Das waren Zeiten

Vor ein paar Tagen haben wir hier unsere zweite junge Lernhelferin begrüßt. Sie wird noch ein halbes Jahr mit uns in unserer schönen Stadt verbringen und uns v.a. beim unterrichten unserer Kinder unterstützen. Als ich am Samstag mit unserer anderen Lernhelferin zum Flughafen gefahren bin und wir uns so unterhielten, da erzählte ich von meiner Zeit als junges Mädel. Ich war fertig mit dem Gymnasium und mein Traum war es, für ein Jahr nach Haiti zu gehen. Das hatte ich schon drei Jahre zuvor von Gott fest aufs Herz gelegt bekommen. 

Meine Reise in die Ferne

Ich erinnerte mich zurück an diese aufregende und so prägende Zeit. Ich war gerade 20 geworden, als ich mich allein aufmachte, mit zwei schweren Koffern und ordentlichem Herzklopfen. Von einem kleinen Flughafen in Oberfranken flog ich nach Frankfurt, von dort nach Paris. Dann ging es das erste mal für mich über den großen Ozean. Ich erinnere mich noch so gut, wie ich mir wünschte, einfach jemand bekanntes dabei zu haben, und wenn es nur mein damals sieben Jahre alter Bruder gewesen wäre.

In Miami angekommen musste ich auschecken, mein kleines Hotel finden unter hunderten anderen und am nächsten morgen rechtzeitig aufstehen, um den frühen Flug, mit fast nur schwarzen Menschen („Was will nur dieses junge blonde Mädel ganz allein unter all diesen Menschen?“ - das kommunizierten mir viele interessierte Blicke) zu bekommen. In der Zwischenzeit, seit meinem Abflug in Deutschland, wurde Haiti von einer großen Überschwemmung heimgesucht. Das erzählten mir meine nicht ganz unbesorgten Eltern, als ich gerade froh war, mein Hotelzimmer gefunden zu haben und erstmal eine kleine Last von mir abfiel. Da kam die nächste Sorge. Werde ich reisen können? 

Doch alles klappte. Die Überschwemmungen waren mehr im Norden des Landes gewesen und daher war meine Fahrt in den Süden Haitis nicht betroffen. 

Das Abenteuer beginnt

Nach dieser abenteuerlichen Reise (oh, Gott hatte mir so viele Engel in unterschiedlichen Personen geschickt, die mich den ganzen Weg begleitet hatten…) begann das Abenteuer der jungen Rahel Hasch. Weit weg von allem bekannten eröffnete sich mir eine neue Welt, neue Menschen, neue Gerüche, neue Ansichten und Weltsichten, eine neue Sprache (die wesentlich einfacher ist als albanisch), und vor allem tauchte ich in eine bisher noch nicht gekannte Tiefe der Beziehung zu Gott ein. (Am Ende des Artikels findest du ein paar Fotos von der Zeit.)

Ohne Verbindung zur Aussenwelt

Ein Grund dafür sehe ich darin: damals, also 2004, da hatte noch nicht jeder ein Smartphone (und schon gar nicht ich, junges Mädel vom Lande…). Ich hatte keinen Laptop dabei. Und stellt euch vor, es gab noch kein WhatsApp oder irgendwelche anderen sozialen Netzwerke. (Um genau zu sein, wurde Facebook genau in diesem Jahr gegründet…). In meinen 10 Monaten in Haiti telefonierte ich vielleicht fünfmal mit meiner Familie. Schlechte Qualität der Verbindung und hohe Kosten mussten wir dabei in Kauf nehmen. Ansonsten schrieb ich hier und da eine Mail und unzählige Briefe. 

Zeit zum Schreiben im Überfluss

Und was ich alles geschrieben habe. Ich habe letztens meine Tagebücher aus dieser Zeit gefunden. Sage und schreibe vier Stück, in kleinster Schrift, ordentlich und sauber geschrieben. Sie lesen sich wie ein Roman. Was hatte ich da doch für Zeit gehabt. Und für ein Bedürfnis, mich mitzuteilen, und wenn auch nur meinem Tagebuch.

