Was auch kommen mag

Es ist kurz vor 6 Uhr morgens. Ich liege im Bett. Neben mir schlafen noch mein ältester und mein jüngster Mann. Ich habe nicht rechtzeitig meine Augen wieder geschlossen, nicht schnell genug meiner Gedankenwelt Einhalt geboten, diesen nicht enden wollenden Gedanken, die wie ein Film in meinem Kopf vor mir vorbeiziehen. Habe nicht schnell genug stop gesagt. Stattdessen den Start Button gedrückt, zwar nicht wirklich willentlich, aber wann fragen Gedanken schon, ob sie willkommen sind…

So liege ich da. Und ich denke mal wieder an unseren Abschied hier. Ich denke daran, wie es sein wird, in Deutschland zu sein, ohne Ticket zurück nach Albanien. Wie es sein wird, diese Wohnung leer zu sehen, die doch jetzt noch bis in den letzten Winkel so voller Leben und Uns steckt. So viele Erinnerungen kommen in mir hoch, so viele schöne Momente. Die schweren, die sind in den letzten Monaten eher in den Hintergrund getreten und mein Leben hier erscheint mir im Moment so gut. Das macht es meinem Herzen natürlich viel schwerer. 

Ich sehe den großen Maulbeerbaum vom Fenster aus. Ich lausche den vertrauten Geräuschen des Windes, dem Rattern der Regenrinne. Ich denke an den Frühling, ich denke an meine beiden lieben Freundinnen direkt in der Nachbarschaft. Dieses Leben miteinander. Diese Zeit, in der wir unsere Kinder gemeinsam großgezogen haben (oder noch dabei sind). Ich denke an das Team, an all die lustigen Fahrten in den Kosovo (die im Moment nicht möglich sind), wenn uns in Krume mal wieder die Decke auf den Kopf gefallen ist. Wie viel Spaß hatten wir. Wie kostbar sind und waren mir meine Teamkolleginnen. Ohne sie hätte ich es sicher nicht lange hier ausgehalten…

Ja, unser Leben hier. Es war und ist so voller Einfachheit, voller Leben und Menschlichkeit. Und ich liebe mein Leben hier. Genau so wollte ich leben im Ausland. Einfach mit den Menschen. Einfach ihnen im Alltäglichen Jesus bringen. Ihn vorleben. Liebe und Anteilnahme und Wertschätzung und Vertrauen geben. 

Ich schaue durch den Spalt der Gardine. Es wird schon hell. Ich bin hellwach. Noch vor Henry. Das ist eine Seltenheit. Dieser kleine Junge liegt neben mir. Dieses wunderschöne Gesicht. Wie viel Freude und Lebenskraft er schon unseren alten Nachbarn geschenkt hat. Ich sehe ihn zwischen ihnen laufen, vom Feld kommend, strahlend in seinen bunten Gummistiefeln. 

Mein Herz ist schwer. Bei manchen Erinnerungen schnürt es sich zusammen. All das soll bald vorbei sein. Mein albanisches Leben vorbei. Mein geliebtes Leben in der Außenmission, erstmal vorbei.

Wie wird es werden, wenn wir zurück sind? Wie wird es mir dann gehen? Und wie meinen Kindern? Begreifen sie eigentlich, was da auf sie zukommt?

Später sitze ich an meinem kleinen Schreibtisch. Diesen Platz werde ich mir in Deutschland genau so gestalten und mir damit meinen vertrauten Ort schaffen…

Ich schlage meine Bibel auf. Ich bin gerade im Lukasevangelium.

Hier treten mir Jesu Worte stark hervor und es ist wieder so ein Moment, in dem Gott direkt zu mir spricht. (Lukas 21,14 Elberfelder Übersetzung)

„Setzt es nun fest in euren Herzen, nicht vorher darauf zu sinnen, wie ihr euch verantworten sollt! Denn ich werde euch Mund und Weisheit geben.“

Nun, das sagt Jesus zu seinen Jüngern, als er über die Endzeit redet. Eigentlich ist das im Moment nicht wirklich für mich aktuell. Und doch irgendwie. Ich habe diese Worte so für mich umformuliert: 

Setz es nun fest in deinem Herzen, nicht vorher deinen Gedanken freien Lauf zu lassen, was und wie noch alles kommen wird. Denn ich werde dir helfen und mit Weisheit ausstatten. Ich werde dir alles bereitstellen genau zu der Zeit und Stunde, in der du es brauchst. 

Das sind nun keine Lehren, die ich selbst aufstelle, sondern sie entsprechen zutiefst dem ganzen Zeugnis der Bibel, von vorne bis hinten. Und ich würde zu gerne all die Verse aufschreiben, die mir einfallen. Alle Zusagen und Verheißungen Gottes. Und vielleicht die bekannteste Stelle über sorgenvolle Gedanken sagt es so deutlich:

Sorgt euch nicht um den morgigen Tag, denn der morgige Tag wird für sich selber sorgen. Jeder Tag hat an seiner Last genug. 

Da sind wir wieder bei dem über allem stehenden Thema - Vertrauen. Vertraue ich Jesus so sehr, dass ich meine so geliebte Kontrolle über mein Leben (die ich ja nie wirklich besitze) an ihn abgeben kann? Dass ich wie ein kleines Kind im Heute lebe?

Ann Voskamp beschreibt es in ihrem Buch „Tausend Geschenke“ so:

„Ich soll dem Sohn Gottes und seiner Weisheit vertrauen, in jedem Augenblick, im hier und jetzt. Vertrauen ist ein Werk, vertrauensvolle Liebe ist eine Aufgabe, die ich gezielt und bewusst ausüben soll. Oft will ich die erforderliche Energie dafür nicht aufbringen. Stress und Angst scheinen mich weniger Kraft zu kosten. Es ist einfacher, meinem Verstand mit all seinen Sorgen freien Lauf zu lassen, als Disziplin anzuwenden, ihm die Zügel anzulegen, die Scheuklappen aufzusetzen und ihm beizubringen, in sicherer Gewissheit weiterzugehen, egal, welche Schreckensgespenster am Horizont auftauchen. Sind Stress und Sorgen Symptome einer Seele, die zu träge und undiszipliniert ist, um ihren Blick auf Gott gerichtet zu halten, um in der Liebe mit ihm zu leben?“ (S.168)

So will ich versuchen, am nächsten Morgen, den ich wach liege, nicht Gedanken über was wird wohl werden, was wird wohl nicht mehr sein, wie werde ich es alles „überleben“, solchen Gedanken (die viel zu schnell Sorgen werden und dann Stress hervorbringen)  Einhalt zu Gebieten im Namen Jesu. Er wird sich kümmern und er wird zur rechten Zeit das rechte geben. Ganz sicher. Heute und jetzt bin ich nur aufgefordert, ihm mit meinem hier und jetzt zu vertrauen. Das ist so schön und befreiend!

Wir haben ein Haus gekauft und was ich dazu denke

Nie hätte ich gedacht, dass wir ein Haus kaufen werden.(*kleiner Hinweis: Das Haus im Beitragsbild ist nicht unseres.) Es waren mehrere Gründe, die mich innerlich abhielten, überhaupt daran zu denken. 

Zum einen natürlich die aktuellen Preise von Immobilien. Die gehen teilweise so ins (für uns) utopische, dass ich es schlicht für unmöglich hielt, dass wir uns das je leisten können. Noch dazu find ich es schön, schuldenfrei zu sein. Und auch ungebunden. Nicht festgehalten durch eine Sache. Flexibel und frei. 

Nun, das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite hatte ich, wie wahrscheinlich fast jeder, schon immer auch den Wunsch gehabt, mal etwas eigenes zu haben, irgendwo Wurzeln zu schlagen und anzukommen. Nicht zuletzt wünsche ich das meinen Kindern. 

Es kam dann der Tag, an dem wir die Entscheidung, die ich in meinem Herzen immer gefürchtet hatte, wirklich trafen. Nach knapp acht Jahren in Krume geht es zurück. Zurück in ein Land, dass uns teils fremd geworden ist und welches durch Corona wohl kaum wieder zu erkennen ist.  Unser Deutschland, das wir vor acht Jahren verlassen haben, hat sich ordentlich verändert.

Doch vor kurzem hatte ich den Eindruck, als ob Gott mir sagt: Rahel, Deutschland ist nicht eine unbekannte, furchteinflößende Fremde, sondern eine altbekannte Freundin, die du nur wieder neu kennenlernen musst. Nun, dieser Gedanke hilft mir seither und weckt in mir fast etwas Freude auf das erneute kennenlernen.

Genau in der Zeit, in der wir die Entscheidung trafen, bekamen wir ein Haus angeboten. Zuerst taten wir es ab. Doch dann schauten wir etwas genauer hin. Und als wir den Preis hörten, schauten wir noch genauer hin. Und was sollen wir sagen? So vieles passt. Es passt einfach zu uns. Dass es alt ist, dass es einen großen Garten hat, dass wir es selbst noch gestalten können von innen, dass es eine große Wohn- Essküche hat mit Platz für viele viele Gäste. Dass es zentral liegt, dass es in dem Ort viele Albaner gibt, dass es dort eine Gemeinde gibt, die wir kennen … und dass es für uns bezahlbar ist. Ja, es wird noch sehr viel Arbeit kosten, bis wir dort dann irgendwann einziehen können. Aber wir sind zuversichtlich.

