres Lebens in den eigenen vier Wänden oder Gartenmauern verbringen. Frauen gehen nicht einkaufen, sie gehen nicht zu anderen Freundinnen und falls es doch mal einen Grund gibt rauszugehen, dann geschieht das nur mit Erlaubnis oder mit dem Wissen des Mannes. Geht eine Frau raus, denken andere gleich: Wo geht die hin? und der Mann ist automatisch eifersüchtig, weil es könnte ja sein, dass sie ihm untreu wird.

Ein bekanntes Problem

Diese fanatische Einstellung der Männer war uns schon länger bekannt.[Kleine Klammerbemerkung: Natürlich Frauen sind auch Frauen Teil des Problems, denn diese fügen sich still und leise in ihr Schicksal. Auch sie sind geprägt von unbegründeten Ängsten.] Doch erst kürzlich wurde uns bewusst, dass vielmehr Männer von diesem Denken geprägt sind. Wir dachten es wären nur unsere Nachbarn, die zu einer konservativen Familie gehören, aber nun ist uns klar geworden, dass dieses Denken für die allermeisten git.

Das Ungleichgewicht

Wenn Frauen nicht ihre Häuser verlassen, ist dies selbstverständlich etwas, was sie auch im Stadtbild wiederspiegelt. Es sind sehr wenige Frauen auf den Straßen unterwegs. In den Cafes sitzen fast nur Männer und auch beim Einkaufen sieht man meist Männer.

Das wäre nicht weiter schlimm, wenn nicht wir mit dem Start unserer regelmäßigen Gottesdienste, mit diesen Ungleichgewicht zu tun haben. Letzten Sonntag kamen 18 Männer und 8 Frauen. Von diesen war nur zwei Ehepaare. Die Männer, die allermeisten davon verheiratet, kamen ohne Frauen, aufgrund der oben beschriebenen Thematik. Die Frauen, die da waren waren geschieden, oder ledig. Nur zwei verheiratete Frauen waren ohne ihren Mann da.

Wohin das führt

Es ist klar, dass Männer, die sich gerne frei machen würden, von diesem fanatischen denken entmutigt sind ihre Frauen mitzubringen. Wenn sie die Einzigen sind die ihre Frauen dabei haben, dann ist das eine Schande und eher peinlich.
Natürlich wollen wir sensibel sein und Männern unser Verständnis entgegenbringen, für die kulturelle Bindung in der sie leben. Es liegt uns fern ihnen Vorwürfe zu machen, aber wie schön wäre es, wenn unsere Arbeit einen Beitrag leisten kann, dahingehend, den Umgang der Geschlechter in die Freiheit zu führen.

So ist unser großes Anliegen Männer und Frauen in unseren Sonntagstreffen zusammenzubringen. Und wir sind gespannt, was hier in den nächsten Wochen noch geschehen wird.

Doch dieses Thema der fanatischen Männer, ist eine ganz spezielle Herausforderung unserer Arbeit, bei dir wir auch ganz gezielt mit Gottes Wirken an den Herzen der Menschen rechnen wollen.

Ein Shooting am Strand

Über Ostern war meine kleine Schwester bei uns zu Besuch. Sie ist eine sehr begabte und begehrte Fotografin. Schau doch mal auf ihrer Webseite vorbei oder check ihren Instagram Feed. Natürlich konnten wir sie nicht gehen lassen, ohne dass sie ein paar Fotos von uns als Familie gemacht hat. Als wir für eine Nacht am Strand waren entstanden folgende Bilder.

Wie du deine Zeit im Gebet kreativ gestalten kannst

Es ist Fakt und wir alle wissen es: Wir müssen mehr beten.

Jeden Tag stehen uns 24 Stunden zur Verfügung. Wie oft finden wir nur ein paar Minuten am Tag, die wir im Gebet verbringen? Manchmal fehlt uns die Ruhe, die Konzentration, die Motivation, die Energie. Manchmal oder vielleicht sogar oft fehlt uns auch die Lust. Es ist irgendwie nicht möglich, länger als ein paar Minuten vor Gott einfach nur zu sein im Gebet.

Sicher gibt es unterschiedliche Gründe, warum es so ist, wie es ist.

Aber vielleicht sagst du jetzt: "Ich möchte eigentlich so gerne mehr Zeit im Gebet verbringen, aber ich weiß nicht wie ich die Zeit füllen soll."

