10 nachvollziehbare Gründe für Albaner in Deutschland Asyl zu beantragen

von Danny Fröse am 26. Juli 2015

Jeder spricht darüber. Ob hier in unserer Stadt oder in den deutschen Medien. Es gibt nur ein Thema: Die Flüchtlingskrise.

Deutschland hat die meisten Asylbewerber seit 1992 zu verzeichnen. Jeden Tag kommen Tausende von Menschen nach Deutschland, um dort Zuflucht zu suchen. Ein Großteil dieser Flüchtlinge stammt aus den Balkanländern, vor allem aus dem Kosovo und Albanien.

Die Menschen aus Albanien strömen nur so nach Deutschland. Natürlich gehören dazu auch viele aus Has, der ärmsten Region, in der wir leben. Erst am Freitag teilte Ahmet mir mit, dass in den letzten zwei Tagen 200 Menschen aus Has nach Deutschland gegangen seien.

Doch was treibt diese Leute an? Wie kommen sie dazu ihr Leben hier aufzugeben um in Deutschland Asyl zu beantragen?

Gründe dafür gibt es natürlich reichlich. Damit du ein wenig besser verstehen kannst, was die Leute bewegt, habe ich mal ein paar Punkte zusammengefasst.

Die ersten drei Erklärungen haben mit der Situation in Deutschland zu tun. Um den Flüchtlingsstrom in den Griff zu bekommen, müssen diese Punkte schnellstens geändert werden.

1. Die lange Bearbeitungszeit der Anträge.

Hierin liegt wahrscheinlich die Haupterklärung, wie es möglich ist, dass Menschen aus Albanien monate- bis jahrelang in Deutschland leben können, obwohl ihnen die Hilfsleistungen gar nicht zustehen. Die sehr lange Bearbeitungsdauer der Anträge, mit anschließender Verzögerung der Abschiebung ermuntert immer mehr Leute, sich auf den Weg zu machen. Schließlich ist noch keiner von den Menschen zurückgekehrt, die sich bis jetzt auf den Weg gemacht haben, sagen die Leute mir immer. Würden die Menschen nach Prüfung ihrer Herkunft umgehend zurückgeschickt, wäre der Strom längst abgeebbt.

2. Die großzügige Versorgung der Flüchtlinge.

Die Sozialleistungen für die Flüchtlinge, denen die Leistungen zustehen, sind in meinen Augen angemessen. Nun ist es aber so, dass auch Menschen, die hier in Albanien Arbeit hatten und eine schöne Wohnung zurückgelassen haben, in Deutschland eine Wohnung, Essen und sogar ein Taschengeld bekommen. Diejenigen mit denen ich hier rede, machen mir immer wieder deutlich, wie schön solch ein Leben ist, bei dem man all diese Dinge bekommt, ohne zu arbeiten. Von manchen habe ich sogar gehört, dass sie das Geld, dass sie in Deutschland bekommen nach Albanien schicken, um es hier auf dem Konto zu parken.

3. Die positiven Meldungen derer, die schon in Deutschland sind.

Scheinbar geht es den albanischen Flüchtlingen ganz gut in Deutschland. Obwohl ich erst heute in den Nachrichten gehört habe, dass in Dresden eine Zeltstadt für Flüchtlinge aus Syrien errichtet wurde. Wenn Albaner in Zelten leben müssten, würden sie wahrscheinlich niemandem erzählen, wie schön das Leben in Deutschland ist. Die Nachrichten die aus Deutschland kommen haben immer den gleichen Inhalt. Man bekommt ein Haus, zu Essen, 300 Euro und die Kinder gehen sogar in die Schule.

4. Die Hoffnung auf ein besseres Leben.

Flüchtlinge aus Albanien sind nicht verfolgt und müssen sich vor nichts fürchten. Es ist die wirtschaftliche Not, vor der sie fliehen. Diese ist zwar kein Grund um in Deutschland Asyl gewährt zu bekommen, aber davon wissen die wenigsten. Die Menschen sind einfach gefrustet über die Lebensbedingungen. Der Existenzkampf, den die Menschen hier kämpfen müssen, hat viele einfach müde gemacht. Die allermeisten Menschen hoffen auf ein besseres Leben in Deutschland.

