Letzte Wochen in Albanien

Es ist fünf Uhr morgens. Ich kann nicht mehr schlafen. Heute ist der 1.Juni  und damit hat unser letzter Monat in Krume begonnen. Schon wenn ich das schreibe könnte ich heulen. 

Wie so oft in den letzten Wochen und Monaten kreisen meine verschlafenen Gedanken zu so früher Stunde nur um das eine: wir gehen von hier weg. Bald wird Krume ein Kapitel unseres Lebens sein, das abgeschlossen ist, ein ganz neues tut sich auf, in Deutschland. Diese Gedanken sind begleitet von vielen unterschiedlichen Gefühlen, aber doch hauptsächlich mit einer großen Trauer und einem großen Schmerz. Fast acht Jahre leben wir nun hier und unser Leben, unser ganzes Sein ist sehr eng verwoben mit dem Leben und den Menschen hier.

Wir haben unseren Dienst mit Freude und Hingabe getan, die Schwierigkeiten und Herausforderungen, die wir gerade am Anfang und am Ende unserer Zeit hier hatten, all das hat uns nur noch enger mit diesem Ort verbunden. Unseren jetzigen vertrauten Umgang mit dem Leben hier, den haben wir uns erkämpft. Und so wie eine Ehe durch erfolgreich durchlebte Stürme stärker wird, so auch unsere Verbindung zu hier. 

Da ist die Traurigkeit. Mir sagte jemand, dieser Prozess ist zu vergleichen mit dem Verlust eines geliebten Menschen. Es ist ein bewusstes loslassen gefragt und ein immer wieder voller Vertrauen sich an Gott hängen. Ängste, die hochkommen, zu Gott bringen. Schmerz, der manchmal sehr heftig sein kann, spüren und loslassen. Es stirbt niemand wirklich, aber es scheint, als ob etwas in einem stirbt. Etwas, das man festhalten will, und je fester man es hält, desto schneller rinnt es einem zwischen den Fingern hindurch, wie Sand am Meer. Es ist unaufhaltsam. 

Ich weiß, dass es so richtig ist. Aber diese rationalen Gedanken verlieren meist gegenüber den starken Gefühlen der Trauer. 

Ja, natürlich freut man sich auch wieder auf einiges in Deutschland, aber um ehrlich zu sein, ist das im Moment sehr in Hintergrund. Als Danny in Deutschland war und im Haus gearbeitet hat, sprach ich per Video mit ihm und ein alter Freund fragte dazwischen voll Enthusiasmus: “Und freust du dich schon auf euer neues Haus?“ Ehrlich gesagt hat mich dieses Frage völlig überrumpelt und ich konnte gar nichts antworten. 

Es ist nicht, dass ich mich nicht freue und dankbar dafür bin. Aber im Moment bin ich noch so eingenommen von allem hier, dass es mir schwer fällt, mich schon auf das kommende richtig vorzubereiten. (Mein Mann ist da anders und das ist im Moment auch sehr gut so, wenn auch teilweise herausfordernd, wenn es darum geht, sich gegenseitig zu verstehen.)

Ich habe seit einigen Tagen begonnen, ein gutes Buch zum Thema „Re-Entry“ zu lesen. Re-Entry ist das englische Fachwort für das Zurückkehren eines Missionars vom Missionsfeld. Ich habe schon viel darüber gehört und auch gelesen, habe Erfahrungsberichte erzählt bekommen und selbst schon mal einen erlebt, als ich nach einem Jahr Haiti zurück nach Deutschland kam. Es ist etwas, das ich fürchte. Etwas, vor dem ich Respekt habe. Nicht nur wir Erwachsenen machen das durch, sondern auch unsere Kinder. Und jedes auf seine Art und Weise. 

Man kommt in seine Heimat zurück und fühlt sich fremd. Orientierungslos. Allein. Einsam. Unverstanden. Da ist man doch zurück bei Familie und Freunden, aber man fühlt sich nicht mehr dazugehörig, irgendwie wie von einem anderen Stern. Die tief eingeprägte Vergangenheit, all die Jahre in der fremden Kultur, sie haben mich verändert, haben mein Innerstes umgeformt und das sieht man von außen nicht aber das ist es, was mich ausmacht. 

Oft ist der Schock, den man dann erlebt, wenn man in seine Heimat zurückgekehrt größer als der, den man immer so fürchtet, wenn man ausreist. 

Ja, es sind die letzten Wochen hier. Bald wird diese Phase meines Lebens zu Ende gehen. Wie tröstlich sind für mich die Worte aus besagtem Buch:

„Wenn es Gottes Wille für dich ist zu gehen, dann musst du dein Vertrauen in ihn setzen. Gott wird sich um das kümmern, was nicht in deiner Hand liegt. Er will, dass dein ganzes Vertrauen in ihm liegt!“ (Peter Jordan, „Re-Entry“)

Und dieses Wissen aus Psalm 94,18-19 ist mir sehr kostbar:

„Wenn ich sagte: Mein Fuß wankt! (So fühlt sich das oftmals an im Moment…)
So unterstützte mich deine Gnade, Herr.
Als viele unruhige Gedanken in mir waren,
Beglückten (liebkosten)
Deine Tröstungen meine Seele.“

Gott ist treu und er wird mir auch in dieser herausfordernden Phase meines Lebens helfen!

Fünf Gründe warum Albanien dein nächstes Urlaubsziel sein sollte

Suchst du noch einen Urlaubsort wo du entspannt mit deiner Familie oder mit deinen Freunden hinreisen kannst? Dann will ich dir von Albanien erzählen.

Seit einigen Tagen ist Albanien von der Liste der Riskioländer gestrichen worden. Die Corona-Situation in Albanien hat sich sehr entspannt, obwohl das Land nur leichte Maßnahmen zur Corona-Bekämpfung vorgenommen hatte. In unserem Ort Krume merkte man seit letzten Sommer kaum noch etwas von irgendwelchen Maßnahmen.

Als wir Anfang Mai eine Rundreise durch Albanien machten, da konnten wir mit eigenen Augen sehen, wie frei das Land ist. Menschen trafen sich in Restaurants und genoßen den aufkommenden Frühling. Immer wieder trafen wir auch Menschen aus Deutschland, die vor den Corona-Maßnahmen in Deutschland geflohen sind. Zum Glück hat sich mittlerweile die Lage auch in Deutschland wieder entspannt, zumindest was die Zahlen angeht.

In den folgenden Punkten möchte ich dir aufzählen warum du Albanien unbedingt in Betracht ziehen solltest, wenn du dich fragst wohin es gehen soll in diesem Sommer.

1. Albanien ist ein schönes Land.

Das ist natürlich der wichtigste Grund von allen. Albanien hat schöne Strände und auch schöne Gebirge und historische Stätten. Du kannst dich an einem der vielen Strände entspannen, oder in den Bergen wandern gehen oder alte Städte besuchen. Es ist für jeden Urlaubstypen etwas dabei.

2. Der Urlaub ist kostengünstig.

Für ziemlich wenig Geld kannst du hier übernachten und in Restaurants sehr gut Essen gehen.

3. Die Menschen sind freundlich.

Überall wo du hinkommst triffst du auf freundliche Menschen. Das ist nicht nur unsere Meinung, weil wir die Menschen lieben, sondern das haben uns auch schon andere Urlauber bescheinigt. Hier brauchst du auch keine Angst haben, dass man dein Auto aufbricht oder dich beraubt.

4. Das Wetter ist verlässlich.

Wenn du nach Albanien kommst wirst du auf jeden Fall Sonne tanken können. Vor allem im Süden ist es immer ziemlich warm. Falls du also sicher gehen willst, dass du genügend Sonne abbekommst, dann komm nach Albanien.

Und der letzte Grund, der mit Corona zu tun hat ist:

5. Du brauchst keinen negativen Test oder eine Impfung.

Als ich vor einigen Tagen aus Deutschland nach Albanien zurückflog, da konnte ich dieses Vorrecht genießen. Ich musste nicht erst einen teuren PCR-Test machen, sondern ich konnte einfach einreisen. Niemand fragt nach einer Impfung, oder ob du schon Genesen bist.

Und wie ich oben schon sagte kannst du hier ganz entspannt und ohne Maskenpflicht einkaufen, Essen gehen und insgesamt deine Reise genießen.

Unten findest du noch ein paar Eindrücke von unserer Albanienreise Anfang Mai.

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Die Schönheit im Mangel

Ich würde nicht sagen, dass wir wirklich Mangel leiden. In den acht Jahren hier in Krume hatten wir immer alles, was wir brauchten. Und in den letzten Jahren hat auch das Sortiment an Lebensmitteln enorm zugenommen. Jetzt bekomme ich hier sogar Balsamico Essig und (fast deutsche) Butter und noch vieles mehr. 