Ich hatte am Abend, wenn es dunkel war und man im Haus sein musste, kein Smartphone neben mir liegen, welches mich durch Piepstöne immer wieder unterbrechen konnte, keine Familienmitglieder oder Freunde, die ganz schnell und ganz dringend etwas wissen wollten. Kein Netflix oder Amazon Prime, das mich vielleicht an dem ein oder anderen einsamen Abend verführt hätte, mich in andere Welten versinken zu lassen. 

Das Geschenk ganz da zu sein

Nein, ich war da. Ich war vor Ort. Ich war ganz da, mit meinem ganzen Herzen und meiner ganzen Seele. Ja, ich war manchmal einsam und sicher wäre es schön gewesen, etwas öfter Kontakt mit dem ein oder anderen gehabt zu haben. Aber dann hätte es auch nicht diese aufregenden Momente gegeben, als wieder mal ein großer Postsack aus der Hauptstadt gebracht wurde und hunderte Briefe von allen Missionaren der großen Missionsstation auf dem Boden ausgeschüttet wurden. Und die Freude, wenn unter all den Briefen auch einer für mich war. Von so weit her, aus meiner Heimat, einer anderen Welt. 

Ein Leben ohne Ablenkung

Ich bin heute so froh, dass damals noch diese Zeit der geringen Ablenkung (im Vergleich zu heute) herrschte. Abends saß ich an meinem Schreibtisch und schrieb. Jeden Tag, oft morgens (nach meinem 6 Uhr Spaziergang) und abends. Ich schrieb und schrieb. Schrieb mir alles von der Seele und Gott zu. Er hörte zu. Und er brachte mich in dieser Zeit zu einer neuen Reife. Einer neuen Abhängigkeit. Einer tiefen Sehnsucht nach ihm und der Gemeinschaft mit ihm. Er weckte in mir noch mehr wie zuvor, die Lust zum Schreiben. Zum verarbeiten, zum beten in schriftlicher Form. 

Zurück in unserer Zeit

Als ich meinem Sohn heute eine Auszeit gab und es im Zimmer so ruhig war, dass ich dachte, er sei eingeschlafen, da saß er am Tisch und schrieb in sein neues Tagebuch. Er schrieb los: „Gestern…“. Beginnt so die Karriere meines Sohnes als Schreiber? Ich erzählte ihm von meinen Tagebüchern und davon, dass sie sie eines Tages alle lesen dürfen und sie dann wahrscheinlich ihre Mama noch einmal tiefer kennenlernen werden. Das ist ein Schatz. Ein unbezahlbarer Schatz für mich!

Ja, das waren noch Zeiten. Sie haben sich geändert. So viel hat sich in diesen 15 Jahren verändert. So viel. Ich wünschte mir, ich ließe mich weniger ablenken und stattdessen würde ich sitzen, bei Kerzenschein, Tag ein, Tag aus, und würde schreiben… 

Ein inspirierender Podcast für Mütter: RISENMOTHERHOOD

Ich bin immer wieder auf der Suche nach guten, evangeliumszentrierten Blogs für Frauen und Mütter. Es gibt so viel gutes in den weiten Welten des Internets, aber ich weiß nichts davon. (Das ist sicher auch gut so, da mich die Menge von all dem erschlagen würde und ich vor lauter guten Ideen und Gedanken gar nicht mehr wüsste, wo ich anfangen soll…)

Aber es gibt doch ein paar Perlen, die ich schon gefunden habe und die mich immer wieder inspirieren, ermutigen und herausfordern. 

So z.B. der Blog „risenmotherhood“. Wie der Name schon sagt, ist er (leider) in Englisch. Dahinter stehen vor allem zwei Frauen, Schwägerinnen, Laura Wifler und Emily Jensen. Ihre Vision für ihre Arbeit ist folgende:

Risen Motherhood® exists to encourage, equip, and challenge moms to apply the gospel to their everyday lives.

übersetzt bedeutet das: Risenmotherhood existiert, um Mütter zu ermutigen, auszurüsten und herauszufordern, das Evangelium in ihrem alltäglichen Leben anzuwenden.

Ist das nicht eine schöne Vision. Ich wünsche es mir sehr, dass mein Alltag mehr den Geruch des Evangeliums, der Gnade in Jesus, bekommt annimmt. Vor allem der Podcast, von welchem jeden Mittwoch eine neue Folge herauskommt, ist, wie ich finde, sehr hilfreich, ermutigend und herausfordernd zugleich. 