Dann habe ich etwas für dich: In einem Buch von Dick Eastman, dem Gründer von "Aktion in jedes Haus" fand ich zuletzt etwas sehr hilfreiches. Eastman nennt es:

Einfache Hinweise, wie ein "Wächter für eine Stunde" seine Zeit mit Gott sinnvoll gestalten kann.

Diese Hinweise habe ich für dich herausgeschrieben. Du findest sie hier unten. (Ich plane auch eine Druckversion zu erstellen, so dass du diese 12 Punkte mit in dein Gebet nehmen kannst, ohne dass der Computer an sein muss.)

Es sind 12 verschiedene Themen, die Eastman für eine abwechslungsreiche und sinnvolle Gebetszeit empfiehlt. Sicher wäre es zuviel, sie alle jeden Tag in deine Zeit mit Gott zu integrieren. Aber sie sollen dir helfen, mal etwas neues auszuprobieren, Gott mal anders zu begegnen und über die immer gleichen Gebete hinauszuwachsen und den Blick für das Große zu weiten. Lass dich inspirieren und von Gott beschenken!

1. Loben

2. Warten

3. Bekennen

4. Gottes Wort

5. Wachen

6. Fürbitten

7. Bitten

8. Danken

9. Singen

10. Meditieren

11. Hören

12. Loben

Von unserem Auferstehungsfest

Letzten Sonntag haben wir, wie du wahrscheinlich auch, das Auferstehungsfest gefeiert. Dazu hatten wir im Vorfeld groß eingeladen. Besonders war diesmal, dass wir die Auferstehung mit einem gemeinsamen Mittagessen für alle unsere Gäste abrunden wollten. Weil wir mittlerweile eine ganze Anzahl von Leuten in unserer Stadt kennen, kamen dann am Ostermorgen über 100 Leute zu unserem Fest, inklusive Kindern.

Das Familienzentrum als Gottesdienstraum

Unser Familienzentrum hatten wir in den Tagen davor fein hergerichtet, neu gestrichen und geschmückt. Unser Handlettering-Künstlerin im Team, Christina, schrieb in großen Buchstaben den Vers aus Joh 14,6 auf die Wand: "Ich bin der Weg, und die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater als nur durch mich." Nachdem wir den Raum bestuhlt hatten, kamen wir auf über 60 Stühle, die jedoch schnell durch Hocker für die Kinder erweitert werden mussten.

Der Bürgermeister war dabei

Ich konnte am Samstag mit einer kurzen Whatsapp-Nachricht sogar den Bürgermeister einladen. Mit etwas Verspätung kam er dann auch zu unserem Gottesdienst und setzte sich mit zwei Begleitern in die allererste Reihe. Er war so frei sich dann auch während des Gottesdienstes die Zeit für ein Grußwort zu nehmen.

Die klare Verkündigung des Evangeliums

Ich konnte in aller Klarheit das Evangelium verkünden. Es ging um die Auswirkungen der Sünde, warum wir Menschen sterben und wie Jesus gekommen ist, um unser Problem der Sünde zu lösen und wie er durch die Auferstehung den Sieg über den Tod und die Sünde errungen hat.

Ein eigenes Kinderprogramm

Während ich in aller Kürze das Evangelium erklärte, hatten die Kinder draußen auf der Wiese ein kleines Kinderprogramm. Dazu gehörte eine kurze Geschichte, das Spielen mit dem Schwungtuch und die Suche nach Schokoladeneiern, die wir versteckt hatten.

Das Mittagessen

Nach dem Gottesdienst kamen dann alle Gäste, sowohl die Geladenen als auch die, die spontan dazu kamen, zu einem nahegelegenen Lokal, wo für jeden ein Mittagessen vorbereitet wurde. Die Küchenleute mussten richtig improvisieren, denn mit so vielen Leuten hatten sie und wir nicht gerechnet. Am Ende wurden doch alle satt.

Der Tanz durfte nicht fehlen

Die Albaner lieben es zu tanzen. So hatten wir einen DJ besorgt. Dies führte dazu, dass viele die Zeit lieber damit vertrieben, zu Tanzen anstatt zu Essen. Die Lautstärke der Musik war für unsere Gäste aus Deutschland sehr, sehr gewöhnungsbedürftig. Aber rückblickend war die Entscheidung, auch für musikalische Unterhaltung zu sorgen, sehr kulturangepasst und verlieh unserem Fest einen ganz besonderen Wert.