Dennoch, wenn man es mit dem vergleicht, was man in Deutschland an jeder Ecke bekommt, ist es nicht viel. Und klar vermisst man hier und da guten Käse, leckere Wurst usw. Bei dem Gedanken, bald wieder in Deutschland, im Land des Überflusses, zu leben und alle geliebten Produkte zur Verfügung zu haben, wann immer ich will, da ist zum einen natürlich Vorfreude. Aber immer mehr merke ich, dass dieser „Mangel“ an gewissen Dingen auch dazu geführt hat, dass ich vieles viel mehr schätze und intensiver genieße. Und das hat mein Leben sehr reich gemacht. Und mit Freude erfüllt. Und besonders gemacht. 

Zum Beispiel haben wir in Tirana den Rossmann. Dorthin kommen wir sehr selten. Daher ist jeder Besuch bei Rossmann eine kleine Attraktion, eine große Freude, ein Event. Bald werde ich diesen Laden 5 Minuten entfernt von meinem Haus haben. Ich werde mehrmals im Monat dort hingehen. Das besondere wird er schnell verloren haben. Ein Event wird es sicher bald nicht mehr sein und mein Herz wird sich nicht mit kindlicher Vorfreude füllen, bei dem Gedanken, dort einzukaufen, oder einfach auch nur durchzuschlendern.

Manchmal bekamen wir Pakete mit besonderen Sachen, zum Beispiel einem guten Käse. Wie habe ich diesen dann gehegt und gepflegt, langsam geöffnet und in kleinen Happen genossen. So was besonderes. Und wenn er weg war, war er weg und ich wusste, dass ich nicht zum Rewe gehen und einen neuen kaufen kann. Der Rewe wird bald ebenfalls 5 Minuten entfernt sein von meinem neuen Zuhause. 

Die Schönheit des Mangels wird so schnell nicht mehr da sein. Natürlich werden wir sicher den Luxus immer anders schätzen als andere, die nie in einem ärmeren Land gelebt haben. Dennoch wird diese Art des Lebens, wie wir es hier hatten, in Deutschland nicht mehr möglich sein, schlicht und einfach, weil ja alles da ist. 

Wenn ich über unser Leben und so manche Einschränkungen, die damit verbunden sind und waren nachdenke, dann erfüllt mich eine Dankbarkeit. Ich sehe die Schönheit, die mit Mangel einhergeht, die Vorfreude und Freude über einfaches, in Deutschland völlig normales. Das hat mein Leben so reich gemacht und meine Seele gesättigt, anstatt meinen Körper. 

Ich möchte auch in Deutschland nie vergessen, das alles nicht selbstverständlich ist. Will mich erinnern, welchen Zauber der Rossmann ausgeübt hat in einem fremden Land. Welche Freude ein einfaches Stück Gouda und eine Leberwurst bedeudeten. Die unbändige Begeisterung, als hier eine kurze Zeit Tiefkühl Apfelstrudel zu finden war oder Magnum Eis in der Truhe lag. Uns geht und ging es so gut hier! Und nicht alles zu haben, was wir gewöhnt waren, hat dazu beigetragen, dass unsere Herzen noch froher und dankbarer wurden. Und darin liegt die Schönheit im Mangel. 

Über das harte Leben mancher Frauen in Albanien

Ich bin eine Frau. Daher sehe ich das Leben hier aus den Augen einer Frau und ich fühle mit dem Herzen einer Frau. Und ich liebe die Frauen hier und es macht mir viel Freude, ihnen das zu zeigen. Schon öfter habe ich hier Geschichten von Frauen erzählt. Von Freundinnen oder flüchtigen Bekannten. Und schon oft habe ich geschrieben, dass ich großen Respekt habe vor ihnen. Wo ich am Anfang immer mal dachte: „Jetzt lass dir doch nicht alles gefallen. Steh doch mal auf für dein Recht!“ - da denke ich jetzt viel öfter: „Was für eine starke Frau das ist. Was sie nicht alles erlitten hat und noch erduldet.“ Damit meine ich nicht unbedingt, dass ich es immer gut und richtig finde, wenn Frauen hier alles möglich hinnehmen. (Zum Beispiel dass der Mann sie schlägt, oder die Kinder, oder dass sie ihn völlig besoffen auf der Straße aufsammelt oder dass der Mann, der im Ausland lebt eben dort eine weitere Frau und Kinder hat…)

Ich will oft aufstehen und vor lauter Ungerechtigkeit laut aufschreien, will diesen Männern mal gewaltig die Meinung sagen, will den Frauen helfen, ihren schlimmen Lebensumständen zu entfliehen… doch die nackte, grausame und ungeschönte Wahrheit ist: Man kann sehr wenig machen!

So traf ich letzte Woche eine junge attraktive Frau, die Schwester meiner Nachbarin. Sie hat zwei Söhne lebt in der Hauptstadt. Von meiner Freundin hatte ich schon gehört, dass sie gewaltige Eheprobleme hat und sich trennen will. Das ist schon ein grober Schritt für eine albanische Frau und ist nur dann möglich, wenn sie Unterstützung von seitens ihrer Familie hat. Ansonsten kann eine Frau (jedenfalls in unserem Kontext) nicht viel machen. Ich nahm mir Zeit für sie und wir fuhren in ein nettes Café etwas außerhalb der Stadt um in Ruhe reden zu können. 

Nach anfänglichen seichteren Themen erzählte sie mir von ihrer Ehe. Ihr Mann lebt in England. Er hat kaum Interesse an ihr und den beiden Söhnen. Natürlich hat auch er eine andere Frau oder Geliebte in England (ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es einem als Frau da gehen muss…). Er beschimpft sie oft. Wenn er da ist, schlägt er sie, auf vor den Kindern. Er überwacht sie eifersüchtig, weiß über seine Familie (bei der sie wohnt) immer Bescheid, wo sie ist. Er teilt in keinster Weise sein Leben mit ihr, erzählt ihr nichts, was er tut, ob er was verdient. Das ist alles seine Sache und geht sie nichts an. Geld sieht sie nicht. Ihr Handy wird von ihm kontrolliert (wie sehr oft von den Männern hier…)

Ich bin sehr traurig, diese Dinge zu hören. Sie hat Tränen in den Augen und fragt mich, was sie denn machen soll. Sie ist zu ihrer Familie gezogen, allerdings ist das auch keine bleibende Lösung. Sie hat sich sogar eine Anwältin genommen, allerdings hat sie Angst, dass diese von ihrem eifersüchtigen Mann und dessen Anwalt eingeschüchtert oder/und bestochen wurde. (Nicht zu wissen, dass der Anwalt, den man bezahlt, auch wirklich für mein recht und gutes Eintritt, das ist schon echt beschissen - aber leider traurige Realität in Albanien.)

Nun will sie von mir wissen, was ich denke, will wissen, ob es ok war, zu gehen. 

Ihre Oma und Tante meinen, sie solle zurück gehen. Das muss man aushalten. (Da ältere Frauen oft selbst sehr viel erlitten und erduldet haben, scheint es mir oft so, als ob es auch nur diesen Weg gibt für sie. Wenn wir das erleiden konnten, dann könnt ihr das auch. - so klingt das jedenfalls oft in meinen Ohren und diese Frauen wirken auf mich sehr erbarmungslos. Haben aber eben auch oft ihre ganz eigene Leidensgeschichte und wurden vom Leben hart gemacht.)

Sie sagen, sie könne doch nicht zulassen, dass die Jungs „auf der großen Straße“ aufwachsen, d.h. ohne festen familären Rahmen, der sie in ihre Grenzen weist. 

Ich sage ihr meine Meinung dazu. Wie ich es auch aus der Bibel verstehe.

Ich weine mit ihr und ich bete für sie. Mehr kann ich nicht tun. 

Am nächsten Tag gebe ich ihr noch eine Karte mit ein paar persönlichen Worten und einem Psalmgebet mit auf den Weg. Und lege diese kostbare, von Gott geliebte Frau in seine Hand. Er wird für ihr Recht sorgen. Er wird eines Tages alles zum Recht bringen. Wird Ungerechtigkeit ausrotten. 

Mein Gebet ist es, dass sie wirklich erlebt, dass Jesus sie liebt, dass sie wertvoll ist, ganz gleich, wie ihr Mann sie behandelt, dass ihr Wert in Gottes Augen liegt, nicht in denen der Welt. Dass er gute Pläne hat mit ihr. 