„Every Wednesday, we release a new episode of the Risen Motherhood podcast. On the show we discuss relevant topics to everyday motherhood through the lens of the gospel. From potty training or cooking dinner, to miscarriage or PPD, no topic is off limits. Each episode is about 20 minutes, so you can fit it into your day when you're washing dishes, folding laundry or driving to work.“

Neben dem Podcast gibt es auf der Webseite noch verschiedene praktische Hilfsmittel zum Bibelstudium, sowie auch eine Reihe toller Artikel.

Sehr zu empfehlen ist die Folge des Podcasts von letzter Woche.

EP 151 Motherhood - When we can`t see the outcome

Wenn du des englischen einigermaßen mächtig bist, dann schau doch mal auf dem Blog vorbei. Es lohnt sich.

RISENMOTHERHOOD.COM

Gewinne, indem du verlierst

Du zählst dich zu den Nachfolgern von Jesus?
Du denkst, du bist gut mit Jesus unterwegs?
Du meinst, du erfüllst alle Anforderungen, die Jesus an dich stellt?

Dann lass mich dir eine Frage stellen.

Wie sehr hängst du an deinem Leben?

Deine Liebe zu Jesus, deine Nachfolge und dein Bekenntnis lassen sich an dieser einen Frage messen.

Wie sehr hängst du an deinem Leben?

Ich meine nicht das Leben, das endet wenn du stirbst. Ich meine das Leben, das du lebst. Ich meine all die Dinge, die dein Leben erfüllen. Das Streben nach Glück, Anerkennung, Liebe, Geborgenheit oder Spaß.

Jeder hat so ein Leben, das gefüllt ist mit Dingen, die uns wichtig sind, die uns Wert vermitteln, durch die wir uns angenommen fühlen.

Doch die Frage die ich dir stellen will ist:

Wie viel sind dir all diese Dinge wert?

Wie sehr liebst du sie und wie sehr hälst du an ihnen fest?

Jesus sagte:

Wer sein Leben liebt, wird es verlieren. Wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es finden.

Also noch einmal. Es geht hier nicht darum, dass du für Jesus dein Leben lässt. Das gehört vielleicht für manche dazu, aber wahrscheinlich gehörst du nicht zu dieser Sorte von Nachfolgern. Vielmehr geht es um die Einstellung, die wir zum Leben haben.

Jesus sagt: Hängst du an deinem Leben und all den schönen Dingen, die dein Leben ausmachen? Dann erwartet dich als Ergebnis folgendes: Eines Tages werden dir diese Dinge genommen werden. Es bleibt nichts zurück. Du stehst am Ende als Verlierer da.

Bist du aber bereit dieses Leben zu verlieren oder loszulassen, wirst du eine anderes Leben finden. Ein Leben, das dich wirklich erfüllt. Du wirst vielleicht zum ersten Mal zum wahren Leben durchdringen, zum Leben das Jesus dir gibt.

Was Jesus fordert ist radikal. Was wir dagegen leben, ist alles andere als das.

Jesus will von uns die völlige Hingabe von allem, was uns Wert und Bedeutung verschafft. Alles was unserem Leben einen vermeintlichen Sinn gibt, alles Schöne und Angenehme, sollen wir loslassen um Jesus zu empfangen und für ihn zu Leben.

Doch was meint Jesus damit?

Möchte Jesus unser angenehmes Leben zerstören? Oder möchte er uns den Spaß am Leben nehmen?

Nein Jesus hat viel bessere Absichten.

Er weiß, dass nichts in dieser Welt uns bleibend erfüllen wird.
Er weiß, dass wir am Ende als Verlierer dastehen, wenn wir dieses Leben mehr geliebt haben als ihn.

Und genau davor will Jesus dich bewahren.

Und so stelle ich dir noch einmal abschließend drei Fragen:

  1. Woran hängst du, wenn du an dein Leben denkst?
  2. Was ist dir so wichtig, dass du denkst, du könntest nicht ohne ES leben?
  3. Was sind die Aspekte in deinem Leben, die du liebst und die dein Leben erfüllen?

Jesus will vor allem dein Herz erreichen, wenn er dich mit solch einer radikalen Forderung konfrontiert. Jesus verlangt keineswegs von dir, dass du nun dein Leben auf den Kopf stellst und alle angenehmen und schönen, dir wichtigen Dinge daraus verbannst.