Ich hatte selten bei so einer großen Entscheidung so einen Frieden im Herzen. Allein Frieden im Herzen ist nicht alles, aber wenn man eng mit Gott lebt, dann ist das für mich schon ein guter Gradmesser. Und wir empfinden es wirklich als ein Geschenk von Gott in einer Zeit wie dieser. Keine Belohnung (wie manche Freunde hier sagen: „Ihr habt hier so viel gutes getan und gegeben, jetzt gibt es euch Gott zurück“) sondern einfach unverdiente Gnade Gottes.

Als wir noch in den Überlegungen standen, ob ein Haus kaufen ja oder nein, las ich das Buch „Tochter Gottes, erobere die Welt“ von Inka Hammond. Ein Abschnitt sprach direkt zu mir und mir aus dem Herzen:

Meine Freundin ist vor kurzem mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in ein schönes, neues Zuhause gezogen. Vorher lebten sie in einer sehr kleinen Wohnung und sie freuten sich riesig über den großen Garten, die vielen Zimmer und den zusätzlichen Platz. Als meine Freundin ihr Haus einräumte und dekorierte, sprach der heilige Geist zu ihrem Herzen: „Mach es dir nicht allzu gemütlich.“ Für sie war das eine Erinnerung daran, dass sie ihr Herz nicht an dieses Haus hängen soll. Ja, sie darf es genießen und als Geschenk Gottes annehmen. Aber gleichzeitig will sie sich nicht zu sehr daran festklammern, denn sie will bereit sein, weiterzugehen und loszulassen, wenn Gott sie ruft. 

Als sie mir davon erzählte, hat mich das tief berührt. So schnell hängen wir unser Herz an irdische Dinge und tun uns dann schwer, wenn die Zeit zum loslassen gekommen ist. Diese Welt ist nicht unsere Heimat. Wir sind hier nur auf der Durchreise. Die innere Bereitschaft, jederzeit auf das Wasser zu gehen, wurzelt in unseren offenen Händen. Sobald wir etwas zu fest umklammern, wird es schnell eine Last, ein Klotz am Bein und hält uns davon ab, flexibel und unkompliziert dem Ruf Jesu zu folgen. Es ist ein Balanceakt, wo die goldene Mitte immer wieder neu gefunden werden muss. 

Das Haus meiner Freundin ist mittlerweile fertig dekoriert und eingerichtet und es ist ein Hafen der Geborgenheit für ihre Familie und für Gäste. Und trotzdem weiß sie: Wenn Jesus ruft, ist sie bereit, alles wieder in Boxen zu packen und dem nachzugehen, den sie über alles liebt.“ (S. 78)

Genau diese Einstellung möchte ich auch haben. Sie hilft mir, nicht Angst davor zu haben, völlig gebunden zu sein und nicht mehr Jesu Ruf folgen zu können.

Aber ich weiß auch, dass es für meine Familie wichtig ist nach 8 Jahren im Ausland, einen Ort zu haben, wo wir ankommen können. Und dafür bin ich Gott so dankbar. Er hat uns etwas geschenkt, was wir gar nicht gesucht haben, für was wir nicht mal gebetet haben. Er weiß genau was wir brauchen und er wollte uns diese Last abnehmen. 

Wir wollen dieses Haus haben zur Ehre Gottes! Es gehört nicht uns, sondern ihm! Und wir sind gespannt, was Gott damit und mit uns vorhat.

Wie geht es dir, wenn du diese Zeilen liest? Ist das für dich eine Herausforderung, deine Hände offen zu halten? Dinge loszulassen, um bereit zu sein, wenn Jesus ruft?

Ein Insiderblick in die Verführung des Wohlstandsevangeliums

Ich weiß, wie es ist, wenn Leute für dich beten wollen, weil sie meinen, dass Gott immer heilt und sie fest daran glauben, dass Gott sie gesandt hat, um andere zu heilen. Aufgrund meiner, medizinisch gesehen, unheilbaren MS-Erkrankung habe ich es schon oft erlebt, dass liebevolle Geschwister ihren uneingeschränkten Glauben an Heilung an mir beweisen wollten. Man wollte mir die Krankheit „austreiben“, weil sie als ein Fluch angesehen wird.

Doch nicht nur ich muss mich damit auseinandersetzen, dass eine falsche Lehre über Gott und Heilung enttäuschte Hoffnungen zurücklässt. Millionen von Menschen sind gefangen in dem Glauben, dass es Gottes ausdrücklicher Wille ist, uns mit Gesundheit und Wohlstand zu segnen.

Costi Hinn war Teil dieser Verführung. Als Neffe von dem berühmten Benny Hinn war er mit eben diesem weltweit unterwegs und hat dabei einen ausschweifenden Lebensstil genossen. Nach seinem Ausstieg hat er nun ein aufrüttelndes Buch geschrieben, das die Lügen und Verirrungen des sogenannten Wohlstandsevangeliums in allen seinen Facetten aufdeckt und einen Weg heraus zeigt.

Ich bin aufrichtig dankbar, dass der CLV-Verlag dieses Buch übersetzt hat.

Eine kleine Vorbemerkung: Als Leser bekommen wir einen schonungslosen Einblick in die üblen Machenschaften einiger derjenigen, die das Wohlstandsevangelium predigen. Aber das Wohlstandsevangelium ist nicht nur der extreme Benny Hinn. Elemente des Wohlstandsevangeliums finden sich auch in der „Wort des Glaubens“-Bewegung, der u.a. Joyce Meyer angehört, und der NAR-Bewegung (dt. Neue apostolische Reformation), allen voran Bill Johnson mit seiner School of Supernatural Ministry.

Der Autor Costi Hinn liefert uns einen Insiderblick in das Leben derer, die vom Wohlstandsevangelium profitieren. Durch seine enge Nähe zu einer der prägendsten Figuren kann er die Machenschaften natürlich viel ehrlicher und offener aufdecken. Ich habe großen Respekt davor, dass er den Mut hatte, dieses Buch zu schreiben, da es nicht viel Ruhmhaftes an seiner Familie lässt.

Das Buch hat drei herausragende Stärken: Es ist zeugnishaft, es ist biblisch fundiert und es ist dabei auf eine ganz besondere Weise praktisch. In den nächsten Abschnitten will ich kurz einen Einblick liefern und entfalten, warum mich das Buch damit überzeugt hat.

Zeugnishaft

Den größten Teil des Buches nimmt der autobiographische Bericht Costi Hinns ein. Er beginnt bei der Familie seines Vaters und Onkels und erzählt dann ausführlich, was er selbst erlebt hat.

Sein familiärer Hintergrund

Hinn erzählt die Geschichte von der Familie seines Vaters und seines Onkels von den Anfängen, als die Familie noch in Jaffa, Israel, wohnte. Dabei liefert er ungeschönte Einblicke in das schwierige Vater-Sohn-Verhältnis und scheut sich auch nicht, Rückschlüsse auf die spätere Entwicklung von Benny Hinn zu ziehen. Der Leser wird mit hineingenommen in den Aufstieg der Hinns, die als junge arabische Einwanderer nach Kanada kamen und dann zu weltberühmten Predigern des Wohlstandsevangeliums aufstiegen. Zum besseren Verständnis will ich hinzufügen, dass auch Costi Hinns Vater ein Prediger des Wohlstandsevangeliums war, eine eigene Gemeinde leitete und sich übermäßig an den Spenden anderer bereicherte.

Die Einflüsse charismatischer Irrlehrer auf den jungen Benny Hinn werden dem Leser nicht verschwiegen und wie sich dieser dann selbst eine Plattform aufbaute und zum Prediger eines Heilungs- und Wohlstandsevangeliums wurde.

Sein geistlicher Werdegang

Viel interessanter ist für den Leser jedoch das Zeugnis Costi Hinns über sein eigenes Leben. Hinn wuchs in dieser charismatischen Prägung des Wohlstandsevangelium auf und genoss ein von Reichtum geprägtes Leben. Als Predigerkind war er natürlich fest überzeugt, dass auf seinem Onkel und seinem Vater eine ganze besondere Salbung lag. Aber in der Schule musste er Anfeindungen erleben, weil man seinen Onkel als Irrlehrer beschimpfte. Hinn scheut sich nicht, zu beschreiben, wie schwierig sein eigenes Verhalten in der Schule war. Er war arrogant, überheblich und dachte von sich selbst, die Salbung zu haben, die anderen fehlte. Doch der Glaube an das Wohlstandsevangelium begann zu bröckeln, als einer seiner Onkel an Krebs starb. Immer wieder bekommen wir einen Einblick, wie Hinns Zweifel wuchsen:

„Ich erinnere mich an den Moment, als ich das erste Mal realisierte, dass unser Lebensstil dadurch ermöglicht wurde, dass wir andere ausnutzen und von Freiwilligen und Mitarbeitern unterstützt wurden, die nicht wie wir lebten. […] Irgendwas schien nicht zu stimmen. Aber ich war noch Jugendlicher und so wischte ich die Zweifel und Bedenken fort.“ (S. 56)


So wurde Hinn Teil von einem Team, das mit seinem Vater und Benny Hinn um die Welt reiste. Er war voll in die Arbeit integriert und fühlte sich gut dabei, einen sehr verschwenderischen Lebensstil zu führen. An einer Stelle führt er die Liste der edelsten und teuersten Hotels auf, in denen er während dieser Zeit gastierte. Ein Abschnitt beschreibt ausgezeichnet die Diskrepanz des Wohlstandsevangeliums mit dem biblischen Evangelium. Hinn war in einem edlen Hotel in der Nähe von Athen zu Gast. Er schreibt:

„Ich hatte eine 180-Quadratmeter-Villa mit eigenem Pool und riesigem Garten für mich allein. Jeden Abend schlief ich mit dem Geräusch des Windes und des Meeres ein. Als ich an jenem Tag auf das Meer hinausblickte, dachte ich: Ich bin am Ziel. Das war es. Mein Leben war festgelegt. Ich reiste um die Welt und brachte das Evangelium an die Enden der Erde, wie Jesus es gesagt hatte. Ich war Teil eines Werkes, durch das weltweit Kranke und verletzte Seelen geheilt wurden. Ich würde ein Gesalbter Gottes sein, ebenso wie mein Onkel und mein Vater. […] Als ich an diesen Tag von diesem Felsen aufs Meer hinausschaute, blickte ich auf die Ägäis – dasselbe Gewässer, auf dem der Apostel Paulus auf seinen Missionsreisen segelte. Es gab nur ein Problem: Wir predigten nicht dasselbe Evangelium.“ (S. 63)


Doch es sollte noch lange dauern, bis Hinn zu dieser Erkenntnis gelangte. In der Zwischenzeit, berichtet Hinn, gaben ihm verschiedene Ereignisse immer wieder zu denken. Negative Berichterstattung über seinen Onkel, Kranke die nicht geheilt wurden und unerfüllte Prophetien trugen dazu bei, dass sein Glaube an das Wohlstandsevangelium mehr und mehr Risse bekam.

Sein langsamer Ausstieg

Ein wichtiger Punkt in Costi Hinns Leben war die Begegnung mit seiner jetzigen Frau, Christyne. Sie kam nicht aus den Kreisen des Wohlstandsevangeliums. Sie stand der ganzen Bewegung sogar kritisch gegenüber. Das brachte natürlich Spannungen in die Beziehung. Hinns Familie hatte erwartet, ihr Sohn würde eine Frau heiraten, die die Salbung empfangen hatte und in Zungen redete. Doch da dies nicht der Fall war, bekam Christyne eine Menge Ablehnung zu spüren. Ein ganzes Kapitel verwendet Hinn, um die Schwierigkeiten zu beschreiben, die er und seine Frau erlebten, bis sie endlich vor dem Traualtar standen.

Der nächste wichtige Schritt heraus aus der Bewegung war sein Start in einer neuen Gemeinde. Hinn durfte als Jugendpastor dienen. Durch fürsorgliche Pastoren lernte er, wie wichtig ein biblisches Fundament ist. Als Hinn eine Predigt über die Heilung des Kranken am Teich Betesda vorbereiten sollte fiel es ihm plötzlich wie Schuppen von den Augen. Gott öffnete ihm die Augen und er erlebte ein „Erwachen der Gnade“. Er erklärt:

„Das Evangelium ergab plötzlich Sinn. Mein Leben existierte zur Ehre Gottes, nicht zu meiner eigenen. Gottes höchstes Ziel für mich war nicht, mich glücklich, gesund und reich zu machen, sondern ihn zu verherrlichen.“ (S. 139)

Das Zeugnis von Costi Hinn darüber, wie er den Ausstieg geschafft hat, habe ich hier nur kurz angerissen. Aber der Leser merkt schnell: Dieser Mann weiß, wovon er spricht. Er hat das Recht, die üblen Machenschaften und verdrehten Argumente des Wohlstandsevangeliums aufzudecken, weil er Teil des Ganzen war. Für jeden, der in dieser Bewegung steckt und nach Orientierung sucht, wird dieser Bericht eine große Hilfe sein, um freizukommen.

Biblisch fundiert

Hinn kam zu seinen Überzeugungen, weil er die Schrift eingehend studierte. Dies wird besonders deutlich in folgender Aussage:

„Während ich mein Studium weiter vertiefte, wurde mir schließlich schmerzlich klar, dass das Wirken der Familie Hinn mit dem wahren Wirken des Evangeliums nichts zu tun hatte. Wir glichen den habgierigen Zauberern und Betrügern, deren Tun die Bibel immer wieder anprangert. Das war für mich ein Schlag der Wahrheit nach dem anderen in die Magengrube, aber ich hatte mich nie besser gefühlt.“ (S. 144)

Hinn stellt dann im Verlauf des Buches wichtige Fragen, denen sich jeder stellen muss, der aus der charismatischen Bewegung kommt und vom Wohlstandsevangelium beeinflusst ist: Was bedeutet es, dass Gott souverän ist? Was sagt die Bibel über Irrlehrer? Warum ist das Wohlstandsevangelium so gefährlich?

Hier legt Hinn auf überzeugende und biblische Weise dar, wie das Wohlstandsevangelium das wahre Evangelium verdreht und warum wir es als Christen radikal ablehnen sollten. Er urteilt deutlich:

„Das Predigen des Wohlstandsevangeliums muss in der ganzen evangelikalen Welt geächtet werden. Die, die es predigen oder die, die mit ihnen zusammenarbeiten, sollen gemieden werden. Es ist Zeit für die Christenheit, ein Zeichen zu setzen, damit das Wohlstandsevangelium unser Zeugnis nicht weiter vergiftet.“ (S.177)


Besonders gefreut haben mich die Ausführungen zum Thema „Was die Bibel zu Gesundheit sagt“. Diese Ansichten vertrete ich seit Jahren, aber es hat gutgetan, die biblische Sicht auf das Thema in einem Buch aufgeschrieben zu sehen. Er listet folgende Prinzipien auf:

Weiterhin sind auch die von ihm angeführten biblischen Prinzipien zum Thema „Wohlstand und Reichtum“ Gold wert.

Hinn zeigt in seiner biblisch fundierten Herangehensweise einwandfrei auf, wie man die Lügen des Wohlstandsevangeliums aufdecken und ihnen entkommen kann.

Praktisch

Die Schilderung des Ausstiegs von Costi Hinn ist an sich schon unheimlich praktisch für all diejenigen, die sich in einer ähnlichen Lage befinden. Aber auch für solche, die nicht Teil der Bewegung sind, ist es hilfreich zu sehen, wie es Menschen gehen kann, die verirrt sind und den Ausstieg schaffen wollen. So endet Hinn das Buch mit einem Kapitel, welches den Titel „Wie man die Verführten erreicht“ trägt.

Er weist seine Leser dabei sehr feinfühlig und biblisch begründet darauf hin, dass es verschiedene Arten von verführten Menschen gibt. Er geht anhand von Judas 17–23 auf drei verschiedene Typen ein: Die Zweifler, die Betrogenen und die Gefährlichen. Für jede Gruppe beschreibt er einen Ansatz, wie man ihr begegnen sollte.

Die zehn Schritte, mit denen er im Anschluss seinen Lesern Hilfestellung bietet, haben mich zutiefst bewegt. Die Art, wie Hinn dafür plädiert, verirrte Menschen zu gewinnen, ist von so viel Demut, Weisheit, Liebe und Gnade geprägt. Ich musste einsehen, dass mir diese Art mit Andersdenkenden umzugehen, vielfach fehlt. Besonders der 4. Punkt, „Sich um ein persönliches Treffen bemühen“, hat einen Nerv bei mir getroffen. Er rät:

„Man sollte auch in Betracht ziehen – Achtung, meine Weisheit ist überwältigend – , eine Freundschaft oder Beziehung mit jemandem einzugehen, mit dem man nicht einer Meinung ist! Ist das nicht unglaublich. […] Ich möchte nicht unverschämt sein, aber mal im Ernst, wir müssen Brücken bauen, um das Herz der Menschen zu erreichen, und zwar durch Beziehungen.“ (S. 206)

Diese zehn praktischen Schritte helfen nicht nur im Umgang mit Menschen, die Anhänger des Wohlstandsevangeliums sind. Sie sind für jede Art von Begegnung mit Andersdenkenden wichtig und relevant.

Was ich erst kritisieren wollte…

Ein Punkt, den ich bis zum Schluss anmerken wollte: Hinn schreibt als Amerikaner aus dem amerikanischen Kontext heraus. Dem deutschen Leser könnte leicht passieren, dass er sich mit den im Buch beschriebenen Problemen gar nicht identifizieren kann. Doch der CLV-Verlag hat einen sehr weisen Weg gewählt, um dieser Gefahr entgegenzuwirken und ein Nachwort für den deutschsprachigen Kontext angehängt. Nicola Vollkommer zeigt darin auf, dass die im Buch beschriebenen verdrehten Meinungen zu Gesundheit und Wohlstand auch in Gemeinden im deutschsprachigen Raum zu finden sind und kontert wie Hinn mit dem biblischen Bild von Nachfolge und Glauben, das auch Leiden enthält. Der Text ist lesenswert und rundet ein hervorragendes Buch auf passende Weise ab.

Für wen ist das Buch geeignet?

Abschließend möchte ich kurz drei Zielgruppen dieses Buches erwähnen.