Das sind meine Gebete für alle Frauen hier und auf der ganzen Welt, die unter solch harten Umständen leben müssen. Ich habe hier hautnah soviel erlebt an Not und Ungerechtigkeit im Leben von Frauen. Aber Gott sieht es auch! Und das beruhigt mich innerlich sehr, dass ich das weiß! 

Bin ich bereit?

Hier sitze ich. Bin ganz da in diesem heiligen Moment. 

Ein Vogel gibt sein Konzert auf einem nahen Baum. Um mich grünt und blüht es. Löwenzahn in seiner gelben Pracht. Bietet sich bereitwillig den eifrigen, pollenbeladenen Bienen dar. Geöffnet steht er da, leuchtend und einladend.

Daneben stehen schon andere, verblüht, jetzt bereit sich völlig dazugeben. 

Ready to be offered. 

Wie wunderschön sie aussehen, leuchtend weiß jetzt, zart und verletzlich die einzelnen Samen mit ihren Schirmen, die sie bald hinweg tragen werden an ihren Bestimmungsort. Warm scheint die Sonne durch sie, macht sie noch so viel schöner. All das Licht, dass sie durchlassen…

Sie sind bereit, sind bereit, loszulassen. Bereit, kahl dazustehen. Ihr ganzes Leben herzugeben. Das eigene Leben aufzugeben, um sich zu multiplizieren. 

Ich liebe diese Blumen, liebe ihren Lauf, ihr Werden, ihr Hingeben.

Bin ich bereit, zu geben, loszulassen, fliegen zu lassen, dem Wind Raum zu geben, wohin er auch trägt? Dem Geist zu erlauben, zuzulassen zu wehen, wo er will?

Und ich sehe die Bienen. Sie fliegen hin und her und scheinen ohne große Absicht und doch hinterlassen sie überall „Leben-Leben-Leben“. Das ist es, denke ich. Das will ich das mein Leben tut. Das will ich hinterlassen, wo auch immer ich bin, mit wem ich auch immer zusammentreffe. Will Leben-Leben-Leben zurücklassen. Durch Gottes Geist und seinem Wirken in Menschen hier und da dieses Leben wecken. Welche Frucht dabei entsteht ist dabei Gottes Sache. 

Das Sein in der Natur schafft in mir so eine tiefe innere Ruhe, ihr Klang, ihre Schönheit, Teil davon zu sein…

Der Löwenzahn wächst überall. Und Gott schenkt auch mir diese Fähigkeit.

Die Biene arbeitet unermüdlich überall. Und Gott schenkt auch mir diese Gnade.

Wie machst du dein Bett?

Was ist das für ein komischer Titel für einen Artikel? Vielleicht fragst du dich das. 

Vielleicht machst du dein Bett gar nicht, oder schnell schnell, oder mit viel Liebe und Sorgfalt. Vielleicht machst du es gerne oder total ungern oder eben auch gar nicht. 

Ich möchte euch hier kurz erzählen, wie ich seit einigen Wochen mein Bett mache. Da unser Bett im Wohn- und Arbeitszimmer steht ist es für mich wichtig, dass es gemacht ist. Dort verbringen nicht nur wir unsere Zeit, sondern auch unsere Kinder zum Spielen, Film anschauen und auch immer wieder unsere Teammitglieder, z.B. am Sonntag zum Gottesdienst feiern via Internet. Nun, unser Schlafzimmer ist hier alles andere als das heilige „hier darf keiner rein“ Zimmer. 😉 

Doch wie mache ich nun mein Bett? Damit meine ich nicht, wie ich die Decken ausschüttel, die Kissen zurechtrücke und die schöne Tagesdecke drüber lege. 

Ich meine vielmehr: mit welchem Herzen mache ich es…

Das Bett machen ist eine extrem alltägliche Sache. Jeden Morgen denke ich: Wow, schon wieder ein Tag vorbei. Wie schnell die Zeit rast. 

Doch seit ich ein Lied lieben gelernt habe, ist das morgendliche Bettmachen eine Freude für mich geworden. In dem Lied „Time“ von John Lucas (unbedingt anhören) heißt es im Refrain:

And I don’t know the end and tomorrow’s story

But I have found the one who gives me rest

And I will make my bed in his promises

For he holds true when nothing’s left.

(Nicht ganz einfach zu übersetzen, ich hab es mal sinngemäß versucht:

Und ich kenne weder das Ende noch die Geschichte von morgen

Aber ich habe den gefunden, der mir Ruhe gibt

Und ich werde mein Bett in seinen Verheißungen machen

Weil er sich als wahrhaftig zeigt, wenn nichts mehr übrig bleibt.

Ich mache mein Bett in seinen Verheißungen. Vielleicht meint es auch: Ich ruhe mich aus in seinen Verheißungen oder: ich lege mich in seine Verheißungen, kuschel mich darin ein, lege mich in ihnen schlafen.

Doch für mich heißt es das, aber auch das ganz praktisch:

Jedem Morgen, wenn ich diese ziemlich eintönige Arbeit mache, aus der Unordnung wieder ein glatt gestrichenes Bett, dann denke ich an Gott und seine Verheißungen. Wenn mir der Gedanke kommt: oh nein, wie schnell nur die Zeit vergeht, habe doch grad vor einer Minute erst das Bett gemacht, dann denke ich an Gott und seine Verheißungen. Dann denke ich daran, dass bei allem, was ich nicht weiß, ich wissen darf: ich kenne den, der mir in allen Stürmen Ruhe gibt. Der mir versprochen hat, mich festzuhalten, mich zu führen, mich zu versorgen, mich bis zum Ende durchzubringen. Ach, so viele Verheißungen. Mit ihnen in meinen Gedanken mache ich mein Bett am Morgen und es kommt mir vor, wie eine Anbetungszeit. 

Probiere es doch auch mal aus! 

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Was auch kommen mag

Es ist kurz vor 6 Uhr morgens. Ich liege im Bett. Neben mir schlafen noch mein ältester und mein jüngster Mann. Ich habe nicht rechtzeitig meine Augen wieder geschlossen, nicht schnell genug meiner Gedankenwelt Einhalt geboten, diesen nicht enden wollenden Gedanken, die wie ein Film in meinem Kopf vor mir vorbeiziehen. Habe nicht schnell genug stop gesagt. Stattdessen den Start Button gedrückt, zwar nicht wirklich willentlich, aber wann fragen Gedanken schon, ob sie willkommen sind…

So liege ich da. Und ich denke mal wieder an unseren Abschied hier. Ich denke daran, wie es sein wird, in Deutschland zu sein, ohne Ticket zurück nach Albanien. Wie es sein wird, diese Wohnung leer zu sehen, die doch jetzt noch bis in den letzten Winkel so voller Leben und Uns steckt. So viele Erinnerungen kommen in mir hoch, so viele schöne Momente. Die schweren, die sind in den letzten Monaten eher in den Hintergrund getreten und mein Leben hier erscheint mir im Moment so gut. Das macht es meinem Herzen natürlich viel schwerer. 

Ich sehe den großen Maulbeerbaum vom Fenster aus. Ich lausche den vertrauten Geräuschen des Windes, dem Rattern der Regenrinne. Ich denke an den Frühling, ich denke an meine beiden lieben Freundinnen direkt in der Nachbarschaft. Dieses Leben miteinander. Diese Zeit, in der wir unsere Kinder gemeinsam großgezogen haben (oder noch dabei sind). Ich denke an das Team, an all die lustigen Fahrten in den Kosovo (die im Moment nicht möglich sind), wenn uns in Krume mal wieder die Decke auf den Kopf gefallen ist. Wie viel Spaß hatten wir. Wie kostbar sind und waren mir meine Teamkolleginnen. Ohne sie hätte ich es sicher nicht lange hier ausgehalten…

Ja, unser Leben hier. Es war und ist so voller Einfachheit, voller Leben und Menschlichkeit. Und ich liebe mein Leben hier. Genau so wollte ich leben im Ausland. Einfach mit den Menschen. Einfach ihnen im Alltäglichen Jesus bringen. Ihn vorleben. Liebe und Anteilnahme und Wertschätzung und Vertrauen geben. 

Ich schaue durch den Spalt der Gardine. Es wird schon hell. Ich bin hellwach. Noch vor Henry. Das ist eine Seltenheit. Dieser kleine Junge liegt neben mir. Dieses wunderschöne Gesicht. Wie viel Freude und Lebenskraft er schon unseren alten Nachbarn geschenkt hat. Ich sehe ihn zwischen ihnen laufen, vom Feld kommend, strahlend in seinen bunten Gummistiefeln. 