Er will dich dafür gewinnen, dass du bereit bist, dein Leben zu lassen.
Er will dich und dich bekommt er nur, wenn du loslässt von dem Leben, das dich hält.

Jesus hat für jeden seiner Nachfolger einen ganz speziellen Plan. Ich weiß nicht, wie dieser Plan in deinem Fall aussieht. Ich weiß nur, diesen Plan kann Jesus nur umsetzen, wenn du dazu bereit bist.

Es liegt an dir. Bist du dazu bereit, für Jesus dein Leben zu lassen, um ihn zu finden und für ihn zu leben?

Hierin ist das wahre Leben zu finden.

Gottes rebellische Kinder

In meiner Bibellese bin ich bei den kleinen Propheten angekommen. (Trotz einiger Wochen Ausnahmezustand, da in Deutschland, bin ich immer noch gut bei meiner bible reading challenge dabei - Halleluja!)

Meistens höre ich die Texte aus dem alten Testament, während ich meine morgendliche Routine fahre (Tisch abräumen, abspülen, Saubermachen…). Vieles prägt sich mir echt besser ein, wenn ich es höre. Ich weiß noch ganz genau, wo Ich was sauber gemacht habe, als dieses und jenes Gemetzel war… 😉

So bin ich nun also bei dem Propheten Hosea. Hosea ist in vielerlei Hinsicht echt ein besonderer Prophet, von dem Gott auch besonderes gefordert hat. Während Jeremia z.B. nie heiraten durfte, sollte Hosea eine Hure heiraten, von der er wusste, dass sie ihm untreu werden wird (Hosea 1,2). Und dann soll er seine hurerische Frau sogar ein zweites Mal heiraten (Hosea 3,1). Warum? Um dem Volk Israel ganz bildlich zu zeigen, was sie mit ihrem Gott tun. Die Worte in Hosea sind hart. Das Gericht, das angekündigt wird, grausam.

Soviel ich jetzt im alten Testament gelesen habe, von der Geschichte der Menschheit hin zur Geschichte des Volkes Israel, immer wieder frage ich mich, warum der Mensch immer (oder fast immer) den Weg weg von Gott wählt. Warum verlassen sie immer wieder den Weg, der zum Leben führt? Warum wählen sie Tod und Zerstörung, Krieg und Elend? Warum bleiben sie nicht bei ihrem Gott, der sie liebt und schützt, der sie rettet und ernährt?

In Hosea Kapitel 11 musste ich beim Hören plötzlich innehalten. Es hat mich so betroffen gemacht, was ich da hörte:

Der Herr sagt:

 »Als Israel jung war, habe ich es ins Herz geschlossen und als meinen Sohn angenommen. Ich habe meinen Sohn aus Ägypten gerufen und zurück in die Freiheit geführt. Doch wenn ich dann nach meinem Volk rief, liefen die Israeliten mir bloß davon. Sie opferten den Götzen und brachten ihren Götterfiguren Räucheropfer dar. Dabei habe ich Ephraim doch das Laufen gelehrt und ihn immer wieder auf meine Arme genommen, wenn er fiel. Aber die Menschen in Israel haben nicht erkannt, dass ich es war, der ihnen Gutes tat und sie heil machte. Mit Freundlichkeit und Liebe wollte ich sie ihren Weg führen. Ich habe ihnen ihre Last leicht gemacht – wie ein Bauer, der seinem Ochsen das Joch hochhebt, damit er besser fressen kann, ja, der sich bückt, um ihn selbst zu füttern. Trotzdem weigern sie sich, zu mir umzukehren. […] Mein Volk ist mir untreu, und davon lässt es sich nicht abbringen! Sie rufen zu ihren Götzen, doch die können ihnen nicht helfen. Ach, wie könnte ich dich im Stich lassen, Ephraim? Wie könnte ich dich aufgeben, Israel? Sollte ich dich vernichten wie die Städte Adma und Zebojim? Nein, es bricht mir das Herz, ich kann es nicht; ich habe Mitleid mit dir!