Die letzten Worte sollen Costi Hinn gehören. Er schließt sein Buch mit Worten ab, die sehr gut zusammen fassen, in welchem Geist das ganze Buch geschrieben ist:

„Wie jeder Christ möchte auch ich zur Ehre Gottes leben und meine Gaben, Talente, Mittel und auch mein Zeugnis dazu einsetzen, andere auf Gott hinzuweisen. Ich möchte nur ein Königreich, das aufgebaut wird, nur einen König, dem ich diene, und nur einen Namen, der bekannt wird. Jesus ist meine Motivation.“ (S. 219)

Costi W. Hinn, Gott, Gier und Geld. Wie das Wohlstandsevangelium die Wahrheit verdreht. CLV: Bielefeld 2021. 256 Seiten, 12,90 EUR. Das Buch kann auch direkt beim CLV bestellt werden.

Wann bist du das letzte mal einen Glaubensschritt gegangen?

Ich habe in den letzten Wochen ein tolles Buch gelesen. Es heißt „Tochter Gottes, erobere die Welt“ und ist das Nachfolgebuch von „Tochter Gottes, erhebe dich“. Geschrieben hat die Bücher Inka Hammond. Ich hatte sie immer mal wieder gesehen, als dafür Werbung gemacht wurde in Zeitschriften und so. Ich war erst etwas kritisch muss ich sagen, wurde dann aber eines anderen belehrt und kann die beiden Bücher wirklich sehr empfehlen.

Hier möchte ich einige Zitate aus einem Kapitel des zweiten Buches wiedergeben. Mich hat dieses Kapitel, das mit „Risiken eingehen“ überschrieben ist, sehr bewegt und es hat mir auch sehr aus dem Herzen gesprochen und mich, ja, auch mich als tätige Missionarin im Ausland, herausgefordert. Lass auch du zu, dass dich diese Worte etwas aus der Reserve locken:


„Wann bist du das letzte Mal einen Glaubensschritt gegangen? Wann hast du dich das letzte Mal auf das Wasser hinaus gewagt?“

„Unsere Bereitschaft, Risiken einzugehen, öffnet Wundern Tür und Tor. Unmöglichkeiten werden plötzlich möglich. Das Leben wird und ist abwechslungsreich. Wir erleben Gott wie nie zuvor.“ 

Unser Glaube muss unser Leben verändern. Er muss uns verändern. Unser Glaube ist das Fundament, auf dem es uns leichtfällt, Risiken einzugehen.

Wenn wir unseren Blick fest auf Gott richten, dann wissen wir, wo es langgeht. Wir bekommen vielleicht nicht alle antworten, aber wir sehen die Liebe in seinen Augen, seine Güte, seine Fürsorge, und dann sind wir bereit, überall hinzugehen, wohin er und ruft - auch wenn wir das Ziel noch nicht kennen. 

Wenn du deinen Glauben in Schwung bringen möchtest, dann fange an, deinen Blick fest auf Jesus zu richten, und sei bereit, loszugehen, wenn du seinen Ruf hörst.

Zu viele Christen leben ein Leben in geistlicher Autonomie. Sie tun all die richtigen Dinge, aber ihr Glaube ist verkümmert, weil sie sich auf ihre eigene Kraft verlassen. Unsere eigene Kraft zerstört jedoch letztlich unseren Glauben.

Sind wir bereit, schwach zu sein, damit er durch uns stark sein kann? Sind wir bereit, uns ganz ihm hinzugeben, damit er verherrlicht werden kann? Lassen wir los und lassen ihn durch uns wirken? Wie viel von unserer Kraft steht seiner Kraft noch im Weg? Wie sehr behindern wir das mächtige Durchgreifen Gottes, weil wir uns innerlich weigern, komplett abhängig zu sein?

Wenn wir großen Glauben haben wollen und für Jesus Risiken eingehen möchten, dann muss unser Herz eine eindeutige Priorität haben: das Reich Gottes. Zu sehr sind wir oft noch damit beschäftigt, uns selbst zu verwirklichen, unser eigenes Glück zu suchen, und sind um unser eigenes Image besorgt. …

Unsere Generation braucht Menschen, die ihren Erlöser über alles stellen und bereit sind, jeden Preis zu bezahlen, jedes Risiko einzugehen, jede Entscheidung zu treffen, die notwendig ist, damit sein Reich gebaut wird. Doch wir sind viel zu sehr mit uns selbst beschäftigt. …

Unser Leben soll die Geschichte erzählen von dem Einen, der alles aufgab - für uns.

Die Menschen, die die Welt mit seiner Liebe verändert haben, waren hingegebene, mutige, auf dem Wasser wandelnde Menschen, die sich und ihre eigene Sicherheit, das Bedürfnis nach Komfort, die Sehnsucht nach Macht und Ruhm vor das Kreuz gelegt und sich ohne Kompromisse und faule Ausreden Jesus hingegeben haben.

Was fordert dich heraus? Welcher Schritt kostet dich etwas? ...

Schreibe einmal auf, was deine Sicherheiten sind. Welche Dinge im Leben geben dir ein Gefühl der Geborgenheit? Geld? Beruf? Heimat? Studium? Lebensziele? Und dann überlege dir, wie du reagieren würdest, wenn Jesus dich bittet, das aufzugeben und loszulassen. Was stemmt sich in dir dagegen?

Risiko entlarvt unser Herz. Eine Bereitschaft zum Risiko in der Nachfolge ist daher auch ein wunderbarer Weg, Heilung zu empfangen. Denn wir gehen nur dann Risiken ein, wenn unser Herz eng mit dem des Vaters verbunden ist. Nur wenn wir wissen, dass wir unendlich geliebt sind und uns nichts passieren kann, wagen wir uns hinaus aufs Wasser. Und in keiner anderen Situation erfahren wir eine so intensive Intimität mit Jesus, als wenn unser ganzes Sein von ihm abhängig ist.

Risiko beginnt mit einer veränderten Denkweise. Geh das Risiko ein, anders zu denken. Anders zu reagieren. Andere Schwerpunkte zu legen. Sei mutig und verschwende deine Zeit in der Gegenwart Jesu. Sei mutig und setze bewusst Grenzen, welche Filme du dir ansiehst, welche Bücher du liest. Geh das Risiko ein, dich nicht zugehörig zu fühlen. Das alleine geht schon so sehr gegen unser menschliches Bedürfnis nach Sicherheit. 

Risiko ist das Gewürz, das uns in unserer christlichen Suppe häufig fehlt. Bist du bereit, Risiken für Jesus einzugehen? Bist du bereit, dein Image, deine Suche nach Glück, nach Selbsterfüllung vor dem Kreuz abzulegen?

Emotional müde

Der folgende Artikel stammt von Alex, unserer Teamkollegin. Sie schreibt auch auf ihrem eigenen Blog. alex4alb.wordpress.com. Schau doch mal rein.


Es ist Freitag Abend und ich bin einfach müde von der Woche. Körperlich und emotional müde. Diese Woche war wieder sehr viel los. Am Montag war ich dran mit Vorbereiten für unser Teamtreffen. Wir waren bei Philipper 4. Darüber habe ich mich gefreut. Besonders über 4,4: „Freut euch im Herrn.“ Dann bekam ich die Nachricht, dass eine meiner engen Freundinnen hier Darmkrebs hat. Zwar noch ohne Metastasen, aber ich bin mir nicht sicher, ob die Medizin, die es in Albanien gibt ausreichen wird, dass sie es schafft. Der Satz „Freut euch im Herrn“ hat an diesem Tag eine andere Bedeutung für mich bekommen. Dass meine Freude nicht ein Gefühl in bestimmten Umständen ist, sondern sie vom Heiligen Geist kommt, der mich über meinen großen und guten Gott staunen lässt. 

In der Praxis hatten wir diese Woche einige neue Patienten. Unter anderem ein 3-jähriges Mädchen, das ein genetisches Syndrom hat und schwerst behindert ist. Wir werden ab jetzt mehrmals die Woche Therapie mit ihr machen. Ob wir dabei Fortschritte sehen werden oder nicht liegt in Gottes Hand. Dann wurde ich zu einer Schlaganfallpatientin nach Hause gerufen. Sie ist sehr aggressiv, schlägt nach uns, beschimpft uns als kriminell. Auf mein Drängen hin verschreibt der Arzt endlich entsprechende Medikamente, die hoffentlich das Leben für die Verwandten, die sie Tag und Nacht pflegen, leichter machen. Auch bei dieser Patientin weiß ich nicht, wie viele Fortschritte wir mit der Therapie erreichen werden. Nach längerer Zeit fuhren wir wieder zu meiner MS-Patientin ins Dorf. Sie hat in den letzten Wochen weiter abgenommen und sieht sehr schlecht aus. Beim letzten Besuch konnte sie noch „mire“, das bedeutet „gut“ sagen, aber dieses Mal ist das einzige, was sie kann zu lachen und den Kopf zu drehen. Ich werde weiter für sie um ganzheitliche Heilung beten, egal, wie es menschlich und medizinisch gesehen aussieht.

Dann machten wir dieses Woche einen Trauerbesuch. Die Mutter einer Bekannten war im recht jungen Alter innerhalb von 4 Monaten gestorben. Sie hatte Bauchprobleme, wurde dann an der Galle operiert und dabei war aufgefallen, dass der ganze Bauch voller Krebs war. Und es war zu spät. Was kann man dieser Frau sagen, die immer noch täglich betet, dass Gott ihrer Mutter doch bitte gnädig ist und sie annimmt? 