Mein Herz ist schwer. Bei manchen Erinnerungen schnürt es sich zusammen. All das soll bald vorbei sein. Mein albanisches Leben vorbei. Mein geliebtes Leben in der Außenmission, erstmal vorbei.

Wie wird es werden, wenn wir zurück sind? Wie wird es mir dann gehen? Und wie meinen Kindern? Begreifen sie eigentlich, was da auf sie zukommt?

Später sitze ich an meinem kleinen Schreibtisch. Diesen Platz werde ich mir in Deutschland genau so gestalten und mir damit meinen vertrauten Ort schaffen…

Ich schlage meine Bibel auf. Ich bin gerade im Lukasevangelium.

Hier treten mir Jesu Worte stark hervor und es ist wieder so ein Moment, in dem Gott direkt zu mir spricht. (Lukas 21,14 Elberfelder Übersetzung)

„Setzt es nun fest in euren Herzen, nicht vorher darauf zu sinnen, wie ihr euch verantworten sollt! Denn ich werde euch Mund und Weisheit geben.“

Nun, das sagt Jesus zu seinen Jüngern, als er über die Endzeit redet. Eigentlich ist das im Moment nicht wirklich für mich aktuell. Und doch irgendwie. Ich habe diese Worte so für mich umformuliert: 

Setz es nun fest in deinem Herzen, nicht vorher deinen Gedanken freien Lauf zu lassen, was und wie noch alles kommen wird. Denn ich werde dir helfen und mit Weisheit ausstatten. Ich werde dir alles bereitstellen genau zu der Zeit und Stunde, in der du es brauchst. 

Das sind nun keine Lehren, die ich selbst aufstelle, sondern sie entsprechen zutiefst dem ganzen Zeugnis der Bibel, von vorne bis hinten. Und ich würde zu gerne all die Verse aufschreiben, die mir einfallen. Alle Zusagen und Verheißungen Gottes. Und vielleicht die bekannteste Stelle über sorgenvolle Gedanken sagt es so deutlich:

Sorgt euch nicht um den morgigen Tag, denn der morgige Tag wird für sich selber sorgen. Jeder Tag hat an seiner Last genug. 

Da sind wir wieder bei dem über allem stehenden Thema - Vertrauen. Vertraue ich Jesus so sehr, dass ich meine so geliebte Kontrolle über mein Leben (die ich ja nie wirklich besitze) an ihn abgeben kann? Dass ich wie ein kleines Kind im Heute lebe?

Ann Voskamp beschreibt es in ihrem Buch „Tausend Geschenke“ so:

„Ich soll dem Sohn Gottes und seiner Weisheit vertrauen, in jedem Augenblick, im hier und jetzt. Vertrauen ist ein Werk, vertrauensvolle Liebe ist eine Aufgabe, die ich gezielt und bewusst ausüben soll. Oft will ich die erforderliche Energie dafür nicht aufbringen. Stress und Angst scheinen mich weniger Kraft zu kosten. Es ist einfacher, meinem Verstand mit all seinen Sorgen freien Lauf zu lassen, als Disziplin anzuwenden, ihm die Zügel anzulegen, die Scheuklappen aufzusetzen und ihm beizubringen, in sicherer Gewissheit weiterzugehen, egal, welche Schreckensgespenster am Horizont auftauchen. Sind Stress und Sorgen Symptome einer Seele, die zu träge und undiszipliniert ist, um ihren Blick auf Gott gerichtet zu halten, um in der Liebe mit ihm zu leben?“ (S.168)

So will ich versuchen, am nächsten Morgen, den ich wach liege, nicht Gedanken über was wird wohl werden, was wird wohl nicht mehr sein, wie werde ich es alles „überleben“, solchen Gedanken (die viel zu schnell Sorgen werden und dann Stress hervorbringen)  Einhalt zu Gebieten im Namen Jesu. Er wird sich kümmern und er wird zur rechten Zeit das rechte geben. Ganz sicher. Heute und jetzt bin ich nur aufgefordert, ihm mit meinem hier und jetzt zu vertrauen. Das ist so schön und befreiend!

Wir haben ein Haus gekauft und was ich dazu denke

Nie hätte ich gedacht, dass wir ein Haus kaufen werden.(*kleiner Hinweis: Das Haus im Beitragsbild ist nicht unseres.) Es waren mehrere Gründe, die mich innerlich abhielten, überhaupt daran zu denken. 

Zum einen natürlich die aktuellen Preise von Immobilien. Die gehen teilweise so ins (für uns) utopische, dass ich es schlicht für unmöglich hielt, dass wir uns das je leisten können. Noch dazu find ich es schön, schuldenfrei zu sein. Und auch ungebunden. Nicht festgehalten durch eine Sache. Flexibel und frei. 

Nun, das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite hatte ich, wie wahrscheinlich fast jeder, schon immer auch den Wunsch gehabt, mal etwas eigenes zu haben, irgendwo Wurzeln zu schlagen und anzukommen. Nicht zuletzt wünsche ich das meinen Kindern. 

Es kam dann der Tag, an dem wir die Entscheidung, die ich in meinem Herzen immer gefürchtet hatte, wirklich trafen. Nach knapp acht Jahren in Krume geht es zurück. Zurück in ein Land, dass uns teils fremd geworden ist und welches durch Corona wohl kaum wieder zu erkennen ist.  Unser Deutschland, das wir vor acht Jahren verlassen haben, hat sich ordentlich verändert.

Doch vor kurzem hatte ich den Eindruck, als ob Gott mir sagt: Rahel, Deutschland ist nicht eine unbekannte, furchteinflößende Fremde, sondern eine altbekannte Freundin, die du nur wieder neu kennenlernen musst. Nun, dieser Gedanke hilft mir seither und weckt in mir fast etwas Freude auf das erneute kennenlernen.

Genau in der Zeit, in der wir die Entscheidung trafen, bekamen wir ein Haus angeboten. Zuerst taten wir es ab. Doch dann schauten wir etwas genauer hin. Und als wir den Preis hörten, schauten wir noch genauer hin. Und was sollen wir sagen? So vieles passt. Es passt einfach zu uns. Dass es alt ist, dass es einen großen Garten hat, dass wir es selbst noch gestalten können von innen, dass es eine große Wohn- Essküche hat mit Platz für viele viele Gäste. Dass es zentral liegt, dass es in dem Ort viele Albaner gibt, dass es dort eine Gemeinde gibt, die wir kennen … und dass es für uns bezahlbar ist. Ja, es wird noch sehr viel Arbeit kosten, bis wir dort dann irgendwann einziehen können. Aber wir sind zuversichtlich.

Ich hatte selten bei so einer großen Entscheidung so einen Frieden im Herzen. Allein Frieden im Herzen ist nicht alles, aber wenn man eng mit Gott lebt, dann ist das für mich schon ein guter Gradmesser. Und wir empfinden es wirklich als ein Geschenk von Gott in einer Zeit wie dieser. Keine Belohnung (wie manche Freunde hier sagen: „Ihr habt hier so viel gutes getan und gegeben, jetzt gibt es euch Gott zurück“) sondern einfach unverdiente Gnade Gottes.

Als wir noch in den Überlegungen standen, ob ein Haus kaufen ja oder nein, las ich das Buch „Tochter Gottes, erobere die Welt“ von Inka Hammond. Ein Abschnitt sprach direkt zu mir und mir aus dem Herzen:

Meine Freundin ist vor kurzem mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in ein schönes, neues Zuhause gezogen. Vorher lebten sie in einer sehr kleinen Wohnung und sie freuten sich riesig über den großen Garten, die vielen Zimmer und den zusätzlichen Platz. Als meine Freundin ihr Haus einräumte und dekorierte, sprach der heilige Geist zu ihrem Herzen: „Mach es dir nicht allzu gemütlich.“ Für sie war das eine Erinnerung daran, dass sie ihr Herz nicht an dieses Haus hängen soll. Ja, sie darf es genießen und als Geschenk Gottes annehmen. Aber gleichzeitig will sie sich nicht zu sehr daran festklammern, denn sie will bereit sein, weiterzugehen und loszulassen, wenn Gott sie ruft. 

Als sie mir davon erzählte, hat mich das tief berührt. So schnell hängen wir unser Herz an irdische Dinge und tun uns dann schwer, wenn die Zeit zum loslassen gekommen ist. Diese Welt ist nicht unsere Heimat. Wir sind hier nur auf der Durchreise. Die innere Bereitschaft, jederzeit auf das Wasser zu gehen, wurzelt in unseren offenen Händen. Sobald wir etwas zu fest umklammern, wird es schnell eine Last, ein Klotz am Bein und hält uns davon ab, flexibel und unkompliziert dem Ruf Jesu zu folgen. Es ist ein Balanceakt, wo die goldene Mitte immer wieder neu gefunden werden muss. 

