Allein sein

von Rahel Fröse am 18. August 2020

Mein kleiner Koffer ist gepackt. Auch mein Rucksack und meine Handtasche. Da ich nur für mich denken musste, war alles schnell erledigt. Wie unkompliziert, wenn man nicht für sechs Leute sondern nur für sich selber packen muss. Das war mir früher gar nicht so bewusst… 

Meinem lieben Mann kam der Gedanke, dass mir mal eine kleine Auszeit gut tun würde. Und damit hatte er sicher recht, das wusste ich. Aber wie und wo könnte ich die Auszeit machen? Und wirklich ganz allein? Ich wusste, dass alle unsere Teammitglieder weg sind, also muss ich wirklich allein los, wenn ich los will. 

Innerlich überkommt mich ein unsicheres Gefühl. Kann ich das überhaupt noch, allein sein? Für ein ganzes Wochenende? An einem neuen Ort? Allein dort hinfahren? Allein wandern gehen und essen? Wird mir das nicht zu viel allein? 

Ich habe es früher immer geliebt, allein zu sein. Noch immer genieße ich die kurzen ruhigen Zeitfenster, die ein Tag auch mit Kindern mir bietet. Aber lange Zeit am Stück allein sein? Ohne Mama hier und Mama da? Ohne einen prüfenden Blick über meine Schulter: sind auch alle noch da? Kein Streit schlichten, nicht nachts aus dem Bett müssen?

Doch ich will mich dem stellen. Außerdem bin ich ja nicht alleine. Jesus ist bei mir und ihm möchte ich begegnen. Mit ihm möchte ich essen gehen und mit ihm möchte ich wandern und mit ihm möchte ich sprechen am Abend des Tages. 

So mache ich mich tatsächlich auf den Weg. Es ist total komisch, so allein aus der Stadt zu fahren. Ich hab das Gefühl, dass alle mich anschauen und sich fragen, wohin ich denn wohl fahre. Es ist für die Menschen bei uns gar nicht verständlich, wie eine Frau allein wegfahren kann. Und dass der Mann, der Verrückte, sie auch noch lässt und mit den Kindern zurückbleibt. Das passt in ihr Vorstellungsvermögen nicht hinein. Und ich bin nun fast sieben Jahre schon von diesem Denken geprägt und es macht mir irgendwie zu Anfang ein schlechtes Gewissen. 

Doch dann bin ich aus Krume raus. Ich mache mir schöne Musik an, "The Brilliance" höre ich gerade gern, diese wunderschönen Lieder „Gravity of love“, „See the love“, „Will we ever rise“ (kennst du sie schon?) und besonders heute: „Night has passed“: 

Night has passed 
And the day lies open
Before us
Let us pray with one heart and mind
We rejoice
In the gift of this day
Morning comes 
With the light of your presence
Upon us.

Ich will mich freuen an diesem Tag und der Gelegenheit, allein mit Gott zu sein. Ich will das Licht seiner Gegenwart sehen und spüren und mich davon berühren lassen. Er ist da mit mir. Und es ist ok, allein loszuziehen. 

Nun bin ich schon in die Schönheit und Majestät der Landschaft hier eingetaucht. Berge um mich und Ruhe. Sein Wort und seine Gegenwart. Einfach losziehen und genießen. Wandern (ja, ich hab tatsächlich eine 6-stündige Wanderung allein gemacht) und nach einer erfrischenden Dusche (ohne ein wild klopfendes Kind an der Tür, das unbedingt auf Toilette muss…;) entspannt zu Abend essen. In Ruhe und Frieden, meinen eigenen Gedanken nachhängend. 

Immer wieder geht mein Blick auf die Berge und unwillkürlich kommen mir die Worte aus Psalm 121 in den Sinn, den ich vor 20 Jahren für den Konfirmanden Unterricht auswendig gelernt habe: 

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, woher wird mir Hilfe kommen? Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat….

Ich bin allein und doch auch nicht. Ich bin mit dem Schöpfer, der all das um mich herum gemacht hat. Und ich bin im Herzen ruhig. Und dankbar, dass ich diese Zeit erleben darf.

Hier sind noch ein paar Eindrücke, die ich mit meinem iphone 8 gemacht habe.

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