Diese Woche hat Danny das Bad bei der alten armen Frau installiert. Darüber habe ich mich so gefreut. Aber Kommentare von den Nachbarn, wieso wir das denn machen, weil sie ja eh schon so alt ist, machen mich traurig und wütend. Besonders weil diese Nachbarn ein Bad direkt nebenan haben, es aber nicht mit der alten Frau teilen wollen. Wie kann ein Mensch denken, dass alte Menschen weniger wert sind? 

Im Frauentreffen erzählte uns eine Freundin, dass ihr Mann am vorherigen Abend ihre Kinder so sehr geschlagen hat, dass sie mit ihnen zur Polizei gegangen ist. Vor dem Präsidium hat sie dann aber der Mut verlassen, weil sie weiß, dass die Polizei hier eh nichts machen kann. Eine andere Freundin darf nicht mit auf unseren geplanten Ausflug, weil ihr Mann es ihr nicht erlaubt. Im letzten Jahr war ihr Sohn noch zuhause und hatte sich für sie eingesetzt, aber der lebt inzwischen illegal in England. Sie hat sich entschieden, dass sie sich lieber duckt und Opfer bringt, damit es zuhause friedlich ist, sagt sie uns unter Tränen. Gestern hatte ihr Mann getrunken und sie ist ihm aus dem Weg gegangen, bis er geschlafen hat, damit es keinen Stress gibt zuhause. „Hier ist es normal, dass der Großteil der Männer ihre Frauen schlagen.“ erklären die Frauen mir. Ja, das weiß ich. Aber trotzdem ist es nicht normal und falsch. 

Und trotz all dieser Dingen: Ich liebe es hier zu sein und weiß, dass genau das grad richtig für mich ist. Aber auch ich bin nur ein Mensch. Ich bin Gott so dankbar, dass ich alles auf ihn werfen kann und er mir die Lasten abnimmt. Das erlebe ich und ohne ihn würde ich manchmal „untergehen“. Aber trotzdem gibt es auch Tage an denen mir einfach all diese Dinge zu viel sind. Und ich das alles einfach nicht mehr hören kann und möchte. Gerade dann fühle ich, wie abhängig ich von Gott bin und wie sehr ich das übernatürliche Wirken von seinem guten Geist brauche. 

Gott sagt in 2.Korinther 12,9: „Meine Gnade ist alles, was du brauchst, denn meine Kraft kommt gerade in der Schwachheit zur vollen Auswirkung.“ Ja, Vater, ich brauche deine Gnade. Wir brauchen sie alle. Jeden Tag neu.

Vom Ausreisen und Zurückkehren

Für viele gelten wir als Menschen, die Risiken eingegangen sind. Wir haben unsere Füße aufs Wasser gesetzt und sind gegangen. Wir leben in Albanien mit vier Kindern, in einer abgelegene, medizinisch total unterversorgten Gegend. Es gibt nicht viel hier. Und als wir vor gut sieben Jahren losgezogen sind, da kamen wir in ein uns fremdes Land, mit einer fremden, schwierigen Sprache, einer komplett anderen Kultur, wir kannten so gut wie niemanden und all das unbekannte war zeitweise sehr herausfordernd. Ja, sicher war es ein gewisses Risiko. Aber es war mehr noch das Rufen Gottes, das uns hierher gebracht hat. Und es war die Gnade Gottes, die uns hier gehalten hat.

Jetzt stehen wir wieder an einem Ufer. Das Fremde ist uns bekannt geworden. Die schwierige Sprache hat sich uns entschlüsselt und wir fühlen uns wohl mit ihr. Die Menschen sind uns Freunde und Familie geworden, der unbekannte Ort am Ende der Welt, ja, er hat sich zu unserem Zuhause gewandelt. Hier fand mein Leben statt. Hier habe ich mich weiterentwickelt und hier haben wir mit den Menschen gelacht und geweint, gefeiert und getrauert. Hier sind unsere Kinder das erste mal in einen Kindergarten gegangen, hier haben sie ihre Einschulung gefeiert. Hier haben wir als wachsende Familie gelebt, Siege errungen und Niederlagen hinter uns gelassen. Hier haben wir Gott von ganzem Herzen gedient und ach, welch Vorrecht es war und ist!

Aber wir stehen wieder am Ufer. Als ich Ende letzten Jahres an einem großen See war, lag dort ein altes Fischerboot still an Land. Seine Spitze zeigte auf das weite sich vor mir ausbreitende Wasser. Es war ruhig und im Dunst wirkte es mysteriös und unbekannt. Es war mir, als würde Gott mich auffordern, loszufahren. Aufs Wasser hinaus. Loszulassen, das nun bekannte Ufer verlassen und zu vertrauen. Ich ahnte, was es heißt. Ich spürte eine gewisse Angst, die in uns Menschen ganz natürlich hochkommt, wenn etwas Unbekanntes vor uns liegt. Ein Herz, das schneller schlägt und aus dem Gleichgewicht kommt. Aber auch die tiefe innere Ruhe, dass Gott alles weiß.

Einige Wochen später trafen wir im Frieden vor Gott die Entscheidung, genau das zu tun. Loszulassen und aufzubrechen. Wieder vertrautes hinter sich zu lassen und…

Naja und zurückzugehen woher man gekommen ist. Zurück zu dem damals vertrautem. Zurück zu Familie und Freunde. Zurück zur Muttersprache und zurück zur bekannten Kultur. Man weiß wieder, wie man sich wann wie und wo zu verhalten hat, was zu sagen und was besser nicht… oder?

Der Schritt wieder zurück ist für mich ein ebenso großer Glaubensschritt, wie der, der uns nach Albanien gebracht hat. Die Entscheidung zurück zugehen fällt mir viel, viel schwerer als die, Deutschland zu verlassen. Es ist wieder ein Schritt des Glaubens, auch in das ehemals bekannte zurückzukehren. 

Deutschland hat sich verändert. Ich habe mich verändert. All die Jahre haben viel mit mir und uns gemacht. Es wird nicht leicht werden. Es ist ein losfahren in ein zwar bekanntes und doch so fremd gewordenes Land. Viele werden nicht verstehen, dass es mir so geht. Viele werden da weitermachen wollen, wo wir aufgehört haben. Aber das geht nicht. Zu viel ist passiert, mein Herz hatte sich an das unbekannte gewöhnt und es langsam als bekannt adoptiert. Nun muss es wieder umprogrammiert werden. Das hart erkämpfte normale gleitet langsam wieder aus meinem Herzen und muss wieder ersetzt werden mit dem vormals normalen. Und das tut weh. Es ist ein trauern, ein loslassen, ein abgeben von einem Teil meiner selbst. 

Zuletzt las ich Psalm 112 und oh, wie hat dieser Psalm zu meinem Herzen gesprochen:

„Er (oder sie) wird sich nicht fürchten vor böser Nachricht.

Fest ist sein (oder ihr) Herz, es vertraut auf den Herrn.

Beständig ist sein (oder ihr) Herz, er (oder sie) fürchtet sich nicht…“ (Psalm 112,7-8)

Ich möchte diesen Vers etwas für mich umschreiben. Und wenn du möchtest kannst du einfach deinen Namen einsetzen:

Rahel
wird sich nicht fürchten
vor böser Nachricht,
vor unbekannten Dingen,
vor Traurigkeit und Einsamkeit,
vor dem Unverstanden sein und dem sich zurücksehnen.
Sie wird sich nicht fürchten
Vor Schwierigkeiten mit den Kindern
Vor dem Gefühl des Verlustes und des Versagens
Vor der der wohlbekannten Fremde
Vor Unsicherheit und offenen Fragen.

Fest ist Rahels Herz,
Es vertraut ja voll und ganz auf den Herrn!

Auf seine Kraft und Stärke
Auf seine Gegenwart und Nähe
Auf seine Ermutigung und Befähigung
Auf seine Liebe und Treue
Gnade und Annahme
Führung und Halt,
Zuversicht und Vergebung…

Beständig ist Rahels Herz,
Sie fürchtet sich nicht!

Dieses feste und beständige, verwurzelte Herz möchte ich haben und darum kämpfen. Den Lügen nicht glauben, sondern der Tatsache: auch auf diesem Weg geht Er mit und leitet und ruft und befähigt und erfüllt und… führt zum Ziel! Halleluja!

Photo by Erol Ahmed on Unsplash

Das verschwundene Vögelchen

Vor Jahren schon hatte ich mir mit meiner Mama zusammen in Deutschland Ohrringe gekauft. Es waren ganz besondere Ohrringe für mich. Nicht nur, weil sie von meiner Mama waren, sondern auch weil sie besonders schön waren. In einem Ring sitzt ein kleiner Vogel. Wer mich kennt weiß, dass ich Vögel liebe. Ihr Zwitschern, ihr ausgelassenes herumhüpfen im Frühling, die Freiheit die sie mir vermitteln, wenn ich sie durch die Luft fliegen sehe, und nicht zuletzt hat mir Jesus selbst diese Tierchen lieb gemacht, als er sie hernahm, um uns eine Lektion zum Thema Sorgen machen lehrte. 

„Seht die Vögel des Himmels an! Sie säen nicht und ernten nicht, sie sammeln auch nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie? Wer aber von euch kann durch sein Sorgen zu seiner Lebenslänge eine einzige Elle hinzusetzen?“ (Matthäus 6,26-27)

Nun hatte ich diese Ohrringe und ich trug sie immer an den Tagen, an denen ich mich besonders an Gottes Fürsorge erinnern musste. Ich trug sie oft!