Das Haus meiner Freundin ist mittlerweile fertig dekoriert und eingerichtet und es ist ein Hafen der Geborgenheit für ihre Familie und für Gäste. Und trotzdem weiß sie: Wenn Jesus ruft, ist sie bereit, alles wieder in Boxen zu packen und dem nachzugehen, den sie über alles liebt.“ (S. 78)

Genau diese Einstellung möchte ich auch haben. Sie hilft mir, nicht Angst davor zu haben, völlig gebunden zu sein und nicht mehr Jesu Ruf folgen zu können.

Aber ich weiß auch, dass es für meine Familie wichtig ist nach 8 Jahren im Ausland, einen Ort zu haben, wo wir ankommen können. Und dafür bin ich Gott so dankbar. Er hat uns etwas geschenkt, was wir gar nicht gesucht haben, für was wir nicht mal gebetet haben. Er weiß genau was wir brauchen und er wollte uns diese Last abnehmen. 

Wir wollen dieses Haus haben zur Ehre Gottes! Es gehört nicht uns, sondern ihm! Und wir sind gespannt, was Gott damit und mit uns vorhat.

Wie geht es dir, wenn du diese Zeilen liest? Ist das für dich eine Herausforderung, deine Hände offen zu halten? Dinge loszulassen, um bereit zu sein, wenn Jesus ruft?

Ein Insiderblick in die Verführung des Wohlstandsevangeliums

Ich weiß, wie es ist, wenn Leute für dich beten wollen, weil sie meinen, dass Gott immer heilt und sie fest daran glauben, dass Gott sie gesandt hat, um andere zu heilen. Aufgrund meiner, medizinisch gesehen, unheilbaren MS-Erkrankung habe ich es schon oft erlebt, dass liebevolle Geschwister ihren uneingeschränkten Glauben an Heilung an mir beweisen wollten. Man wollte mir die Krankheit „austreiben“, weil sie als ein Fluch angesehen wird.

Doch nicht nur ich muss mich damit auseinandersetzen, dass eine falsche Lehre über Gott und Heilung enttäuschte Hoffnungen zurücklässt. Millionen von Menschen sind gefangen in dem Glauben, dass es Gottes ausdrücklicher Wille ist, uns mit Gesundheit und Wohlstand zu segnen.

Costi Hinn war Teil dieser Verführung. Als Neffe von dem berühmten Benny Hinn war er mit eben diesem weltweit unterwegs und hat dabei einen ausschweifenden Lebensstil genossen. Nach seinem Ausstieg hat er nun ein aufrüttelndes Buch geschrieben, das die Lügen und Verirrungen des sogenannten Wohlstandsevangeliums in allen seinen Facetten aufdeckt und einen Weg heraus zeigt.

Ich bin aufrichtig dankbar, dass der CLV-Verlag dieses Buch übersetzt hat.

Eine kleine Vorbemerkung: Als Leser bekommen wir einen schonungslosen Einblick in die üblen Machenschaften einiger derjenigen, die das Wohlstandsevangelium predigen. Aber das Wohlstandsevangelium ist nicht nur der extreme Benny Hinn. Elemente des Wohlstandsevangeliums finden sich auch in der „Wort des Glaubens“-Bewegung, der u.a. Joyce Meyer angehört, und der NAR-Bewegung (dt. Neue apostolische Reformation), allen voran Bill Johnson mit seiner School of Supernatural Ministry.

Der Autor Costi Hinn liefert uns einen Insiderblick in das Leben derer, die vom Wohlstandsevangelium profitieren. Durch seine enge Nähe zu einer der prägendsten Figuren kann er die Machenschaften natürlich viel ehrlicher und offener aufdecken. Ich habe großen Respekt davor, dass er den Mut hatte, dieses Buch zu schreiben, da es nicht viel Ruhmhaftes an seiner Familie lässt.

Das Buch hat drei herausragende Stärken: Es ist zeugnishaft, es ist biblisch fundiert und es ist dabei auf eine ganz besondere Weise praktisch. In den nächsten Abschnitten will ich kurz einen Einblick liefern und entfalten, warum mich das Buch damit überzeugt hat.

Zeugnishaft

Den größten Teil des Buches nimmt der autobiographische Bericht Costi Hinns ein. Er beginnt bei der Familie seines Vaters und Onkels und erzählt dann ausführlich, was er selbst erlebt hat.

Sein familiärer Hintergrund

Hinn erzählt die Geschichte von der Familie seines Vaters und seines Onkels von den Anfängen, als die Familie noch in Jaffa, Israel, wohnte. Dabei liefert er ungeschönte Einblicke in das schwierige Vater-Sohn-Verhältnis und scheut sich auch nicht, Rückschlüsse auf die spätere Entwicklung von Benny Hinn zu ziehen. Der Leser wird mit hineingenommen in den Aufstieg der Hinns, die als junge arabische Einwanderer nach Kanada kamen und dann zu weltberühmten Predigern des Wohlstandsevangeliums aufstiegen. Zum besseren Verständnis will ich hinzufügen, dass auch Costi Hinns Vater ein Prediger des Wohlstandsevangeliums war, eine eigene Gemeinde leitete und sich übermäßig an den Spenden anderer bereicherte.

Die Einflüsse charismatischer Irrlehrer auf den jungen Benny Hinn werden dem Leser nicht verschwiegen und wie sich dieser dann selbst eine Plattform aufbaute und zum Prediger eines Heilungs- und Wohlstandsevangeliums wurde.

Sein geistlicher Werdegang

Viel interessanter ist für den Leser jedoch das Zeugnis Costi Hinns über sein eigenes Leben. Hinn wuchs in dieser charismatischen Prägung des Wohlstandsevangelium auf und genoss ein von Reichtum geprägtes Leben. Als Predigerkind war er natürlich fest überzeugt, dass auf seinem Onkel und seinem Vater eine ganze besondere Salbung lag. Aber in der Schule musste er Anfeindungen erleben, weil man seinen Onkel als Irrlehrer beschimpfte. Hinn scheut sich nicht, zu beschreiben, wie schwierig sein eigenes Verhalten in der Schule war. Er war arrogant, überheblich und dachte von sich selbst, die Salbung zu haben, die anderen fehlte. Doch der Glaube an das Wohlstandsevangelium begann zu bröckeln, als einer seiner Onkel an Krebs starb. Immer wieder bekommen wir einen Einblick, wie Hinns Zweifel wuchsen:

„Ich erinnere mich an den Moment, als ich das erste Mal realisierte, dass unser Lebensstil dadurch ermöglicht wurde, dass wir andere ausnutzen und von Freiwilligen und Mitarbeitern unterstützt wurden, die nicht wie wir lebten. […] Irgendwas schien nicht zu stimmen. Aber ich war noch Jugendlicher und so wischte ich die Zweifel und Bedenken fort.“ (S. 56)


So wurde Hinn Teil von einem Team, das mit seinem Vater und Benny Hinn um die Welt reiste. Er war voll in die Arbeit integriert und fühlte sich gut dabei, einen sehr verschwenderischen Lebensstil zu führen. An einer Stelle führt er die Liste der edelsten und teuersten Hotels auf, in denen er während dieser Zeit gastierte. Ein Abschnitt beschreibt ausgezeichnet die Diskrepanz des Wohlstandsevangeliums mit dem biblischen Evangelium. Hinn war in einem edlen Hotel in der Nähe von Athen zu Gast. Er schreibt:

„Ich hatte eine 180-Quadratmeter-Villa mit eigenem Pool und riesigem Garten für mich allein. Jeden Abend schlief ich mit dem Geräusch des Windes und des Meeres ein. Als ich an jenem Tag auf das Meer hinausblickte, dachte ich: Ich bin am Ziel. Das war es. Mein Leben war festgelegt. Ich reiste um die Welt und brachte das Evangelium an die Enden der Erde, wie Jesus es gesagt hatte. Ich war Teil eines Werkes, durch das weltweit Kranke und verletzte Seelen geheilt wurden. Ich würde ein Gesalbter Gottes sein, ebenso wie mein Onkel und mein Vater. […] Als ich an diesen Tag von diesem Felsen aufs Meer hinausschaute, blickte ich auf die Ägäis – dasselbe Gewässer, auf dem der Apostel Paulus auf seinen Missionsreisen segelte. Es gab nur ein Problem: Wir predigten nicht dasselbe Evangelium.“ (S. 63)


Doch es sollte noch lange dauern, bis Hinn zu dieser Erkenntnis gelangte. In der Zwischenzeit, berichtet Hinn, gaben ihm verschiedene Ereignisse immer wieder zu denken. Negative Berichterstattung über seinen Onkel, Kranke die nicht geheilt wurden und unerfüllte Prophetien trugen dazu bei, dass sein Glaube an das Wohlstandsevangelium mehr und mehr Risse bekam.

