14 harte Fakten über den Winter in Albanien

von Danny Fröse am 7. Januar 2017

So wie in Deutschland, so ist es auch in Albanien zur Zeit richtig, richtig kalt. In den Nachrichten hieß es wohl, dieser Winter sei der Kälteste sei 35 Jahren. Ob das stimmt, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass es gerade richtig kalt ist und für uns ist es der bisher Kälteste hier.

Mir ist bewusst, dass es auch anderswo kalt ist, aber hiermit möchte ich dir kurz 14 Fakten zum Winter in Albanien aufschreiben. Es geht darum zu zeigen, was dies für uns und die Menschen hier bedeutet.

Ich will mich nicht beklagen oder irgendwie jammern. Natürlich weiß ich, dass der Winter in einem Flüchtlingslager voller Zelte noch mal heftiger ist. Mir geht es darum, ganz nüchtern  ein authentisches Bild unserer Situation zu liefern.

Eines steht fest: Wir freuen uns und machen das Beste draus.

1. Der Schulbeginn wird verschoben

Eigentlich sollte die Schule schon am 04.Januar beginnen. Aber weil landesweit die Grippe wütet, hat man den Beginn auf Montag, den 09. verschoben. Jetzt wo zur Grippe noch der eisige Winter gekommen ist, hat man den Beginn wieder in ganz Albanien verschoben. Nun soll es am 16.Januar weitergehen. Auch ich werde mit meinem Deutschkurs nicht vorher beginnen.

2. Die Krankenhäuser sind voll

Schon seit einigen Wochen wütet in unserer Stadt die Grippe. Jeden Tag treffen wir Leute, die die Grippe hatten, oder sie noch haben. Da es hier keine Hausärzte gibt, gehen die Menschen alle ins Spital. Dort bekommen sie dann eine Infusion mit Antiobotika. Dabei müssen sie die ganze Medizin selbst bezahlen. Zur Zeit sitzen bis zu fünf Menschen auf einem Bett, während sie ihre Infusion bekommen.

3. Es wird viel Holz gebraucht

Das klingt logisch, ist aber in der Praxis für viele Menschen ein existenzielles Problem, denn Holz muss man erstmal haben. Jede Familie muss für sich selbst Holz besorgen. Arme Familien haben hier ein Problem. Sie haben nicht das Geld und auch nicht die Lagermöglichkeit für das Holz. So wird das Holz auf dem Balkon, in der Wohnung oder im Hausflur gelagert. Heute hieß es sehr richtig in den Nachrichten: "Der Winter ist der schlimmste Feind der Armen."

4. Es wird auch innen kalt

Auch in der Wohnung wird es so kalt, dass man seinen Atem sehen kann (in den Räumen, in denen nicht geheizt wird). Das sind bei uns, Bad, Schlafzimmer und Wohnzimmer. Dort herrschen dann Temperaturen zwischen 6–8 Grad. Bei 7 Grad lässt sich nicht so gut schlafen. So schleppen wir am Abend unsere Matratzen in den Raum, den wir geheizt haben, die Küche oder das Wohnzimmer.

5. Die Tiere frieren auch

Unsere Kuh und die Hühner haben es bei den eisigen Temperaturen nicht leicht. Die Hühner sitzen den ganzen Tag nur noch im Stall. Der Stall ist nicht isoliert. Es ist nur ein Bretterverschlag, durch dessen Ritzen der eisige Wind weht, wie er will.

6. Die Wasserleitungen frieren ein

So war es bei uns heute morgen, als nur noch heißes Wasser aus dem Boiler floß. Die Kaltwasserleitung war eingefroren. Wenn dies so bleibt, dann heißt es in Kanister Wasser beim Wasserwerk zu holen. Geduscht wird dann, indem man warmes Wasser per Kanne über sich gießt.

7. Die Straßen sind vereist

Die Räumfahrzeuge fahren den Schnee zwar weg, aber sie benutzen kein Salz. So bleibt die Straße am Ende voller Eis, selbst die Hauptzufahrtsstraßen. Mit einem Allrad-Geländewagen, wie wir ihn haben, kann man dennoch gut auf den Straßen fahren. Die meisten fahren hier jedoch ohne Winterreifen, sondern mit schlechten Sommerreifen. Auf beiden Straßen aus Krume raus herrscht Schneekettenpflicht.

8. Schneesturzgefahr von oben

Viele Gebäude haben nur Blechdächer. Hier rutscht der Schnee hin und wieder in einem Sturz runter. Als ich zuletzt mit Livia auf dem Basar war, um Handschuhe zu kaufen, da stand sie unter solch einem Blechdach. Eine Lawine von Schnee viel genau auf ihren Kopf. Glücklicherweise war es nicht allzuviel.

9. Ausrutschgefahr

Die Pflicht, den Schnee vor der eigenen Haustür zu räumen, gibt es nicht. So räumt kaum einer ernsthaft die Gehwege frei. Auch vor Geschäften und Cafes kann es oftmals zu gefährlichen Rutschpartien kommen. Für den Schaden, der nach Stürzen entsteht, muss jeder selbst aufkommen. Da gibt es keine Versicherung, die hier eingreift.

Da die Menschen in der Hafenstadt Dürres kein Schnee und Eis gewöhnt sind, sind allein heute 60 Personen ins Krankenhaus gekommen, die sich verletzt haben auf spiegelglatter Straße. (Über alles werden wir sehr gut von den albanischen Nachrichten informiert.)

10. Die Dörfer sind abgeschnitten

Da die Straßen in die Dörfer nur spät oder gar nicht geräumt werden, können die Menschen aus den Dörfern auch nicht mehr nach Krumë kommen. Der rege Verkehr zwischen den Dörfern und Krumë kommt zum Erliegen. Die Menschen sitzen jetzt fest und können sich nichts besorgen.

11. Man hilft sich wo man kann

Als der Geländewagen von unseren Nachbarn vorgestern nicht mehr startete, da eilte ich mit meinem Wagen zur Hilfe. Die Überbrückung brachte nichts, aber als sie meine Batterie ausbauten und bei ihm ein bauten, da startete der Wagen wieder. Heute blieb ich mit meinem Wagen in einem Kanal stecken, und auch hier fand ich Leute, die bereit waren mir zu helfen.

12. Mit Stromausfall ist zu rechnen

Immer wieder fällt der Strom aus. Wenn der Strom weg geht, dann kann er nach 20 Sekunden wieder kommen, oder es kann auch mal 2 Stunden dauern. Das ist vor allem am Abend heftig, weil man dann im Dunkeln bei Kerzenschein sitzt. So wie am Sylvesterabend von 20 bis 22 Uhr.

13. Keiner geht mehr raus

Bei eisigen Temperaturen, begleitet von heftigen Sturmböen, wagt sich kaum ein Mensch noch auf die Straße. Hin und wieder trifft man Männer, die gelangweilt sind davon, den ganzen Tag drin zu sitzen. Sie vertreiben sich die Zeit, indem sie in Cafes gehen. Kleine Kinder kommen in der Regel gar nicht raus.

14. Das Leben bleibt stehen

Weil jeder nur noch zu Hause bleibt, kommt das öffentliche Leben zum erliegen. Die Straßen sind leer, die Cafes auch. In den Geschäften ist kaum noch etwas los. Friseure, Näherereien und andere kleinere Geschäfte haben nicht mehr geöffnet.

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Und in all dem möchten wir mit den Menschen leben und ihnen die Hoffnung des Evangeliums bringen. Das ist unter diesen besonderen Bedingungen noch mal eine besondere Herausforderung. Aber wir beten, dass Gott uns hilft.

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