Dann hatten wir im letzten Jahr einen Einsatz in einem abgelegenen Dorf gehabt. Dort oben haben wir auch gecampt, was sehr schön und abenteuerlich war. Doch leider ging mir der oben irgendwie einer der Vogel Ohrringe verloren. Ich hatte geduscht und danach konnte und konnte ich den einen nicht finden. Ich war sehr traurig darüber, fand mich dann aber doch mit dieser Tatsache ab, dass ich sie nicht mehr tragen kann, da einer fehlte…

Monate vergingen. Es war ein voller und nicht ganz leichter Tag gewesen. Ich war müde und etwas abgekämpft. Ich sehnte mich nach Gottes Zuspruch und seiner Hilfe. So ging ich am Abend hoch zum Trockner um die Wäsche rauszuholen. 

Da piekste mich etwas. Ich schaute nach, was es wohl ist und was hab ich in meinen Händen? Der verlorene Vogel Ohrring von damals. Ziemlich mitgenommen und nicht mehr unbedingt geeignet zum anziehen, aber doch hat mein Herz einen Sprung gemacht. Verflogen war die Müdigkeit und Mutlosigkeit! Hier hatte Gott klar gesprochen. Wo war dieser Ohrring gewesen? Wie kommt er nun in den Trockner und warum finde ich ihn da erst Monate später? Ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass Gott genau in diesem Augenblick wollte, dass ich ihn finde, dass er mich anstachelt und spürbar erinnert, dass Er für mich und uns alle sorgt, mich liebt und voller Fürsorge sich um uns kümmert. 

Hätte ich diesen Ohrring damals nicht verloren, hätte ich nicht auch den Schmerz des Verlustes gespürt, so hätte ich nicht diesen überaus beglückenden Augenblick dort oben auf dem Dachboden inmitten von Wäschebergen erlebt. Dieses klare Reden Gottes in mein Herz hinein, diese Erinnerung an ihn und seine Hilfe und seine Gegenwart. Denn es war für mich ein Wunder, diesen Ohrring wieder zu haben. 

Er ist nun nicht mehr wirklich zum tragen zu gebrauchen, aber ich habe die Ohrringe jetzt an meinem Schreibtisch in Sichtweise hängen und sie erinnern mich nun jeden Tag wieder an dieses Geheimnis der Versorgung Gottes. 

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Der heilige Umgang mit Gott

Eine meiner großen Freuden ist es, antiquarische geistliche Bücher zu entdecken. Ich habe noch nicht viele. Aber vier Schätze nenne ich schon mein. Alle sind aus dem 19.Jahrhundert. Das älteste Buch stammt aus dem Jahr 1833. Was das für ein Buch ist, werde ich dir mal in einem gesonderten Beitrag erzählen.

Heute möchte ich dich mehr auf meine letzte Errungenschaft hinweisen. Ein Gebetbuch aus dem Jahr 1888 von Heinrich Heppe. Darin enthalten sind Morgen und Abendgebete. Die geistliche Tiefe und die Gründung in der Bibel begeistern mich jedes Mal neu. Leider kann ich dir zu diesem Buch keinen Link bei amazon beifügen. Ich habe hier mal einen Auszug aus dem Vorwort des Buches. Oh, wie wünsche ich mir solch einen Umgang mit Gott zu haben und wie sehr muss ich doch einsehen, dass mir ganz viel fehlt von diesem heiligen Umgang mit Gott.


Darum gebietet uns der Herr, dass wir beten sollen, in dem er spricht: "Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten und du sollst mich preisen". (Psalm 50,15) Darum ermahnt uns der Heiland auch: "Bittet so wird euch gegeben, sucht so werdet ihr finden, klopft an, so wird euch aufgetan." (Matth 7,7) "Bittet, so werdet ihr empfangen, auf dass eure Freude vollkommen sei."(Joh 16,24) "Und was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun." (Joh 14,13) Und auf das wir nimmer mehr befürchten möchten Gott werde um unserer Herzen Härtigkeit willen uns sein väterliches Herz verschließen, hält er uns daher das Gleichnis von dem ungerechten Richter vor (Lk 18,1-7), der sich nicht vor Gott fürchtete und sich vor keinem Menschen scheute. Den bat eine arme Witwe um Hilfe, er aber wollte lange nicht. Danach aber dachte er: weil mir diese Witwe so viele Mühe macht mit ihren Bitten, so will ich sie retten. Sollte darum Gott nicht auch retten seine Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen, und sollte er nicht Geduld darüber haben?

Das Gott wohlgefällige Gebet

Wie aber dass Gott wohlgefällige Gebet aus dem Herzen des Menschen hervorgehen soll, das deutet der Apostel mit den Worten an: "Betet ohne Unterlass." (1.Thess 5,17) Der Apostel meint mit diesen Worten nicht, dass wir äußerlich unsere Knie ohne Unterlass beugen und unsere Hände falten sollen. Er redet viel mehr von dem inwendigen und verborgenen Leben in Gott. Deine Seele, oh Christ, soll alle Wege ihres Glaubens an den Herrn leben, sie soll beharrlich leben im stillen heiligen Umgang mit ihm. Sie soll ihr Angesicht unverrückt von der Erde hinweg zu ihm kehren und so deinem ganzen Wandel in allen deinen Gedanken, Worten und Werken göttliche Heiligung verleihen. Wenn es so um deine Seele steht und deine Gebete aus dem stillen heiligen Umgang mit dem Herrn heraus geboren werden, dann bittest du ohne Unterlass.

Wie das Feuer, wenn es angezündet ist und hell und fröhlich brennt und die Funken von selber aus sich hervor sprühen lässt, so müssen die gläubigen Gebete aus dem Herzen von selber hervorgehen, als der freie, heilige Atemzug der Seele, die im Glauben nur für Gott und aus Gott lebt. Aber dieses Leben in Gott und die Tüchtigkeit zum wahren Gebet kann die Seele nur in Christus haben. Nur wer den Sohn hat, der hat den Vater und nur in dem Sohn sieht uns der Vater gnädig an. Wie der Herr selber spricht: "Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, wird er's euch geben." (Joh 16,23)

Darum musst du, oh Christ, dein ganzes Herz mit all seiner Lust und seinem Leid, mit all seinem Glauben und seiner Liebe und mit allem, was in dir ist ganz und ungeteilt an Christus hingeben, damit du in Wahrheit mit dem Apostel sagen kannst: "Ich lebe, doch nicht ich, sondern Christus lebt in mir." (Gal 2,20)

Dann erscheinst du vor des Vaters Angesicht in dem reinen Kleide seiner Gerechtigkeit und dein Gebet wird dann in Seinem Namen zu Gott hinaufdringen und erhört werden. Denn dann ist es nicht mehr dein Gebet, dein Rufen und Flehen, sondern es ist das Gebet des eingeborenen Sohnes zu Seinem und zu unserem Vater. Dann wirst du mit derselben frohen Zuversicht, mit der dir dein Heiland im Gebet vorangegangen ist, all dein Anliegen mit Flehen und Danksagung Gott darbringen. Du wirst aber auch jedes Gebet in derselben Selbstverleugnung auf Gottes Vater Herz niederlegen, mit der Christus sprach: "Doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe." Denn das ist das Geheimnis im Leben der Kinder Gottes, die mit Christus gestorben und auferstanden sind, dass sie Alles, was Ihnen fehlt, mit kühner Zuversicht von Gott erflehen, und doch nichts begehren, als dass Gottes Wille geschehe. 

Photo by Jon Tyson on Unsplash

Eine Zeit großer Zuneigung

Den folgenden Artikel hat Derek Gillete geschrieben. Er hat mich heute morgen so bewegt, dass ich ihn für dich übersetzt habe. Du kannst seinen Newsletter bei Substack abonnieren.


Hast du jemals darüber nachgedacht, wie Gott, der alles geschaffen hat, der nichts braucht, der für immer lebt, der sich nicht offenbaren, sich bekannt machen oder sich uns nähern musste - dass dieser Gott, der alles verlangen und fordern konnte, nur einen Befehl für uns hat - liebe mich.

Im 5.Buch erzählt Mose von jenem Tag der Annäherung an den Herrn, als sie „die Stimme aus der Dunkelheit hörten, während der Berg vor Feuer brannte“. (5:23)

Und an diesem Tag, an dem Gott seine Herrlichkeit und seine Größe offenbarte, als er um alles hätte bitten können, bat er vor allem darum:

„Du sollst den Herrn, deinen Gott, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Herzen lieben Deine Stärke." (6: 5)

Liebe mich mit allem, was ich dir gegeben habe.

Sind dies die Worte, die wir unseren Kindern im Laufe unseres Tages immer wieder wiederholen: "Liebe ihn, liebe ihn … liebe ihn."

Sind es die Worte, die sichtbar über den Türpfosten unserer Häuser hängen: "Mit all unserem Sein lieben wir ihn hier."

Haben diese Worte ein solches Zuhause in unserem Herzen gefunden, dass sie sich zu manifestieren beginnen und auf unseren Händen sichtbar werden, während wir arbeiten, und auf unserer Stirn, wenn wir in der Gegenwart anderer sind?