Sein langsamer Ausstieg

Ein wichtiger Punkt in Costi Hinns Leben war die Begegnung mit seiner jetzigen Frau, Christyne. Sie kam nicht aus den Kreisen des Wohlstandsevangeliums. Sie stand der ganzen Bewegung sogar kritisch gegenüber. Das brachte natürlich Spannungen in die Beziehung. Hinns Familie hatte erwartet, ihr Sohn würde eine Frau heiraten, die die Salbung empfangen hatte und in Zungen redete. Doch da dies nicht der Fall war, bekam Christyne eine Menge Ablehnung zu spüren. Ein ganzes Kapitel verwendet Hinn, um die Schwierigkeiten zu beschreiben, die er und seine Frau erlebten, bis sie endlich vor dem Traualtar standen.

Der nächste wichtige Schritt heraus aus der Bewegung war sein Start in einer neuen Gemeinde. Hinn durfte als Jugendpastor dienen. Durch fürsorgliche Pastoren lernte er, wie wichtig ein biblisches Fundament ist. Als Hinn eine Predigt über die Heilung des Kranken am Teich Betesda vorbereiten sollte fiel es ihm plötzlich wie Schuppen von den Augen. Gott öffnete ihm die Augen und er erlebte ein „Erwachen der Gnade“. Er erklärt:

„Das Evangelium ergab plötzlich Sinn. Mein Leben existierte zur Ehre Gottes, nicht zu meiner eigenen. Gottes höchstes Ziel für mich war nicht, mich glücklich, gesund und reich zu machen, sondern ihn zu verherrlichen.“ (S. 139)

Das Zeugnis von Costi Hinn darüber, wie er den Ausstieg geschafft hat, habe ich hier nur kurz angerissen. Aber der Leser merkt schnell: Dieser Mann weiß, wovon er spricht. Er hat das Recht, die üblen Machenschaften und verdrehten Argumente des Wohlstandsevangeliums aufzudecken, weil er Teil des Ganzen war. Für jeden, der in dieser Bewegung steckt und nach Orientierung sucht, wird dieser Bericht eine große Hilfe sein, um freizukommen.

Biblisch fundiert

Hinn kam zu seinen Überzeugungen, weil er die Schrift eingehend studierte. Dies wird besonders deutlich in folgender Aussage:

„Während ich mein Studium weiter vertiefte, wurde mir schließlich schmerzlich klar, dass das Wirken der Familie Hinn mit dem wahren Wirken des Evangeliums nichts zu tun hatte. Wir glichen den habgierigen Zauberern und Betrügern, deren Tun die Bibel immer wieder anprangert. Das war für mich ein Schlag der Wahrheit nach dem anderen in die Magengrube, aber ich hatte mich nie besser gefühlt.“ (S. 144)

Hinn stellt dann im Verlauf des Buches wichtige Fragen, denen sich jeder stellen muss, der aus der charismatischen Bewegung kommt und vom Wohlstandsevangelium beeinflusst ist: Was bedeutet es, dass Gott souverän ist? Was sagt die Bibel über Irrlehrer? Warum ist das Wohlstandsevangelium so gefährlich?

Hier legt Hinn auf überzeugende und biblische Weise dar, wie das Wohlstandsevangelium das wahre Evangelium verdreht und warum wir es als Christen radikal ablehnen sollten. Er urteilt deutlich:

„Das Predigen des Wohlstandsevangeliums muss in der ganzen evangelikalen Welt geächtet werden. Die, die es predigen oder die, die mit ihnen zusammenarbeiten, sollen gemieden werden. Es ist Zeit für die Christenheit, ein Zeichen zu setzen, damit das Wohlstandsevangelium unser Zeugnis nicht weiter vergiftet.“ (S.177)


Besonders gefreut haben mich die Ausführungen zum Thema „Was die Bibel zu Gesundheit sagt“. Diese Ansichten vertrete ich seit Jahren, aber es hat gutgetan, die biblische Sicht auf das Thema in einem Buch aufgeschrieben zu sehen. Er listet folgende Prinzipien auf:

Weiterhin sind auch die von ihm angeführten biblischen Prinzipien zum Thema „Wohlstand und Reichtum“ Gold wert.

Hinn zeigt in seiner biblisch fundierten Herangehensweise einwandfrei auf, wie man die Lügen des Wohlstandsevangeliums aufdecken und ihnen entkommen kann.

Praktisch

Die Schilderung des Ausstiegs von Costi Hinn ist an sich schon unheimlich praktisch für all diejenigen, die sich in einer ähnlichen Lage befinden. Aber auch für solche, die nicht Teil der Bewegung sind, ist es hilfreich zu sehen, wie es Menschen gehen kann, die verirrt sind und den Ausstieg schaffen wollen. So endet Hinn das Buch mit einem Kapitel, welches den Titel „Wie man die Verführten erreicht“ trägt.

Er weist seine Leser dabei sehr feinfühlig und biblisch begründet darauf hin, dass es verschiedene Arten von verführten Menschen gibt. Er geht anhand von Judas 17–23 auf drei verschiedene Typen ein: Die Zweifler, die Betrogenen und die Gefährlichen. Für jede Gruppe beschreibt er einen Ansatz, wie man ihr begegnen sollte.

Die zehn Schritte, mit denen er im Anschluss seinen Lesern Hilfestellung bietet, haben mich zutiefst bewegt. Die Art, wie Hinn dafür plädiert, verirrte Menschen zu gewinnen, ist von so viel Demut, Weisheit, Liebe und Gnade geprägt. Ich musste einsehen, dass mir diese Art mit Andersdenkenden umzugehen, vielfach fehlt. Besonders der 4. Punkt, „Sich um ein persönliches Treffen bemühen“, hat einen Nerv bei mir getroffen. Er rät:

„Man sollte auch in Betracht ziehen – Achtung, meine Weisheit ist überwältigend – , eine Freundschaft oder Beziehung mit jemandem einzugehen, mit dem man nicht einer Meinung ist! Ist das nicht unglaublich. […] Ich möchte nicht unverschämt sein, aber mal im Ernst, wir müssen Brücken bauen, um das Herz der Menschen zu erreichen, und zwar durch Beziehungen.“ (S. 206)

Diese zehn praktischen Schritte helfen nicht nur im Umgang mit Menschen, die Anhänger des Wohlstandsevangeliums sind. Sie sind für jede Art von Begegnung mit Andersdenkenden wichtig und relevant.

Was ich erst kritisieren wollte…

Ein Punkt, den ich bis zum Schluss anmerken wollte: Hinn schreibt als Amerikaner aus dem amerikanischen Kontext heraus. Dem deutschen Leser könnte leicht passieren, dass er sich mit den im Buch beschriebenen Problemen gar nicht identifizieren kann. Doch der CLV-Verlag hat einen sehr weisen Weg gewählt, um dieser Gefahr entgegenzuwirken und ein Nachwort für den deutschsprachigen Kontext angehängt. Nicola Vollkommer zeigt darin auf, dass die im Buch beschriebenen verdrehten Meinungen zu Gesundheit und Wohlstand auch in Gemeinden im deutschsprachigen Raum zu finden sind und kontert wie Hinn mit dem biblischen Bild von Nachfolge und Glauben, das auch Leiden enthält. Der Text ist lesenswert und rundet ein hervorragendes Buch auf passende Weise ab.

Für wen ist das Buch geeignet?

Abschließend möchte ich kurz drei Zielgruppen dieses Buches erwähnen.

Die letzten Worte sollen Costi Hinn gehören. Er schließt sein Buch mit Worten ab, die sehr gut zusammen fassen, in welchem Geist das ganze Buch geschrieben ist:

„Wie jeder Christ möchte auch ich zur Ehre Gottes leben und meine Gaben, Talente, Mittel und auch mein Zeugnis dazu einsetzen, andere auf Gott hinzuweisen. Ich möchte nur ein Königreich, das aufgebaut wird, nur einen König, dem ich diene, und nur einen Namen, der bekannt wird. Jesus ist meine Motivation.“ (S. 219)

Costi W. Hinn, Gott, Gier und Geld. Wie das Wohlstandsevangelium die Wahrheit verdreht. CLV: Bielefeld 2021. 256 Seiten, 12,90 EUR. Das Buch kann auch direkt beim CLV bestellt werden.