Hier spricht Gott als ein liebevoller Vater zu seinem Kind. Der heilige Gott hat dieses Volk als sein Kind angenommen und er liebt es über alles. Er hat sein Kind in die Freiheit geführt. Er hat ihm das laufen gelehrt und hat es ernährt. Er hat es mit Liebe und Freundlichkeit umgeben und alles getan, um ihm die Last leicht zu machen. Wo findet sich ein besserer Vater? Und wo gäbe es ein glücklicheres Kind als dieses?

Doch die Liebe des Vaters stößt nicht auf Gegenliebe. Die Freundlichkeit und Zuwendung des Vaters findet keine Erwiderung. Keine Dankbarkeit. Keine heile, friedvolle, zufriedene Beziehung. 

Stattdessen: Rebellion. 

„Sooft ich sie rief, gingen sie von meinem Angesicht weg.“

Ich weiß, wie ich mich fühle, wenn mich meine Kinder ignorieren und nicht auf meine Stimme hören. Wenn sie in eine andere Richtung laufen, obwohl ich sie aus Liebe zu mir gerufen habe. Wenn sie bewusst meine Anweisung nicht befolgen. 

Die Kinder laufen weg und wollen ihr Glück woanders finden. Fern von dem Vater, der ihnen das laufen beibrachte, der stolz und glücklich war, wie jeder Vater, der seinen Sohn zum ersten Mal laufen sieht. Liebevoll nahm Gott sie immer wieder auf die Arme, wenn sie fielen, tröstete und heilte sie. Aber sie?

 „Sie erkannten nicht, dass ich sie heilte.“

Gott erzieht seinen Sohn. Er lässt ihn durch schwere Zeiten gehen. Und doch?

„Aber mein Volk bleibt verstrickt in die Abkehr von mir.“

Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einer lieben Freunden. Es ging mal wieder um unsere Kinder und die Erziehung. Ihre vier Kinder sind schon alle aus dem Haus und nicht jedes von ihnen geht den Weg, den die Eltern gerne sehen würden. 

Ich war an einem Punkt, an dem ich echt niedergeschlagen war, wegen einer schweren Sache, die vorgefallen war. Irgendwie war ich ernüchtert und enttäuscht und fragte mich, welchen Unterschied meine Erziehung macht. Ich versuche das beste, ich will wirklich eine gute und liebevolle Mutter sein, Ich bilde mich weiter, lese Bücher und bete für meine Kinder. Und trotzdem stehen sie da und lügen dir ins Gesicht. Ich war entmutigt. Wir geben unser bestes und doch kommt es oft so anders, wie wir wollen.

Meine Freundin erzählte mir eben von diesem Vater, der oben beschrieben ist. Der perfekte Vater, weil Gott nicht weniger als perfekt sein kann. Und was geschieht? Selbst seine Kinder wenden sich von ihm ab. Er hat alles richtig gemacht (was ich von mir nun wirklich nicht behaupten kann…) und doch wählen seine Kinder den Weg des Todes, des Leides, der Zerstörung ihrer selbst und der Beziehung zu ihrem Vater. Es ist traurig. - Aber es zeigt die Natur des Menschen seit dem Sündenfall. Weg von Gott, weg vom Schöpfer, hin zu selbstgemachten Götzen. 

Mich lehrt dieser Text so einiges: meine Kinder werden eines Tages ihren Weg wählen. Ich kann für sie beten, ich kann sie den Weg Gottes lehren und ihnen so gut ich kann das Evangelium vorleben, aber sie selbst entscheiden für ihr Leben. 

Auch will ich mich nicht erheben und mit dem Finger auf das Volk Israel zeigen. Wie oft laufe ich weg von Gott? Wie oft will auch ich mich seiner liebenden Hand entziehen, weil es woanders besser erscheint? Wie oft vergesse ich seine Freundlichkeit und seine Stricke der Liebe, mit denen er mein Leben durchwebt?

Rebellion liegt im Wesen des Menschen. Wie gut, dass ein Gott und Vater über uns wacht, der voll Mitleid ist und uns immer wieder zu sich zurückzieht. Jesus sei dank!

Wir sind zurück!

Nach gut fünf Wochen in Deutschland sind wir wieder zurück in Albanien. Wir waren bisher noch nicht im Winter weg gewesen und die Umstellung von einem geheizten Haus in Deutschland zu den schlecht isolierten und wenig beheizten Häusern hier ist schon ein großer Unterschied. Aber so langsam gewöhnt sich unser Körper an die Kälte und es wird wieder normal, wie schon in den letzten sechs Wintern zuvor. 