„Ich liebe ihn, mein Gott. Alles, was ich tue, tue ich für ihn. Alles, was ich habe, gehört ihm, und er ist so viel mehr wert als das. Frei gebe ich alles, weil er so schön ist. “

Die Art und Weise, wie wir lieben, wird natürlich sowohl in diesem Abschnitt - deinem ganzen Herzen, deiner Seele, deinem Verstand und deiner Kraft - als auch in der gesamten Schrift dargelegt, wie er lehrt: „Wer mich liebt, der hält meine Gebote.“ (Johannes 14:15)

Dennoch bleibt die Tatsache bestehen, dass es unsere Liebe ist, um die er vor allem bittet.

Hast du jemals darüber nachgedacht? Hast du jemals angehalten, um vor diesem Hintergrund über Gott nachzudenken? Wer ist dieser Gott? Wie ist er, dass er um unsere Liebe bitten würde?

Und nachdem wir über Ihn nachgedacht haben, lasst uns dann unsere Gedanken nach innen richten - Wissen wir, was es heißt, Liebeskummer für Ihn zu haben?

"Ich will mich doch aufmachen und die Stadt durchstreifen, in den Straßen und auf den Plätzen will ich ihn suchen, den meine Seele liebt!« …O laßt euch beschwören, ihr Töchter Jerusalems: wenn ihr antrefft meinen Geliebten, was sollt ihr ihm sagen? Daß krank ich bin vor Liebe!“ Hohelied Salomos 3,2; 5,8

Liebeskummer: Verliebt sein oder die Person vermissen, die man liebt, so sehr, dass man nicht in der Lage ist, normal zu handeln und sich auf seltsame und dumme Weise verhält.

Lasst uns nicht den Fehler machen - es kommen große Prüfungen. Tage der Not sind da und nähern sich. Vieles wird hinterfragt, herausgefordert und bekämpft. Wer aushalten will, muss sich vorbereiten. Doch wie sieht diese Vorbereitung aus?

Gute Lehre, Gemeindezucht, persönliche Reinheit und Hingabe, all diese Dinge, ja.

Aber auch eine andere. Eine, die wir nicht als oberflächlich abtun dürfen. Zuneigung.

Zuneigung wird unser Schutz sein, und daher müssen wir diese Art von Liebe genau kennen, sowohl beim Empfangen als auch beim Zurückgeben.

Es gibt keine Möglichkeit, die Trauer, die Klage zu ertragen, bis wir von dieser Liebe wissen. Es gibt keine Möglichkeit, die Hoffnung während des Wartens bewahren, bis wir von dieser Liebe erfahren.

Wir müssen uns dann fragen, haben wir Ihn schon als unseren Geliebten gekannt? Haben wir den gesucht und gefunden, den wir lieben? Haben wir ihn geliebt?

Jetzt ist die Zeit für große Zuneigung.

"Und jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die größte davon ist Liebe." 1. Korinther 13:13

Drei bleiben, eines ist der Größte - die Liebe.

Diese Art von Liebe, diese Zuneigung wird unser Schutz sein.


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Wenn du nicht geschminkt bist...

Gestern Abend war ich echt nahe der Tränen. Wir hatten Teamtreffen und danach ging ich ins Schlafzimmer um meine “Matzratzenwärmauflage“ (was für eine tolle Erfindung) anzuschalten, da lagen zwei DIN A5 Briefchen auf unseren Kissen. 

Da hat es unser großer echt geschafft, völlig ohne unser Wissen, Briefe zu schreiben und hat sie dann noch heimlich am Abend in unser Zimmer gelegt. Allein das hat mich schon echt berührt und bewegt. 

Fein säuberlich (denn das ist für unseren kleinen Perfektionisten sehr wichtig) mit gezogenen Zeilen, und Datum rechts oben, schrieb er einen Liebesbrief für seine Mama und einen für seinen Papa. 

Das macht er immer mal wieder, auch für andere im Team. Dabei zählt er auf, warum er eine Person gerne mag. Nun, bei mir startete er, dass er mir danke, dass ich immer die „eklige Wäsche“ wasche. Schön, wenn ein Kind das bemerkt…

Und dann schreibt er:

„Du bist die beste Frau der ganzen weiten weiten Welt. Und du bist die allerschönste Frau der ganzen Welt.“

Meine große Tochter erklärte mir dann später, dass ja jedes Kind seine Eltern am schönsten und tollsten findet. Nun, da hat sie recht und doch freut man sich natürlich, wenn der große Junge einem das schreibt.

Doch der letzte Satz, der bewegte mich am meisten.

„Du bist schöner wenn du nicht geschminkt bist, ich mag dich so wie du bist.

Ich glaube, damit wollte er nicht sagen, das meine Schminkkunst miserabel ist. 😉

Aber er mag mich so, wie ich bin. So findet er mich am schönsten. Wenn er sich morgens zu mir kuschelt und ich zerzauste Haare habe, mein Gesicht zerknittert ist und meine Augen noch voller Schlaf. Aber meine Arme offen, mein Bett warm und mein Herz bereit, auf ihn zu hören, ihn völlig wahrzunehmen. 

Es erinnert mich auch an die Liebe Gottes! Er liebt uns, wenn wir ungeschminkt sind. Wenn wir Fehler machen, wenn wir untreu sind und versagen, wenn wir alles andere als gut drauf sind. Er kennt uns durch und durch und vor ihm müssen wir uns nicht „schöner“ machen, als wir in seinen Augen sowieso schon sind. Oh, er liebt uns ungeschminkt und völlig nur unser ich, wie wir sind. Was für eine wundervolle Wahrheit!

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Wenn du Corona in Albanien hast

Wenn du in Düsseldorf ins Flugzeug steigst Richtung Tirana, dann bist du in guten zwei Stunden gelandet. Das ist doppelt mal so schnell, wie wenn ich von Dannys Eltern zu meinen fahre. Albanien liegt in Europa, es ist Deutschland geografisch so nah und doch so fern… 

Das spüre ich immer wieder besonders drastisch, wenn es um medizinische Versorgung geht. Nun bin ich über sieben Jahre hier und nichts versetzt mir immer noch einen größeren „Schock“, als der Gang ins Krankenhaus. Ich spreche von unserem hier und dem in der Nachbarstadt. Aber ich weiß aus sicheren Quellen, dass auch die staatlichen Krankenhäuser in Tirana keineswegs besser sind, im Gegenteil. 

Damit ihr es euch besser vorstellen könnt, beschreibe ich einen normalen Gang ins Krankenhaus. Da unsere geliebten Nachbarn von unten leider auch an Corona erkrankt sind, gehen sie nun schon seit 12 Tagen zweimal täglich ins Krankenhaus. Egal wie das Wetter ist, bei Eis und Kälte, Sturm und Wind. Seit wir wieder hier sind, fahren wir sie dorthin. Da es in den letzten Tagen sehr kalt war und auch etwas geschneit hatte, lag der ganze Vorplatz des Krankenhauses noch voller Schnee, Räumung Fehlanzeige. Die wenigen Stufen beim Eingang sind rutschig und gefährlich. Ich hake Rrushe fester ein. Etwas Salz würde dem Abhilfe schaffen. 

Es sind schon einige Leute da, obwohl wir schon recht früh dran sind. Es wird nicht getrennt zwischen Corona Patienten und Patienten mit anderen Problemen, man will ja keinen stigmatisieren oder bloßstellen. Schamkultur sage ich da bloß. Verstandesmäßig nicht einzuordnen. Dort holen die beiden ihre Patientenakte, auf der nur der Name und die verschriebenen Medikamente stehen. Sonst nichts.

Wir gehen zum Arzt ein Haus weiter. Vor der Tür bleiben wir stehen. Geschlossen. Einer der Wartenden ruft die an der Tür stehende Nummer an (völlig normal hier - warum im Zimmer auf Patienten warten, wenn man auch im Nachbarcafe einen Schnaps oder Kaffee trinken kann?)

Dann kommt der Arzt. Er begrüßt einen kaum. Hat seine normale Alltagskleidung an. Er wäscht sich nicht die Hände, geschweige denn desinfiziert er sie. Er fragt kurz aber sehr oberflächlich nach dem Befinden. Misst dann den Sauerstoff und hört die Lunge ab. Dabei ist Rrushe extrem vornübergebeugt, wo ich mich frage, wie man da ordentlich eine Lunge hören will. Jaja, das ist eine schlimme Krankheit und auf die üblichen Medikamente kommen noch mal welche drauf, des Fiebers wegen. In keinster Weise wird erklärt, was verschrieben wird und warum. Der Arzt weiß Bescheid, man glaubt ihm alles und nimmt alles. Es geht ja um die Gesundheit. 

Am Ende nimmt der Arzt auch mich wahr. Ich bin die Frau von Danny. Ach Danny, der ist mein Freund. Ein guter Mann. Komm, ich untersuche dich auch. Ach nein, ich bin doch wieder völlig gesund. Aber doch, es muss sein. Damit zeigt er mir seinen Respekt. Mein Sauerstoffgehalt, sehr gut. Mein Puls etwas hoch. Daher noch Blutdruck messen. Und dann Pulli etwas hoch machen zum Lunge hören. Naja, etwas unangenehm war es schon… aber Respekt. Ich frage mich, wer wem Respekt gezeigt hat…

So nehmen wir die neue Liste an Medikamenten mit und laufen vorsichtig zu der nahegelegenen Apotheke, in der sie in den letzten Tagen schon 500 € gelassen hatten. Man holt also die Medikamente und geht wieder ins Krankenhaus zurück. In einem der kleinen, ziemlich unsauberen Räumen, deren Fenster mit Farbe zugekleistert sind, die Betten mit Wolldecken bedeckt und die Infusionsständer sehr verrostet und alt aussehen. Auf dem Boden steht eine Plastikschüssel, in der alle alten Nadeln und Spritzen geworfen werden. Ein Infusionsschlauch liegt daneben, mit Blutspuren.