Wann bist du das letzte mal einen Glaubensschritt gegangen?

Ich habe in den letzten Wochen ein tolles Buch gelesen. Es heißt „Tochter Gottes, erobere die Welt“ und ist das Nachfolgebuch von „Tochter Gottes, erhebe dich“. Geschrieben hat die Bücher Inka Hammond. Ich hatte sie immer mal wieder gesehen, als dafür Werbung gemacht wurde in Zeitschriften und so. Ich war erst etwas kritisch muss ich sagen, wurde dann aber eines anderen belehrt und kann die beiden Bücher wirklich sehr empfehlen.

Hier möchte ich einige Zitate aus einem Kapitel des zweiten Buches wiedergeben. Mich hat dieses Kapitel, das mit „Risiken eingehen“ überschrieben ist, sehr bewegt und es hat mir auch sehr aus dem Herzen gesprochen und mich, ja, auch mich als tätige Missionarin im Ausland, herausgefordert. Lass auch du zu, dass dich diese Worte etwas aus der Reserve locken:


„Wann bist du das letzte Mal einen Glaubensschritt gegangen? Wann hast du dich das letzte Mal auf das Wasser hinaus gewagt?“

„Unsere Bereitschaft, Risiken einzugehen, öffnet Wundern Tür und Tor. Unmöglichkeiten werden plötzlich möglich. Das Leben wird und ist abwechslungsreich. Wir erleben Gott wie nie zuvor.“ 

Unser Glaube muss unser Leben verändern. Er muss uns verändern. Unser Glaube ist das Fundament, auf dem es uns leichtfällt, Risiken einzugehen.

Wenn wir unseren Blick fest auf Gott richten, dann wissen wir, wo es langgeht. Wir bekommen vielleicht nicht alle antworten, aber wir sehen die Liebe in seinen Augen, seine Güte, seine Fürsorge, und dann sind wir bereit, überall hinzugehen, wohin er und ruft - auch wenn wir das Ziel noch nicht kennen. 

Wenn du deinen Glauben in Schwung bringen möchtest, dann fange an, deinen Blick fest auf Jesus zu richten, und sei bereit, loszugehen, wenn du seinen Ruf hörst.

Zu viele Christen leben ein Leben in geistlicher Autonomie. Sie tun all die richtigen Dinge, aber ihr Glaube ist verkümmert, weil sie sich auf ihre eigene Kraft verlassen. Unsere eigene Kraft zerstört jedoch letztlich unseren Glauben.

Sind wir bereit, schwach zu sein, damit er durch uns stark sein kann? Sind wir bereit, uns ganz ihm hinzugeben, damit er verherrlicht werden kann? Lassen wir los und lassen ihn durch uns wirken? Wie viel von unserer Kraft steht seiner Kraft noch im Weg? Wie sehr behindern wir das mächtige Durchgreifen Gottes, weil wir uns innerlich weigern, komplett abhängig zu sein?

Wenn wir großen Glauben haben wollen und für Jesus Risiken eingehen möchten, dann muss unser Herz eine eindeutige Priorität haben: das Reich Gottes. Zu sehr sind wir oft noch damit beschäftigt, uns selbst zu verwirklichen, unser eigenes Glück zu suchen, und sind um unser eigenes Image besorgt. …

Unsere Generation braucht Menschen, die ihren Erlöser über alles stellen und bereit sind, jeden Preis zu bezahlen, jedes Risiko einzugehen, jede Entscheidung zu treffen, die notwendig ist, damit sein Reich gebaut wird. Doch wir sind viel zu sehr mit uns selbst beschäftigt. …

Unser Leben soll die Geschichte erzählen von dem Einen, der alles aufgab - für uns.

Die Menschen, die die Welt mit seiner Liebe verändert haben, waren hingegebene, mutige, auf dem Wasser wandelnde Menschen, die sich und ihre eigene Sicherheit, das Bedürfnis nach Komfort, die Sehnsucht nach Macht und Ruhm vor das Kreuz gelegt und sich ohne Kompromisse und faule Ausreden Jesus hingegeben haben.

Was fordert dich heraus? Welcher Schritt kostet dich etwas? ...

Schreibe einmal auf, was deine Sicherheiten sind. Welche Dinge im Leben geben dir ein Gefühl der Geborgenheit? Geld? Beruf? Heimat? Studium? Lebensziele? Und dann überlege dir, wie du reagieren würdest, wenn Jesus dich bittet, das aufzugeben und loszulassen. Was stemmt sich in dir dagegen?

Risiko entlarvt unser Herz. Eine Bereitschaft zum Risiko in der Nachfolge ist daher auch ein wunderbarer Weg, Heilung zu empfangen. Denn wir gehen nur dann Risiken ein, wenn unser Herz eng mit dem des Vaters verbunden ist. Nur wenn wir wissen, dass wir unendlich geliebt sind und uns nichts passieren kann, wagen wir uns hinaus aufs Wasser. Und in keiner anderen Situation erfahren wir eine so intensive Intimität mit Jesus, als wenn unser ganzes Sein von ihm abhängig ist.

Risiko beginnt mit einer veränderten Denkweise. Geh das Risiko ein, anders zu denken. Anders zu reagieren. Andere Schwerpunkte zu legen. Sei mutig und verschwende deine Zeit in der Gegenwart Jesu. Sei mutig und setze bewusst Grenzen, welche Filme du dir ansiehst, welche Bücher du liest. Geh das Risiko ein, dich nicht zugehörig zu fühlen. Das alleine geht schon so sehr gegen unser menschliches Bedürfnis nach Sicherheit. 

Risiko ist das Gewürz, das uns in unserer christlichen Suppe häufig fehlt. Bist du bereit, Risiken für Jesus einzugehen? Bist du bereit, dein Image, deine Suche nach Glück, nach Selbsterfüllung vor dem Kreuz abzulegen?

Emotional müde

Der folgende Artikel stammt von Alex, unserer Teamkollegin. Sie schreibt auch auf ihrem eigenen Blog. alex4alb.wordpress.com. Schau doch mal rein.


Es ist Freitag Abend und ich bin einfach müde von der Woche. Körperlich und emotional müde. Diese Woche war wieder sehr viel los. Am Montag war ich dran mit Vorbereiten für unser Teamtreffen. Wir waren bei Philipper 4. Darüber habe ich mich gefreut. Besonders über 4,4: „Freut euch im Herrn.“ Dann bekam ich die Nachricht, dass eine meiner engen Freundinnen hier Darmkrebs hat. Zwar noch ohne Metastasen, aber ich bin mir nicht sicher, ob die Medizin, die es in Albanien gibt ausreichen wird, dass sie es schafft. Der Satz „Freut euch im Herrn“ hat an diesem Tag eine andere Bedeutung für mich bekommen. Dass meine Freude nicht ein Gefühl in bestimmten Umständen ist, sondern sie vom Heiligen Geist kommt, der mich über meinen großen und guten Gott staunen lässt. 

In der Praxis hatten wir diese Woche einige neue Patienten. Unter anderem ein 3-jähriges Mädchen, das ein genetisches Syndrom hat und schwerst behindert ist. Wir werden ab jetzt mehrmals die Woche Therapie mit ihr machen. Ob wir dabei Fortschritte sehen werden oder nicht liegt in Gottes Hand. Dann wurde ich zu einer Schlaganfallpatientin nach Hause gerufen. Sie ist sehr aggressiv, schlägt nach uns, beschimpft uns als kriminell. Auf mein Drängen hin verschreibt der Arzt endlich entsprechende Medikamente, die hoffentlich das Leben für die Verwandten, die sie Tag und Nacht pflegen, leichter machen. Auch bei dieser Patientin weiß ich nicht, wie viele Fortschritte wir mit der Therapie erreichen werden. Nach längerer Zeit fuhren wir wieder zu meiner MS-Patientin ins Dorf. Sie hat in den letzten Wochen weiter abgenommen und sieht sehr schlecht aus. Beim letzten Besuch konnte sie noch „mire“, das bedeutet „gut“ sagen, aber dieses Mal ist das einzige, was sie kann zu lachen und den Kopf zu drehen. Ich werde weiter für sie um ganzheitliche Heilung beten, egal, wie es menschlich und medizinisch gesehen aussieht.