Bevor wir zurückgeflogen sind, meinte Gideon, dass er sich wünschte, dass es ihn zweimal gäbe. Ein Gideon könnte dann in Deutschland bleiben und einer könnte zurück nach Albanien gehen. Ja, das drückt es wohl sehr gut aus, was viele Kinder, die in zwei Kulturen aufwachsen, empfinden. Deutschland ist ihr Herkunftsland, auch wenn sie die meiste Zeit ihres Lebens hier in Albanien verbracht haben. Sie sprechen zwar fließend albanisch und dennoch fühlen sie sich in deutsch wohler. Sie freuen sich, wenn sie in Deutschland ankommen und fragen verwundert: „Sprechen hier alle deutsch?“ Sie (und wir) genießen die Vorzüge, die das Leben in Deutschland mit sich bringen. 

Und doch zieht es sie auch wieder zurück in ihre zweite Heimat. Da warten unsere albanischen Großeltern voller Freude auf uns alle und freuen sich über den zurückkehrenden Lärm und das Leben, das eine große Familie mit sich bringt. 

Da sind ihre Freunde aus der Nachbarschaft, die sie mit lieben kleinen Briefen begrüßen, in denen sie bekunden, wie sehr sie sie vermisst haben und dass sie sicher die besten Freunde überhaupt sind. 

Da ist der Alltag und das Leben, die Hunde und die Hühner, die Freiheit und die Enge, die Fröhlichkeit und die Wärme, die das brennende Feuer ausstrahlt. Da ist die Sonne, der zauberhafte Abendhimmel, die Menschen und Freunde, die altbekannten Gesichter, die uns anstrahlen, da sind die immer wiederkehrenden Fragen nach unserem Befinden und dem unserer Familie und unserer Eltern. Die immer gleichen Antworten und Kopfbewegungen, die vielen Küsschen rechts und links. 

Irgendwie ist all das schon so vertraut geworden und daher ein Stück weit Heimat geworden. Und das soll auch so sein. 

Heute haben wir strahlend blauen Himmel. Kurz nach 11 Uhr spitzt die Sonne das erste mal hinter unserem hohen Hausberg hervor und steht dann mit Macht ein paar Stunden am Himmel. Unsere Kinder sind dann ganz im Frühlingsfeeling, ohne Jacken… „Mama, warum brauchen wir die denn?“ - ja, warum braucht man Jacken im Winter… Die Sonne tut gut und hilft mir, wieder mit Freude hier anzukommen und Gott hier zu dienen. 

Wir sagen noch einmal allen danke, die uns in unserer Zeit in Deutschland ermutigt, eingeladen, und umarmt haben. Auch wenn die Zeit so manche Herausforderung mit sich brachte (v.a. unseren kleinsten, der zwei Wochen brauchte, bis man ihn wieder erkannte, da er so aus dem Gleichgewicht war…), war die Zeit echt sehr schön und gesegnet und wir wurden ermutigt, hier weiter zu machen. Danke!

Wie Jesus dir in deiner Not helfen kann? - Predigt zur Jahreslosung

Am 29.12. und am 05.01. hatte ich die Gelegenheit über die Jahreslosung zu predigen. Die Jahreslosung 2020 besteht aus der Aussage eines Vaters, der sich Heilung für seinen dämonenbesessenen Sohn wünscht. Jesus hatte ihm zugesagt, dass dem der glaubt, alles möglich ist. Daraufhin sagt der Vater:

Ich glaube, hilf meinem Unglauben. Markus 9,24

Mann kann diese Aussage natürlich unabhängig vom Kontext betrachten, aber um dem Sinn des Bibeltextes besser auf die Spur zu kommen, ist es besser den Gesamtzusammenhang zu betrachten.

Dies habe ich in meiner Predigt dann getan. Ich habe über die gesamte Geschichte der Heilung eines dämonenbesessenen Jungen gepredigt und ich leitete aus der Geschichte ab, dass Jesus unserer Not begegnen will. Die Predigt nannte ich dann. Wie Jesus dir in deiner Not helfen kann.

Folgende Gliederungspunkte gab ich dem Hörer mit.