Dort liegen und sitzen sie dann und lassen die ganze Palette an Medikamenten in ihren Körper fließen. Gift ist das, sagen sie und ahnen wohl, dass all das seine Nebenwirkungen mit sich bringt. Naja, morgen gehen wir in die Nachbarstadt, um die Niere auf Schädigungen zu prüfen. 

Nach ca einer Dreiviertelstunde gehen wir dann wieder, nur um am Abend wieder zu kommen, und am nächsten morgen wieder usw. 

Es tut mir im Herzen weh, wenn ich all das sehe und erlebe. Klar, es ist das, was sie kennen und vielleicht erleben die älteren all das schon als Fortschritt im Vergleich zur Zeit des Kommunismus. Dennoch, meine deutsche Sicht auf all das ist bestürzt, teilweise fassungslos. Da ich die Arbeit im Krankenhaus kenne und selbst drei Jahre da gearbeitet habe, fallen mir sicher die vielen Mängel allein in der Hygiene (die bei Corona ja nicht unwichtig ist…) auf. Dabei rede ich nicht von unserem teilweise vielleicht auch etwas überzogenen Hygienefimmel, sondern von elementaren Dingen wie Händewaschen.

Menschen sterben hier definitiv schneller. Dennoch wundere ich mich manchmal, dass nicht noch mehr sterben. Dies soll keine Anklage sein, ich möchte auch nicht schlecht über unsere albanischen Freunde schreiben. Aber das ist die Lebensrealität der Menschen hier und vielleicht stimmt es uns mal wieder dankbar für unsere gute deutsche medizinische Versorgung und Absicherung.

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10 Bücher, die jeder Christ gelesen haben sollte

Ich weiß, das ist so eine Sache, mit dieser Art von Artikeln. Jeder hat so seine eigenen Überzeugungen über gute christliche Bücher.

Aber lass mich dies voranstellen: Diese Liste entspringt meiner demütigen Meinung und muss nicht deine sein. Natürlich gibt es immer was zu meckern an solchen Listen. Aber geh einfach offen da dran und vielleicht ist ja das eine oder andere Buch darunter, dass du noch nicht gelesen hast und das dir zum Segen sein kann.

Gott erkennen - J.I.Packer

James I. Packers Buch 'Gott erkennen' wurde in den vergangenen Jahrzehnten zu einem Klassiker des christlichen Glaubens.
Der Grund dafür liegt ganz sicher darin, dass dieses Buch uns eine Fülle von Informationen über Gott und Sein Wesen vermittelt - und das mit großer Klarheit und Tiefe. Aber es vollbringt noch viel mehr: Es hilft uns dabei, Gott wirklich zu erkennen, indem es unsere Beziehung zu Ihm fördert, indem es uns in Liebe und Anbetung Ihm näher bringt.

Sehnsucht nach Gott - John Piper

Dieses Buch hat mich sehr geprägt, denn darin entfaltet John Piper einen Gedanken, der unglaublich revolutionär ist. Als Christen sollen wir christliche Genießer werden. Das heißt, wir sollen unsere Freude in Gott finden und indem wir dies tun, bringen wir Gott die größte Ehre. Anhand von verschiedensten Themen beschreibt Piper, was es bedeutet, seine Freude in Gott zu finden, ob im Leid oder im Gebet oder beim Bibel lesen.

Die Heiligkeit Gottes - R.C. Sproul

Die Heiligkeit gehört zu den vernachlässigten Wesenszügen Gottes. Heute wird viel von seiner Liebe gesprochen, aber seine Heiligkeit findet nur selten unsere Aufmerksamkeit.
In diesem Werk zeigt Sproul, warum Menschen zu dem heiligen Gott hingezogen werden und dabei gleichzeitig bis ins Innerste vor ihm erschrecken. Biblische Zusammenhänge und verschiedene geschichtliche Ereignisse sollen dem Leser helfen, ein unvoreingenommenes, biblisch ausgewogenes Verständnis von Gerechtigkeit, Sünde und Gnade zu entwickeln. Sie zeigen außerdem, welche Auswirkungen daraus für das tägliche Glaubensleben erwachsen.

Heilig - J.C. Ryle

Der Autor J.C. Ryle spricht in aller Klarheit darüber, dass praktische Heiligkeit und ganze Selbsthingabe an Gott von modernen Christen nicht mehr genügend gelebt werden. Das Thema persönlicher Gottesfurcht ist heutzutage kaum ein Thema mehr. Der christliche Lebensstil ist in vielen Bereichen auf einem niedrigen Niveau und die Wichtigkeit, Gottes Lehre durch unsere täglichen Gewohnheiten Ehre zu machen ist in Vergessenheit geraten. Dieses Buch bietet dir ganz neue Denkanstöße zum Thema geheiligtes Leben.

Gottes Nähe suchen - A.W.Tozer

Viele Menschen hetzen durch den Tag - von Unruhe getrieben. Auch die meisten Christen haben das als etwas Normales akzeptiert. Doch muss man sich damit abfinden? Tozer hat mitten im Alltagsstress ein
Geheimnis entdeckt: den inneren Frieden mit Gott. Rechtgläubigkeit reicht nicht aus, um Gottes Nähe zu erleben. In klarer Sprache und mit vielen Beispielen zeigt Tozer den Weg zu echtem Frieden

Die Herrlichkeit Christi - John Owen

John Owen gehört zu den herausragenden Puritanern. Dieses Buch über Jesus schreib er kurz vor seinem Tod. Es ist sozusagen sein Vermächtnis. Darin entfaltet er eine herrliche Schau auf Christus. Und immer wieder kommt man in den Buch an Punkt, dass man denkt, dass der Autor sein Thema jetzt hinreichend ausgeführt hat, da überrascht er dich mit neuen Einsichten. Möchtest du in deiner Liebe zu Jesus wachsen, dann lies dieses Buch.

Pardon ich bin Christ - C.S. Lewis

Dieses Buch ist seit der deutschen Herausgabe vor 40 Jahren zu einem Klassiker zum Thema „Argumente für den Glauben“ geworden. Höchst logisch und mit kraftvoller Bildhaftigkeit begegnet der „Narnia“-Erfinder Lewis dem Vorurteil, man müsse den Verstand über Bord werfen, um heute noch Christ zu sein. Manche der Überzeugungen von Lewis teile ich nicht, doch gewisse Ausführungen in dem Buch sind großartig geschrieben.

Im Schatten des Allmächtigen - Elisabeth Eliott

Jim Elliot ging einen außergewöhnlichen Weg: Als junger Missionar zieht er furchtlos nach Südamerika - entschlossen, sich ganz Gott hinzugeben. Zielstrebig folgt er seiner Berufung, den Auca-Indianern die rettende Botschaft von Jesus Christus weiterzugeben, bis sein junges Leben 1956 in den Regenwäldern Ecuadors grauenvoll endet. Doch Jims Glaubenszeugnis lebt weiter. In diesem Buch hat seine Frau Elisabeth seine Tagebucheinträge zusammengestellt und kommentiert. Sein Weg inspiriert und fordert heraus, die eigenen Lebensziele und -inhalte neu zu überprüfen.

Keine Kompromisse - David Platt

In Keine Kompromisse fordert David Platt dich heraus, ganz offen darüber nachzudenken, wie wir das Evangelium unseren kulturellen Vorlieben angepasst haben. Er zeigt, was Jesus tatsächlich über Nachfolge lehrte - und lädt dich dann ein, dem Gehörten zu glauben und zu gehorchen. Dazu erzählt er die packende Geschichte einer "erfolgreichen" Vorstadtgemeinde, die sich entscheidet, das Evangelium Jesu ernst zu nehmen.

Zum Schluss fordert er dich heraus, an einem radikalen Experiment teilzunehmen - einer einjährigen Reise als echter Jünger, die dein Leben in dieser Welt grundlegend verändern wird - einer Welt, die verzweifelt die Gute Nachricht von Jesus braucht.

Gemeinsames Leben - Dietrich Bonhoeffer

In diesem Buch beschreibt Bonhoeffer das gemeinsame geistliche Leben von Christen. Zur Zeit der Abfassung war er auf dem Filkenwalder Predigerseminar. Deshalb kommt einem manches erst mal fremd vor. Aber viele der Gedanken lassen sich problemlos übertragen auf das gemeinsame Leben in der Gemeinde, im Hauskreis oder auch in der Familie. Für Bonhoeffer steht die Gemeinschaft mit Christen als auch die Gemeinschaft des Einzelnen mit Gott im Fokus. Die Kapitel sind: Gemeinschaft, Der gemeinsame Tag, Der einsame Tag, Der Dienst und Beichte und Abendmahl.

Dieses Buch würde sich auch gut eignen, um es mit einem Hauskreis zu lesen.


Welche Bücher gehören für dich auf die Liste der Pflichtlektüren?

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