Dann machten wir dieses Woche einen Trauerbesuch. Die Mutter einer Bekannten war im recht jungen Alter innerhalb von 4 Monaten gestorben. Sie hatte Bauchprobleme, wurde dann an der Galle operiert und dabei war aufgefallen, dass der ganze Bauch voller Krebs war. Und es war zu spät. Was kann man dieser Frau sagen, die immer noch täglich betet, dass Gott ihrer Mutter doch bitte gnädig ist und sie annimmt? 

Diese Woche hat Danny das Bad bei der alten armen Frau installiert. Darüber habe ich mich so gefreut. Aber Kommentare von den Nachbarn, wieso wir das denn machen, weil sie ja eh schon so alt ist, machen mich traurig und wütend. Besonders weil diese Nachbarn ein Bad direkt nebenan haben, es aber nicht mit der alten Frau teilen wollen. Wie kann ein Mensch denken, dass alte Menschen weniger wert sind? 

Im Frauentreffen erzählte uns eine Freundin, dass ihr Mann am vorherigen Abend ihre Kinder so sehr geschlagen hat, dass sie mit ihnen zur Polizei gegangen ist. Vor dem Präsidium hat sie dann aber der Mut verlassen, weil sie weiß, dass die Polizei hier eh nichts machen kann. Eine andere Freundin darf nicht mit auf unseren geplanten Ausflug, weil ihr Mann es ihr nicht erlaubt. Im letzten Jahr war ihr Sohn noch zuhause und hatte sich für sie eingesetzt, aber der lebt inzwischen illegal in England. Sie hat sich entschieden, dass sie sich lieber duckt und Opfer bringt, damit es zuhause friedlich ist, sagt sie uns unter Tränen. Gestern hatte ihr Mann getrunken und sie ist ihm aus dem Weg gegangen, bis er geschlafen hat, damit es keinen Stress gibt zuhause. „Hier ist es normal, dass der Großteil der Männer ihre Frauen schlagen.“ erklären die Frauen mir. Ja, das weiß ich. Aber trotzdem ist es nicht normal und falsch. 

Und trotz all dieser Dingen: Ich liebe es hier zu sein und weiß, dass genau das grad richtig für mich ist. Aber auch ich bin nur ein Mensch. Ich bin Gott so dankbar, dass ich alles auf ihn werfen kann und er mir die Lasten abnimmt. Das erlebe ich und ohne ihn würde ich manchmal „untergehen“. Aber trotzdem gibt es auch Tage an denen mir einfach all diese Dinge zu viel sind. Und ich das alles einfach nicht mehr hören kann und möchte. Gerade dann fühle ich, wie abhängig ich von Gott bin und wie sehr ich das übernatürliche Wirken von seinem guten Geist brauche. 

Gott sagt in 2.Korinther 12,9: „Meine Gnade ist alles, was du brauchst, denn meine Kraft kommt gerade in der Schwachheit zur vollen Auswirkung.“ Ja, Vater, ich brauche deine Gnade. Wir brauchen sie alle. Jeden Tag neu.

Vom Ausreisen und Zurückkehren

Für viele gelten wir als Menschen, die Risiken eingegangen sind. Wir haben unsere Füße aufs Wasser gesetzt und sind gegangen. Wir leben in Albanien mit vier Kindern, in einer abgelegene, medizinisch total unterversorgten Gegend. Es gibt nicht viel hier. Und als wir vor gut sieben Jahren losgezogen sind, da kamen wir in ein uns fremdes Land, mit einer fremden, schwierigen Sprache, einer komplett anderen Kultur, wir kannten so gut wie niemanden und all das unbekannte war zeitweise sehr herausfordernd. Ja, sicher war es ein gewisses Risiko. Aber es war mehr noch das Rufen Gottes, das uns hierher gebracht hat. Und es war die Gnade Gottes, die uns hier gehalten hat.

Jetzt stehen wir wieder an einem Ufer. Das Fremde ist uns bekannt geworden. Die schwierige Sprache hat sich uns entschlüsselt und wir fühlen uns wohl mit ihr. Die Menschen sind uns Freunde und Familie geworden, der unbekannte Ort am Ende der Welt, ja, er hat sich zu unserem Zuhause gewandelt. Hier fand mein Leben statt. Hier habe ich mich weiterentwickelt und hier haben wir mit den Menschen gelacht und geweint, gefeiert und getrauert. Hier sind unsere Kinder das erste mal in einen Kindergarten gegangen, hier haben sie ihre Einschulung gefeiert. Hier haben wir als wachsende Familie gelebt, Siege errungen und Niederlagen hinter uns gelassen. Hier haben wir Gott von ganzem Herzen gedient und ach, welch Vorrecht es war und ist!

Aber wir stehen wieder am Ufer. Als ich Ende letzten Jahres an einem großen See war, lag dort ein altes Fischerboot still an Land. Seine Spitze zeigte auf das weite sich vor mir ausbreitende Wasser. Es war ruhig und im Dunst wirkte es mysteriös und unbekannt. Es war mir, als würde Gott mich auffordern, loszufahren. Aufs Wasser hinaus. Loszulassen, das nun bekannte Ufer verlassen und zu vertrauen. Ich ahnte, was es heißt. Ich spürte eine gewisse Angst, die in uns Menschen ganz natürlich hochkommt, wenn etwas Unbekanntes vor uns liegt. Ein Herz, das schneller schlägt und aus dem Gleichgewicht kommt. Aber auch die tiefe innere Ruhe, dass Gott alles weiß.

Einige Wochen später trafen wir im Frieden vor Gott die Entscheidung, genau das zu tun. Loszulassen und aufzubrechen. Wieder vertrautes hinter sich zu lassen und…

Naja und zurückzugehen woher man gekommen ist. Zurück zu dem damals vertrautem. Zurück zu Familie und Freunde. Zurück zur Muttersprache und zurück zur bekannten Kultur. Man weiß wieder, wie man sich wann wie und wo zu verhalten hat, was zu sagen und was besser nicht… oder?

Der Schritt wieder zurück ist für mich ein ebenso großer Glaubensschritt, wie der, der uns nach Albanien gebracht hat. Die Entscheidung zurück zugehen fällt mir viel, viel schwerer als die, Deutschland zu verlassen. Es ist wieder ein Schritt des Glaubens, auch in das ehemals bekannte zurückzukehren. 

Deutschland hat sich verändert. Ich habe mich verändert. All die Jahre haben viel mit mir und uns gemacht. Es wird nicht leicht werden. Es ist ein losfahren in ein zwar bekanntes und doch so fremd gewordenes Land. Viele werden nicht verstehen, dass es mir so geht. Viele werden da weitermachen wollen, wo wir aufgehört haben. Aber das geht nicht. Zu viel ist passiert, mein Herz hatte sich an das unbekannte gewöhnt und es langsam als bekannt adoptiert. Nun muss es wieder umprogrammiert werden. Das hart erkämpfte normale gleitet langsam wieder aus meinem Herzen und muss wieder ersetzt werden mit dem vormals normalen. Und das tut weh. Es ist ein trauern, ein loslassen, ein abgeben von einem Teil meiner selbst. 

Zuletzt las ich Psalm 112 und oh, wie hat dieser Psalm zu meinem Herzen gesprochen:

„Er (oder sie) wird sich nicht fürchten vor böser Nachricht.

Fest ist sein (oder ihr) Herz, es vertraut auf den Herrn.

Beständig ist sein (oder ihr) Herz, er (oder sie) fürchtet sich nicht…“ (Psalm 112,7-8)

Ich möchte diesen Vers etwas für mich umschreiben. Und wenn du möchtest kannst du einfach deinen Namen einsetzen:

Rahel
wird sich nicht fürchten
vor böser Nachricht,
vor unbekannten Dingen,
vor Traurigkeit und Einsamkeit,
vor dem Unverstanden sein und dem sich zurücksehnen.
Sie wird sich nicht fürchten
Vor Schwierigkeiten mit den Kindern
Vor dem Gefühl des Verlustes und des Versagens
Vor der der wohlbekannten Fremde
Vor Unsicherheit und offenen Fragen.

Fest ist Rahels Herz,
Es vertraut ja voll und ganz auf den Herrn!

Auf seine Kraft und Stärke
Auf seine Gegenwart und Nähe
Auf seine Ermutigung und Befähigung
Auf seine Liebe und Treue
Gnade und Annahme
Führung und Halt,
Zuversicht und Vergebung…

Beständig ist Rahels Herz,
Sie fürchtet sich nicht!

Dieses feste und beständige, verwurzelte Herz möchte ich haben und darum kämpfen. Den Lügen nicht glauben, sondern der Tatsache: auch auf diesem Weg geht Er mit und leitet und ruft und befähigt und erfüllt und… führt zum Ziel! Halleluja!

Photo by Erol Ahmed on Unsplash