Ein schönes Fest

Alles in allem war es ein schönes Fest und die Rückmeldungen der Leute waren durchweg positiv. Das besondere war, dass sich auf dem Fest alt und jung, arm und reich, angesehen und verachtet trafen. Diese ganz bunt gemischte Menge von Leuten war für uns ein Bild, wie Gemeinde in Krume aussehen könnte.

Nun hoffen wir, dass wir mit Gottes Hilfe weiter machen können, damit den Menschen jeden Sonntag die lebensbringende Botschaft von Jesus verkündigt wird.

Über Proteste und die wahre Hilfe...

In den letzten Wochen gab es immer wieder große Proteste und Demonstrationen in diesem Land. Es begann mit unzufriedenen Studenten, die sich über Korruption im Bildungswesen, über schlechte Wohnbedingungen und mangelnde Perspektiven nach dem Studium beklagten. Sie fanden viel Zustimmung beim Volk und bald wurde der Protest ausgeweitet und sehr viele andere gingen ebenfalls auf die Straße. Das Ziel war jetzt die Absetzung der jetzigen Regierung.

Ob ich zu Besuch war oder im Geschäft oder beim Geldwechsler, überall liefen diese Bilder im Fernsehen. Die Massen vor dem Regierungspalast, die lautstark protestierten. Es sind die Stimmen von Menschen, die sich von ihrer Regierung im Stich gelassen fühlen, die versklavt sind von der allgegenwärtigen Korruption. Ob in Schulen, Universitäten, Krankenhäusern, es scheint kaum einen Ort zu geben, an dem man sicher vor ihr wäre. Es ist die Stimme eines Volkes, das sich nach Veränderung sehnt, das ihre Zukunft in ihrem Land sehen möchte und nicht in dem scheinbar besseren Leben „jashtshteti“ (im Ausland).

Ich kann sie so gut verstehen. Nahezu sechs Jahre in diesem Land habe ich zu viel von all dem gesehen, worüber sich diese Menschen ärgern und beschweren. Und ich hoffe und bete, dass Gott in all dem Veränderung schenkt. Dass er Gerechtigkeit schenkt in diesem Land. 

Und gleichzeitig schaue ich auf die Proteste, die angeführt sind vom oppositionellen. Und ich frage mich: würden die es besser machen? Ich kenne die Antwort nur zu gut. Ich denke mit ziemlicher Sicherheit sagen zu können: auch sie werden nicht viel verändern können. Die Korruption ist in diesem Land wie ein Krebsgeschwür, das streut und immer weiter streut. Und was für eine Total OP wäre nötig, es zu beseitigen? Ist das menschlich gesehen überhaupt möglich? 

Wie war sind hier die Worte des 146. Psalms:

Verlasst euch nicht auf Mächtige,
Nicht auf irgendeinen Menschen,
Bei dem doch keine Hilfe zu finden ist!
Wenn er den letzten Atem aushaucht, so wird er wieder zu Erde,
Und am selben Tag ist es vorbei mit all seinen Plänen.

Glücklich zu preisen ist, wer den Gott Jakobs zum Helfer hat,
Wer seine Hoffnung auf den Herrn, seinen Gott, setzt,
Auf ihn, der Himmel und Erde erschaffen hat,
Das Meer und alles, was darin lebt,
Auf ihn, der für alle Zeiten die Treue hält.

Den Unterdrückten verschafft er Recht, 
Den Hungernden gibt er Brot.
Der Herr befreit die Gefangenen,
Der Herr öffnet die Augen der Blinden,
Der Herr richtet Gebeugte auf,
Der Herr liebt Menschen, die seinen Willen tun.

Ja, wahre Hilfe findet jeder Mensch nur in Gott. 
Kein Mensch mit allen Versprechungen, die er macht, kann jemals das geben, was nur Gott geben kann. Wir wünschen uns sehr, dass der Schrei der unterdrückten Menschen hier nicht so sehr an Eddi Rama geht, sondern dass er zu Gott erschallt. Wir beten dafür, dass das albanische Volk ihre Hilfe vor allem bei Gott sucht. 
Das soll nicht heißen, dass sie nicht protestieren sollen. Dass sie aufstehen gegen Korruption. Das ist gut und richtig. Aber ihre Hoffnung sollen sie nicht in irgendeinem Präsidenten finden, sondern in Gott. Darum sind wir auch hier...