  1. Bring deine Not zu Jesus (V.14-21)
  2. Bring deinen Unglauben zu Jesus (V.22-26)
  3. Bring dein Gebet zu Jesus (V.27-29)

Doch ich will nicht mehr viele Worte verlieren. Falls du Interesse an der Predigt hast, dann kannst du sie dir hier anhören. Du hast die Wahl zwischen der längeren und der kürzeren Version.

gepredigt am 05.01. in der Evangelischen Freikirche Bad Krozingen
gepredigt am 29.12. in der FeG Rheinbach.

Das Predigtkonzept kannst du dir hier anschauen.

Wie kann man da schweigen?

Der folgende Artikel stammt von Alex, unserer Teamkollegin. Sie schreibt auch auf ihrem eigenen Blog. alex4alb.wordpress.com. Schau doch mal rein.


Wir sitzen zu 6 Frauen zusammen. Haben Kaffee getrunken, geredet, gebetet und die Bibel gelesen. Das erste Treffen dieses Jahr. Dementsprechend gering ist die Konzentration, weil erst mal vieles ausgetauscht werden muss. Auf einmal schauen die Frauen schockiert aus dem Fenster.

Ein Mann wird mit verbundenen Händen in die Polizeistation geführt. Mit dabei ein junges Mädchen, seine Tochter. Sie kennen diesen Mann. Er wohnt in ihrem Hochhaus. Ist alkoholabhängig. Und sie hören regelmäßig, wie er seine Frau und Kinder schlägt. Sagen aber nichts dazu. Weil man das nicht macht. Aus Angst vor schlechtem Gerede. Es oft eh nichts bringt.

Die Frauen sind schockiert. Und fangen an von ihren eigenen Situationen zu Hause zu erzählen. Der Mann von einer Frau trinkt jeden Tag. Er schlägt sie nicht, bedroht sie aber verbal so heftig, dass sie manchmal zu den Nachbarn flieht. Oder er schließt sie aus. Oder ihre Eltern müssen kommen, um die Situation zu entschärfen. Die Tochter einer Frau wurde im jungen erwachsenen Alter von einem Mann kurz vor der Haustür abgefangen, der ihr Geld für Sex angeboten hat. Gott sei Dank hat sie spontan sehr weise reagiert und konnte sich aus der Situation befreien. Sie hat sich erst Jahre später getraut ihrer Mutter davon zu erzählen, weil sie sich so geschämt hat.

Eine andere Frau erzählt zum ersten Mal, dass ihre Ehe eigentlich auch nicht gut läuft. Dass ihr Mann, wenn er trinkt, aggressiv wird, sie respektlos behandelt. Die Menschen, die um sie herum leben wissen das. Eine andere Frau war 3 Monate lang verheiratet. Wie so oft mit Vermittlung. Dann hat sie gemerkt, dass ihr Mann drogenabhängig ist. Und mit dabei sitzt eine Frau, die von ihrem Mann geschieden ist. Der Grund: Jahrelange häusliche Gewalt. Nur mit viel Unterstützung ihrer eigenen Brüder konnte diese Frau diesen Schritt tun. Sie wird von vielen dafür schräg angeschaut. Sie sagt gar nichts zu dem Thema.

Mir fehlen auch einfach die Worte. Was soll ich dazu sagen? Wie kann ich diese Frauen ermutigen, die oft ein schreckliches Leben haben? Und keine Möglichkeit haben da raus zu kommen. Wie muss sich das junge Mädchen fühlen, das ihren Vater zur Polizei begleitet?

Ich erzähle ihnen eine Geschichte, an die ich mich immer in solchen Momenten erinnere. Momente, in denen ich nach Hoffnung suche. Eine Familie in Peru. Der Vater ist alkoholabhängig. Eines Tages fängt er an an Jesus zu glauben und wird von einem auf den anderen Tag frei vom Alkohol. Und ist ein anderer Mensch. Respektvoll und freundlich. Das ist kein Märchen, sondern eine Geschichte, die wahr ist. Ich war dabei. Und genau dafür möchte ich beten. Dass diese Wunder auch in unserer Stadt passieren.

Ohne Gott gibt es keine Hoffnung in all den verkorksten Situationen. Aber mit Gott gibt es Hoffnung. „Wir müssen für Wunder in unserer Stadt und besonders für die Männer in unserer Stadt beten,“ sind wir uns daraufhin alle einig. Seid ihr dabei?