5. Die hohe Arbeitslosigkeit.

Darunter leiden besonders in unserer Region ganz viele Familien. Die Hilfsleistungen vom Staat sind so gering, dass man davon noch nicht einmal die Stromrechnung bezahlen kann. Es gibt einfach viel zu wenig Arbeit, für all die arbeitsfähigen Männer. Daran wird sich auch in naher Zukunft nichts ändern. Das schlimmste ist, dass selbst die jungen Menschen mit viel Potenzial keine Chance auf Arbeit haben.

6. Die hohen Lebenshaltungskosten.

Hierunter leiden selbst die, die Arbeit haben. Denn der durchschnittliche Monatslohn beträgt 200–250 Euro. Dies klingt zuerst mal nicht wenig, wenn man jedoch bedenkt, dass die Steuer für ein älteres Auto allein 250 Euro kostet, oder der Liter Benzin nicht viel weniger als in Deutschland, dann merkt man, dass die Leute einfach viel weniger Geld zu Leben haben. Das zerrt natürlich an den Nerven.

7. Das korrupte Staatswesen.

Auch wenn ich nicht weiß, wie korrupt es zugeht in der Verwaltung, so habe ich erst letzte Woche von zwei Fällen erfahren, in denen Bekannte unter Korruption gelitten haben. Jeder in Albanien schmiert die TÜV-Beamten, um durch den TÜV zu kommen. Shaban unserer Vermieter zahlte ganze 35 Euro, und doch ließ man ihn durchfallen. Eine andere Freundin legte letzte Woche zum wiederholten Male eine Mathe-Prüfung ab. Sie fiel mal wieder durch, weil sie dem Professor kein Geld zugesteckt hatte. Diese Ungerechtigkeit, an der sich die aller meisten Albaner beteiligen, macht die meisten aber ebenso müde.

8. Die schlechten Perspektiven für Kinder.

Leider ist die Schulbildung hier ganz schlecht. Die allermeisten Schüler können selbst nach dem Abitur kein vernünftiges Englisch. Auch wenn ein Kind begabt ist und gute Noten nach Hause bringt, heißt das noch nichts. Selbst ein guter Abschluss an der Universität heißt nicht, dass man danach eine gute Jobchance hat. Ob man eine Arbeit bekommt, hängt hier in Albanien, nur ganz gering von dem Abschluss ab. Viel wichtiger sind Beziehungen und Parteizugehörigkeit um eine Arbeit zu bekommen.

9. Die schlechte Gesundheitsversorgung.

Du kannst dir nicht vorstellen, was es bedeutet in Albanien auf die Hilfe von Ärzten und Pflegepersonal angewiesen zu sein. Auch die Menschen in Albanien sind sich bewusst, wie schlecht das Gesundheitswesen ist. Die Zustände in den Krankenhäusern sind teilweise unbeschreiblich. Wenn die Menschen eine Operation brauchen, müssen sie erstmal richtig Geld auf den Tisch legen, bevor man Ihnen hilft. Wer will es den Menschen verdenken, wenn sie genug haben von dieser Situation und nach Deutschland fliehen.

10. Die Situation, die sich nicht ändert.

Leider gibt es für die Menschen keinen Grund zu hoffen, dass sich ihre Situation ändert. Besonders unsere strukturschwache Has-Region ist hoffnungslos. Wirtschaftlich, wie politisch ändert sich kaum etwas. Zwar wechseln die Regierungsparteien alle paar Jahre, aber sonst ändert sich nichts. Zwar werden hier und da Straßen gebaut und Schulen renoviert, aber die Perspektiven der Menschen ändern sich nicht.

Abschließend halten wir fest, dass keiner dieser 10 Punkte Grund genug ist, um einen Asylantrag in Deutschland gestattet zu bekommen. Jedoch kann ich jeden einzelnen dieser Punkte nachvollziehen.

Ich habe vollstes Verständnis für diejenigen, die in meinem Heimatland Zuflucht suchen. Und ich trauere jetzt schon mit all denen, die bald zurückkommen werden, weil Deutschland sie wieder zurückschickt.

Möge Jesus uns dann gebrauchen um diese Menschen aufzufangen.

 

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